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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Duamutef: vom Schutzspruch zur Scheinkanope

Duamutef tritt in Totenbuchspruch 151 als eigene Schutzstimme auf. Drei unterschiedlich datierte Kanopenobjekte zeigen einen frühen Schakaldeckel, eine spätere massive Scheinkanope und einen noch späteren Krug aus einem Vierersatz.

4–5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Eine Schutzrede, keine Organliste

In der Duamutef zugeschriebenen Einheit von Totenbuchspruch 151 geht es um Osiris und einen gegen ihn gerichteten Angreifer. Die Stimme verspricht, den Geschädigten vor diesem Gegner zu retten und ihn unter seine Füße zu bringen. Allen druckt diese Worte innerhalb einer größeren Folge von Bestattungsschutzreden. Der Magen erscheint in diesem gelesenen Abschnitt nicht.

Die Edition verbindet mehrere Textzeugen. Sie belegt Duamutefs Schutzfunktion in einer bestimmten Spruchfassung, aber weder den Inhalt eines bestimmten Krugs noch dessen Aussehen. Allens Vignettenbeschreibung nennt einen Schakalkopf; das ist ein eigener Bildzeuge innerhalb der Textüberlieferung.

Ein früher Schakaldeckel ist noch keine ewige Regel

Das Met datiert den Kanopenkrug des Tetinakht auf etwa 1550 bis 1525 v. Chr. und zählt die drei erhaltenen Tierkopfkrüge dieses Satzes zu den frühesten datierbaren Beispielen. Der Duamutef-Krug trägt einen schakalartigen Deckel. Ein vierter Krug aus dem Satz ist nicht erhalten oder nicht bekannt; man darf ihn weder zeigen noch aus den drei übrigen rekonstruieren.

Der Katalog weist darauf hin, dass tierköpfige Deckel erst später im Neuen Reich verbreitet wurden. Gerade deshalb ist Tetinakhts Objekt ein früher datierter Anhaltspunkt, nicht die Behauptung, alle Kanopen früherer Jahrhunderte hätten bereits dieselbe Form besessen.

Wenn der Krug gar keinen Innenraum hat

Ein weiteres Met-Objekt aus etwa 721 bis 664 v. Chr. ist ein massiver Kalksteinkrug mit Duamutef-Kopf. Der Katalog nennt ihn ausdrücklich Scheinkanopenkrug: Er besitzt keinen Hohlraum für ein Organ. Das Objekt stammt aus Ankhshepenwepets Bestattungskontext und veranschaulicht, dass die schützende Form auch weiterbestehen konnte, wenn die Eingeweide anders behandelt wurden.

Dieser Befund betrifft einen konkreten Krug und die vom Katalog erklärte Praxis seiner Zeit. Er hebt nicht rückwirkend die Funktion anderer Kanopen auf und beweist keine überall lineare Entwicklung. Ein öffentlich nachhostbares Bild dieses Scheinkrugs ist hier nicht belegt; daher bleibt er ein textlich beschriebener Vergleich.

Duamutef im späteren Vierersatz

Kanopenkrug mit schakalähnlichem Deckel, langen Ohren und grünlichen Farbresten am Kopf.
Schakalköpfiger Kanopenkrug des Duamutef, The Met 12.183.1d, Spätzeit, 664–525 v. Chr.; Public Domain / CC0. Der Met-Katalog nennt den Magen als wahrscheinlichen einstigen Inhalt; sichtbar sind Gefäß und Deckel, nicht das Organ. Bildnachweis Bildlizenz

Der spätzeitliche Krug und seine begrenzte Aussage

Met 12.183.1d gehört zu einem anderen Satz aus der Zeit von 664 bis 525 v. Chr. Auf dem Foto sind die langen Ohren, die schakalähnliche Schnauze, grünliche Farbreste und der vollständige Krug sichtbar. Das Met verbindet ihn mit Duamutef und nennt den Magen als wahrscheinlichen einstigen Inhalt.

Das ist eine kuratorische Zuordnung zu diesem Gefäß. Der Deckel lässt nicht erkennen, ob und was sich früher im Innern befand. Auch ersetzt das spätere Objekt nicht die älteren Textzeugen von Spruch 151.

Welche Chronologie steckt in der Form?

Setze Tetinakhts frühen Tierkopf, den massiven Scheinkrug und den späteren Krug in ihre Datierungen. Welcher Gegenstand besitzt laut Katalog keinen Innenraum, und bei welchem bleibt der frühere Inhalt nur eine kuratorische Vermutung?

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Schutz des Osiris
Spruch 151, Einheit m, Gegnerabwehr statt Organliste.

Früher Schakaldeckel
Met 12.181.253a, früher datierbarer Tierkopf; vierter Krug des Satzes fehlt.

Massive Scheinkanope
Met 25.3.205d ohne Innenraum; kein nachhostbares Bild belegt.

Später Schakaldeckel
Met 12.183.1d; Magen laut Katalog wahrscheinlich.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Totenbuch, Spruch 151: Schutz der Bestattung

Bestattungsschutz mit verschiedenen Sprecherrollen und Anweisungen. Die vier Horussöhne treten in Allens Einheiten k–n einzeln als Schutzsprecher auf; die Passage ist keine Organtabelle.

Mehrere Textzeugen; Spruchnummer und Reihenfolge in der modernen Edition.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Allens Textzeuge Pc für Teile von Spruch 151

Allens Grundlage unter anderem für die Einheiten i–n, mit einzelnen Ergänzungen aus anderen Zeugen. Die Sigle wird nicht zu einer erfundenen Papyrusidentität erweitert.

18. Dynastie laut Allens Fußnote 250; genauer Träger hier nicht selbst untersucht.

Sprache: Altägyptisch, über Allens englische Edition erschlossen

Erhaltener Textzeuge

Allens Vignettenzeuge Af für Spruch 151

Allen beschreibt eine Darstellung der Grabkammer mit Texten und Vignetten. Die vier Köpfe benennt er Falken, Affen, Schakal und Mensch für Qebehsenuef, Hapi, Duamutef und Imset.

20./21. Dynastie laut Allens Fußnote 250; Objekt hier nicht selbst untersucht.

Sprache: Altägyptisch und Vignetten, nur über Allens Beschreibung erschlossen

Benutzte Ausgabe

Thomas George Allen, Book of the Dead, SAOC 37, Spruch 151

Gelesen wurden Fußnote 250, Vignettenbeschreibung und die Sprecherabschnitte k–n. Die Edition kombiniert Zeugen und ist kein unmittelbarer Wortlaut einer einzelnen Papyrusrolle.

Chicago 1974; gedruckte S. 147–150 gelesen am 30. September 2026.

Sprache: Englische Übersetzung und Kommentar altägyptischer Textzeugen

Welche Zeit ist gemeint?

  • Tetinakhts Duamutef-Krug wird auf etwa 1550–1525 v. Chr. datiert und gehört zu den frühesten datierbaren Tierkopf-Kanopen des Met-Katalogs.
  • Die massive Scheinkanope Met 25.3.205d wird auf etwa 721–664 v. Chr. datiert.
  • Der schakalartige Krug des späteren Vierersatzes Met 12.183.1d wird auf 664–525 v. Chr. datiert.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Duamutef in Allens Spruch-151-Edition und an drei verschiedenen Met-Bestattungsobjekten, ohne allgemeine Organ- oder Tierkopfregel für alle Epochen
Verwendeter Ausschnitt
Allen 1974, Totenbuchspruch 151, gedruckte S. 147–150; gesonderte, datierte Met-Objektkataloge.
  1. Allen 1974: Totenbuchspruch 151 und vier Schutzsprecher

    Thomas George Allen · Chicago 1974

    Thomas George Allen, The Book of the Dead or Going Forth by Day, SAOC 37 (Chicago 1974), Spruch 151, gedruckte S. 147–150. Fußnote 250 nennt die verschiedenen Textzeugen; Einheiten k–n lassen Qebehsenuef, Hapi, Duamutef und Imset jeweils als Schutzsprecher auftreten. Die Vignette in Af zeigt die vier mit Falken-, Affen-, Schakal- und Menschenkopf.

    Moderne englische Edition aus mehreren Textzeugen, nicht der Wortlaut einer einzigen Papyrusrolle und keine eigene Hieroglyphenlesung. Der Text spricht von Schutz, Gliedern, Feinden und Bestand, nicht von einer vierteiligen Organ-Tabelle. Publikation CC BY-NC-ND 4.0: nur eng paraphrasieren und zur offiziellen Ausgabe verlinken. Abgerufen am 2026-09-30.

  2. Duamutef-Kanopenkrug desselben Satzes

    The Metropolitan Museum of Art · 664–525 BCE

    Met 12.183.1d: Schakal-Deckel, Magen als wahrscheinlicher Inhalt; zu 12.183.1a–c gehörig, 664–525 v. Chr.

    Das Objekt veranschaulicht eine späte Form; aus dem Deckel allein folgt kein Nachweis des einstigen Inhalts. Abgerufen am 2026-09-30.

  3. Früher tierköpfiger Kanopenkrug Tetinakhts für Duamutef

    The Metropolitan Museum of Art · ca. 1550–1525 BCE

    Met 12.181.253a: frühe 18. Dynastie, Schakal-Deckel; Katalog bezeichnet die drei erhaltenen Gefäße als früheste datierbare tierköpfige Beispiele und nennt ein fehlendes viertes.

    Die Form wurde laut Katalog erst später im Neuen Reich verbreitet; fehlenden vierten Krug nicht als vorhandenes Objekt darstellen. Abgerufen am 2026-09-30.

  4. Massiver Scheinkanopenkrug mit Duamutef-Kopf

    The Metropolitan Museum of Art · ca. 721–664 BCE

    Met 25.3.205d: 25. Dynastie, Ankhshepenwepets Grab; massiver Kalkstein-Scheinkanopenkrug ohne Gefäßraum.

    Das Bild ist nicht als Public Domain zur Übernahme markiert. Kuratorische Erklärung zu Organspeicherung nicht pauschal auf alle Epochen übertragen. Abgerufen am 2026-09-30.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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