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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Auðhumla: Wer nährt wen am Anfang?

Auðhumla nährt Ymir mit vier Milchflüssen und lebt selbst von salzigen Reifsteinen. Zwei Fassungen zeigen, was beim Lecken mit Búri geschieht.

6–7 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Die Kuh in einer Frage nach Nahrung

Gangleri fragt in Gylfaginning, wovon Ymir vor der geformten Erde lebte. Die Antwort lenkt den Blick auf eine Kuh: Auðhumla entsteht, als Reif tropft. Vier Milchflüsse kommen aus ihrem Euter und nähren Ymir.

Damit ist Auðhumla mehr als eine Randfigur in Ymirs Stammbaum. An ihr lässt sich eine einfache, aber genaue Frage verfolgen: Wer ernährt wen in dieser Erzählung, und welche Handlung steht tatsächlich im Text?

Ein heutiges Bild, eine begrenzte Textszene

Eine helle Kuh leckt links einen vereisten Stein. Von ihrem Euter führen vier helle Ströme durch eine frostige Landschaft; fern rechts steht eine kleine menschliche Silhouette.
Heutige KI-Illustration mit OpenAI ImageGen zu Gylfaginning VI: Auðhumla leckt salzige Reifsteine und nährt Ymir mit vier Milchflüssen. Gestalt, Hornform, Eislandschaft, Richtung der Ströme und Entfernung zu Ymir sind freie Bildentscheidungen. Búris späteres Erscheinen wird hier nicht dargestellt. Keine historische Abbildung oder vollständige Karte der Urwelt.

Woher kommt Auðhumla?

In Faulkes’ Gylfaginning folgt die Kuh auf das Tropfen des Reifs. Zuvor beschreibt die Prosa, wie Kälte und Wärme im Ginnungagap aufeinandertreffen. Die Uppsala-Fassung fasst den Übergang knapp zusammen: Als der Reif tropft, wird die Kuh daraus.

Der Text nennt keine Eltern der Kuh, keine Geburt aus einem Ei und keine Göttin, die sich in sie verwandelt. Ihre Entstehung gehört in diese erzählte Anfangsszene. Das ist keine überprüfbare Naturgeschichte und keine Datierung der Erde.

Vier Milchflüsse und ein lebendes Gegenüber

Beide gelesenen altnordischen Prosafassungen nennen vier Milchflüsse aus Auðhumlas Euter. Sie ernähren Ymir. Das ist die Richtung der ersten Beziehung: Auðhumla gibt Nahrung; Ymir empfängt sie.

Weder Anzahl und Lage möglicher Ufer noch ein genauer Lauf durch mehrere Welten werden beschrieben. Das Bild zeigt Ströme auf Eis und Ymir in der Ferne, damit diese Beziehung sichtbar wird. Es ist eine heutige Szene, keine überlieferte Karte.

Wovon lebt die Kuh selbst?

Gangleri fragt weiter, wovon Auðhumla lebt. Die Antwort lautet: Sie leckt salzige Reifsteine. Das ist keine zweite Milchquelle. Die Prosa stellt die Ernährung der Kuh neben die Ernährung Ymirs und beantwortet beide Fragen nacheinander.

Warum die Steine salzig sind oder wie lange diese Nahrung reicht, erzählt die gelesene Stelle nicht. Auch ein späteres Schicksal Auðhumlas wird in diesen Ausschnitten nicht genannt.

Drei Tage am Stein

Beim Lecken geschieht mehr: Am ersten Tag wird an dem Stein menschliches Haar sichtbar, am zweiten ein Kopf, am dritten ein ganzer Mann. Er heißt Búri. Beide gelesenen Prosafassungen geben diese Abfolge; sie erzählen nicht, dass die Kuh ihn geboren hätte.

Búri wird danach als Vater Borrs genannt. So berührt Auðhumlas Handlung die spätere Verwandtschaft der Götter, ohne selbst in eine erfundene Elternreihe aufgenommen zu werden. Búris und Borrs gemeinsames Dossier verfolgt die Generationen genauer; hier bleibt die Aufmerksamkeit auf Auðhumlas Tätigkeit.

Auðhumla oder Auðumla?

Faulkes’ kritischer Text druckt Auðhumla. Die Ausgabe der Uppsala Edda schreibt Auðumla; so lautet der Name dort auch im Register. Brodeurs englische Übersetzung verwendet Audumla ohne das altnordische Zeichen ð.

Wir führen diese Formen zu einer Figur, weil die Texte dieselbe klar erkennbare Szene erzählen: eine Kuh aus Reif, vier Milchflüsse für Ymir und das Lecken am Stein. Die Schreibung allein beweist keine drei Kühe. Umgekehrt machen zwei Prosafassungen aus der Szene noch keine unabhängig mehrfach bezeugte vorchristliche Geschichte.

Welche Aussage steht wo?

Die Tabelle trennt die gemeinsame Szene von der Form, in der wir sie lesen. Für die Figurenrolle entscheidend ist die Prosastelle, nicht eine nachträgliche Gleichsetzung mit Kühen anderer Kulturen.

BelegWortlaut und RolleGrenze
Faulkes, Gylfaginning VIAuðhumla entsteht aus tropfendem Reif, nährt Ymir mit vier Milchflüssen und leckt salzige Reifsteine.Keine eigene Biografie außerhalb der gelesenen Szene.
Uppsala Edda, Kapitel 9Auðumla; dieselben beiden Ernährungsrichtungen und Búri über drei Tage.Andere Fassung derselben Prosaüberlieferung, nicht ein zweiter Mythos.
Brodeur, Gylfaginning VIAudumla als englische Namenswiedergabe der Prosastelle.Eine Übersetzung, kein neuer altnordischer Textzeuge.

Welche Beschriftung hält sich an den Text?

Ein Museumsschild soll Auðhumlas Rolle erklären. Welche Formulierung trennt Textaussage und moderne Vermutung?

Auðhumla entsteht in Snorris Erzählung aus tropfendem Reif. Vier Milchflüsse nähren Ymir; sie selbst leckt salzige Reifsteine, wobei Búri über drei Tage sichtbar wird.

Diese Formulierung trägt der Beleg.

Die Formulierung bleibt bei den benannten Prosastellen und verwechselt Ernährung, Lecken und Geburt nicht.

Auðhumla gebiert Ymir und Búri und ist deshalb die Mutter aller Riesen und Götter.

Hier geht die Formulierung zu weit oder verfehlt den Beleg.

Der Text nennt weder eine Geburt Ymirs durch die Kuh noch Búris Geburt aus ihr.

Drei verschiedene Urkühe heißen Auðhumla, Auðumla und Audumla.

Hier geht die Formulierung zu weit oder verfehlt den Beleg.

Die Namen stehen in verschiedenen Editionen und einer Übersetzung derselben erkennbaren Prosaszene.

Eine kleine Rolle mit zwei Richtungen

Auðhumlas erzählte Rolle ist knapp, aber nicht austauschbar: Sie nährt Ymir und gewinnt selbst Nahrung aus salzigen Steinen. Bei dieser zweiten Handlung wird Búri sichtbar. Das sind zwei Beziehungen und eine Folge, keine ausformulierte Lebensgeschichte.

Im Ymir-Exponat geht es weiter zur Umformung seines Körpers in eine Welt. Wer Búris Verwandtschaft verfolgt, kann das gemeinsame Dossier zu Búri und Borr öffnen. Für Auðhumla endet die gelesene Überlieferung hier; ein Schicksal nach der Weltentstehung bleibt offen.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Faulkes: Gylfaginning VI
Altnordische Prosastelle mit Brodeur als historischer Übersetzungshilfe.

Uppsala Edda: Kapitel 9
DG 11 4to in Edition und Übersetzung von 2012; Name Auðumla.

Belegte Beziehungen

  • Vier Milchflüsse aus Auðhumlas Euter ernähren Ymir. Ymir / AurgelmirBelege [1] [2] : Gylfaginning VI, S. 11; Uppsala Edda Kap. 9, S. 16–17

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Snorris Edda

Faulkes: Gylfaginning V–VI, S. 10–11; Uppsala Edda: Kapitel 8–9, S. 16–18; Brodeur: Gylfaginning VI. Der Vergleich verfolgt nur Entstehung, beide Ernährungsrichtungen und Búris Sichtbarwerden. Zwei Prosafassungen und eine Übersetzung sind keine drei unabhängigen Mythen.

Werk- und Stoffgeschichte nicht mit Datum der benutzten Übersetzung gleichgesetzt.

Sprache: Altnordisch

Benutzte Ausgabe

Gylfaginning VI: Auðhumla im kritischen altnordischen Text

Anthony Faulkes, Edda I, Gylfaginning VI, gedruckte S. 11, altnordischer Text samt Frage-Antwort-Rahmen, Name Auðhumla, vier Milchflüsse, salzige Reifsteine und Búris Erscheinen über drei Tage. Original-PDF-Seite 11 tatsächlich betrachtet.

2005, Nachdruck 2011: Gylfaginning VI, gedruckte S. 11.

Sprache: Altnordisch

Benutzte Ausgabe

Uppsala Edda, DG 11 4to, Kapitel 9: Auðumla

Heimir Pálsson und Anthony Faulkes, Uppsala Edda, DG 11 4to, Kapitel 9, gedruckte S. 16–18 mit altnordischem Text und englischer Übersetzung. Drei Original-PDF-Seiten tatsächlich betrachtet; Auðumla in Text, Übersetzung und Register.

2012: DG 11 4to, Kapitel 9, gedruckte S. 16–18.

Sprache: Altnordisch und Englisch

Benutzte Ausgabe

Gylfaginning VI: historische englische Übersetzung

Arthur Gilchrist Brodeur, historische englische Gylfaginning-Übersetzung 1916, Kapitel V–VII an den relevanten Absätzen gelesen; Audumla in VI.

1916: historische Übersetzung von Gylfaginning VI.

Sprache: Englisch

Welche Zeit ist gemeint?

  • Erzählter Anfang vor der geformten Erde; kein geologisches Datum.
  • 1916: verwendete Brodeur-Übersetzung.
  • 2005, Nachdruck 2011: benutzte kritische Faulkes-Ausgabe.
  • 2012: benutzte Uppsala-Edda-Ausgabe.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Altnordische Edda-Prosa; zwei Editionsfassungen und historische Übersetzung
Verwendeter Ausschnitt
Faulkes, Gylfaginning V–VI, gedruckte S. 10–11; Pálsson/Faulkes, Uppsala Edda Kap. 8–9, S. 16–18; Brodeur Gylfaginning VI. Keine Vollerfassung oder eigene Handschriftenkollation.
  1. Gylfaginning VI: Auðhumla im kritischen altnordischen Text

    Anthony Faulkes, Viking Society for Northern Research

    Anthony Faulkes, Edda I, Gylfaginning VI, gedruckte S. 11, altnordischer Text samt Frage-Antwort-Rahmen, Name Auðhumla, vier Milchflüsse, salzige Reifsteine und Búris Erscheinen über drei Tage. Original-PDF-Seite 11 tatsächlich betrachtet.

    Kritische Edition einer Prosastelle; nicht als eigenständige vorchristliche Erzählung oder vollständiges altisländisches Kuhkorpus ausgegeben. Abgerufen am 2026-09-28.

  2. Uppsala Edda, DG 11 4to, Kapitel 9: Auðumla

    Heimir Pálsson (Edition), Anthony Faulkes (Übersetzung), Viking Society 2012

    Heimir Pálsson und Anthony Faulkes, Uppsala Edda, DG 11 4to, Kapitel 9, gedruckte S. 16–18 mit altnordischem Text und englischer Übersetzung. Drei Original-PDF-Seiten tatsächlich betrachtet; Auðumla in Text, Übersetzung und Register.

    Eine weitere Fassung der Edda-Prosa, keine unabhängige zweite Ursprungsmythe. Editorische Namensform nach dieser Edition; keine eigene Handschriftenkollation. Abgerufen am 2026-09-28.

  3. Gylfaginning VI: historische englische Übersetzung

    Arthur Gilchrist Brodeur, Übersetzung 1916

    Arthur Gilchrist Brodeur, historische englische Gylfaginning-Übersetzung 1916, Kapitel V–VII an den relevanten Absätzen gelesen; Audumla in VI.

    Historische Übersetzung als Verständnishilfe zum Prosakontext; Audumla ohne diakritische Zeichen nicht als dritte mittelalterliche Figur deuten. Abgerufen am 2026-09-28.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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