Zum Museumsinhalt
MythaneumDas Museum der Mythologien

Exponat

Yimas Vara: Wen bewahrt ein geschützter Raum?

Ein vernichtender Winter droht. Yima soll Leben in einem abgegrenzten Raum bewahren – doch die Auswahl dieses Textes hat eine harte Grenze.

7–9 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Die Warnung gilt einer Welt, die zuvor gewachsen ist

Yima hat im ersten Teil des Fargard die bewohnte Welt mehrmals erweitert. Dann versammelt Ahura Mazdā die verehrten Mächte und Yima die Menschen. Die neue Botschaft kündigt einen schweren Winter mit tiefem Schnee an. Tiere suchen Schutz, und nach dem Schmelzen soll die vertraute Landschaft nicht mehr dieselbe sein.

Yimas Auftrag verändert sich dadurch: Statt immer mehr Platz zu schaffen, muss er einen begrenzten Lebensraum sichern. Die Warnung kommt in einem Dialog; der geschützte Ort ist eine Antwort auf die bevorstehende Bedrohung, kein von Anfang an von der übrigen Welt abgetrenntes Paradies.

Eine Grenze bewahrt mehr als Menschen

Ahura Mazdā fordert Yima auf, einen Vara von bestimmter Ausdehnung zu bauen. Hinein sollen Vertreter von Menschen, Tieren und Pflanzen sowie Feuer. Der Text nennt auch Nahrung und einen Wasserlauf. Überleben bedeutet hier, verschiedene Bestandteile einer bewohnten Welt zusammenzubringen.

Das Wort Samen im Übersetzungszugang weist auf die Fortsetzung des Lebens. Die Auswahl von je zwei Vertretern und der begrenzte Raum geben Anlass zu Vergleichen mit Archeerzählungen. Sie machen den Vara aber nicht zu einem Schiff: Die benannte Gefahr ist zunächst ein Winter, und die gebaute Grenze bleibt eine andere Form des Schutzes.

Heutige Bildinterpretation der benannten Erzählung

Eine Lehmgrenze umschließt Menschen, Rinder, Schafe, Pflanzen und einen Wasserlauf; außerhalb liegt eine verschneite Landschaft.
KI-generierte heutige Interpretation von Yimas Vara nach Vendidad 2.20–43 in Darmesteters englischem Zugang. Grenze, Architektur, Pflanzen und Menschen sind frei gestaltet; keine archäologische Rekonstruktion. Die historischen Ausschlüsse des Textes werden im Exponat kritisch besprochen.

Schutz enthält einen Ausschluss

Für die Bewohner setzt der Text Schönheit und körperliche Unversehrtheit voraus. Er schließt unter anderem Menschen mit bestimmten Beeinträchtigungen und Erkrankungen aus und stellt sie in eine Reihe mit moralisch abgewerteten Merkmalen. Diese Verbindung ist ein Urteil der historischen Quelle.

Das Museum übernimmt diese Wertung nicht. Gerade hier ist die Frage nach Schutz unbequem: Der versprochene sichere Raum gilt nicht allen. Wer nur die idyllische Innenseite erzählt, würde eine entscheidende Grenze dieser Fassung unsichtbar machen.

Bau, Licht und Zeit bleiben erzählte Besonderheiten

Yima soll die Erde mit seinen Händen kneten und den Raum nach Anweisung gliedern. Darmesteters Zugang nennt unterschiedlich viele Wege und Bewohner in den Teilbereichen. Seine Kommentare zu Bau und Gesellschaft sind von den Angaben des Dialogs zu unterscheiden; daraus entsteht kein verlässlich nachbaubarer Grundriss.

Die abschließenden Fragen betreffen Licht, den besonderen Zeitrhythmus und die Fortpflanzung im Vara. Ein Vogel bringt die Religion hinein. Diese Motive kennzeichnen einen außerordentlichen Lebensraum. Sie bestätigen keine reale unterirdische Anlage, deren Lage sich heute aus dem Text ablesen ließe.

Ein Vergleich braucht die Unterschiede

Darmesteter bezeichnet die Erzählung in seiner Synopsis als Anpassung einer Flutgeschichte und erwägt biblische oder mesopotamische Zusammenhänge. Das ist seine historische Interpretation. Die gemeinsam vorkommenden Motive – Warnung, ausgewähltes Leben und Zuflucht – beweisen allein noch keine bestimmte Richtung der Übernahme.

Die heutige Illustration zeigt deshalb einen abgegrenzten Raum in einer bedrohten Winterlandschaft. Ihre Architektur und Menschen sind eine freie Interpretation des gelesenen Zugangs. Das Bild soll den Gegensatz von Bewahrung und Bedrohung lesbar machen; es liefert keine historische Rekonstruktion oder bildliche Rechtfertigung der Ausschlüsse.

Die Bewahrung hat Helfer, Bewohner und einen Preis

Der Schutzraum ist nicht allein Yimas Bauleistung. Karshipta bringt die Religion hinein; Urvatat-nara und Zarathushtra werden in der Schlussantwort als Herrn und Meister genannt. Der Kommentar erklärt zusätzliche Verwandtschaften und führt andere Erzählungen zum Vergleich an. Diese Vermittlungsstimme bleibt von der eigentlichen Antwort des Fargards unterschieden.

Neben den ausgewählten Männern und Frauen zählen Tiere, Pflanzen, Vögel und Feuer zum bewahrten Bestand. Die Ausschlussliste verbindet körperliche und moralische Abwertung; die Station zeigt auch diejenigen, die der Text vom Schutzraum ausschließt. Seine Kategorien sind keine heutige Einteilung menschlichen Werts.

Helfer und Vermittler des Vara-Textes

Benannte RolleErzählter oder referierter ZusammenhangStelle
KarshiptaDer Vogel bringt die Religion in Yimas Vara. Die Anmerkung beschreibt ihn als Avesta vortragenden Himmelsvogel und überliefert eine weitere Vogelzuordnung.2.42 und Anmerkung 34
Urvatat-nara im Vara-TextDie Antwort nennt ihn und Zarathushtra als Herrn und Meister im Vara. Die Anmerkung erklärt Urvatat-nara als Sohn Zarathushtras und als mit dem Bauernstand verbunden.2.43 und Anmerkung 35
Isat-vastra in Darmesteters AnmerkungDie Anmerkung nennt ihn als einen von Zarathushtras drei Söhnen und ordnet ihm in der dortigen Reihenfolge den Priesterstand zu.Anmerkung 35 zu 2.43
Hvare-chithra in Darmesteters AnmerkungEr ist der zweite der drei genannten Söhne und wird in der Reihenfolge mit dem Kriegerstand verbunden.Anmerkung 35 zu 2.43
Gopatshah im zitierten Eranwej-BerichtIn dem als spätere Quelle zitierten Mainyo-i-khard-Bericht heißt Gopatshah der Anführer Eranwejs, während Srosh als Herrscher und König bezeichnet wird.Anmerkung 32 zu 2.41
Malkôsh in der WinteranmerkungDer Übersetzer erklärt Malkosan als Winter, die ein als Dämon oder Zauberer beschriebener Malkôsh loslässt, und nennt die Form Mahrkûsha.Anmerkung 13 zu 2.22

Kommentarfiguren, Bewohner und Ausgeschlossene

Benannte RolleErzählter oder referierter ZusammenhangStelle
Megabyzes in der KrankheitsanmerkungDie Anmerkung führt eine Ctesias zugeschriebene Geschichte an, in der Megabyzes seinen Gegnern durch vorgetäuschte Krankheit entkommt.Anmerkung 24 zu 2.29
Iraj in Darmesteters InvestiturvergleichDie Anmerkung vergleicht Yimas Geräte mit Faridoons königlicher Ausstattung Irajs durch Schwert, Siegel, Ring und Krone.Anmerkung 4 zu 2.6
Die ausgewählten Menschen des VaraDie als beste Sterbliche versammelten Menschen und die ausgewählten Männer und Frauen werden im Vara bewahrt. Raumverteilung und langsam erzählter Nachwuchs bestimmen ihr Zusammenleben.2.20–21, 27, 30, 35, 38, 41
Die vom Vara ausgeschlossenen MenschenDie Rede verbindet körperliche, psychische und moralische Abwertungen in einer Ausschlussliste und schreibt körperliche Schäden Angra Mainyu zu.2.29, 37
Tiere, Pflanzen und Feuer im Vara-TextWildtiere suchen Schutz; im Vara werden ausgewählte Tiere, Vögel, Bäume, Früchte und rote Feuer bewahrt. Die Szene betrifft mehr als menschliche Überlebende.2.23–28, 33–36, 41

Figuren und Namen in den Textstellen

Die Namen führen zu den besprochenen Szenen und Quellen. Eine kurze Nennung, eine Herkunftsangabe und eine ausgeführte Handlung bleiben unterschiedliche Rollen. Ähnliche Namen ergeben keine gemeinsame Lebensgeschichte.

Helfer und Vermittler des Vara-Textes

Karshipta

Profil: Quellengebundene Rolle oder ausdrücklich vermitteltes Teilprofil

Der Vogel bringt die Religion in Yimas Vara. Die Anmerkung beschreibt ihn als Avesta vortragenden Himmelsvogel und überliefert eine weitere Vogelzuordnung.

Leitfrage: Wer bringt die Lehre an einen abgeschlossenen Ort?

Zur besprochenen Textstelle

Beleg: 2.42 und Anmerkung 34 · Vendidad 2: Wachstum, Winter und Yimas Vara

Urvatat-nara im Vara-Text

Profil: Quellengebundene Rolle oder ausdrücklich vermitteltes Teilprofil

Die Antwort nennt ihn und Zarathushtra als Herrn und Meister im Vara. Die Anmerkung erklärt Urvatat-nara als Sohn Zarathushtras und als mit dem Bauernstand verbunden.

Leitfrage: Wie unterscheiden sich eine knappe Herrschaftsantwort und ihre genealogische Erklärung?

Zur besprochenen Textstelle

Beleg: 2.43 und Anmerkung 35 · Vendidad 2: Wachstum, Winter und Yimas Vara

Isat-vastra in Darmesteters Anmerkung

Profil: Quellengebundene Rolle oder ausdrücklich vermitteltes Teilprofil

Die Anmerkung nennt ihn als einen von Zarathushtras drei Söhnen und ordnet ihm in der dortigen Reihenfolge den Priesterstand zu.

Leitfrage: Welche Funktion hat der erste Sohn in der erklärenden Dreierreihe?

Zur besprochenen Textstelle

Beleg: Anmerkung 35 zu 2.43 · Vendidad 2: Wachstum, Winter und Yimas Vara

Hvare-chithra in Darmesteters Anmerkung

Profil: Quellengebundene Rolle oder ausdrücklich vermitteltes Teilprofil

Er ist der zweite der drei genannten Söhne und wird in der Reihenfolge mit dem Kriegerstand verbunden.

Leitfrage: Was trägt eine Standeszuordnung ohne zusätzliche Lebensgeschichte?

Zur besprochenen Textstelle

Beleg: Anmerkung 35 zu 2.43 · Vendidad 2: Wachstum, Winter und Yimas Vara

Gopatshah im zitierten Eranwej-Bericht

Profil: Quellengebundene Rolle oder ausdrücklich vermitteltes Teilprofil

In dem als spätere Quelle zitierten Mainyo-i-khard-Bericht heißt Gopatshah der Anführer Eranwejs, während Srosh als Herrscher und König bezeichnet wird.

Leitfrage: Welcher Herr gehört zum Kommentarvergleich und welcher zur eigentlichen Vara-Antwort?

Zur besprochenen Textstelle

Beleg: Anmerkung 32 zu 2.41 · Vendidad 2: Wachstum, Winter und Yimas Vara

Malkôsh in der Winteranmerkung

Profil: Quellengebundene Rolle oder ausdrücklich vermitteltes Teilprofil

Der Übersetzer erklärt Malkosan als Winter, die ein als Dämon oder Zauberer beschriebener Malkôsh loslässt, und nennt die Form Mahrkûsha.

Leitfrage: Wie verbindet der Kommentar eine Winterbenennung mit einem Urheber?

Zur besprochenen Textstelle

Beleg: Anmerkung 13 zu 2.22 · Vendidad 2: Wachstum, Winter und Yimas Vara

Kommentarfiguren, Bewohner und Ausgeschlossene

Megabyzes in der Krankheitsanmerkung

Profil: Quellengebundene Rolle oder ausdrücklich vermitteltes Teilprofil

Die Anmerkung führt eine Ctesias zugeschriebene Geschichte an, in der Megabyzes seinen Gegnern durch vorgetäuschte Krankheit entkommt.

Leitfrage: Weshalb ist eine vermittelnde Anekdote keine Diagnose oder heutige Ausschlussregel?

Zur besprochenen Textstelle

Beleg: Anmerkung 24 zu 2.29 · Vendidad 2: Wachstum, Winter und Yimas Vara

Iraj: Friedensversuch und dynastische Folgen

Profil: Quellengebundene Rolle oder ausdrücklich vermitteltes Teilprofil

Leitfrage: Welche Funktion hat Iraj in dem Vergleich königlicher Zeichen?

Zur besprochenen Textstelle

Beleg: Anmerkung 4 zu 2.6 · Vendidad 2: Wachstum, Winter und Yimas Vara

Die ausgewählten Menschen des Vara

Profil: Quellengebundene Rolle oder ausdrücklich vermitteltes Teilprofil

Die als beste Sterbliche versammelten Menschen und die ausgewählten Männer und Frauen werden im Vara bewahrt. Raumverteilung und langsam erzählter Nachwuchs bestimmen ihr Zusammenleben.

Leitfrage: Wer wird geschützt und wie regelt der Text das Leben im Schutzraum?

Zur besprochenen Textstelle

Beleg: 2.20–21, 27, 30, 35, 38, 41 · Vendidad 2: Wachstum, Winter und Yimas Vara

Die vom Vara ausgeschlossenen Menschen

Profil: Quellengebundene Rolle oder ausdrücklich vermitteltes Teilprofil

Die Rede verbindet körperliche, psychische und moralische Abwertungen in einer Ausschlussliste und schreibt körperliche Schäden Angra Mainyu zu.

Leitfrage: Welche Menschen verschwinden, wenn der Vara nur als glückliche Rettung erzählt wird?

Zur besprochenen Textstelle

Beleg: 2.29, 37 · Vendidad 2: Wachstum, Winter und Yimas Vara

Tiere, Pflanzen und Feuer im Vara-Text

Profil: Quellengebundene Rolle oder ausdrücklich vermitteltes Teilprofil

Wildtiere suchen Schutz; im Vara werden ausgewählte Tiere, Vögel, Bäume, Früchte und rote Feuer bewahrt. Die Szene betrifft mehr als menschliche Überlebende.

Leitfrage: Wie weit reicht die erzählte Bewahrung über Menschen hinaus?

Zur besprochenen Textstelle

Beleg: 2.23–28, 33–36, 41 · Vendidad 2: Wachstum, Winter und Yimas Vara

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Vendidad 2: Yimas wachsender und bewahrter Lebensraum

Darmesteters Fargard 2.1–43 verbindet den zunächst wachsenden Lebensraum mit der Winterwarnung und dem Vara. Die Seite erläutert auch die Ausschlüsse der Erzählung. Die Flutdeutung der Synopsis wird vom übersetzten Kapitel und vom vorsichtigen Motivvergleich unterschieden.

Darmesteter: Übersetzungsausgabe laut Webkopf 1898, digitale Edition 1995; keine Werkentstehung aus diesem Jahr abgeleitet.

Sprache: Avestischer Text im benannten historischen englischen Zugang

Benutzte Ausgabe

Vendidad 2: Yimas wachsender und bewahrter Lebensraum: benutzter Übersetzungszugang

Tatsächlich gelesen: Fargard 2.1–43 und angezeigte Fußnoten. Ein bezeichnetes Kapitel mit Dialog, Winterwarnung und geschütztem Raum. Synopsis und Übersetzerkommentare von der Erzählung getrennt.

Darmesteter: Übersetzungsausgabe laut Webkopf 1898, digitale Edition 1995; keine Werkentstehung aus diesem Jahr abgeleitet.

Sprache: Avestischer Text im benannten historischen englischen Zugang

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Benannte iranische religiöse und persische literarische Überlieferungen mit gesonderter Forschung
Verwendeter Ausschnitt
Vendidad 2.1–43 in Darmesteters historischem Zugang; Kommentare und Synopsis als eigene Deutungen.
  1. Vendidad 2: Wachstum, Winter und Yimas Vara

    James Darmesteter (Übers.); Webedition Joseph H. Peterson · Webkopf: Sacred Books of the East, American Edition, 1898; digitale Edition 1995. Altes Werk nicht auf Übersetzungsjahr datiert.

    Webkopf, Synopsis, Fargard 2.1–43 und die auf dieser Seite angezeigten Fußnoten vollständig im Webauszug tatsächlich gelesen. Besonders 1–19 (Auftrag und Erweiterung), 20–38 (Winter, Auswahl, Bau), 39–43 (Licht, Zeit und Religion).

    Historischer englischer Zugang, keine eigene avestische Neuübersetzung. Darmesteters direkte Flut-/Bibelabhängigkeit in der Synopsis ist eine Deutung. Winter und Schmelzwasser nicht zu einer nur biblisch verstandenen Sintflut vereinheitlicht. Geräte-, Bau- und Lichtdeutungen abhängig vom Übersetzungszugang; körperliche Ausschlüsse und historische Abwertung im Text beschreiben, nicht übernehmen. Kein realer archäologischer Ortsnachweis des Vara. Abgerufen am 2026-10-04.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-18. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

Eine Korrektur oder ein kulturelles Anliegen melden · Bitte den Titel oder die Seitenadresse nennen.