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MythaneumDas Museum der Mythologien

Exponat

Deirdre: Eine Flucht, zwei verschiedene Erzählgrenzen

Deirdre soll die Frau eines Königs werden, entscheidet sich aber für Naoise. Zwei Fassungen gestalten ihre Möglichkeiten unterschiedlich. Die eine zeigt den Weg bis zum Schutzbruch und Tod, die andere verweilt bei den Vorbereitungen ihrer Flucht.

5–6 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Eine junge Frau und vier Männer steigen neben einem kleinen Holzboot an einem felsigen Ufer an Land. Ein älterer Mann geht mit einem Stab voran; die Frau blickt aufmerksam ins Land.
Heutige KI-Illustration zur Rückkehr unter einem Schutzversprechen in Longes mac n-Uislenn (benutzter englischer Zugang: Vernam Hull, S.65–66). Deirdre, die drei Brüder und Fergus sind als Reisegruppe vorgestellt. Anlandung, Gesichter, Alterseindruck, Boot, Kleidung und Landschaft sind frei gestaltet; keine historische Rekonstruktion. Der Text nennt weitere Bürgen und Begleitpersonen, die hier nicht alle dargestellt sind.

Schon der Schutz enthält einen Anspruch

In Vernam Hulls Übersetzung von Longes mac n-Uislenn schreit das Kind noch im Mutterleib. Cathbad sagt Konflikte voraus; die Krieger wollen es töten. Conchobor verhindert dies, erklärt aber zugleich, das Mädchen nach seinem Willen erziehen und später an seiner Seite haben zu wollen. Sein Eingreifen rettet ein Leben und beansprucht dessen Zukunft.

Douglas Hydes Deirdre-Fassung lässt den König ausdrücklich gegen die Tötung eines unschuldigen Kindes argumentieren. Die Anwesenden loben sein Urteil. Auch hier folgt der Schutzanspruch mit der Aussicht auf eine spätere Ehe. Diese andere Rahmung macht ihn anfangs zum überzeugenden Redner. Sie beseitigt jedoch nicht die Frage, wer über das heranwachsende Mädchen verfügt.

Ein Männerbild öffnet eine verborgene Zukunft

Beide Texte verbinden Deirdres Wunsch mit drei Farben: schwarzem Raben, rotem Blut und weißem Schnee. Bei Hull nennt Leborcham den dazu passenden Noisiu. Deirdre sucht ihn selbst auf und droht ihm mit Schande, wenn er sie nicht mitnimmt. Seine anfängliche Weigerung verweist auf die Vorhersage; seine Brüder entscheiden sich, ihn zu unterstützen.

Hyde gibt dem Wunsch eine längere Vorgeschichte. Deirdre formt ein Männerbild aus Schnee, Blut und Federn. Die Amme entdeckt ein aufgebrochenes Fenster und erfährt schließlich von einer früheren Begegnung mit Naoise. Das angebliche Traumbild erhält dadurch eine erinnerte Grundlage. Deirdre ist eine Beobachterin, die ihre Umgebung und deren Regeln zu nutzen lernt.

Die Flucht wird zur gemeinsam vorbereiteten Handlung

In Hydes Fassung wird Deirdre mit vierzehn Jahren als heiratsfähig dargestellt. Das ist eine Angabe der erzählten Handlung, keine Empfehlung für Beziehungen. Ihre Festung hat eine hohe Mauer und vier Wachhunde. Sie gewinnt die Amme als Botin, bittet Naoise um die Flucht und überwindet seinen Widerstand. Zunächst füttert sie die Hunde; zur endgültigen Flucht hat sie sie vergiftet.

Naoise und seine Brüder schaffen einen Durchgang und bringen sie über die Mauer. Die beschädigte Kleidung bewahrt die Mühe des Entkommens im Text. Mit der Überfahrt nach Alba und den mitreisenden Kämpfern endet die angebotene Übersetzung. Dieser Schluss erzählt eine erreichte Flucht. Er enthält noch keine Rückkehr, Ermordung oder spätere Todesentscheidung.

Ein Schutzversprechen führt in den Verrat

Hulls angebotener Text geht weiter. Nach wechselnden Aufenthalten geraten die Geflüchteten auch in Schottland unter Druck eines Königs, der Deirdre für sich gewinnen will. Sie gibt die Werbungsversuche weiter und warnt vor einer bevorstehenden Tötung. Eine Rückkehr erscheint erst möglich, als Fergus, Dubthach und Cormac als Bürgen gewonnen werden.

Conchobors Bankettplan hält Fergus zurück. Sein Sohn Fiachu begleitet die Brüder nach Emain und versucht noch, Noisiu mit seinem Körper zu schützen. Beide werden getötet; Deirdre wird gefesselt zum König gebracht. Der Bruch des Schutzes löst weitere Gewalt, den Brand Emains und das Exil der Garanten zu Ailill und Medb aus. Die Bürgen sind nicht einfach folgenlose Helfer einer Liebesgeschichte: Ihr Scheitern verändert die Gemeinschaft.

Die Klage verteilt Verantwortung neu

Nach einem Jahr bei Conchobor erinnert Derdriu in ihren Klagen die verlorene Gemeinschaft: gemeinsame Nahrung, Stimmen und Alltag. Sie benennt den Verlust, den Conchobor verursacht hat, und wirft Fergus vor, seine Ehre für Bier verkauft zu haben. Ihre Stimme widerspricht damit einer Erklärung, die allein die Schönheit der Frau für die Gewalt verantwortlich macht.

Als der König sie dem Mann überlassen will, der Noisiu getötet hat, beendet sie ihr Leben. Dieser Schluss wird hier als äußerste Folge von Gewalt und Verfügung beschrieben, nicht als Vorbild. Er gehört zu Hulls angebotenem Text. Ihn an Hydes Flucht anzuhängen würde den sichtbaren Unterschied der beiden Zugänge verschleiern.

Zwei Zugänge sind keine gemeinsame Urfassung

Die benutzten digitalen Texte stehen für unterschiedliche editorische Zugänge. Hulls Übersetzung geht auf seine Ausgabe von 1949 zurück; CELT bietet die Übersetzungsseiten 60 bis 69 nach dem Nachdruck von 1971. Die gedruckte Einleitung, Anmerkungen und Register fehlen. Unsichere Wörter und Ergänzungen sind im angebotenen Text sichtbar.

Hydes Übersetzung wurde 1899 veröffentlicht und beruht laut CELT auf einer unnummerierten Handschrift im Belfast Museum. Die allgemeine Handschriftenliste auf derselben Seite macht sie nicht zu einer unmittelbaren Übersetzung des Book of Leinster. Verglichen werden hier die tatsächlich angebotenen englischen Texte. Die Herkunft eines Textträgers, das Datum einer Übersetzung und die Zeit innerhalb der Erzählung bleiben verschiedene Angaben.

Fassungen und Belege unterscheiden

Werk, Überlieferung und Lesezugang

Werk

Longes mac nUislenn

Hier Hulls Zugang S. 60–69: Vorhersage, königlicher Anspruch, Begegnung und Exil, gebrochener Rückkehrschutz, Klagen und Derdrius Tod. Die editorischen Hinweise begrenzen die benutzte Fassung; das Ende wird nicht auf Hydes anders begrenzten Text übertragen.

Irische Erzählung in mittelalterlicher Überlieferung; hier keine eigene genaue Kompositionsdatierung.

Sprache: Irisch

Beleg für den hier verwendeten Ausschnitt: Longes mac n-Uislenn: Exil, Schutzbruch und Derdrius Tod

Benutzter Lesezugang

Hull: Longes mac nUislenn, englischer Zugang

Vollständiger angebotener Übersetzungstext samt CELT-Metadaten gelesen. Gedruckte Einleitung, Kommentar und Register der Gesamtausgabe dadurch nicht gelesen; unsichere Stellen und Varianten sichtbar halten.

Ausgabe 1949, Nachdruck 1971; CELT T301020B, angebotene Übersetzung S.60–69.

Sprache: Englisch nach irischem Text

Quellen zu diesem Lesezugang: Longes mac n-Uislenn: Exil, Schutzbruch und Derdrius Tod

Werk

Deirdre: der von Hyde übersetzte Textzugang

Hier Hydes Zugang S. 143–155: Schutzrede, abgeschirmte Erziehung, Farbenbild und Erinnerung, Botengang und vorbereitete Flucht. Der angebotene Haupttext endet bei der Flucht. Hulls spätere Rückkehr- und Todesfolge ist keine in diesem Zugang mitgelesene Fortsetzung.

Irischer Handschriftenzugang laut CELT aus dem Belfast Museum; genaue Handschriftendatierung hier nicht geprüft.

Sprache: Irisch

Beleg für den hier verwendeten Ausschnitt: Deirdre: Hydes Belfast-Fassung und die vorbereitete Flucht

Benutzter Lesezugang

Hyde: Deirdre, englischer Zugang

Vollständiger angebotener Text und Metadaten gelesen. Der Text endet bei der Flucht nach Alba; kein ergänzter Rückkehr- oder Todesbericht aus anderer Fassung.

Benutzter Druck 1899, S.143–155; Übersetzung 1898; CELT T301020.

Sprache: Englisch nach irischem Handschriftenzugang

Quellen zu diesem Lesezugang: Deirdre: Hydes Belfast-Fassung und die vorbereitete Flucht

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Zwei getrennte Deirdre-Zugänge: Hulls Rückkehrtragik und Hydes bei der Flucht endender Text.
Verwendeter Ausschnitt
Longes mac nUislenn in Hulls angebotenem englischen Zugang S.60–69 und Hydes Deirdre S.143–155. Metadaten erklären die unterschiedlichen Druckgrundlagen und Textgrenzen.
  1. Longes mac n-Uislenn: Exil, Schutzbruch und Derdrius Tod

    Vernam Hull; CELT / University College Cork · Edition und Übersetzung 1949; CELT nach Nachdruck 1971, S.60–69

    Metadaten, Übersetzerbemerkung und kompletter angebotener englischer Text S.60–69 tatsächlich gelesen, einschließlich Gedichten, unsicheren Wörtern und Schluss.

    Vollständig gelesen wurde nur der jeweils angebotene englische CELT-Text samt Metadaten. Keine eigene irische Kollation, Handschriftenautopsie oder Volllektüre der gedruckten Einleitung und Anmerkungen. Eigene Paraphrase; keine öffentliche Übernahme von Volltext, Scan oder historischen Bildern. Abgerufen am 2026-10-02.

  2. Deirdre: Hydes Belfast-Fassung und die vorbereitete Flucht

    Douglas Hyde; CELT / University College Cork · Zeitschrift für Celtische Philologie 2 (1899), S.138–155; angebotene Übersetzung S.143–155

    Metadaten und kompletter angebotener englischer Text S.143–155 tatsächlich gelesen. Die elektronische Fassung endet mit der Flucht nach Alba; Hydes gedruckte Einleitung ist ausdrücklich ausgelassen.

    Vollständig gelesen wurde nur der jeweils angebotene englische CELT-Text samt Metadaten. Keine eigene irische Kollation, Handschriftenautopsie oder Volllektüre der gedruckten Einleitung und Anmerkungen. Eigene Paraphrase; keine öffentliche Übernahme von Volltext, Scan oder historischen Bildern. Abgerufen am 2026-10-02.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-18. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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