Exponat 06 · Gefäßchemie · Pflanzenreste · Südkaukasus
Traubenwein im Tongefäß
Tongefäße aus frühen Siedlungen im heutigen Georgien enthalten chemische Hinweise, die zusammen mit Pflanzen- und Umweltbefunden für Traubenwein sprechen. Die Untersuchung verbindet verschiedene Spuren und hält den genauen Herstellungsweg offen.
3 Minuten Haupttext · Stand: 6. September 2026
Bild vergrößern ↗Auf einen Blick
Wann trägt ein Fruchtrückstand die Deutung eines vergorenen Getränks?
- Weindeutungen benötigen mehr als eine einzelne chemische Verbindung.
- Die Datierung von Gefäßkontexten ist von einer direkt datierten Flüssigkeit zu unterscheiden.
- Rebendomestikation und Weinherstellung sind verschiedene historische Fragen.
- Zeitliche Einordnung
- Südkaukasus: etwa 6000–5800 v. u. Z.; jüngerer Vergleich Dikili Tash um 4300 v. u. Z.
- Orte und Regionen
- Südkaukasus, besonders Shulaveris Gora und Gadachrili Gora
- Historisch Beteiligte
- Wissen vieler lokaler Gemeinschaften; einzelne Erfinderinnen und Erfinder sind nicht überliefert.
Die Untersuchung beginnt am Material
Das große Gefäß zieht den Blick an. Die kleine Scherbe davor erinnert an die eigentliche Untersuchung: Oft muss eine kleine Probe Auskunft über eine frühere Nutzung geben. An einer Gefäßwand können Stoffe haften oder in die Keramik eindringen. Ihre Zusammensetzung kann Spuren pflanzlicher Ausgangsstoffe und späterer Veränderungen bewahren.
Doch ein gefundener Stoff trägt seinen damaligen Verwendungszweck nicht als Etikett. Für die Frage nach Wein müssen Chemie, Gefäßzusammenhang und weitere Beobachtungen zusammenpassen. Das Exponat lädt dich ein, diesen Weg von einer Messung zu einer historischen Deutung nachzuvollziehen.
Was 2017 untersucht wurde
McGovern und ein internationales Team veröffentlichten 2017 Untersuchungen von Keramik aus Shulaveris Gora und Gadachrili Gora. Chemische Rückstände, darunter Weinsäure beziehungsweise Tartrate, wurden mit pflanzlichen und Umweltbefunden verbunden. Die Autoren deuteten die Gesamtheit als Hinweis auf Traubenwein um 6000–5800 v. u. Z. Die Proben und ihre Einordnung
Die Zeitangabe betrifft den archäologischen Zusammenhang. Sie bedeutet nicht, dass ein unverändert erhaltenes Getränk aus dieser Zeit verkostet oder unmittelbar datiert wurde. Ein Laborergebnis und eine Datierung beantworten zunächst verschiedene Fragen; ihre Verbindung muss begründet werden.
Warum Kontrollproben mitentscheiden
Für die neu gewonnenen Gefäßproben untersuchte das Team auch Böden aus den entsprechenden Zusammenhängen. Solche Vergleiche helfen, mögliche Umweltbeiträge und Hintergrundsignale zu erkennen. Die Datierung wurde unter anderem durch kurzlebiges Pflanzenmaterial und die archäologische Schichtenordnung gestützt. Kontrollen und chronologische Grundlage
Stell dir als vereinfachten Vergleich eine Schale vor, die lange in duftender Erde liegt. Ein später daran nachgewiesener Stoff könnte von einem früheren Inhalt oder aus der Umgebung stammen. Der Vergleich löst diese Frage nicht automatisch, macht aber alternative Wege des Stoffes überprüfbar.
Das Funktionsprinzip unterscheidet sich vom Getreidebrauen
Bei Trauben stehen bereits Zucker im Fruchtsaft zur Verfügung. Das unterscheidet die Ausgangsfrage vom stärkehaltigen Getreide. Ein Behälter kann Flüssigkeit sammeln und während ihrer Veränderung aufnehmen. Welche Bedingungen tatsächlich hergestellt wurden, welche Mikroorganismen beteiligt waren und wie lange etwas dauerte, ist für diese frühen Gefäße nicht vollständig bekannt.
Die Darstellung zeigt deshalb keine rekonstruierte moderne Weinkellerei. Ein einziger anschaulicher Topf genügt, um das Verhältnis von Rohstoff, Flüssigkeit und Behälter zu erklären. Zusätzliche Pressen oder perfekt gereihte unterirdische Gärgefäße würden hier mehr Gewissheit vermitteln, als unsere Quellen tragen.
Dikili Tash: Chemie neben gepressten Traubenresten
Garnier und Valamoti veröffentlichten 2016 einen jüngeren Vergleich aus Dikili Tash in Nordgriechenland. Gefäßrückstände mit kombinierten Trauben- und Fermentationsmarkern passten dort zu einem Fundzusammenhang mit Traubenverarbeitung um 4300 v. u. Z. Ihr Verfahren sollte auch stärker an die Keramik gebundene Rückstände zugänglich machen. Der eigenständige Befund von Dikili Tash
Ein solcher Vergleich ist keine Ersatzquelle für die ältere georgische Siedlung. Er verdeutlicht aber, warum verschiedene Belegarten wertvoll sind. Pflanzenreste können Arbeit mit Früchten erschließen; chemische Untersuchungen stellen weitere Fragen nach dem Gefäßinhalt und seinen Veränderungen.
Die Pflanzengeschichte folgt einem eigenen Nachweis
Dong und Mitwirkende verglichen 2023 weltweit 3525 wilde und kultivierte Rebenakzessionen. Ihr genetisches Modell schlug frühe, ungefähr gleichzeitige Domestikationsprozesse in Westasien und im Kaukasus sowie spätere Kreuzungs- und Ausbreitungswege vor. Der genomische Vergleich
Das Modell datiert keine erste Weinprobe. Menschen können Früchte nutzen, bevor eine ganze Pflanzenpopulation die späteren Kulturmerkmale trägt. Umgekehrt nennt eine genetische Abstammungsgeschichte nicht automatisch die Speisen oder Getränke, die an einem Ort hergestellt wurden. Beide Geschichten lassen sich verbinden, wenn ihre verschiedenen Quellen erkennbar bleiben.
Ein früher Befund ist kein Alleinanspruch
Das Forschungsteam von 2017 betont, dass sich die Priorität verschiedener Regionen noch nicht sicher festlegen lässt. Viele Räume bedürfen weiterer Untersuchung. Die Grenzen der regionalen Einordnung
Für deinen Besuch bleibt eine reichere Frage als die nach einem einzigen Erfindungsort: Wie verbinden Menschen Pflanzenwissen, Behälter und wiederholbare Umwandlungen? Der letzte Halt im Raum führt diese Frage an einen mineralischen Rohstoff. Dort wird Wasser gezielt entfernt, damit etwas zuvor Gelöstes als handhabbares Material zurückbleibt.
Grenzen des Wissens
Was offen bleibt
Die genaue Rebsorte, Gärführung und Gefäßaufstellung bleiben offen. Heutige georgische Verfahren werden nicht als unverändert seit der Jungsteinzeit dargestellt.
Begriffe verstehen
Weinsäure
Organische Säure, die unter anderem in Trauben vorkommt; allein kein eindeutiger Weinbeweis.
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Salz der Weinsäure, das sich unter bestimmten Bedingungen ablagern kann.
Fundkontext
Räumlicher und zeitlicher Zusammenhang, in dem ein Gegenstand oder Rest geborgen wird.
Akzession
Ein dokumentierter Pflanzenbestand oder eine Probe in einer Sammlung für vergleichende Untersuchungen.
Quellen und Nachweise
Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.
- Früher Traubenwein im Südkaukasus
McGovern, P. et al. (2017): Early Neolithic wine of Georgia in the South Caucasus. PNAS 114, E10309–E10318. DOI 10.1073/pnas.1714728114.
Um 6000–5800 v. u. Z.; Datierung der Fundkontexte, keine unmittelbar datierte erhaltene Flüssigkeit.
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Garnier, N. und Valamoti, S. M. (2016): Prehistoric wine-making at Dikili Tash (Northern Greece): Integrating residue analysis and archaeobotany. Journal of Archaeological Science 74, 195–206. DOI 10.1016/j.jas.2016.03.003.
Eigenständiger jüngerer Befund um 4300 v. u. Z.; nicht nach Georgien zurückprojizieren.
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Dong, Y. et al. (2023): Dual domestications and origin of traits in grapevine evolution. Science 379, 892–901. DOI 10.1126/science.add8655.
Genomisches Modell mit 3525 Akzessionen; kein direkt datierter erster Wein.
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Redaktion: Benjamin Metzig. Erstfassung in redaktioneller Prüfung. Bearbeitungsstand: 6. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.
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