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Exponat 08 · Die Lichtablenkung von 1919

Sternpositionen bei Finsternis prüfen

Bei der totalen Sonnenfinsternis vom 29. Mai 1919 fotografieren zwei Expeditionen Sterne nahe der verdunkelten Sonne. Der Vergleich mit Referenzaufnahmen prüft eine vorhergesagte Ablenkung. Bildmaßstab, Wolken und Schärfe entscheiden mit über die Aussagekraft.

3 Minuten Haupttext · Stand: 8. September 2026

Gezeichnetes Messmikroskop über einer Glasplatte mit Sternpunkten; daneben eine zweite Platte und eine Skizze der Sonnenfinsternis.Bild vergrößern ↗
Heutige Illustration zur Arbeit mit Sternaufnahmen. Instrument, Sternpunkte und Finsternisskizze sind interpretierend gestaltet und bilden weder die Originalplatten von 1919 noch eine ausmessbare Datenreihe ab.

Auf einen Blick

Wie kann eine Sonnenfinsternis zwischen verschiedenen Vorhersagen über Lichtwege unterscheiden?

  • Die Messung vergleicht Sternpositionen auf Finsternis- und Referenzaufnahmen.
  • Ein veränderter Bildmaßstab kann eine scheinbare Positionsänderung mitverursachen.
  • Die Autoren gewichten drei Instrumentergebnisse unterschiedlich und begründen dies im Bericht.
Zeitliche Einordnung
Beobachtung 1919; ausführlicher Bericht 1920
Orte und Regionen
Sobral in Brasilien und Príncipe im Golf von Guinea; Auswertung in Großbritannien
Historisch Beteiligte
Frank W. Dyson, Arthur S. Eddington und Charles Davidson; Beobachtungen mit Andrew Crommelin und Edwin T. Cottingham

Eine Vorhersage braucht einen Vergleich

Der Expeditionsbericht stellt drei Möglichkeiten gegenüber: keine Ablenkung, eine Ablenkung von ungefähr 0,87 Bogensekunden am Sonnenrand und den von der allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagten Wert von 1,75 Bogensekunden. Die Alternativen auf S. 291

Damit lautet die Aufgabe genauer als nur: Einstein überprüfen. Gesucht wird eine bestimmte Winkeländerung mit einer bestimmten Größenordnung. Ein Ergebnis muss genau genug sein, um zwischen den Alternativen zu unterscheiden. Schon die Planung fragt deshalb nach geeigneten Sternen, Aufnahmegeräten und Beobachtungsorten.

Die Verdunkelung macht die Sterne zugänglich

Sternenlicht, das nahe an der Sonne vorbeiläuft, kann uns aus einer leicht veränderten Richtung erreichen. Die scheinbare Sternposition verschiebt sich dadurch. Normalerweise überstrahlt die helle Sonnenumgebung die gesuchten Sterne; eine totale Finsternis schafft ein kurzes Beobachtungsfenster. Lichtweg und scheinbare Position

Am 29. Mai 1919 beobachten Davidson und Crommelin in Sobral, Eddington und Cottingham auf Príncipe. Vorbereitung, Geräte, Transport und Unterstützung vor Ort gehören zur Untersuchung. Der Bericht würdigt diese Beiträge ausdrücklich. Vorbereitung auf S. 295 und Unterstützung auf S. 332–333

Zwei Aufnahmen sind noch keine Differenzmessung

Die Positionen auf Finsternisplatten werden mit Vergleichsaufnahmen des Sternfelds zusammengeführt. In Sobral entstehen diese Referenzaufnahmen im Juli. Die Vergleichsbeobachtung auf S. 301 Aus der Lage mehrerer Sterne muss die gesuchte Ablenkung erschlossen werden.

Dabei dürfen Verschiebung, Drehung und Maßstab der Bilder nicht mit dem Himmelseffekt verwechselt werden. Wird eine Aufnahme etwas größer abgebildet, verändern sich die Abstände der Sternpunkte, ohne dass dies allein eine Gravitationswirkung belegt. Die Auswertung behandelt deshalb Maßstabs- und Orientierungsgrößen neben der Ablenkung. Die getrennten Größen auf S. 310

Drei Ergebnisse getrennt lesen

Für das Vier-Zoll-Instrument in Sobral nennt der Schlussbericht 1,98 Bogensekunden mit einem damaligen wahrscheinlichen Fehler von ungefähr ±0,12. Für Príncipe folgen 1,61 mit ungefähr ±0,30. Der Sobral-Astrograph liefert in der dort zusammengefassten Auswertung 0,93 Bogensekunden. Die Zusammenstellung auf S. 330–331

Alle drei Werte sind auf den Sonnenrand bezogen. Sie sind weder drei identische Treffer noch drei gleich zuverlässige Abstimmungen über eine Theorie. Auch die angefügten Fehlerangaben dürfen nicht ohne Erläuterung als heutige Standardabweichungen oder als Erfassung sämtlicher Störeinflüsse behandelt werden.

Die Gewichtung braucht einen sachlichen Grund

Die Astrographenbilder aus Sobral waren unscharf geworden, während spätere Referenzaufnahmen wieder scharf erschienen. Der Bericht dokumentiert die Sorge um den Fokus bereits in einer Notiz nach dem Entwickeln. Unklar blieb, wie weit neben der Schärfe auch der Bildmaßstab verändert war. Die Instrumentenprobleme auf S. 309

Das begründet die geringe Gewichtung dieser Serie. Dem Vier-Zoll-Instrument geben die Autoren wegen besserer Bilder und zusätzlicher interner Vergleiche das größte Gewicht. Die Abwägung auf S. 330 Die Begründung gehört zum Ergebnis; ein günstiger Zahlenwert allein wäre kein ausreichendes Auswahlkriterium.

Eine gestützte Vorhersage weiter prüfen

Die Autoren sehen die größere, relativistische Ablenkung gestützt und empfehlen zugleich neue Finsternisbeobachtungen. Schluss und weitere Prüfung auf S. 332 Spätere Verfahren mit Radioteleskopen ermöglichten wesentlich genauere Untersuchungen. Der weitere Weg der Messung

Das Exponat endet daher bei einer begründeten, begrenzten Bestätigung. Ein beobachteter Zusammenhang muss aus Aufnahmebedingungen und Auswertung hervorgehen. Die Geschichte gewinnt an Erklärungskraft, wenn neben der berühmten Theorie auch diejenigen Schritte sichtbar bleiben, die aus schwachen Sternbildern ein belastbares Argument machen.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Die historischen Zahlen bezeichnen auf den Sonnenrand bezogene Auswertungsergebnisse, keine direkt dort abgelesenen Sternverschiebungen. Die damaligen Angaben zum wahrscheinlichen Fehler sind keine vollständige heutige Unsicherheitsanalyse. Der Bericht befürwortet weitere Beobachtungen.

Begriffe verstehen

Bogensekunde

Ein Winkelmaß: ein Dreitausendsechshundertstel eines Winkelgrades.

Referenzaufnahme

Eine Vergleichsaufnahme, hier desselben Sternfelds ohne die Sonne in dessen unmittelbarer Nähe.

Bildmaßstab

Die Beziehung zwischen einem Abstand auf der Fotoplatte und dem entsprechenden Winkel am Himmel.

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Systematischer Fehler

Ein Einfluss, der Messergebnisse in bestimmter Weise verschiebt und durch bloßes Wiederholen nicht notwendig verschwindet.

Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Der Expeditionsbericht mit seinen Instrumentenergebnissen

    F. W. Dyson, A. S. Eddington und C. Davidson: A Determination of the Deflection of Light by the Sun’s Gravitational Field, from Observations made at the Total Eclipse of May 29, 1919. Philosophical Transactions of the Royal Society A 220, 1920, S. 291–333.

    Die Zusammenfassung nennt drei unterschiedlich gewichtete Ergebnisse. Auf S. 309 steht die zeitnahe Fokusnotiz, S. 310–312 erläutern die Maßstabsabhängigkeit. Die Qualität der gescannten Fototafel erlaubt keine eigene Neuausmessung.

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  2. Lichtwege, scheinbare Sternpositionen und spätere Messungen

    Steven S. Shapiro und Irwin I. Shapiro: Lichtablenkung durch Gravitation. Einstein Online Band 04, 2010, 03-1105.

    Die vereinfachte historische Darstellung ersetzt nicht den Originalbericht zu Vergleichsplatten und Instrumenten. Der Text des Exponats nennt die historischen Werte aus dem Expeditionsbericht.

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Redaktion: Benjamin Metzig. Text und Quellen am 8. September 2026 geprüft. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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