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Exponat 03 · Rutherfords Streumodell von 1911

Seltene starke Ablenkungen erklären

Die meisten schnellen Alphateilchen werden beim Durchgang durch eine dünne Folie nur wenig abgelenkt. Seltene große Richtungsänderungen stellen jedoch eine besondere Forderung an jedes Modell des Atoms.

3 Minuten Haupttext · Stand: 8. September 2026

Gezeichnete Streuapparatur mit dünner Goldfolie in einem Rahmen und einem seitlich angeordneten Mikroskop.Bild vergrößern ↗
Heutige zeichnerische Interpretation einer Streuapparatur. Die Anordnung ist zu einer Ausstellungsszene vereinfacht und rekonstruiert keinen einzelnen Versuch maßstabgetreu.

Auf einen Blick

Welche Verteilung der Atomladung kann seltene starke Ablenkungen erklären?

  • Seltene Ereignisse können zwischen Modellen unterscheiden, die den häufigen Verlauf ähnlich beschreiben.
  • Rutherfords Erklärung konzentriert die wirksame Atomladung in einem sehr kleinen Bereich.
  • Die Streutheorie liefert prüfbare Beziehungen, aber noch keine vollständige Beschreibung eines stabilen Atoms.
Zeitliche Einordnung
Beobachtungen 1909–1910; theoretische Veröffentlichung 1911
Orte und Regionen
Universität Manchester
Historisch Beteiligte
Ernest Rutherford, Hans Geiger und Ernest Marsden

Die seltenen Ereignisse stellen eine besondere Frage

Rutherford beginnt 1911 mit Befunden von Geiger und Marsden. Schnelle Alphateilchen durchqueren dünne Materieschichten; einzelne werden dabei sehr stark abgelenkt. Eine Erklärung durch viele kleine Richtungsänderungen macht solche großen Abweichungen unter den betrachteten Bedingungen viel zu unwahrscheinlich. Die Ausgangsfrage auf S. 669–670

Entscheidend ist also nicht nur der häufigste Verlauf. Gerade der kleine Anteil stark abgelenkter Teilchen verlangt etwas vom Modell. Ein scheinbarer Randfall kann eine Annahme über die ganze Anordnung in Frage stellen, wenn diese Annahme ihn nicht angemessen hervorbringen kann.

Eine konzentrierte Ladung als Annahme

Rutherford untersucht deshalb einen vereinfachten Aufbau: Eine zentrale elektrische Ladung nimmt einen sehr kleinen Bereich ein, während die ausgleichende Gegenladung weiter verteilt ist. Ein Alphateilchen, das dem Zentrum sehr nahe kommt, kann dann eine große Richtungsänderung erfahren. Die Modellannahmen auf S. 671

Das Teilchen muss dazu nicht wie eine Billardkugel gegen eine feste Oberfläche stoßen. Die Rechnung behandelt die elektrische Wechselwirkung während der Annäherung. Das Zentrum wird zunächst punktförmig angenähert; damit ist noch keine innere Struktur dieses kleinen Bereichs abgebildet oder vollständig bestimmt.

Lichtblitze unter verschiedenen Winkeln zählen

Die Teilchen werden über kleine Lichtblitze auf einem Zinksulfidschirm nachgewiesen. In der Auswertung zählen der Winkel zur ursprünglichen Richtung, die Entfernung zum Streumaterial und die betrachtete Schirmfläche. Rutherfords Gleichung verbindet diese Größen mit einer vorhergesagten Verteilung. Abschnitt 3 und die Nachweisgeometrie

Ein überzeugendes Modell muss damit mehr leisten als den Satz, dass gelegentlich etwas zurückkommt. Es soll erklären, wie sich die Anzeigen verändern, wenn andere Winkel betrachtet werden. Aus einer anschaulichen Vorstellung wird so eine Reihe von überprüfbaren Beziehungen zwischen Messgrößen.

Die Dicke der Folie gehört zur Aussage

Für eine hinreichend dünne Schicht sagt die Theorie voraus, dass die Zahl bestimmter großer Ablenkungen mit der Schichtdicke zunimmt. Dabei setzt sie voraus, dass ein betrachtetes Teilchen nur eine solche starke Ablenkung erfährt. Bei zu großen Dicken lässt sich diese Vereinfachung nicht unverändert benutzen. Bedingungen und Winkelvergleich auf S. 675

Rutherford vergleicht außerdem Ergebnisse für verschiedene Metalle und erläutert die Schwierigkeiten ihrer Auswertung. Die oft wiederholte Geschichte von einer einzigen Goldfolie verdeckt deshalb die Breite der Argumentation. Unterschiedliche Anordnungen und Materialien liefern ergänzende, jeweils bedingte Informationen. Vergleiche im Abschnitt 6

Das Modell lässt Fragen ausdrücklich offen

Die Abhandlung nimmt eine positive zentrale Ladung für die Rechnung an. Rutherford betont zugleich, dass die hier benutzten Streubefunde ihr Vorzeichen noch nicht festlegen. Auch die Stabilität des vorgeschlagenen Atoms lässt er zunächst offen. Die Grenzen in den Abschnitten 2 und 7

Diese Einschränkungen sind kein nachträglicher Einwand gegen eine angeblich vollständige Theorie. Sie stehen im Original selbst. Ein Modell kann eine neue Erklärung für einen bestimmten Befund liefern, obwohl es andere Aufgaben noch nicht löst. Die Reichweite seines Erfolgs muss deshalb ebenso genau benannt werden wie der Erfolg selbst.

Aus Streuung wird ein Zugang zum Inneren

In der heutigen Beschreibung enthält der kleine Atomkern positive Ladung und einen großen Teil der Atommasse; Elektronen gehören zur umgebenden Struktur. Der Atomkern in heutiger Einordnung Die historischen Versuche öffnen diesen Zugang, indem sie aus Änderungen bewegter Teilchen auf die durchquerte Materie schließen.

Nimm aus dem Exponat deshalb keine starre Miniatur eines Sonnensystems mit. Nimm eine Untersuchungsfrage mit: Welche unbekannte Verteilung wäre nötig, damit ein ausgesandtes Teilchen gerade die beobachteten Richtungen annimmt? Der Vergleich von Vorhersage und Messverteilung macht die unsichtbare Struktur schrittweise prüfbar.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Rutherford nimmt die zentrale Ladung zur Rechnung positiv an, erklärt aber ausdrücklich, dass die behandelten Streubefunde ihr Vorzeichen noch nicht entscheiden. Seine damalige Abschätzung der Ladungsgröße ist nicht mit der heutigen Ordnungszahl gleichzusetzen.

Begriffe verstehen

Alphateilchen

Positiv geladenes Teilchen aus zwei Protonen und zwei Neutronen; ein Heliumkern in heutiger Beschreibung.

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Streuung

Änderung der Bewegungsrichtung bei einer Wechselwirkung.

Szintillation

Kurzer Lichtblitz in einem geeigneten Stoff als Anzeige eines auftreffenden Teilchens.

Zentralfeld

Ein Feld, dessen Richtung auf ein gemeinsames Zentrum bezogen ist.

Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Das Verhältnis von Ladung und Masse auflösen

    Paul Peter Urone und Roger Hinrichs: College Physics, 30.2 Discovery of the Parts of the Atom: Electrons and Nuclei. OpenStax, 2012.

    Die historische Versuchsausführung wird am Bericht von 1897 belegt. Vereinfachte Atomzeichnungen und die überholte Aussage über die kleinste bekannte Teilchenmasse werden nicht übernommen.

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  2. Die Streutheorie und ihre ausdrücklich begrenzte Reichweite

    Ernest Rutherford: The Scattering of α and β Particles by Matter and the Structure of the Atom. Philosophical Magazine, Reihe 6, Band 21, Mai 1911, S. 669–688.

    Die Transkription enthält Auslassungen und Satzfehler, darunter am Beginn von S. 669; die verwendeten Anfangsannahmen wurden deshalb am Scan kontrolliert. Die häufig zitierte Zahl 1/8000 bezieht sich im Vergleich auf eine dicke Platinplatte und wird nicht als Goldfolienquote verwendet.

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  3. Originalseiten zu starker Ablenkung und Modellannahmen

    Ernest Rutherford: The Scattering of α and β Particles by Matter and the Structure of the Atom, 1911. Originalscan, S. 669–671 und 675.

    Rutherford trennt die konzentrierte zentrale Ladung von ihrem damals nicht durch diese Streudaten entschiedenen Vorzeichen. Die Bedingungen dünner Schichten gehören zu den angegebenen Folgerungen.

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Redaktion: Benjamin Metzig. Text und Quellen am 8. September 2026 geprüft. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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