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Exponat 07 · Einsteins Definition der Gleichzeitigkeit

Entfernte Uhren vergleichen

Eine Uhr ordnet Ereignisse an ihrem eigenen Ort. Für den Vergleich entfernter Ereignisse braucht es eine zusätzliche Vorschrift. Einstein verwendet 1905 Lichtsignale und zeigt, warum die so bestimmte Gleichzeitigkeit zum Bezugssystem gehört.

3 Minuten Haupttext · Stand: 8. September 2026

Zwei gezeichnete Messinguhren an den Enden einer Holzbank, ergänzt durch eine Leuchte, einen Empfänger und einen Spiegel.Bild vergrößern ↗
Heutige Illustration zu einem Gedankenexperiment mit entfernten Uhren. Die Gegenstände erläutern die Aufgabe; ihre gezeichneten Zeigerstellungen belegen keine tatsächliche Synchronisation.

Auf einen Blick

Wie bekommen zwei voneinander entfernte Orte eine gemeinsame Zeit?

  • Ankunft eines Lichtsignals und Zeitpunkt des entfernten Ereignisses sind verschiedene Angaben.
  • Einsteins Synchronisation setzt gleiche Lichtlaufzeiten für Hin- und Rückweg fest.
  • Gleichzeitigkeit entfernter Ereignisse hängt in der speziellen Relativitätstheorie vom Bezugssystem ab.
Zeitliche Einordnung
1905
Orte und Regionen
Bern; veröffentlicht in den Annalen der Physik
Historisch Beteiligte
Albert Einstein

Eine Uhr genügt zunächst für einen Ort

Wenn ein Signal an einer Station ankommt, kann die dortige Uhr seine Ankunft markieren. Einstein beginnt seine Untersuchung von 1905 mit dieser Verknüpfung von Ereignis und örtlicher Zeigerstellung. Für einen zweiten, entfernten Ort genügt die erste Uhr jedoch noch nicht. Der Ausgangspunkt in § 1

Dort lässt sich ebenfalls eine Uhr aufstellen. Damit besitzen wir zwei örtliche Zeitangaben, aber noch keine Regel für ihren Vergleich. Dass beide Geräte zuverlässig laufen, löst diese Aufgabe nicht von selbst. Wir müssen festlegen, welche Anzeigen einander entsprechen sollen.

Sehen ist noch kein entfernter Zeitvergleich

Das Licht einer entfernten Uhr braucht Zeit bis zu uns. Lesen wir ihre Anzeige durch ein Fernrohr ab, erhalten wir eine Nachricht von einer früheren Stellung. Einstein erörtert deshalb, warum die bloße Ankunft entfernter Lichtzeichen bei einem Beobachter keine ortsunabhängige Zeitzuordnung liefert. Entfernte Ereignisse und ankommende Zeichen

Die Entfernung ist kein kleiner sprachlicher Zusatz. Sie steckt im Messverfahren. Eine Aufnahme kann zwei Anzeigen nebeneinander zeigen, ohne dass die abgebildeten Zeigerstellungen am jeweiligen Ort gleichzeitig auftraten. Pössels heutige Erläuterung führt diesen Unterschied zwischen Sehen und zeitlichem Zuordnen weiter aus. Warum der Standort des Vergleichs zählt

Ein Lichtsignal hin- und zurückschicken

Eine Station A sendet ein Lichtsignal nach B. Dort wird es unmittelbar zurückgeschickt. A hält auf derselben Uhr die Zeit des Aussendens und die Zeit der Rückkehr fest. Einsteins Vorschrift ordnet dem Umkehrereignis in B die Mitte zwischen diesen beiden Anzeigen zu. Die Synchronisationsregel

Ein eigenes Zahlenbeispiel macht die Operation sichtbar: Die Anzeige bei A sei beim Start 100 und bei der Rückkehr 106. Dann wird dem Ereignis bei B der Wert 103 zugewiesen. Die frei gewählten Einheiten beschreiben keine historischen Messdaten und legen keine bestimmte Entfernung fest.

Eine Definition und eine Messung unterscheiden

Der Abstand zwischen 100 und 106 lässt sich mit einer einzigen örtlichen Uhr feststellen. Seine Aufteilung in zwei gleiche Teile ist die verwendete Synchronisationsvorschrift. Sie setzt für diesen Vergleich gleiche Lichtlaufzeiten auf Hin- und Rückweg an. Die ausdrücklich formulierte Festsetzung

Das ist keine unabhängige Messung der einfachen Wegzeit zwischen zwei bereits abgeglichenen Uhren: Gerade ihr Abgleich steht zur Debatte. Die heutige Darstellung bei Einstein Online trennt deshalb die Konvention über entfernte Gleichzeitigkeit von überprüfbaren Aussagen über Licht auf Rundwegen. Definition und experimentell prüfbare Aussage

Das Bezugssystem beim Vergleich nennen

Einstein überträgt die Überlegung anschließend auf bewegte Stäbe und die Uhren an ihren Enden. Eine Gruppe, die dieselben Endereignisse mit ihrem eigenen ruhenden Uhrensystem zuordnet, muss nicht zum gleichen Gleichzeitigkeitsurteil kommen wie eine relativ dazu bewegte Gruppe. Der Schluss von § 2

Die Abweichung ist nicht durch eine beschädigte Uhr erklärt. Sie folgt aus den verwendeten Licht- und Zeitregeln beim Wechsel des Bezugssystems. Darum gehört die Angabe, relativ zu welchem System gemessen wird, zum Ergebnis. Ohne sie bleibt die Aussage über entfernte Gleichzeitigkeit unvollständig.

Aus einem Wort eine Operation machen

Die Frage nach dem Jetzt führt damit zu einer genauen Arbeitsanweisung: Uhren örtlich ablesen, Signale austauschen, eine Vergleichsregel anwenden und das Bezugssystem benennen. Einsteins Herleitung macht diese Schritte vor der weiteren Rechnung ausdrücklich. Zeit als Zuordnung von Ereignissen

Für den Museumsbesuch lässt sich daraus eine allgemeinere Frage mitnehmen: Welche Operation steckt hinter einem scheinbar selbstverständlichen Messwort? Derselbe prüfende Blick unterscheidet im Raum bereits Stromstärke von Elektronenenergie und Winkelkurven von Teilchenbahnen. Hier betrifft er die Zeitangabe selbst.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Das Gedankenexperiment verwendet ideale Uhren, Vakuum und zueinander ruhende Stationen in einem Inertialsystem. Die Zahlen im Beispiel sind frei gewählte Recheneinheiten. Es ist weder ein praktischer Bauplan noch eine Behauptung, eine bestimmte historische Bahnhofsanlage habe diese Theorie hervorgebracht.

Begriffe verstehen

Ereignis

Ein Geschehen an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit, etwa die Ankunft eines Lichtsignals.

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Synchronisation

Eine festgelegte Abstimmung entfernter Uhren zu einer gemeinsamen Zeitzuordnung.

Inertialsystem

Ein Bezugssystem, in dem kräftefreie Körper ruhen oder sich geradlinig mit unveränderter Geschwindigkeit bewegen.

Lichtlaufzeit

Die Zeit, die Licht für einen Weg benötigt; für entfernte Start- und Zieluhren ist dabei die Zeitzuordnung festzulegen.

Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Einsteins ursprüngliche Definition der Gleichzeitigkeit

    Albert Einstein: Zur Elektrodynamik bewegter Körper. Annalen der Physik, 4. Folge, 17, 1905, S. 891–921, insbesondere Einleitung und §§ 1–2.

    Der Text formuliert die Synchronisationsregel ausdrücklich als Definition und unterscheidet die Zeitzuordnung relativ zueinander bewegter Systeme.

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  2. Warum entfernte Gleichzeitigkeit eine Vorschrift braucht

    Markus Pössel: Die Unselbstverständlichkeit des Jetzt. Einstein Online Band 04, 2010, 01-1101.

    Die moderne fachliche Erläuterung unterscheidet den Empfang eines Bildes von der Zuordnung entfernter Ereignisse. Das Zahlenbeispiel im Exponat ist eine eigene Rechenhilfe.

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Redaktion: Benjamin Metzig. Text und Quellen am 8. September 2026 geprüft. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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