Exponat 06 · Davisson und Germers Beugungsversuche
Elektronen am Kristall prüfen
Ein Nickel-Einkristall lenkt Elektronen bevorzugt in bestimmte Richtungen. Davisson und Germer vergleichen diese Maxima mit der Kristallstruktur und der Beschleunigungsspannung. So erhält die Vorstellung von Materiewellen eine messbare Prüfung.
3 Minuten Haupttext · Stand: 8. September 2026
Bild vergrößern ↗Auf einen Blick
Wie lässt sich an elektrisch geladenen Elektronen eine Wellenlänge prüfen?
- Die Stärke der Streuung hängt von Richtung, Kristallorientierung und Spannung ab.
- Aus Beugungswinkeln und bekannten Kristallabständen lässt sich eine Wellenlänge erschließen.
- Die Beziehung zwischen Wellenlänge und Impuls wird durch den Vergleich unterschiedlicher Messgrößen geprüft.
- Zeitliche Einordnung
- Versuchsberichte 1927; Rückblick 1937
- Orte und Regionen
- Bell Telephone Laboratories, New York
- Historisch Beteiligte
- Clinton J. Davisson und Lester H. Germer; theoretischer Bezug auf Louis de Broglie
Einen Strahl Richtung für Richtung messen
Ein enger Elektronenstrahl trifft auf die vorbereitete Fläche eines Nickel-Einkristalls. Ein beweglicher Auffänger misst Elektronen in verschiedenen Richtungen vor dieser Fläche. Davisson und Germer wählen dabei Elektronen aus, deren Geschwindigkeit nahe bei der des einfallenden Strahls liegt. Versuchsanordnung auf S. 558
Die Messung liefert zunächst eine Verteilung von Signalstärken. Eine stärkere Anzeige bedeutet, dass in diesem Winkelbereich mehr der ausgewählten Elektronen ankommen. Das ist etwas anderes als eine Aufnahme des Weges, den ein einzelnes Elektron im Kristall genommen hat.
Die Spannung verändert das Muster
Im Bericht von April 1927 wächst bei veränderter Beschleunigungsspannung ein auffälliges Maximum, verschiebt sich und verschwindet wieder. Besonders ausgeprägt ist es bei 54 Volt in einer bestimmten Richtung. Die erste Abbildung stellt mehrere Spannungen nebeneinander. Die Kurven in Abbildung 1
Ein zufälliger heller Fleck wäre wenig aussagekräftig. Hier wird eine Stellgröße systematisch verändert und die Verteilung jedes Mal neu gemessen. Für eine Erklärung zählt deshalb nicht allein das Vorhandensein eines Maximums. Sie muss auch verständlich machen, warum es unter anderen Bedingungen schwächer wird oder anders liegt.
Den Kristall drehen und Symmetrie prüfen
Bei fester Spannung und festem Beobachtungswinkel wird zusätzlich die Orientierung um die Strahlachse variiert. Es erscheinen drei ausgeprägte Hauptmaxima. Diese Wiederkehr steht im Zusammenhang mit der dreifachen Symmetrie der verwendeten Kristallfläche. Die Winkelverteilung in Abbildung 2
Die regelmäßige Anordnung im Material wird so zu einer Bedingung des Messsignals. Ein Kristall dient hier nicht bloß als beliebiges Hindernis. Seine bekannte Ordnung erlaubt es, das Muster mit einem Wellenmodell zu vergleichen. Unterschiedliche Richtungen und Abstände müssen dabei auseinandergehalten werden.
Zwei Wege zur Wellenlänge vergleichen
Aus der Lage der Maxima und den bekannten Abständen von Atomreihen an der Oberfläche berechnen die Forscher zugehörige Wellenlängen. Unabhängig davon lässt sich aus der Beschleunigungsspannung auf die Bewegung der Elektronen schließen. De Broglies Beziehung verbindet ihren Impuls mit einer vorhergesagten Wellenlänge. Wellenlängenvergleich und Tabelle auf S. 559
Der entscheidende Schritt besteht im Zusammenführen dieser zwei Wege. Eine passende Zahl wird nicht einfach dem sichtbaren Muster zugeteilt. Die aus der Kristallgeometrie erschlossene Größe muss mit einer Vorhersage übereinstimmen, die auf einer anderen messbaren Eingangsgröße beruht.
Die Abweichungen im Bericht mitlesen
Der frühe Bericht enthält auch unaufgeklärte Strahlen und systematische Abweichungen. Die Autoren diskutieren eine unvollkommene Ausrichtung und weitere Grenzen ihrer Apparatur. Daten nahe dem Rand des beobachtbaren Winkelbereichs halten sie für weniger zuverlässig. Einschränkungen am Ende des Briefes
Ein zum Vergleich mit Röntgenstrahlen eingeführter rechnerischer Kontraktionsfaktor darf deshalb nicht als gemessene Schrumpfung des Nickels erzählt werden. Der Text erprobt Zuordnungen zwischen Mustern. Seine offenen Punkte gehören zum Befund und verschwinden nicht dadurch, dass die Arbeit später berühmt wurde.
Eine Eigenschaft prüfen, statt ein Bild festzuschreiben
Davisson zeigt im Rückblick von 1937 den Vergleich von Wellenlänge und Beschleunigungsspannung zusammen mit den Streukurven. Er würdigt ausdrücklich Germers Anteil an der langen experimentellen Arbeit. Rückblick und Abbildungen 1–4
Das Ergebnis erweitert die Anforderungen an ein Modell des Elektrons. Seine messbare Ladung bleibt wichtig, und zugleich muss eine Erklärung die beobachtete Beugung erfassen. Die Wörter Teilchen und Welle benennen hier Zugänge zu verschiedenen Befunden. Ein vertrautes Alltagsbild allein erledigt diese Aufgabe nicht.
Grenzen des Wissens
Was offen bleibt
Das Exponat behandelt die im Originalbericht ausgewählten Streumaxima. Nicht jedes Signal passte schon 1927 in die Zuordnung. Ein solches Muster ist keine Fotografie einer einzelnen Elektronenbahn und kein vollständiges Bild davon, was ein Elektron ist.
Begriffe verstehen
Einkristall
Ein Kristall, dessen Gitter über den untersuchten Bereich eine gemeinsame Orientierung besitzt.
Beugung
Die räumliche Verteilung einer Welle bei ihrer Wechselwirkung mit Strukturen oder Öffnungen; hier entstehen bevorzugte Streurichtungen.
← Zur TextstelleStreumaximum
Eine Richtung, in der unter bestimmten Bedingungen besonders viel vom untersuchten Signal gemessen wird.
Impuls
Physikalische Bewegungsgröße; im hier betrachteten langsamen Bereich das Produkt aus Masse und Geschwindigkeit.
← Zur TextstelleQuellen und Nachweise
Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.
- Die ersten Winkelkurven und ihre Grenzen
C. Davisson und L. H. Germer: The Scattering of Electrons by a Single Crystal of Nickel. Nature 119, 16. April 1927, S. 558–560; Brief vom 3. März 1927.
Die Hauptmaxima und ihre Spannungsabhängigkeit werden mit berechneten Wellenlängen verglichen. Der Bericht nennt zugleich unaufgeklärte Strahlen und Unsicherheiten der Ausrichtung.
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Clinton J. Davisson: The Discovery of Electron Waves. Nobelvortrag vom 13. Dezember 1937, S. 387–394.
Der Rückblick erläutert den Vergleich beider Wellenlängenbestimmungen und nennt Germers experimentelle Mitwirkung. Er ist zeitlich vom Originalbericht von 1927 zu unterscheiden.
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Redaktion: Benjamin Metzig. Text und Quellen am 8. September 2026 geprüft. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.
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