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Themenraum · 6 Exponate

Karten, Navigation und Begegnungen

Ein schwankendes Deck, eine ablaufende Leine, Stifte in einer Tafel und eine gedruckte Weltkarte gehören zu verschiedenen Teilen derselben Arbeit. In diesem Raum verfolgst du, wie Menschen Richtungen und Bewegung erfassen, Ergebnisse bewahren und räumliches Wissen für andere lesbar machen.

In deinem Tempo · Quellen an jedem Exponat · Stand: 6. September 2026

Helle gezeichnete Museumsgalerie mit Bogenfenster, Sitzbank und Wandkarte; ein Holztisch zeigt Messingrad, Leinenrolle, Sandglas und runde Stifttafel.Bild vergrößern ↗
Ein frei entworfener Museumsraum führt Beobachtungsgeräte, Aufzeichnung und Karten zusammen. Die Gegenstände und die Wandkarte dienen der Anschauung; die Szene rekonstruiert keine historische Ausstellung oder Schiffsreise.

Eine Raumfrage · verschiedene Zugänge

Beobachten. Aufzeichnen. Karten lesen.

Beginne bei einer Frage, die dich interessiert, oder folge den Stationen des Rundgangs.

Die Werkstatt der Erkenntnis

Was trägt ein Befund?

Ein Instrument, eine Kartenlinie und ein Vorwort ermöglichen unterschiedliche Aussagen. Entscheidend ist, welche Frage der jeweilige Beleg beantworten kann.

Eine Skala ohne ZahlenValentia-Instrument, ungefähr 1588
Was liegt vor?
Das erhaltene Marineastrolabium besitzt Linien, aber keine eingetragenen Skalenzahlen. Das Museum erwägt einen unvollendeten Zustand.
Was folgt daraus?
Der Gegenstand erschließt Bauform und Herstellungsspuren. Seine erhaltenen Merkmale geben Anlass zu einer Frage nach seiner Fertigstellung.
Was bleibt offen?
Weder eine bestimmte Schiffsreise noch eine erfolgreich ausgeführte Messung ist damit nachgewiesen.
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Die gerade KurslinieMercators Weltkarte von 1569; heutiges Kugelmodell
Was liegt vor?
Eine Loxodrome schneidet Meridiane unter gleichbleibendem Winkel. Auf der Mercatorprojektion wird sie als Gerade dargestellt.
Was folgt daraus?
Die besondere Projektion vereinfacht das Einzeichnen eines konstanten geografischen Kurses.
Was bleibt offen?
Eine gerade Linie ist hier kein allgemeiner Nachweis der kürzesten Strecke; der Maßstab verändert sich mit der Breite.
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Ein Vorwort auf der WeltkarteKunyu wanguo quantu, 1602
Was liegt vor?
Die Museumssynopsis von Li Zhizaos Vorwort erläutert Argumente für die kartografische Darstellung und ihre astronomischen Grundlagen.
Was folgt daraus?
Der Text zeigt, wie Vertrauen in ein Wissensangebot begründet wurde. Die Karte ist auch ein Werk sprachlicher Vermittlung.
Was bleibt offen?
Die Begründung bestätigt nicht automatisch jede einzelne Küstenlinie oder Länderbewertung.
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Eine Frage an deinen Blick

Was lässt sich wirklich behaupten?

Im heutigen vereinfachten Modell steht für drei gleich lange Abschnitte nacheinander Nord, Ost, Ost. Welche Übertragung erhält die vollständige eingetragene Folge?

Achte auf die Zuordnung zu jedem Zeitabschnitt.
Auflösung und Begründung

Die Übertragung muss Nord, Ost und erneut Ost den drei Abschnitten zuordnen. Die heutige Modellaufgabe erklärt eine Aufzeichnungsregel; sie gibt keine vollständige historische Wache oder Schiffsposition wieder.

Die Erklärung mit Quellen lesen ↗

Die Idee dieser Ausstellung

Wie werden Beobachtungen auf See zu Angaben, mit denen andere Menschen ihren Weg finden können?

Quellen und Nachweise ↓

Der Weg beginnt mit einem Bezug

Eine Richtung ist immer eine Richtung im Verhältnis zu etwas anderem. Beim Blick zum Horizont, bei der Stellung einer Magnetnadel und bei der Bewegung durchs Wasser entstehen verschiedene Bezüge. Wer sie verwechselt, kann eine sauber abgelesene Zahl falsch deuten.

Die ersten beiden Stationen behandeln deshalb die Bedingungen einer Beobachtung. Das Marineastrolabium begegnet Wind und Bewegung mit seiner Bauform. Beim Backstaff werden Schatten und Horizont zusammengeführt. Die Teile haben unterschiedliche Aufgaben, obwohl beide Instrumente zu einer Himmelsbeobachtung beitragen. Marineastrolabium: Aufbau und Gebrauch Backstaff: die gemeinsame Ausrichtung

Formen haben eine Geschichte

Eine überlieferte Idee und ein erhaltenes Gerät müssen nicht gleich alt sein. Das Valentia-Instrument ist ungefähr auf 1588 datiert und könnte unvollendet sein. Das hier verglichene Backstaff-Stück entstand 1711, nachdem die Instrumentenfamilie bereits über mehrere Generationen verändert worden war. Der Valentia-Fund Die Entwicklung des Davis-Quadranten

Diese zeitlichen Abstände machen die Gegenstände nicht wertlos. Sie bestimmen, welche Fragen sich an ihnen untersuchen lassen. Ein späteres Stück kann einen Arbeitsablauf anschaulich machen. Für die genaue Gestalt eines frühen Entwurfs braucht es zusätzliche Belege.

Eine Beobachtung soll die Wache überdauern

Die Logmessung verbindet eine abgelaufene Leinenlänge mit einem Zeitintervall. Der Bezug ist die Bewegung durchs Wasser. Um daraus einen Fahrtverlauf zu gewinnen, müssen weitere Angaben hinzukommen und ihrem Zeitraum zugeordnet bleiben. Handlog: Teile und Messung

Hier setzt die Koppeltafel an. Ihre Stifte halten Richtungen vorübergehend fest. Die Einträge werden übertragen, bevor dieselbe Tafel wieder verwendet wird. Ein bekanntes Ordnungssystem ermöglicht es, dass andere Personen die Folge lesen können. Das Material bewahrt eine Beobachtung, ohne sie selbst vorgenommen zu haben. Koppeltafel: Eintragen und Übertragen

Auch die gedruckte Beschreibung eines Verfahrens gehört zur Weitergabe. Bournes undatiertes Navigationsbuch wird gewöhnlich 1574 zugeordnet. Diese bibliografische Angabe benennt eine frühe Veröffentlichung; sie legt keinen einzelnen Erfindungstag fest. Bournes Buch und seine Ausgaben

Eine Karte wird für eine Aufgabe entworfen

Mercators Weltkarte von 1569 behandelt die Frage, wie sich ein gleichbleibender geografischer Kurs bequem darstellen lässt. Die Mercatorprojektion macht eine solche Kurslinie gerade. Dazu wächst der Abstand der Breitenlinien zum Pol hin. Der örtliche Maßstab verändert sich; Flächenvergleiche verlangen deshalb Aufmerksamkeit. Die Weltkarte von 1569 Projektion, Kurslinie und Maßstab

Eine Karte ist somit mehr als ein verkleinertes Stück Erde. Sie übersetzt die gekrümmte Oberfläche nach einer bestimmten Regel in eine Ebene. Frage beim Vergleichen nach der Aufgabe: Soll eine Richtung, eine Entfernung oder eine Fläche beurteilt werden? Die gewünschte Eigenschaft entscheidet mit über die passende Darstellung.

Auf der Karte begegnen sich auch Perspektiven

Die chinesisch beschriftete Weltkarte von 1602 führt zu einer anderen Art von Übersetzung. Matteo Ricci, Li Zhizao und weitere Beteiligte verbanden geografisches Wissen, Sprache, Druck und Erläuterungen zu einem Werk für ein bestimmtes Publikum. Die Bibliotheksbeschreibung macht auch die Mitarbeit von Handwerkern sichtbar. Die gemeinsame Herstellung der Karte

Vorworte, Ortsangaben und Länderbeschreibungen teilen sich eine Fläche, besitzen aber unterschiedliche Aussageformen. Die englischen Übersetzungen und Synopsen des Asian Art Museum helfen, ausgewählte Passagen zu unterscheiden. Eine historische Bewertung Europas lässt sich als Selbstbild untersuchen; sie wird dadurch nicht zu einem heutigen Messwert. Kartentexte in Übersetzung und Zusammenfassung

Am Ende des Rundgangs kannst du daher drei Fragen auseinanderhalten: Wie wurde etwas beobachtet? Wie blieb die Angabe erhalten? Und wie wurde sie für andere dargestellt und begründet? Erst ihr Zusammenhang macht aus einzelnen Gegenständen eine Geschichte des Navigierens und der Wissensbegegnung.

Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Ein Messgerät an Wind und Schiffsbewegung anpassen

    Royal Museums Greenwich: What is a mariner’s astrolabe?

    Masse, Durchbrechungen, Aufhängung und Ausrichtung erläutert. Keine allgemeine Hypatia-Zuschreibung oder verkürzte Entstehungsgeschichte übernommen. Messung und vollständige Ortsbestimmung bleiben getrennt.

    ← Zur Textstelle: Der Weg beginnt mit einem Bezug
  2. Das erhaltene Greenwich/Valentia-Astrolabium

    Royal Museums Greenwich: Greenwich (Valentia) Astrolabe, NAV0022, circa 1588.

    Fundjahr 1845, Messingkörper und fehlende Skalenzahlen. Unfertiger Zustand und Armada-Zusammenhang sind Deutungen; keine bestimmte Schiffszuteilung und keine erfundene Betriebsmessung.

    ← Zur Textstelle: Formen haben eine Geschichte
  3. Sonnenhöhe mit einem Schatten beobachten

    The Mariners’ Museum and Park, Ages of Exploration: Backstaff; Walter Hensaw 1711, 1998.69.151.

    Das konkret bezeichnete Gerät stammt von 1711, nicht vom Beginn um 1594. Pauschale Erblindungsbehauptungen und die Rangfolge einer besten Bauform nicht übernommen. Bogenablesung zusätzlich fachlich abgeglichen.

    ← Zur Textstelle: Der Weg beginnt mit einem Bezug
  4. Die Entwicklung des Davis-Quadranten im 17. Jahrhundert

    Nicolàs de Hilster: The Early Development of the Davis Quadrant. Bulletin of the Scientific Instrument Society 110 (2011), S. 14–22.

    Entwicklung der Bauformen, unterschiedliche Visieranordnungen und Zenitdistanz. Feinste Skalenteilung ist keine gemessene Genauigkeit; vergleichende Objektzuweisung ist kein sicheres Herstellungsdatum.

    ← Zur Textstelle: Formen haben eine Geschichte
  5. Logkörper, Leine, Rolle und Zeitmessung

    Royal Museums Greenwich: Log and line, NAV0720, 1961.

    Erklärungsobjekt von 1961, mit im Katalog beschriebenem 28-Sekunden-Glas. Keine Rückdatierung seiner Teile auf 1574. Der historische Bourne-Verweis ist eine Museumsangabe, keine eigene Originallektüre.

    ← Zur Textstelle: Eine Beobachtung soll die Wache überdauern
  6. Bournes Navigationsbuch bibliografisch einordnen

    Stephen Johnston, Museum of the History of Science, University of Oxford: A revised bibliography of William Bourne, zuletzt verändert am 16. Dezember 2016.

    Undatierte Ausgabe gewöhnlich 1574 zugewiesen; mehrere spätere Ausgaben. Manuskriptfassungen nicht mit späteren Drucken gleichsetzen. Keine daraus angeblich selbst gelesene Log-Anleitung oder direkte Zitate.

    ← Zur Textstelle: Eine Beobachtung soll die Wache überdauern
  7. Eine Wache mit Stiften aufzeichnen

    Royal Museums Greenwich: Traverse board, NAV1698, circa 1800.

    Frühe Verwendung einfacher Tafeln wird vom Museum ins 16. Jahrhundert eingeordnet. Das konkrete spätere Stück besitzt zusätzlich eine Geschwindigkeitstabelle; seine vollständige Form wird nicht ins 16. Jahrhundert rückdatiert.

    ← Zur Textstelle: Eine Beobachtung soll die Wache überdauern
  8. Mercatorprojektion, Kurslinie und veränderlicher Maßstab

    John P. Snyder: Map projections: A working manual. U.S. Geological Survey Professional Paper 1395 (1987), Kapitel 7, S. 38–47. DOI: 10.3133/pp1395.

    Heutige mathematische Erklärung im Kugelmodell und Abgrenzung zum Ellipsoid. Geografischer Kurs, lokale Winkeltreue und Maßstabsfaktor. Keine behauptete Originalarbeitsformel Mercators; Tabellen anderer Himmelskörper nicht verwendet.

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  9. Mercators Weltkarte vom späteren Atlas unterscheiden

    University College Oxford: Mercator’s Atlas, 7. Mai 2020.

    Weltkarte 1569 und Atlas-Weltkarte 1595 mit zwei Hemisphären. Die Formtreue ganzer Länder ist zu weit gefasst; lokal winkeltreue Darstellung fachlich über Snyder präzisiert. Datierungsstand der eigenen Oxford-Ausgabe von 2020 nicht als aktueller Forschungsstand behauptet.

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  10. Die gemeinsame Herstellung der Ricci-Weltkarte von 1602

    University of Minnesota Libraries, James Ford Bell Library: 1602 World Map of Matteo Ricci.

    Sechs Drucktafeln und Zusammenarbeit mit Li Zhizao, weiteren Gelehrten und Handwerkern. Mögliche eigene Gravur Li Zhizaos und mögliche Hofstellung Zhang Wentaos nicht als gesichert ausgegeben. Biografische Jahresabweichung für die Objektfrage nicht verwendet.

    ← Zur Textstelle: Auf der Karte begegnen sich auch Perspektiven
  11. Ricci-Karte: Europatext, Li Zhizaos Vorwort und Druckervermerk

    Asian Art Museum: The Ricci Map, 1602. Interaktion zur Ausstellung 2016; Übersetzungen A. C. Baecker, Kartuschensynopsen Mark Mir.

    Northern Europe ist als Translation bezeichnet; Preface by Li Zhizao und Printer als Synopsis. Kartenbehauptung und heutiger Forschungsbefund bleiben getrennt. Ältere Besitz- und Exemplarzahlen der Ausstellung werden nicht als aktuell verifiziert übernommen.

    ← Zur Textstelle: Auf der Karte begegnen sich auch Perspektiven

Redaktion: Benjamin Metzig. Erste vollständige Fassung dieser Sammlung vom 6. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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