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Exponat 03 · Logmessung und Bezugsbewegung

Fahrt mit Leine und Zeit bestimmen

Ein Log verbindet einen im Wasser gebremsten Körper mit einer Leine und einem Zeitmaß. Das Verfahren macht Fahrt messbar, solange klar bleibt, welche Bewegung und welches Zeitintervall tatsächlich erfasst werden.

3 Minuten Haupttext · Stand: 6. September 2026

Holzrolle mit aufgewickelter Leine, daran ein sektorförmiges Brett mit dunkler Beschwerung am Rundrand; daneben ein Sandglas auf blaugrünem Holz.Bild vergrößern ↗
Frei entworfenes Anschauungsbild von Rolle, Leine, Logkörper und Sandglas. Strecke und Zeit müssen zusammen erfasst werden; die Zeichnung zeigt weder eine kalibrierte Ausrüstung noch ein Originalgerät des 16. Jahrhunderts.

Auf einen Blick

Was verrät eine auslaufende Leine über die Fahrt eines Schiffs?

  • Geschwindigkeit verbindet eine Strecke mit einem Zeitintervall.
  • Leinenteilung und Zeitmaß müssen zueinander passen.
  • Fahrt relativ zum Wasser ist nicht automatisch Bewegung relativ zum Meeresboden.
Zeitliche Einordnung
In Navigationsliteratur des späten 16. Jahrhunderts beschrieben; Erklärungsobjekt von 1961
Orte und Regionen
Europäische und atlantische Seefahrt
Historisch Beteiligte
Steuerleute und Besatzungen; William Bourne als Autor einer frühen gedruckten Beschreibung

Eine Strecke braucht einen Zeitraum

Ein auslaufendes Stück Leine ist zunächst nur eine Länge. Erst zusammen mit der Zeit, in der es auslief, entsteht eine Geschwindigkeitsangabe. Je mehr Leine während desselben Intervalls abläuft, desto größer ist die gemessene relative Bewegung.

Beim Handlog wird ein hölzerner Körper ins Wasser gegeben. Die Leine kann sich von einer Rolle abwickeln; eine zweite Beobachtung begrenzt die Messdauer. Das Royal Museums Greenwich beschreibt diesen Zusammenhang an einem erhaltenen Log mit Leine, Rolle und Sandglas. RMG: Teile und Messablauf

Das Wasser liefert den Bezug

Der Logkörper soll der Bewegung durch das Wasser Widerstand entgegensetzen. Während das Schiff weiterfährt, läuft Leine aus. Der Körper ist dabei kein am Meeresboden befestigter Anker. Wind, Wellen, Leinenzug und das Verhalten des Körpers können die beobachtete Bewegung beeinflussen.

Ein heutiges Gedankenbeispiel macht die Bezugsfrage deutlich: Treiben Schiff und Logkörper gemeinsam mit einer Strömung, kann ihr Abstand klein bleiben, obwohl beide ihren Ort gegenüber dem Ufer verändern. Aus dem Abstand allein folgt deshalb keine vollständige Bewegung über Grund. Gemessen wird in einem bestimmten Zusammenhang, nicht aus einer unveränderlichen Außenperspektive.

Die Teilung muss zur Uhr passen

Das Greenwich-Objekt NAV0720 stammt von 1961. Sein Katalog beschreibt ein Glas für 28 Sekunden und das Zählen der Markierungen an der Leine. Der hölzerne Logkörper ist am gebogenen Rand beschwert. Diese konkrete Zusammenstellung hilft beim Erklären des Verfahrens, ist aber kein Originalgerät aus dem 16. Jahrhundert. RMG: das datierte Erklärungsobjekt

Für jede solche Messung müssen die Abstände der Markierungen und die Dauer des verwendeten Glases zusammenpassen. Eine andere Zeit mit derselben Zählregel kann ein anderes Ergebnis erzeugen. Eine gerundete historische Länge lässt sich deshalb nicht stillschweigend mit einem heutigen exakten Einheitenwert austauschen.

Ein heutiges Zahlenbeispiel

Angenommen, in unserem frei gewählten Rechenmodell laufen 60 Meter Leine während 20 Sekunden aus. Der Quotient ergibt drei Meter pro Sekunde. Laufen im gleichen Zeitraum 120 Meter aus, verdoppelt sich das Ergebnis auf sechs Meter pro Sekunde. Die Zahlen erklären das Verhältnis; sie sind keine Abschrift aus einem historischen Seefahrtsbuch.

Wenn der Beginn des Zeitintervalls verpasst wird, löst eine sorgfältig gezählte Leine das Problem nicht. Ebenso wenig korrigiert eine genaue Uhr eine falsch bestimmte Länge. Das Messverfahren verlangt abgestimmte Handlungen. Es ist damit zugleich ein Beispiel für die Arbeitsteilung bei einer Beobachtung.

Eine Beschreibung ist kein Erfindungstag

Der Museumskatalog verweist für eine frühe gedruckte Beschreibung auf William Bournes A Regiment for the Sea. Stephen Johnstons Bibliografie präzisiert die Datierung: Das Buch trägt kein Druckjahr und wird gewöhnlich 1574 zugeordnet. Mehrere spätere Ausgaben folgten. RMG: der historische Verweis Oxford: Datierung und Ausgaben

Eine frühe erhaltene Beschreibung belegt, dass ein Verfahren damals erklärt wurde. Sie beweist weder den ersten Versuch noch eine überall gleiche Ausrüstung. Die verbreitete Erzählung vom einen genialen Erfindungsaugenblick wäre genauer, als die hier untersuchten Belege erlauben.

Die Messung muss weiterverarbeitet werden

Eine Fahrtmessung kann helfen, den zurückgelegten Weg während eines Zeitraums abzuschätzen. Dafür müssen die Fahrtrichtung, die Dauer und mögliche Veränderungen berücksichtigt werden. Ein einzelner Momentwert beschreibt nicht automatisch eine ganze Wache.

Die folgende Station fragt deshalb nach dem Gedächtnis der Fahrt. Wie werden aufeinanderfolgende Richtungen so festgehalten, dass sie später noch zu den richtigen Zeitabschnitten gehören? Aus dem Messen wird eine Aufzeichnungsaufgabe, bevor überhaupt ein gezeichneter Kurs entstehen kann.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Bournes Originaltext wurde für dieses Exponat nicht vollständig eingesehen. Seine frühe Beschreibung wird über den Museumskatalog eingeordnet; die Einzelteile und das Zeitglas des erhaltenen Geräts von 1961 werden nicht in die frühe Ausgabe zurückversetzt.

Begriffe verstehen

Log

Gerät zur Bestimmung der Fahrt eines Schiffs; das hier behandelte Handlog nutzt einen im Wasser gebremsten Körper und eine auslaufende Leine.

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Zeitintervall

Dauer zwischen einem festgelegten Beginn und Ende der Messung.

Fahrt durchs Wasser

Bewegung eines Schiffs relativ zum umgebenden Wasser; sie kann sich durch Strömung von der Bewegung über Grund unterscheiden.

Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Logkörper, Leine, Rolle und Zeitmessung

    Royal Museums Greenwich: Log and line, NAV0720, 1961.

    Erklärungsobjekt von 1961, mit im Katalog beschriebenem 28-Sekunden-Glas. Keine Rückdatierung seiner Teile auf 1574. Der historische Bourne-Verweis ist eine Museumsangabe, keine eigene Originallektüre.

    ← Zur Textstelle 1: Eine Strecke braucht einen Zeitraum← Zur Textstelle 2: Die Teilung muss zur Uhr passen← Zur Textstelle 3: Eine Beschreibung ist kein Erfindungstag
  2. Bournes Navigationsbuch bibliografisch einordnen

    Stephen Johnston, Museum of the History of Science, University of Oxford: A revised bibliography of William Bourne, zuletzt verändert am 16. Dezember 2016.

    Undatierte Ausgabe gewöhnlich 1574 zugewiesen; mehrere spätere Ausgaben. Manuskriptfassungen nicht mit späteren Drucken gleichsetzen. Keine daraus angeblich selbst gelesene Log-Anleitung oder direkte Zitate.

    ← Zur Textstelle: Eine Beschreibung ist kein Erfindungstag

Redaktion: Benjamin Metzig. Erste Arbeitsfassung vom 6. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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