Exponat 02 · Backstaff und gemeinsame Ausrichtung
Sonne und Horizont mit einem Schatten verbinden
Der Backstaff führt einen Schatten und den sichtbaren Horizont an einer gemeinsamen Ablesesituation zusammen. Seine Entwicklung zeigt, dass die Idee eines Instruments und seine später verbreitete Bauform verschiedene Geschichten besitzen.
3 Minuten Haupttext · Stand: 6. September 2026
Bild vergrößern ↗Auf einen Blick
Wie lässt sich ein Sonnenwinkel bestimmen, während der Blick zum Horizont gerichtet bleibt?
- Ein Schatten kann die Richtung des Sonnenlichts für eine Messung nutzbar machen.
- Visiere müssen gemeinsam ausgerichtet werden; einzelne Skalenwerte erklären sich nicht von selbst.
- Spätere erhaltene Geräte sind keine unveränderten Erstentwürfe.
- Zeitliche Einordnung
- Entwicklung seit den 1590er Jahren und im 17. Jahrhundert; Vergleichsgerät von 1711
- Orte und Regionen
- Europäische Seefahrt und atlantische Instrumentenwerkstätten
- Historisch Beteiligte
- John Davis; Instrumentenmacher und Seefahrende; Walter Hensaw als Hersteller des Vergleichsstücks von 1711
Zwei Richtungen sollen zusammenpassen
Für die Höhe der Sonne ist ihr Winkel zur örtlichen Horizontalen entscheidend. An Bord kann der sichtbare Horizont dabei einen Bezug liefern. Die Schwierigkeit liegt darin, Sonnenrichtung und Horizont in eine gemeinsame Messsituation zu bringen, während sich Schiff und Beobachter bewegen.
Beim Backstaff wird dazu ein Schatten benutzt. Die beobachtende Person steht mit dem Rücken zur Sonne und blickt durch Visiere zum Horizont. Eine verschiebbare Schattenkante wird mit der Öffnung des Horizontvisiers in Deckung gebracht. Mariners’ Museum: Beobachtung mit dem Backstaff
Der Schatten gehört zum Messweg
Ein Schatten entsteht auf der vom Licht abgewandten Seite eines Bauteils. Seine Lage verändert sich, wenn das Bauteil oder die Einfallsrichtung des Lichts verändert wird. Im Instrument wird gerade diese Abhängigkeit genutzt: Die passende Schattenlage begrenzt, welche Einstellungen zusammen möglich sind.
Stell dir als heutiges Anschauungsmodell eine verschiebbare Blende vor einer hellen Fläche vor. Ein Strich auf der Fläche reicht nicht für eine Winkelmessung. Erst wenn Lage der Blende, Abstand und Blickrichtung definiert sind, wird eine Einstellung wiederholbar. Ein zufälliger Schattenfleck besitzt noch keine Winkelangabe.
Die Bögen sind keine zwei unabhängigen Antworten
Spätere Davis-Quadranten verbinden zwei Kreisbögen mit unterschiedlichen Aufgaben der Visiere. Die Untersuchung von Nicolàs de Hilster verfolgt, wie diese Anordnung während des 17. Jahrhunderts entwickelt und verändert wurde. Ein frühes Datum für die Instrumentenidee beschreibt deshalb nicht automatisch das ganze später bekannte Gerät. De Hilster: Bauformen und Entwicklung
Bei der im Aufsatz erklärten Ableseweise ergibt die Summe der Bogenwerte zunächst die Zenitdistanz. Sie ist nicht unmittelbar dieselbe Zahl wie die Höhe über der Horizontalen. Ein heutiges reines Winkelbeispiel verdeutlicht das: 30 Grad Abstand vom Zenit entsprechen 60 Grad Höhe. Das ist Geometrie, keine behauptete historische Beobachtung.
Ein erhaltenes Gerät ist jünger als die Idee
Das Mariners’ Museum bezeichnet sein Vergleichsstück als Arbeit Walter Hensaws von 1711 und nennt die Sammlungsnummer 1998.69.151. Damit lässt sich ein konkreter Gegenstand von der Entwicklung seit den 1590er Jahren unterscheiden. Die spätere Form darf nicht als erhaltenes Erstmodell von John Davis erscheinen. Mariners’ Museum: das datierte Vergleichsstück
Auch bei einem alten Gerät können einzelne Teile ergänzt oder ersetzt worden sein. Für die Geschichte einer Bauform zählen deshalb erhaltene Merkmale, Beschreibungen und Vergleiche zusammen. Ein Herstellername allein erklärt weder jede Veränderung noch die Genauigkeit einer historischen Messung.
Eine feine Teilung genügt nicht
Eng gesetzte Skalenstriche erlauben eine feinere Ablesung. Daraus folgt noch nicht, dass Sonnenkante, Horizont und Visiere ebenso genau zusammengebracht wurden. De Hilsters Untersuchung unterscheidet die Gestaltung der Skalen von Aussagen über die Leistung des gesamten Instruments. De Hilster: Skalen und Vergleichsgrenzen
Für eine navigatorische Auswertung kommen weitere Schritte hinzu. Die beobachtete Sonnenrichtung hängt auch vom Datum ab; die Umrechnung in eine Breitenangabe braucht entsprechendes astronomisches Wissen. Das Ablesen beendet deshalb nur einen Teil der Arbeit. Eine Zahl ohne Kenntnis ihrer Bedeutung kann trotz sauberer Skala falsch verwendet werden.
Vergleiche den Bezug, nicht nur die Form
Der Vergleich mit dem Marineastrolabium beginnt bei der Beobachtungsaufgabe. Dort unterstützt ein hängender Körper die Ausrichtung, hier werden Schatten und Horizont zusammengeführt. Es handelt sich um unterschiedliche Lösungen für einen Teil der Navigation.
Achte beim Betrachten auf die verstellbaren Teile und ihre Verbindung. Welche Bewegung verändert die Schattenlage? Wo liegt der Bezug zum Horizont? Diese Fragen erschließen das Prinzip auch dann, wenn die historische Skala nicht vollständig lesbar ist. Eine vollständige Messanleitung oder eine garantierte Ortsbestimmung entsteht daraus noch nicht.
Grenzen des Wissens
Was offen bleibt
Die Bauformen veränderten sich über das 17. Jahrhundert. Das genannte Hensaw-Gerät von 1711 ist ein späterer Vergleich. Die Darstellung beansprucht keine vollständige Rekonstruktion des ersten Entwurfs von John Davis.
Begriffe verstehen
Backstaff
Instrumentenfamilie zur Sonnenbeobachtung, bei der die beobachtende Person der Sonne den Rücken zuwendet und deren Schatten nutzt.
← Zur TextstelleVisier
Bauteil mit Kante oder Öffnung, das die Ausrichtung einer Beobachtung festlegt.
Zenitdistanz
Winkel zwischen einer Richtung und dem Zenit über dem Beobachtungsort; sie ergänzt die entsprechende Höhe über der Horizontalen auf 90 Grad.
← Zur TextstelleQuellen und Nachweise
Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.
- Sonnenhöhe mit einem Schatten beobachten
The Mariners’ Museum and Park, Ages of Exploration: Backstaff; Walter Hensaw 1711, 1998.69.151.
Das konkret bezeichnete Gerät stammt von 1711, nicht vom Beginn um 1594. Pauschale Erblindungsbehauptungen und die Rangfolge einer besten Bauform nicht übernommen. Bogenablesung zusätzlich fachlich abgeglichen.
← Zur Textstelle 1: Zwei Richtungen sollen zusammenpassen← Zur Textstelle 2: Ein erhaltenes Gerät ist jünger als die Idee - Die Entwicklung des Davis-Quadranten im 17. Jahrhundert
Nicolàs de Hilster: The Early Development of the Davis Quadrant. Bulletin of the Scientific Instrument Society 110 (2011), S. 14–22.
Entwicklung der Bauformen, unterschiedliche Visieranordnungen und Zenitdistanz. Feinste Skalenteilung ist keine gemessene Genauigkeit; vergleichende Objektzuweisung ist kein sicheres Herstellungsdatum.
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Redaktion: Benjamin Metzig. Erste Arbeitsfassung vom 6. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.
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