Zwei Sprachen auf einem erhaltenen Textzeugen
Ayer MS 1515 bezeichnet einen bestimmten Handschriftenbestand der Newberry Library. Darin steht das Popol Vuh in K’iche’ mit Francisco Ximénez’ spanischer Übersetzung in parallelen Spalten. Das Lesen einer Übersetzung und das Untersuchen der erhaltenen Abschrift eröffnen verschiedene Zugänge zum selben Text.
Der Digitalkatalog nennt wahrscheinlich 1700–1703 und verzeichnet für den Popol-Vuh-Teil 56 Blätter. Zum größeren Bestand gehören auch sprachliche und christliche Lehrtexte sowie gesonderte Kommentare. Die Signatur bezeichnet deshalb mehr als ein aus seinem Zusammenhang gelöstes modernes Erzählbuch.
Die Datierung der Abschrift datiert nicht die ganze Tradition
Der Newberry-Rechercheführer gibt für Ximénez’ Abschrift den weiteren Zeitraum 1700–1715 an. Er nennt als Forschungshypothese eine ältere, im 16. Jahrhundert von einem indigenen Sprachkundigen in lateinischen Buchstaben geschriebene Vorlage. Diese mögliche Vorlage und die heute erhaltene Abschrift sind auseinanderzuhalten.
Eine kolonialzeitliche Niederschrift kann ältere Überlieferung bewahren. Ihr Datum ist weder das Entstehungsjahr aller erzählten Motive noch der Beweis einer vollständig rekonstruierbaren früheren Aufführung. Die nebeneinanderliegenden Sprachen machen Übersetzung als Teil der Weitergabe sichtbar.
Ein Weg nach Chicago mit einer offenen Erwerbsfrage
Laut Rechercheführer verließ die Handschrift Guatemala nach 1853. Brasseur de Bourbourg behauptete einen Kauf von Ignacio Coloche im Jahr 1855; der Führer kennzeichnet diese Angabe als umstritten. Ayer kaufte das Manuskript 1887 von einem Pariser Buchhändler, seit 1912 befindet es sich in der Newberry.
Eine bekannte spätere Sammlungsstation klärt die frühere Erwerbssituation nicht automatisch. Die Bibliotheksangaben geben einen dokumentierten Ausgangspunkt für weitere Provenienzfragen.
K’iche’-Sprachwissen arbeitet an der Ausgabe mit
Luis Enrique Sam Colop erläutert 2009 in zwei veröffentlichten Interviews seine poetische Gliederung: Neben Zweiergruppen berücksichtigt er parallele Dreier- und Viererfolgen sowie Übergänge zur Prosa. Er beschreibt den Abgleich mit der Ximénez-Handschrift und älteren Wörterbüchern. Seine Arbeit macht sprachliche Beziehungen durch eine begründete neue Darstellung lesbar.
Sam Colop betrachtet seine Fassung als weiter korrigierbar. Diese konkrete Forschungsstimme zeigt heutige Bedeutung durch Sprach- und Editionsarbeit. Sie spricht nicht für sämtliche K’iche’-Gemeinschaften und ersetzt keine vollständige Lektüre seiner Buchausgabe.
Eine Reproduktion muss ihre Leser erreichen
Die Newberry berichtete am 29. Juli 2026 über vier Faksimiles für Bibliotheken in Quetzaltenango, Guatemala-Stadt, San Marcos und Santa Cruz del Quiché. Die Zusammenarbeit mit Walter Little und dem Zentrum für Maya-Studien Adrián Inés Chávez verband die Reproduktion mit konkreten Zugangswegen.
Die Meldung nennt begrenzten Internetzugang als Grund für gedruckte Exemplare. Ein Faksimile bildet einen Textzeugen ab; eine Übersetzung eröffnet einen anderen sprachlichen Zugang. Der Bericht über die Übergaben lässt offen, wie die Exemplare anschließend an den jeweiligen Orten verwendet werden.
Welche Ebene untersucht deine Frage?
| Ebene | Prüfbare Frage | Grenze |
|---|---|---|
| Erhaltene Handschrift | Welche Sprachen, Teile und Datierungen nennt der Katalog? | Ein Manuskriptdatum ist kein Datum aller erzählten Ereignisse. |
| Texttradition und Übersetzung | Welche Vorlage wird vermutet und wer übersetzt? | Eine mögliche ältere Vorlage liegt hier nicht als neu geprüfter Gegenstand vor. |
| Heutige Erschließung | Wie begründet Sam Colop seine Gliederung, und wo wird Zugang geschaffen? | Ein Interview oder Projektbericht erschließt keine einheitliche heutige Gemeinschaftsmeinung. |
Notiere vor dem Weiterlesen drei Angaben
Schreibe die Signatur des Textzeugen, den Namen deiner gewählten Übersetzung und deren Veröffentlichungsdatum getrennt auf. Welche dieser Angaben betrifft die erhaltene Abschrift, welche die Sprache deiner Lektüre?
Der verlinkte Digitalkatalog führt zum überlieferten Gegenstand. Das Exponat zur Weitergabe des Popol Wuj verfolgt die benannten Übersetzungs- und Zugangsentscheidungen genauer.
Das konkrete Zeugnis
Objektdaten
Ayer MS 1515 im Digitalkatalog der Newberry Library
Der Link führt zum benannten Originalanbieter. Dieses Quellenporträt bietet eine eigene sachliche Beschreibung; die Aufnahme wird hier nicht kopiert oder automatisch abgespielt.
- Originalanbieter
- Newberry Library, Chicago
- Inventar und betrachteter Teil
- Ayer MS 1515; BibID 991370838805867
- Material
- Handschrift auf Papier laut Newberry-Rechercheführer.
- Datierung
- Wahrscheinlich 1700–1703 laut Digitalkatalog; Rechercheführer: 1700–1715.
- Fund- und Sammlungskontext
- Guatemala; laut Rechercheführer nach 1853 außer Landes, Ayer-Erwerbung 1887, Newberry seit 1912.
- Benennung und Einordnung
- Popol-Vuh-Abschrift von Francisco Ximénez in K’iche’ mit spanischer Übersetzung, innerhalb eines größeren Handschriftenbestands.
- Grenzen des Nachweises
- Brasseurs behaupteter Kauf von Coloche 1855 ist laut Rechercheführer strittig; keine vollständige unabhängige Erwerbsaktenprüfung.
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Erhaltener Textzeuge
Ximénez-Handschrift, Newberry Library, Ayer MS 1515
Handschriftlicher Textzeuge mit nebeneinandergestelltem K’iche’-Text und spanischer Übersetzung; Teil eines zusammen katalogisierten Manuskriptbestands.
Rechercheführer: 1700–1715. Digitalkatalog: wahrscheinlich 1700–1703. Die Metadaten nennen unterschiedlich enge Bereiche.
Sprache: K’iche’ und Spanisch
Überlieferter Text
Popol Wuj / Popol Vuh
Werkebene der K’iche’-Überlieferung. Die erhaltene Niederschrift und eine moderne Ausgabe sind separate Datensätze.
Überlieferter Text; kein einzelnes Datum für die Entstehung sämtlicher Erzählstoffe angesetzt.
Sprache: K’iche’
Welche Zeit ist gemeint?
- Erhaltene Abschrift: wahrscheinlich 1700–1703 laut Digitalkatalog; weiterer Führerrahmen 1700–1715.
- Sam Colops veröffentlichte Interviews von 2009.
- Faksimile-Projektbericht vom 29.07.2026.
Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- K’iche’-Textüberlieferung und kolonialzeitliche Abschrift mit spanischer Übersetzung; heutige Erschließung getrennt.
- Verwendeter Ausschnitt
- Ayer MS 1515 nach gesicherten Newberry-Katalogfeldern und Rechercheführer; begrenzte Sam-Colop-Interviews von 2009 und datierter Projektbericht von 2026.
- Popol Vuh
Newberry Library · undatierter Rechercheführer
Abschnitte zu Text, Manuskript, Digitalisierung, Konservierung und Signatur vollständig gelesen.
Institutionelle Vermittlung. Datierung 1700–1715 ist weiter als die Angabe des Digitalkatalogs. Kein Ersatz für gegenwärtige K’iche’-Selbstrepräsentation. Abgerufen am 2026-09-25.
- Arte de las tres lenguas kakchiquel, quiché y tzutuhil [vol. 02]
Newberry Library, Digital Collections · undatierter Digitalkatalog
Katalogfelder Date, Summary, Extent, Language und Rights Status gelesen; keine paläografische Eigenprüfung.
Datierung wahrscheinlich 1700–1703 laut Summary. Digitaler Einzelbilddatensatz verweist auf den Gesamtbestand; keine Gleichsetzung mit einem unabhängig datierten älteren Werk. Abgerufen am 2026-09-25.
- Sam Colop über seine Übersetzung des Popol Wuj: zwei Interviews
Agustín Ortiz und Nora Martínez; Antworten Luis Enrique Sam Colop; F&G Editores · Interviews 15.01.2009 und 17.04.2009; Sammelheft Juli 2011
S. 11–16: beide Interviews gelesen; verwendet werden Aussagen zu poetischer Gliederung, Handschriftenarbeit und begrenztem Geltungsanspruch.
Öffentliches Interview, kein eigenes Gespräch. Eine Position des K’iche’-Linguisten, keine Vertretung aller Gemeinschaften. Nicht die vollständige Buchübersetzung. Abgerufen am 2026-09-25.
- Four Newberry Facsimiles of the Popol Vuh Distributed to Libraries Across Guatemala
Newberry Library · 2026-07-29
Vollständige Meldung zum Faksimileprojekt, zu vier Übergabeorten und beteiligten Institutionen gelesen.
Bericht der beteiligten Bibliothek; kein unabhängiger Wirkungsnachweis und kein eigenes Interview. Die Angabe „115 Jahre“ wird nicht zur Datierung der Erwerbung benutzt, da der Rechercheführer 1912 nennt. Abgerufen am 2026-09-25.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-18T22:53:17.520418+00:00. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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