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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Stribog: Wie werden Winde zu Enkeln?

Eine Chronik nennt Stribog ohne Aufgabe. Die Verbindung zu Winden wird durch einen späteren literarischen Ausdruck anschaulich – und verlangt eine andere Art von Lektüre.

3–4 Minuten Lesezeit

Ein Name ohne erklärte Tätigkeit

Stribog gehört zur Namenliste der Kultbilder, die Wladimir nach dem Chronikbericht zu 980 in Kiew aufstellen lässt. Zwischen Dažbog und Simargl steht sein Name. Anders als bei Perun beschreibt die Stelle weder sein Aussehen noch besondere Merkmale. Sie erzählt auch keine Handlung, an der ein bestimmter Windgott unmittelbar erkennbar wäre.

Die frühe Nennung ist deshalb der Ausgangspunkt, nicht schon das Ergebnis der Funktionsfrage. Sie verbindet Stribog mit dem berichteten Kultzusammenhang. Welche Bedeutungen Menschen außerhalb dieses knappen Satzes mit ihm verbanden, müssen andere Zeugnisse oder ausdrücklich benannte Forschungsdeutungen zeigen.

Das Windbild stammt aus einem anderen Text

Zaroff führt im Aufsatz von 1999 eine Wendung aus dem Igorlied an: Die Winde erscheinen dort als Enkel Stribogs. Der Ausdruck schafft eine Beziehung zwischen dem genannten Gott und einer beweglichen Naturkraft. Das ist ein konkreter Grund für seine häufige Zuordnung zum Wind.

Unser Zugang ist Zaroffs Auswertung dieser Stelle, keine eigene vollständige Lektüre des Igorlieds. Das Familienbild liefert zudem nicht automatisch die Namen von Stribogs Kindern, eine feste Zahl von Enkeln oder eine vollständige göttliche Genealogie. Poetische Verwandtschaft kann eine Kraft zuordnen, ohne alle Zwischenglieder einer Familie zu erzählen.

Der Wind verändert ein menschliches Geschehen

Zaroff bespricht daneben eine Anrede an den Wind im Igorlied: Er trägt feindliche Geschosse gegen die Krieger des beklagten Mannes. Hier wird Wind durch seine Folgen im Krieg angesprochen. Die Verbindung zu Stribog erhält damit einen literarischen Zusammenhang, der über eine Wetterbeschreibung hinausgeht.

Der Aufsatz vergleicht Windgottheiten anderer Traditionen und erwägt eine militärische Beziehung. Das ist eine Deutung durch Vergleich. Aus der poetischen Szene folgt weder, dass Stribog überall als Kriegsgott galt, noch, dass ähnliche Figuren verschiedener Sprachen dieselbe Gestalt waren. Der Wind kann im Text wirksam sein, ohne ein vollständiges Aufgabensystem zu belegen.

Ortsnamen ergeben noch keine sichere Kultkarte

Zaroff nennt außerdem Ortsnamen als mögliche Spuren und erwägt einen weiter verbreiteten Kult. Er spricht dabei selbst die Schwierigkeit an, dessen Entwicklung zu bestimmen. Wir übernehmen die genannten Orte nicht als nachgewiesene Stribog-Heiligtümer: Ihre Einzelbelege wurden hier nicht unabhängig untersucht.

Stribogs Profil bleibt dennoch mehr als eine leere Namenskarte. Die frühe Liste und das mittelbar gelesene Windbild beantworten zwei unterschiedliche Fragen: Wo wird die Figur genannt, und welche Beziehung macht ein literarischer Ausdruck verständlich? Die fehlenden Zwischenglieder sind gerade das, was einen vorsichtigen Blick von einer ausgeschmückten Götterfamilie unterscheidet.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Ein Name ohne erklärte Tätigkeit
S.93: Stribog in der Liste980; S.240–242: Chronikberichte, Namenliste und christliche Perspektive

Das Windbild stammt aus einem anderen Text
S.63: Igorlied-Verweis auf Stribogs Enkel

Der Wind verändert ein menschliches Geschehen
S.63: Windanrede, militärische Deutung und Vergleiche

Ortsnamen ergeben noch keine sichere Kultkarte
S.63: Ortsnamen und vorsichtige Verbreitungsargumente; S.93: Chronikbeleg

Fassungen und Belege unterscheiden

Werk, Überlieferung und Lesezugang

Werk

Povestʼ vremennych let / Primary Chronicle

Stribog als Name in der Liste 980 auf Cross S. 93. Die Wind-Enkel-Deutung aus anderer Literatur ist keine Handlung dieser Zeile.

Kompilation im frühen12.Jahrhundert; ältere Bestandteile, überlieferte Fassungen und spätere Handschriften unterscheiden.

Sprache: Altostslawisch

Beleg für den hier verwendeten Ausschnitt: The Russian Primary Chronicle: Laurentian Text (1953), ausgewählte Perun-Stellen

Überlieferungsträger

Laurentius-Handschrift der Chronik

Materieller Textzeuge nach wissenschaftlicher Beschreibung. Keine hier durchgeführte Handschriftenautopsie.

1377 nach OstrowskiS.230.

Sprache: Altostslawisch

Quellen zu diesem Lesezugang: Pagan Past and Christian Identity in the Primary Chronicle (2011), S. 229–253

Benutzter Lesezugang

Cross / Sherbowitz-Wetzor: The Russian Primary Chronicle, Laurentian Text

Benutzte englische Ausgabe in archiviertem PDF; nur einzeln dokumentierte Seiten gelesen. Die Radziwiłł-Miniatur ist ein gesondertes Bildzeugnis, nicht die Textgrundlage dieser Übersetzung.

1953; Überarbeitung der älteren Cross-Übersetzung.

Sprache: Englisch

Quellen zu diesem Lesezugang: The Russian Primary Chronicle: Laurentian Text (1953), ausgewählte Perun-Stellen

Werk

Organized Pagan Cult in Kievan Rus’: ausgewählte Namensabschnitte

Roman Zaroffs Aufsatz S.47–76, hier gesondert S.63–67 gelesen. Folklore-, Lied- und Bildbelege durch den Aufsatz vermittelt. Die Deutungen bleiben dem Autor zugeordnet.

1999

Sprache: Englisch

Quellen zu diesem Lesezugang: Organized Pagan Cult in Kievan Rus’ (1999), gesonderte Namensabschnitte S.63–67

Figuren und Namen in den Texten

Die Einträge folgen dem jeweiligen Werk. Eigene Handlungen, kurze Namensnennungen und Herkunftsangaben bleiben unterscheidbar. Gleiche oder ähnliche Namen ergeben noch keine gemeinsame Lebensgeschichte.

Povestʼ vremennych let / Primary Chronicle

1 Eintrag nach Szenen und Namensgruppen ansehen

Zum Werk und seinem hier benutzten Lesezugang

Handelnde und Namen der Chronik (1)

Die ausgewählte Stelle begrenzt die Aussage.

Stribog in der Liste von 980

Der Name steht neben weiteren Namen in Vladimirs Aufstellungsbericht. Diese Zeile erzählt keine eigenen weiteren Taten der Gestalt.

Kein Aussehen, Familienverhältnis oder fester Aufgabenbereich aus der bloßen Listenposition erschlossen.

Beleg: Cross, S. 93 · The Russian Primary Chronicle: Laurentian Text (1953), ausgewählte Perun-Stellen

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Kiewer Namensliste und getrennt vermittelter Igorlied- und Windvergleich.
Verwendeter Ausschnitt
Cross/Sherbowitz-Wetzor 1953, S. 93; Zaroff 1999, S. 63 mit vermitteltem Igorlied-Bezug.
  1. The Russian Primary Chronicle: Laurentian Text (1953), ausgewählte Perun-Stellen

    Samuel Hazzard Cross und Olgerd P. Sherbowitz-Wetzor, Übersetzung und Edition; Mediaeval Academy of America

    Vorrede und ausgewählte englische Seiten 65, 74, 77, 90, 93, 116–117 sowie Kommentar S. 226 Anm. 55 gelesen. Gedruckte Seiten 77, 93, 116–117 zusätzlich als Seitenbilder betrachtet.

    Keine Volllektüre der Chronik, keine Handschriftenkollation. Jahreszahlen innerhalb der Chronik unterscheiden sich vom Datum der Kompilation und der erhaltenen Abschriften. Ältere religionsgeschichtliche Kommentare sind keine Primärzeugnisse oder automatisch heutiger Konsens. Abgerufen am 2026-09-26.

  2. Organized Pagan Cult in Kievan Rus’ (1999), gesonderte Namensabschnitte S.63–67

    Roman Zaroff; Studia mythologica Slavica2, S.47–76, DOI10.3986/sms.v2i0.1844 · 1999

    Gedruckte S.63–67 vollständig als Textauszüge gelesen: Stribog, Personifizierung, Rekonstruktion sowie Khors, Simargl und Mokosh.

    Neue begrenzte Lektüre desselben Aufsatzes, getrennt vom früheren Perun-Nachweis. Keine Gesamtlektüre oder eigene Prüfung der zitierten Lied-, Folklore-, Sprach- und Bildbelege. Herkunfts- und Kontinuitätsschlüsse bleiben Zaroffs Forschungspositionen. Defekte kyrillische Extraktionszeichen nicht für sprachliche Einzelbeweise verwendet. Abgerufen am 2026-09-26.

  3. Pagan Past and Christian Identity in the Primary Chronicle (2011), S. 229–253

    Donald Ostrowski; in Ildar H. Garipzanov (Hg.), Historical Narratives and Christian Identity on a European Periphery, Brepols

    S. 229–232, 240–243 und 252–253 gelesen; S. 241 mit den Chronikbelegen zusätzlich visuell geprüft. Verlagsmetadaten bestätigen Band, Herausgeber und Erscheinungsjahr 2011.

    Teilkapitel-Lektüre, keine Gesamtlektüre des Sammelbands. Modell zweier Erzähler und Herkunftshypothesen sind Argumente des Autors. Beschädigte kyrillische Zeichen der PDF-Textextraktion nicht als Originaltext verwendet; keine eigenständige Kollation. Abgerufen am 2026-09-26.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-18. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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