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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Orestes: ein Auftrag schützt nicht vor Verfolgung

Orestes soll den Vater rächen und tötet die Mutter. Aischylos führt diesen Widerspruch vor Gericht; Euripides lässt nach der Tat Reue und in einer anderen Tragödie eine weitere Flucht folgen.

5–6 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Der Sohn hält vor der Mutter inne

In Aischylos’ Choephoren kehrt Orestes zum Grab seines Vaters zurück und trifft Elektra. Er handelt nach einem Auftrag Apollons, den ermordeten Agamemnon zu rächen. Aigisthos wird zuerst getötet. Als Klytaimnestra den Sohn an das Stillen erinnert, fragt er Pylades, ob er sie schonen soll.

Pylades erinnert an das Orakel; Orestes entscheidet sich zum Mord. Danach legt er das Gewand vor, in dem der Vater gefangen worden war, und begründet die Rache. Doch die Tat schafft zugleich einen neuen Verfolgungsgrund: Er sieht die Erinyes, die das Blut der Mutter rächen. Die Gewalt endet nicht mit der Erfüllung des Auftrags.

Freispruch unter einer ungleichen Begründung

Die Eumeniden lassen die Forderungen vor Athenas Gericht aufeinanderstoßen. Die Erinyes klagen den Muttermord an, Apollo verteidigt Orestes. Athena stimmt für den Sohn; sie begründet das ausdrücklich mit ihrer Bindung an das Männliche und an den Vater. Die Abstimmung ergibt gleich viele Stimmen, und Orestes wird nach der angekündigten Regel freigesprochen.

Das Stück führt also ein Verfahren vor, in dem nicht jede Tötung nur durch eine neue Tötung beantwortet wird. Seine Argumentation ist dennoch keine moderne Gleichberechtigung. Der Freispruch lässt die Erinyes außerdem zornig zurück; Athena muss ihnen eine geehrte Stätte anbieten. Die Gerichtsszene ist eine mythische Deutung der Stadtordnung, keine historische Urkunde ihrer Gründung.

Bei Euripides ist die Verantwortung nicht erledigt

Euripides’ Elektra lässt Orestes vor dem Muttermord den Auftrag Apollons selbst anzweifeln. Nach der Tat beklagen beide Geschwister, was sie getan haben. Die Dioskuren erklären die Mutter für bestraft, die Tat des Sohnes aber nicht für gerecht; ihr Orakelkommentar belastet auch Apollo. Orestes soll erst anschließend nach Athen gehen.

In Iphigenie bei den Taurern berichtet er wiederum von einem Freispruch, der nur einen Teil der Erinyes besänftigt habe. Deshalb kommt er auf Apollons Weisung nach Tauris, um das Kultbild zu holen, und gerät dort erneut in Todesgefahr. Iphigenies Wiedererkennung und Fluchtplan schaffen einen anderen Ausgang. Diese Werke setzen eigene Stationen und Lösungen; sie sind keine nahtlosen Kapitel einer einzigen Gerichtsakte.

Ein römisches Bild verbindet mehrere Ereignisse

Der Sarkophag des Met stammt aus der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. und versammelt laut Katalog verschiedene Ereignisse des Orestie-Komplexes in einer kontinuierlichen Frontszene: Tötung, Verfolgung und Zuflucht bei Apollon. Ein Deckelfragment gehört zur Geschichte in Tauris.

Die Aufnahme zeigt erhaltene Teile neben ergänzenden Umrisszeichnungen. Sie ist deshalb ein Bildzeugnis späterer Rezeption und einer rekonstruierten Präsentation. Weder sind sämtliche Szenen auf diesem Foto vollständig erhalten, noch lassen sich aus ihm alle Dramen zu einer ursprünglichen Fassung zusammenführen.

Fragmente einer späteren Bildfassung

Schwarzweiße Aufnahme eines fragmentarischen Marmorsarkophags: Erhaltene Figuren stehen vor ergänzenden Umrisszeichnungen der verlorenen Partien; darüber liegt ein Deckelfragment mit Bootsszene.
Römischer Marmorsarkophag, Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr., The Met 28.57.8a–d. Erhaltene Fragmente und ergänzende Umrisszeichnungen zeigen eine rekonstruierte Präsentation. Laut Met verbindet die Front Muttermord, Verfolgung und Zuflucht bei Apollon; das Deckelfragment gehört zur Tauris-Erzählung. Das Foto zeigt diese Szenen nur teilweise. Public Domain / CC0. Bildnachweis Bildlizenz

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Der Sohn hält vor der Mutter inne
Choephoren 1–305; Choephoren 869–1076

Freispruch unter einer ungleichen Begründung
Eumeniden 566–824, besonders 734–752 und 777–824

Bei Euripides ist die Verantwortung nicht erledigt
Elektra, Zweifel vor dem Muttermord und Schluss mit Klage und Dioskuren; Iphigenie bei den Taurern, Orestes’ Bericht nach der Wiedererkennung und Fluchtplan

Ein römisches Bild verbindet mehrere Ereignisse
The Met 28.57.8a–d, Beschreibung FRONT/LID und Hauptaufnahme

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Aischylos: Choephoren / Die Grabspenderinnen

Wiedererkennung und Vergeltung mit neuer Schuld; zweites Drama der Oresteia. Nur ausdrücklich benannte Leseausschnitte erschlossen; keine Handschriftenkollation.

458 v. Chr. aufgeführt, nach Nagys Oresteia-Einführung; Datum der Aufführung, nicht der erzählten Vorgänge.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Choephoren 1–305 nach Smyth: Grab und Auftrag

Elektra, Orestes, Grabspenden und Wiedererkennung. Nur der benannte Anfang, keine vollständige Textlektüre.

Historische englische Übersetzung in digitaler Wiedergabe; kein Druckexemplar oder antiker Textzeuge selbst kollationiert.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Choephoren 838–1076 nach Smyth: neue Schuld

Mutterbitte, Orestes’ Zögern, Pylades’ Orakelhinweis, Tat und Erinyes. Ausgewählter Schlussabschnitt.

Historische englische Übersetzung in digitaler Wiedergabe; kein Druckexemplar oder antiker Textzeuge selbst kollationiert.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Überlieferter Text

Aischylos: Eumeniden

Werkidentität getrennt von historischen englischen Übersetzungen. Die jeweils verknüpften Ausgabedatensätze benennen die gelesenen Ausschnitte; keine vollständige Werklektüre oder Handschriftenkollation behauptet.

Athenische Tragödie, 458 v. Chr. aufgeführt; einzelne verwendete Passage.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Eumeniden 566–824 nach Smyth: Gericht und Verhandlung

Apollo, Erinyes und Athena; Stimmengleichheit und Freispruch, anschließend fortdauernder Zorn und Athenas Angebot. Getrennt vom Pythia-Prolog erschlossen.

Historische englische Übersetzung in digitaler Wiedergabe; kein Druckexemplar oder antiker Textzeuge selbst kollationiert.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Überlieferter Text

Euripides: Elektra

Bauernhütte, Täuschung und Reue; eigenständiges Drama, getrennt von Sophokles’ Elektra. Nur ausdrücklich benannte Leseausschnitte erschlossen; keine Handschriftenkollation.

Antike Tragödie; aus den verwendeten Leseausschnitten kein exaktes Aufführungsjahr festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Euripides’ Elektra nach Coleridge: Hütte, Rache und Reue

Prolog, Aigisthos-Botenbericht, Mutter-Tochter-Szene, Geburtsritual als Täuschung und Schluss mit den Dioskuren. Keine Zusammenführung mit Sophokles’ Drama.

Historische englische Übersetzung in digitaler Wiedergabe; kein Druckexemplar oder antiker Textzeuge selbst kollationiert.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Überlieferter Text

Euripides: Iphigenie bei den Taurern

Überlebende Priesterin, Brief und Flucht; eigener dramatischer Zusammenhang. Nur ausdrücklich benannte Leseausschnitte erschlossen; keine Handschriftenkollation.

Antike Tragödie; aus den verwendeten Leseausschnitten kein exaktes Aufführungsjahr festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Iphigenie bei den Taurern nach Potter: Brief und Flucht

Prolog, Brief und Wiedererkennung, Meerreinigungsplan und Athenas Schlussauftritt. Eigene Rettungsfassung; keine Rückergänzung in andere Dramen.

Historische englische Übersetzung in digitaler Wiedergabe; kein Druckexemplar oder antiker Textzeuge selbst kollationiert.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Griechisches Epos und Tragödie, mit benannten Werkfassungen
Verwendeter Ausschnitt
Aischylos, Choephoren und Eumeniden; Euripides, Elektra und Iphigenie bei den Taurern; Met 28.57.8a–d.
  1. Choephoren 1–305: Grab, Elektra und Orestes’ Auftrag

    Aischylos; H. W. Smyth, Theoi · antike Dichtung in historischer englischer Übersetzung

    Orestes kehrt zum Grab Agamemnons zurück; Elektra bringt mit dem Chor der Dienerinnen eine Spende und fragt, wie sie für den Vater beten soll. 84–183: Elektra sucht Hilfe zur Vergeltung, bittet um Rückkehr des Bruders und einen Rächer. Haar, Spuren und ein gewebtes Stück gehören zur Wiedererkennung; Orestes nennt Apollons Auftrag.

    Indexnotiz der begrenzten Weblektüre. Choephoren bedeutet Die Grabspenderinnen. Nur Eröffnung bis 305, kein vollständiger Text oder neutraler Beweis für einen gerechten Mord. Abgerufen am 2026-10-01.

  2. Choephoren 838–1076: der Mord und die nachfolgende Verfolgung

    Aischylos; H. W. Smyth, Theoi · antike Dichtung in historischer englischer Übersetzung

    Aigisthos wird im Haus getötet. Klytaimnestra bittet Orestes mit dem Verweis auf die nährende Brust um Schonung; Orestes zögert, Pylades erinnert ihn an Apollons Orakel. Orestes tötet seine Mutter, zeigt das Gewand als Beleg für Agamemnons Ermordung und verteidigt die Tat. Am Ende sieht er Erinyes, die der Chor nicht sieht, und will zu Apollon fliehen.

    Indexnotiz der begrenzten Weblektüre. Bühnenrede und sichtbare Verfolgung nicht als heutige psychiatrische Diagnose behandeln. Erst die Eumeniden führen zur Gerichtsszene. Abgerufen am 2026-10-01.

  3. Eumeniden 566–824: Streit, Abstimmung und Freispruch

    Aischylos; H. W. Smyth, Theoi · antike Dichtung in historischer englischer Übersetzung

    Apollo verteidigt Orestes; die Erinyes verfolgen die Tötung der Mutter. Athena richtet den Gerichtshof ein und betont seine zukünftige Bedeutung. 734–752: Athena stimmt für Orestes und erklärt ihre Orientierung am Vater und am Männlichen; bei gleich vielen Stimmen wird Orestes freigesprochen. 777–824: Die Erinyes bleiben zornig; Athena bietet ihnen eine geehrte Stätte in Athen an. Der Freispruch allein beendet diesen Konflikt nicht.

    Indexnotiz der begrenzten Weblektüre. Keine historische Gründungsurkunde eines Gerichts. Apollons und Athenas Abwertung der Mutter ist antike Argumentation, keine heutige Biologie oder Gleichberechtigung. Abgerufen am 2026-10-01.

  4. Elektra: Bauernhütte, Täuschung und Reue

    Euripides; E. P. Coleridge, MIT Internet Classics Archive · antike Dichtung in historischer englischer Übersetzung

    Prolog: Elektra ist mit einem armen Mann verheiratet, der die Ehe nicht vollzieht; Aigisthos will mächtige Nachkommen verhindern. Klytaimnestra schützt zuvor die Tochter vor seinem Mordplan. Botenbericht: Aigisthos empfängt verkleidete Gäste zur Opferfeier, Orestes tötet ihn beim Untersuchen der Eingeweide. Klytaimnestra erklärt später Iphigenies Opfer und Kassandras Aufnahme als Motive; die Tochter lockt sie mit einem erfundenen Geburtsritual in die Hütte. Schluss nach dem Muttermord: Beide Geschwister beklagen ihre Tat; Elektra gesteht eigene Mitwirkung. Die Dioskuren weisen Orestes nach Athen und Elektra zu Pylades, kritisieren dabei Apollons Orakel. Das Gericht ist künftig, nicht auf der Bühne vollzogen.

    Indexnotiz der begrenzten Weblektüre. Für das Ende die vollständige Textversion gelesen; HTML-Abruf war mitten im Text abgeschnitten. Szenenlokatoren statt erfundener Versnummern. Die andere männliche Tatbeteiligung am Mord Agamemnons im Prolog gehört zu dieser Fassung. Abgerufen am 2026-10-01.

  5. Iphigenie bei den Taurern: Rettung, Brief und Fluchtplan

    Euripides; Robert Potter, MIT Internet Classics Archive · antike Dichtung in historischer englischer Übersetzung

    Prolog: Iphigenie berichtet, Artemis habe sie vor der Opferung durch eine Hirschkuh ersetzt und nach Tauris gebracht; als Priesterin vollzieht sie vorbereitende Riten, andere töten die Fremden. Briefszene: Eine Nachricht an Orestes benennt Iphigenie als lebend; Pylades übergibt den Brief unmittelbar an den anwesenden Orestes. Die Geschwister erkennen sich und bestätigen die Verwandtschaft. Nach der Wiedererkennung entwickelt Iphigenie eine vorgetäuschte Reinigung am Meer, um die Gefangenen und das Kultbild herauszubringen. Am Schluss stoppt Athena Thoas und weist Iphigenie eine Priesterrolle in Brauron zu.

    Indexnotiz der begrenzten Weblektüre. Die vollständige Textversion ergänzt den abgeschnittenen HTML-Abruf. Potter nennt Artemis Diana, Athena Minerva und Odysseus Ulysses; deutsche Texte verwenden die griechischen Namen. Bühnenbild von Tauris ist keine historische Ethnografie. Abgerufen am 2026-10-01.

  6. Fragmentarischer Sarkophag zur Orestie, The Met 28.57.8a–d

    The Metropolitan Museum of Art · Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr.

    Das Met datiert den römischen Marmorsarkophag in die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr.; die Vorderseite verbindet getrennte Ereignisse aus dem Orestie-Komplex. Die erhaltenen rechten Fragmente der Front gehören laut Katalog zu Verfolgung und Zuflucht Orestes’ bei Apollon. Die Aufnahme zeigt außerdem ein Deckelfragment zur Tauris-Erzählung; größere Fehlstellen sind mit Umrisszeichnungen ergänzt. API und Objektseite geben Public Domain an. Das archivierte Originalbild wurde betrachtet; Bildbeleg ist eine rekonstruierte Präsentation von Fragmenten, kein vollständig erhaltenes Relief.

    Indexnotiz der begrenzten Weblektüre. Die Vollszene und nicht sichtbaren Kurzseiten nicht aus dem Hauptfoto rekonstruieren. Figurenidentifikation folgt dem Katalog; moderne Umrisszeichnungen sind keine antiken Ritzungen. Abgerufen am 2026-10-01.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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