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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Kumarbi: Der Plan hinter dem Thron

Kumarbi dient Anu, stürzt ihn und plant später einen steinernen Rivalen für den Wettergott. Zwei beschädigt überlieferte Lieder zeigen keine glatte Götterbiografie, wohl aber eine Figur, die Macht wiederholt neu sucht.

4–5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Eine Figur, zwei Machtfragen

Kumarbi steht in einer Erzählung vor Anus Thron. In einer anderen lässt er einen steinernen Rivalen für den Wettergott heranwachsen. Beides lässt sich lesen, ohne dazwischen eine vollständig erzählte Lebensgeschichte zu erfinden.

Woran erkennst du Kumarbi in beiden Dichtungen? Weniger an einem unveränderlichen Amt als an Entscheidungen, die andere Figuren in Gefahr bringen. Der Titel ›Vater der Götter‹ im Ullikummi-Lied ist dabei eine Stimme dieses Textes, kein universelles Etikett für alle Traditionen.

Vom Diener zum Angreifer

In CTH 344 reicht Kumarbi Anu den Becher. Nach der erzählten Neunjahresfrist wird aus dem Diener der Gegner. Anu flieht nach oben, Kumarbi zieht ihn zurück und verletzt ihn sexuell. Der Angriff verschiebt Macht, bindet Kumarbi aber sofort an neue Folgen: Anu kündigt göttliche Geburten aus Kumarbis Innerem an.

Die Dichtung nennt Kumarbi einen Nachkommen Alalus. Das Wort allein macht aus der Herrschaftsfolge keine eindeutige Vater-Sohn-Kette. Auch die anschließende Geburtsszene ist an entscheidenden Stellen beschädigt.

Der Thron als Frage, nicht als Fundstück

Drei leere steinerne Sitze in gestaffelter Entfernung auf einem windigen Hochland unter einem wechselnden Himmel.
Heutige KI-Illustration zur göttlichen Nachfolge in CTH 344. Die drei leeren Sitze veranschaulichen den Wechsel von Alalu über Anu zu Kumarbi; Sitzformen, Landschaft und Licht sind frei erfunden, keine archäologische Rekonstruktion und kein historisches Objekt.

Ein neuer Gegner soll wachsen

Tafel I des Ullikummi-Lieds beginnt erneut bei Kumarbis Entschluss. Er will dem Wettergott einen Rivalen entgegenstellen, verlässt Urkiš und verbindet sich mit einem Fels. Die Formulierung ist körperlich und für heutige Leser ungewohnt; sie gehört zur Erzählung, nicht zur Beschreibung einer geologischen Entstehung.

Später nimmt Kumarbi das Kind entgegen, gibt ihm den Namen Ullikummi und spricht aus, was es dem Wettergott, Tašmišu und den anderen Göttern antun soll. Das sind Kumarbis Wünsche. Sie sagen noch nicht, wie der Kampf endet oder ob Ullikummi diese Rolle ohne eigene Stimme erfüllt.

Der Plan stößt auf Wissen, das ihm fehlt

In Tafel III beschreibt Ea Kumarbis Schöpfung als Gefahr für den Wettergott. Er fragt Upelluri nach dem steinernen Wesen auf seiner Schulter und lässt ein altes Werkzeug holen, mit dem der Gegner von seinem Halt getrennt werden soll. Kumarbis Absicht ist damit nicht dasselbe wie ihre erfolgreiche Ausführung.

Auch der spätere Kampf ist nur beschädigt erhalten. Wer Kumarbi als endgültig besiegten Rebellen oder als unangefochtenen Vater eines neuen Königs vorstellt, erzählt mehr, als dieser Textschluss hergibt.

Was ein Figurenprofil leisten kann

Die erhaltenen Werke geben Kumarbi verschiedene Rollen: dienender Herausforderer in der Herrschaftsfolge, planender Gegenspieler in einer weiteren Dichtung. Zwischen diesen Rollen können Erzähltraditionen und weitere Texte liegen, die diese Seite nicht vollständig erschließt.

Auch die materielle Überlieferung bremst glatte Biografien. Die Zeugenliste zu CTH 344 nennt ein aus mehreren Fragmenten zusammengesetztes Exemplar. Die vorliegende deutsche Ausgabe entscheidet und ergänzt an beschädigten Stellen; ihr Lesetext ist kein unversehrter alter Roman.

Wessen Zukunft ist das?

Lies Kumarbis Namensrede für Ullikummi noch einmal. Trenne drei Ebenen: Was tut Kumarbi selbst? Was wünscht er seinem Kind? Was zeigt die erhaltene spätere Handlung wirklich? Erst diese Trennung macht sichtbar, dass die Figur mehr ist als eine einzige Rolle im Stammbaum.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Herrschaftsfolge
Dienst vor Anu, Angriff und beschädigte Geburtsfolgen in CTH 344.

Plan gegen den Wettergott
Namensgebung und Absicht in Tafel I, ihre Grenzen in Tafel III von CTH 345.I.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Lied vom Ursprung / Königtum im Himmel, CTH 344

Werkidentität getrennt von einzelnen erhaltenen Tafeln und moderner Übersetzung.

Hurritischer Überlieferungskontext; keine eigene Erstkompositionsdatierung.

Sprache: Hethitisch

Erhaltener Textzeuge

CTH 344, Zeuge A: KUB 33.120 + 33.119 + 48.97 + 36.31 + KBo 52.10

Zusammengesetzter Zeuge aus fünf publizierten Fragmenten; Bo 2388, Bo 3892, Bo 4301, Bo 6972 und 1194/u nach TITUS. Keine Autopsie.

Keine eigene Datierung der einzelnen Fragmente aus dem Index abgeleitet.

Sprache: Hethitisch

Benutzte Ausgabe

CTH 344: Das Lied vom Ursprung / Das Königtum im Himmel – deutsche TITUS-Übersetzung

Verfügbarer deutscher Haupttext mit Lücken vollständig gelesen; kritischer Apparat nur in ausgewählten Anmerkungen, keine eigene Kollation.

TITUS 2010; Marburger Bearbeitung 2005–2009.

Sprache: Deutsch

Überlieferter Text

Ullikummi-Lied, CTH 345

Werkidentität getrennt von einzelnen erhaltenen Tafeln und moderner Übersetzung.

Hurritischer Überlieferungskontext; keine eigene Erstkompositionsdatierung.

Sprache: Hethitisch

Benutzte Ausgabe

CTH 345.I.1: Ullikummi-Lied, Tafel I – deutsche TITUS-Übersetzung

Verfügbarer deutscher Haupttext mit Lücken vollständig gelesen; kritischer Apparat nur in ausgewählten Anmerkungen, keine eigene Kollation.

TITUS 2010; Marburger Bearbeitung 2005–2009.

Sprache: Deutsch

Benutzte Ausgabe

CTH 345.I.3.1: Ullikummi-Lied, Tafel III – deutsche TITUS-Übersetzung

Verfügbarer deutscher Haupttext mit Lücken vollständig gelesen; kritischer Apparat nur in ausgewählten Anmerkungen, keine eigene Kollation.

TITUS 2010; Marburger Bearbeitung 2005–2009.

Sprache: Deutsch

Welche Zeit ist gemeint?

  • CTH 344 und CTH 345.I werden als zwei erhaltene Erzählzusammenhänge gelesen, nicht als datierbare Stationen eines Lebens.
  • CTH 344: zusammengesetzter Zeuge A und weiterer Zeuge B nach TITUS; die Passage bleibt stellenweise beschädigt.
  • Digitale deutsche TITUS-Lesetexte mit sichtbar markierten Ergänzungen und Lücken.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Kumarbi in hurritisch-hethitisch überlieferten Dichtungen CTH 344 und CTH 345.I
Verwendeter Ausschnitt
CTH 344 und CTH 345.I, getrennte Texte und erhaltene Tafelteile; keine vollständige Kumarbi-Zykluslektüre.
  1. CTH 344: Das Lied vom Ursprung / Das Königtum im Himmel

    Anna Bauer, Felix Esser, Susanne Görke, Jürgen Lorenz und Elisabeth Rieken (Leitung), Marburg 2005–2009; TITUS-Bearbeitung Jost Gippert, Frankfurt 2010

    Gesamter verfügbarer deutscher Haupttext 1–296 einschließlich Lücken, Zeugenübersicht und Kolophon gelesen. Ausgewählte Anmerkungen, keine vollständige Apparatauswertung. Editionsmetadaten zusätzlich aus TITUS-Kopf CTH 321.

    Hethitischer Lesetext in deutscher Übersetzung; keine eigene Keilschriftkollation. Geburtspassagen, Logogramme A.GILIM/KA.ZAL/NAM.ḪE und Sprecherwechsel bleiben teilweise unsicher. Kein lückenloser Stammbaum, präziser Geburtsweg oder modernes Entstehungsdatum aus dem Mythos abgeleitet. Abgerufen am 2026-09-26.

  2. CTH 344: Textüberlieferung, Zeugen A und B

    Anna Bauer, Felix Esser, Susanne Görke, Jürgen Lorenz und Elisabeth Rieken (Leitung), Marburg 2005–2009; TITUS-Bearbeitung Jost Gippert, Frankfurt 2010

    Gesamte kurze Zeugenliste mit Publikations- und Fundnummern gelesen.

    Bibliografischer Index, keine Autopsie oder Fotoauswertung der Tafelfragmente. Die fünf Teile von A bilden einen zusammengesetzten Zeugen, keine fünf vollständigen Werke. Abgerufen am 2026-09-26.

  3. CTH 345.I.1: Ullikummi-Lied, Tafel I

    Anna Bauer, Felix Esser, Susanne Görke, Jürgen Lorenz und Elisabeth Rieken (Leitung), Marburg 2005–2009; TITUS-Bearbeitung Jost Gippert, Frankfurt 2010

    Gesamter verfügbarer deutscher Haupttext 1–253 und Zeugenübersicht gelesen; ausgewählte Anmerkungen, nicht der vollständige Apparat.

    Zusammengesetzter Lesetext, keine eigene Kollation. Steinbezeichnung nicht als gesicherte moderne Gesteinsbestimmung, Größenangaben nicht als präzise Messwerte behandelt. Nicht mit der Volllektüre aller Kumarbi-Lieder gleichgesetzt. Abgerufen am 2026-09-26.

  4. CTH 345.I.3.1: Ullikummi-Lied, Tafel III

    Anna Bauer, Felix Esser, Susanne Görke, Jürgen Lorenz und Elisabeth Rieken (Leitung), Marburg 2005–2009; TITUS-Bearbeitung Jost Gippert, Frankfurt 2010

    Gesamter verfügbarer deutscher Haupttext 1–301 und Zeugenübersicht gelesen; ausgewählte Anmerkungen einschließlich 45 und 49–50. Hilfe Eás und beschädigter Schluss nochmals abgeglichen.

    Kein vollständig erhaltener Siegesschluss. Schneidewerkzeug bei Ea und den uralten Göttern, nicht als eigenhändig geführte Sichel Teššubs ausgegeben. Keine Lücken mit griechischen Erzählungen gefüllt. Abgerufen am 2026-09-26.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-29. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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