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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Ismene: erst verweigert sie die Tat, dann den Abstand

Ismene lehnt die gemeinsame verbotene Bestattung ab. Als Antigone verhaftet ist, will sie Verantwortung und Tod teilen. Antigone nimmt dieses Angebot nicht an, Kreon verschont Ismene.

3 Minuten Lesezeit

Sie rechnet mit der Macht der anderen

Ismene erfährt im Schwesternprolog von Antigone den Plan zur Bestattung des Polyneikes. Sie erinnert an den Untergang der Eltern und den gemeinsamen Tod der Brüder. Für die zwei übrigen Schwestern erwartet sie ebenfalls ein schlimmes Ende, wenn sie sich gegen Kreons Erlass stellen.

Sie begründet ihre Ablehnung mit ihrer Lage als Frauen unter der Macht stärkerer Herrschender. Gegenüber den Toten bittet sie um Nachsicht für den erzwungenen Gehorsam. Damit erklärt sie die Bestattungspflicht nicht für wertlos. Ihre Frage lautet, ob sie unter diesen Bedingungen überhaupt gegen die Stadtmacht handeln können. Antigone teilt diese Bewertung nicht; der Text lässt beide ihre Gründe vortragen.

Die Schwester soll nicht allein bleiben

Ismene schlägt zunächst vor, den Plan geheim zu halten. Antigone lehnt auch diesen Vorschlag ab und will, dass die Tat bekannt wird. Nach der Verhaftung ändert sich die Lage: Ismene erklärt vor Kreon, an der Tat beteiligt zu sein, sofern Antigone ihr dies zugesteht. Sie will die Schuld und den Tod teilen.

Antigone widerspricht: Die Schwester habe nicht gehandelt und solle sich die Tat nicht jetzt zuschreiben. Ismenes Rede ist deshalb kein nachträglicher Beweis gemeinsamer Bestattung. Es ist ein eigenes Angebot von Solidarität, das die handelnde Schwester zurückweist. Wer nur ihre anfängliche Weigerung erinnert, übersieht die Veränderung; wer sie zur heimlichen Mittäterin macht, überschreibt Antigones ausdrücklichen Widerspruch.

Ein weiterer Versuch, Antigone zu schützen

Im Verhör erinnert Ismene Kreon auch daran, dass Antigone die Verlobte seines Sohnes Haimon ist. Sie versucht damit, eine Bindung im Haus des Herrschers gegen dessen Todesentscheidung geltend zu machen. Kreon weist das Argument zurück; Haimons späterer eigener Widerspruch erreicht ihn zunächst ebenfalls nicht.

Als der Chor nach dem Schicksal beider Schwestern fragt, erklärt Kreon, Ismene solle verschont werden, weil ihre Hände rein seien. Diese Entscheidung unterscheidet die tatsächliche Tat von der später angebotenen Mitschuld. Ein weiterer Lebensweg Ismenes wird hier nicht ausgearbeitet. Ihr Profil endet bei den belegten Handlungen und dieser Verschonung; Schweigen im Drama wird nicht mit einer erfundenen Ehe, Reise oder späteren Versöhnung gefüllt.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Sie rechnet mit der Macht der anderen
Antigone, Schwesternprolog bis zum getrennten Aufbruch

Die Schwester soll nicht allein bleiben
Antigone, Geheimhaltungsvorschlag im Prolog und Ismenes Beteiligungsangebot im Verhör

Ein weiterer Versuch, Antigone zu schützen
Antigone, Ismenes Verweis auf Haimons Verlobung und Kreons Verschonung nach dem Haimon-Streit

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Sophokles: Antigone

Eigenes Drama um Bestattung, Herrschaft und die Folgen des Verbots.

Tragödie des 5. Jahrhunderts v. Chr.

Sprache: Griechisch

Benutzte Ausgabe

Jebb: Antigone, ausgewählte Szenen

Schwestern, Bestattung, Verhör, Haimon, Abschied, Teiresias und Schlussberichte.

Historische Übersetzung; digitale MIT-Lesefassung.

Sprache: Englisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Thebanische Erzählungen in getrennten Epos-, Tragödien- und mythografischen Fassungen
Verwendeter Ausschnitt
Sophokles, Antigone: Schwesternprolog, gemeinsames Verhör und Kreons Entscheidung.
  1. Sophokles: Antigone – Schwestern, Herrschaft und Bestattung

    Sophokles; englische Übersetzung R. C. Jebb · Antikes Drama; historische Jebb-Übersetzung, digitale MIT-Lesefassung

    Schwesternprolog; Kreons Antrittsrede; Wächterbericht und Antigones Verhör; Ismenes Beteiligungsangebot; Haimon-Streit und Verschonung Ismenes; Antigones Abschied; Teiresias und Kreons Umkehr; Botenberichte zu Antigone, Haimon und Eurydike.

    Benannte englische Übersetzung gelesen; keine griechische Vollkollation oder Handschriftenprüfung. Szenenfenster, keine behauptete Volllektüre des Werks. Nicht jede Chorstrophe oder Rezeptionsfassung geprüft. Keine spätere Lebensgeschichte Ismenes aus dem Schweigen abgeleitet. Abgerufen am 2026-10-01.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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