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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Hymenaios: Ein Hochzeitsruf kann widersprechen

Catull ruft Hymen als göttlichen Begleiter der Hochzeit an und lässt junge Frauen den Ruf wiederholen. Euripides gibt den Hochzeitsruf einer Gefangenen: Kassandras Fackellied kollidiert mit Hekabes Trauer. Lied, angerufene Gestalt und tatsächliche Handlung sind verschiedene Ebenen.

4 Minuten Lesezeit

Der Ruf spricht eine Gestalt an

Catulls Gedicht 61 eröffnet mit einer Anrede an den Bewohner des Helikon und Nachkommen der Urania. Es wiederholt die Formen „Hymenaee Hymen“ und „Hymen Hymenaee“. Im Gedicht sind sie zugleich Ruf und Anrede: Eine göttliche Gestalt soll kommen und ihre Aufgabe erfüllen. Aus der umgekehrten Wortfolge folgen nicht zwei verschiedene Hochzeitsgötter.

Das lateinische Gedicht ist eine eigene Quelle für die auf dieser Seite behandelte Gestalt Hymenaios. Seine Urania-Zuordnung wird als Aussage Catulls benannt; sie ist keine über alle griechischen und römischen Werke hinweg gültige Familienregel. Die Namensformen der Anrufung und die Frage nach einer Abstammung erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Stimme, Bewegung und Fackel formen das Fest

Der angerufene Hymen soll sich mit Blüten schmücken, ein flammeum, einen Hochzeitsschleier, nehmen, einen gelben Schuh tragen, mit heller Stimme singen, tanzen und eine Pinienfackel schwingen. Später werden junge Frauen aufgefordert, den gleichen Ruf rhythmisch zu wiederholen. Das Gedicht lässt die Hochzeit damit als gemeinsamen Vollzug von Stimme und Bewegung entstehen.

Sein Lob reicht über die Liebe des Paars hinaus: Haus, Nachkommen und das Gemeinwesen werden von Hymens Wirken abhängig gemacht. Diese emphatischen Verse preisen die Hochzeit. Sie sind keine soziale Gesetzmäßigkeit, nach der Familien ohne ein bestimmtes Ritual keine Kinder haben könnten, und kein vollständig überprüfter Bericht eines historischen Festablaufs.

Kassandra singt nach einer Verfügung der Sieger

In Euripides’ Troerinnen berichtet Talthybios, wie die gefangenen Frauen unter den Siegern verteilt werden. Agamemnon hat Kassandra für sich gewählt; der Herold nennt eine heimliche sexuelle Verbindung. Hekabe beklagt die Nachricht. Dieser Zusammenhang geht Kassandras Auftritt voraus und bestimmt, was ihr Hochzeitsruf auf der Bühne bedeutet.

Kassandra kommt mit Fackeln, ruft Hymen als Herrn der Hochzeit an und fordert Mutter und trojanische Frauen zum Tanz und Gesang auf. Hekabe sieht dieselben Fackeln als trauriges Licht einer Verbindung in Gefangenschaft. Der Ruf bezeichnet hier keine selbstständig auftretende Figur, die eine freie Hochzeit garantiert: Hymen wird angerufen, während die beiden Frauen die Situation entgegengesetzt deuten.

Ein Hochzeitslied ist kein Beweis für Einverständnis

Kassandra erklärt anschließend, ihre Verbindung werde Agamemnons Haus zerstören und den Tod ihrer Angehörigen vergelten. Sie verwandelt den Festton in eine angekündigte Katastrophe für den Sieger. Das ist eine Rede innerhalb des Dramas, keine vom Lied unabhängige Festbeschreibung und keine auf dieser Seite bereits erzählte ganze Handlung der Troerinnen.

Der Vergleich mit Catull zeigt, warum die Ebenen getrennt werden müssen: Ein Lied kann eine Hochzeit feiern, eine göttliche Gestalt herbeirufen oder eine gewaltsame Verfügung gegen ihren Anspruch wenden. Dass Kassandra Hochzeitsworte verwendet, belegt nicht, dass die Zuteilung an Agamemnon eine freie Entscheidung war. Hymenaios’ Rolle liegt hier in einer angerufenen Festordnung, deren Sprache unter den Bedingungen des Krieges bricht.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Der Ruf spricht eine Gestalt an
Catull 61,1–5 und 36–50 im lateinischen Text

Stimme, Bewegung und Fackel formen das Fest
Catull 61,6–15,31–45 und 51–75

Kassandra singt nach einer Verfügung der Sieger
Troerinnen 235–259 und 293–350 im tatsächlich gelesenen Fenster 235–409

Ein Hochzeitslied ist kein Beweis für Einverständnis
Troerinnen 343–409; Catull 61,1–75

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Catull: Hochzeitsgedicht61

Ein Hochzeitsgedicht mit Anrufung des Hymen und wiederkehrendem Ruf. Die gelesenen Stellen sind in der jeweiligen Ausgabenkarte bezeichnet.

Römische Dichtung der Antike

Sprache: Latein

Benutzte Ausgabe

Catull: Hymen im Hochzeitslied 61

Gedicht 61,1–75 im lateinischen Text: Anrufung des Hymen/Hymenaeus, Urania-Zuordnung, Attribute und Lob der Ehe. Die ausdrücklich benannten Stellen wurden gelesen. Andere Werkteile, zitierte verlorene Werke und vollständige Identitäts- oder Handschriftenprüfungen sind damit nicht erschlossen.

Antikes Werk; benannte digitale Leseausgabe

Sprache: Latein

Überlieferter Text

Euripides: Troerinnen

Ein Drama über gefangene Frauen nach Trojas Fall. Diese Werkidentität bedeutet keine vollständige Lektüre aller Szenen.

Griechische Tragödie der Antike

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Euripides: Kassandras Hochzeitsruf nach Trojas Fall

Troerinnen 235–409 in der englischen CHS-Fassung; zusätzlich der Übersetzungs- und Bearbeitungskopf. Nur die benannten Stellen und die ausgewählte Objektansicht geprüft; keine vollständige Werk-, Handschriften-, Objekt- oder Identitätsprüfung und keine externe Fachgegenlektüre.

Antikes Werk; benannte digitale Leseausgabe

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Die jeweils benannten griechischen Überlieferungen und ihre gesondert bezeichneten römischen beziehungsweise spätantiken Bild- und Textzugänge.
Verwendeter Ausschnitt
Catull 61,1–75 im Lateinischen; Euripides’ Troerinnen 235–409 in der CHS-Übersetzung.
  1. Catull: Hymen im Hochzeitslied 61

    Catull; lateinische digitale Leseausgabe der Dickinson College Commentaries · Antikes Werk; benannte digitale Leseausgabe

    Gedicht 61,1–75 im lateinischen Text: Anrufung des Hymen/Hymenaeus, Urania-Zuordnung, Attribute und Lob der Ehe.

    Die ausdrücklich benannten Stellen wurden gelesen. Andere Werkteile, zitierte verlorene Werke und vollständige Identitäts- oder Handschriftenprüfungen sind damit nicht erschlossen. Abgerufen am 2026-10-01.

  2. Euripides: Kassandras Hochzeitsruf nach Trojas Fall

    Euripides; Übersetzung E. P. Coleridge, überarbeitet vom Trojan Women Heroization team (Keith DeStone, Hélène Emeriaud, Kelly Lambert, Janet M. Ozsolak, Sarah Scott) · Antikes Werk; benannte digitale Leseausgabe

    Troerinnen 235–409 in der englischen CHS-Fassung; zusätzlich der Übersetzungs- und Bearbeitungskopf.

    Nur die benannten Stellen und die ausgewählte Objektansicht geprüft; keine vollständige Werk-, Handschriften-, Objekt- oder Identitätsprüfung und keine externe Fachgegenlektüre. Abgerufen am 2026-10-01.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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