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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Hyakinthos: die Blume erzählt nicht den ganzen Kult

Bei Ovid stirbt Hyakinthos durch einen zurückspringenden Diskus. Pausanias berichtet vom Altar in Amyklai und von zwei verschiedenen Bildgestalten. Verlustgeschichte, Kultbericht und spätere Kunst beantworten andere Fragen.

4 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Ein gemeinsames Spiel wird zum Unfall

Ovid legt die Geschichte in den Gesang des Orpheus. Phoebus liebt Hyakinthos und verlässt für ihn zeitweise seine Aufgaben in Delphi. Er begleitet ihn beim Jagen, trägt Netze und kümmert sich um die Hunde. Diese Nähe zeigt sich in gemeinsamen Tätigkeiten, bevor die tödliche Szene beginnt.

Beim Diskuswerfen schleudert der Gott die Scheibe hoch. Hyakinthos läuft freudig voraus, um sie aufzunehmen. Sie springt jedoch vom harten Boden zurück und trifft ihn ins Gesicht. In diesem gelesenen Ovidfenster lenkt kein eifersüchtiger Zephyr den Wurf. Eine solche Ursache aus einer anderen Fassung darf den hier erzählten Unfall nicht unbemerkt ersetzen.

Heilkunst findet ihre Grenze

Phoebus hält den Verletzten, legt heilende Kräuter auf die Wunde und versucht sein Leben zu retten. Doch die eigene Heilkunst reicht nicht aus. Ovid vergleicht den sinkenden Kopf mit Blumen, deren Stiel beschädigt wurde. Der Vergleich bereitet den späteren Blumenursprung vor, ohne die Tötung zu beschönigen.

Der Gott wirft sich die Verantwortung für das Spiel vor und möchte mit dem Geliebten sterben. Seine Unsterblichkeit verhindert dies. Aus dem Blut wächst eine Blume; der Gott schreibt Klagezeichen in ihre Blätter. Sie bewahren seine Trauer. Die poetische Beschreibung ist keine sichere botanische Bestimmung als heutige Gartenhyazinthe. Ovid erwähnt außerdem ein jährliches spartanisches Fest; für die tatsächliche lokale Opferfolge braucht es einen anderen Beleg.

Am Altar kommt Hyakinthos zuerst

Pausanias berichtet, unter dem Kultbild in Amyklai befinde sich ein Altar, in dem Hyakinthos nach örtlicher Aussage bestattet sei. Durch eine bronzene Tür bringe man ihm Opfer dar, bevor man Apollon opfere. Damit erscheint er im Bericht nicht nur als verlorener Geliebter des Gottes, sondern als eigene Figur der lokalen rituellen Reihenfolge.

Auch die Bilder passen nicht in ein einziges Schema. Pausanias beschreibt auf dem Altar eine bärtige Gestalt, die gemeinsam mit Polyboia in den Himmel geführt wird; Polyboia werde als seine Schwester bezeichnet. Dem stellt er ein Gemälde des Nikias gegenüber, auf dem Hyakinthos als schöner Jugendlicher und als Geliebter Apollons erscheine. Der Bericht über diese Bilder ist kein Nachweis, dass wir sie heute vollständig sehen könnten. Pausanias erwähnt die Westwind- und Blumengeschichte, erzählt sie hier aber nicht ausführlich.

Eine Begegnung vor dem Verlust

Kupferstich: Links steht Apollon mit Kranz, Bogen, Köcher und Saiteninstrument. Seine Hand ruht auf der Schulter der rechten Figur. Unten rechts steht ein geflügelter Amor.
Marcantonio Raimondi, Apollon und Hyakinthos, 1506, Kupferstich, The Met 29.44.6. Die Vorlage nach Francesco Francia ist unsicher zugeschrieben. Public Domain / CC0. Lebende Begegnung, keine Darstellung des Diskusunfalls. Bildnachweis Bildlizenz

Der spätere Kupferstich wählt das Leben

Marcantonio Raimondis Kupferstich von 1506 zeigt zwei lebende stehende Figuren: Apollon mit Bogen, Köcher und Saiteninstrument berührt die Schulter des Hyakinthos; unten rechts steht Amor. Das Bild erzählt weder den Diskusunfall noch die von Pausanias beschriebene Himmelfahrt des bärtigen Altarhelden. Es wählt Nähe als sichtbaren Moment.

Der Met-Katalog nennt Francesco Francia als mögliche Vorlage und markiert die Zuschreibung ausdrücklich als unsicher. Diese Unsicherheit gehört zum Bildnachweis. Das vollständige Blatt ist hier als Public-Domain-Reproduktion unter CC0 eingebunden. Die kleine obere Tafel wurde nicht eigenständig entziffert; die Erklärung setzt ihre Lesbarkeit in der Mobilansicht nicht voraus.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Ein gemeinsames Spiel wird zum Unfall
Metamorphosen 10,143–154 und 162–185

Heilkunst findet ihre Grenze
Metamorphosen 10,186–219

Am Altar kommt Hyakinthos zuerst
Beschreibung Griechenlands 3.19.3–5

Der spätere Kupferstich wählt das Leben
The Met 29.44.6; Objektkatalog und tatsächlich betrachtetes vollständiges Blatt

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Ovid: Metamorphosen

Werkebene des römischen Gedichts. Die einzelnen Museumsseiten nennen ihre jeweils gelesenen Buch- und Versabschnitte; daraus folgt keine vollständige Erschließung des Werks.

Antikes Werk; keine Datierung aus dem Datum eines modernen Digitaltexts abgeleitet.

Sprache: Latein

Benutzte Ausgabe

More: Ovids Lieder über Blüten und Belebung

Nur der genau benannte tatsächlich gelesene Umfang; keine Originalsprachenkollation oder externe Fachgegenlektüre.

Metamorphosen 10,143–154, 162–219, 243–297, 469–559 und 705–739; historische englische Übersetzung 1922.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Pausanias: Beschreibung Griechenlands

Werkebene der Beschreibung Griechenlands. Die einzelnen Museumseiten nennen ihre tatsächlich gelesenen Ausschnitte in den zugehörigen Ausgabenkarten; daraus folgt keine vollständige Erschließung des Werks.

Werkebene; hier kein exaktes Entstehungsjahr festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Jones: Hyakinthos in Amyklai

Nur der genau benannte tatsächlich gelesene Umfang; keine Originalsprachenkollation oder externe Fachgegenlektüre.

Beschreibung Griechenlands 3.19.3–5; historische englische Übersetzung.

Sprache: Englisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Benannte literarische Erzählungen und Berichte; lokale Zeugnisse und spätere Kunst getrennt.
Verwendeter Ausschnitt
Ovid, Metamorphosen 10,143–154 und 162–219; Pausanias 3.19.3–5.
  1. Ovid X: gerahmte Lieder über Verlust und Belebung

    Ovid; englische Übersetzung Brookes More · Metamorphosen; historische More-Übersetzung 1922

    10,143–154, 162–219, 243–297, 469–559 und 705–739.

    Nur diese tatsächlich gelesenen englischen Textfenster; keine vollständige Myrrha- oder Atalantelesung, keine lateinische Kollation oder ganze Buchlektüre. Pygmalions Statue unbenannt; Blumenursprünge nicht botanisch gleichgesetzt. Abgerufen am 2026-10-01.

  2. Pausanias: Hyakinthos im Altar und im Bild

    Pausanias; englische Übersetzung W. H. S. Jones · Beschreibung Griechenlands; historische englische Leseausgabe

    Beschreibung Griechenlands 3.19.3–5.

    Nur benanntes englisches Fenster: antiker Bericht über Altar, Opferfolge und verschiedene Bildfassungen; kein eigener Ortstermin oder Nachweis heutiger materieller Erhaltung. Westwindlegende dort erwähnt, nicht mit Ovid harmonisiert. Abgerufen am 2026-10-01.

  3. Raimondis Apollon und Hyakinthos: die lebende Begegnung

    The Metropolitan Museum of Art · Institutioneller Objektkatalog; Kupferstich 1506

    Objektdaten 29.44.6, öffentlich gelesener Katalog und tatsächlich betrachtetes Original samt drei Webfassungen.

    Katalog über web gelesen, API archiviert; HTML-Archivierung HTTP 429 dokumentiert. Vorlage nach Francesco Francia ausdrücklich unsicher; Bild zeigt lebende Figuren, weder Diskusunfall noch Hyakinthos als bärtigen Altarhelden. Abgerufen am 2026-10-01.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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