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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Erlik: Wer schafft Leben, wer setzt Grenzen?

Erlik belebt Menschen und bringt zugleich Gefährdung. Zwei altaische Aufzeichnungen geben ihm verschiedene Verwandtschaftsrollen; selbst eine mögliche frühere Gestalt bleibt im Text umstritten.

4–5 Minuten Lesezeit

Ein Bruder, dessen frühere Rolle umstritten bleibt

1976 zeichnete I. B. Shinzhin in Malyy Yaloman eine Erzählung des 78-jährigen Ch. Malchiev aus dem Tölös-Clan auf. Ihre Einleitung nennt Erlik als jüngeren Bruder Ülgens. Später erscheint ein Wesen, das sich zunächst Mensch nennt, Erde aus dem Wasser bringt und schließlich durch eine Öffnung im Boden verschwindet.

Ist dieses Wesen Erlik? Die Erzählung lässt verschiedene Antworten stehen. Beim späteren Auftreten Erliks heißt es sinngemäß: Einige setzen ihn mit dem verschwundenen Menschen gleich, andere halten ihn für den Bruder Ülgens. Diese Unsicherheit gehört zum Text; aus ihr entsteht hier keine lückenlose Lebensgeschichte.

Die Menschen leben durch einen Eingriff

Ülgen hat Körper geformt, kann sie aber noch nicht beleben. Während er nach einem Weg sucht, bewacht ein Hund die Menschen. Erlik gewinnt den Hund mit Nahrung und dem Versprechen eines Fells für sich und gibt den Körpern Leben. Die Übersetzung nennt die eingebrachte Lebenskraft tyn.

Der Eingriff macht die Menschen lebendig, verletzt aber Ülgens Absicht. Später bewegt Erlik sie dazu, verbotene Früchte zu essen. Das Ende verbindet ihn mit dem Einziehen der Lebenskraft kurzlebiger Menschen. Lebensgabe, Täuschung und Sterblichkeit liegen in einer Handlung nebeneinander.

In Elo ist Erlik der älteste von vier Brüdern

Eine andere Aufzeichnung stammt von T. A. Chachiyakov aus Elo. K. M. Makoshev hielt sie 1970 fest. Hier schaffen vier Brüder die Erde. Der älteste gerät unter sie und kehrt mit einem Kupferstab zurück. Später nennt die Erzählung ihn Erlik-aba; seine drei jüngeren Brüder werden Üch-Kurbustans genannt.

Beim Wettstreit um die Schöpferrolle wächst die goldene Blume in seiner Schale. Die jüngeren Brüder stehlen sie. Erlik bringt seinerseits Krankheiten und verhindert dauerhaftes menschliches Leben. Auch diese Geschichte verteilt Unrecht auf mehrere Handelnde. Eine 1985 aufgezeichnete Variante desselben Erzählers wird gesondert dokumentiert.

Zwei lokale Profile öffnen weitere Fragen

Die Forschung ordnet solche Erzählungen unterschiedlichen religiösen Vermittlungsrahmen zu. Das ist ein Vergleichsvorschlag, kein Beweis für einen einheitlichen ursprünglichen Erlik. Insbesondere macht die Übersetzung mit Wörtern wie Gott oder Teufel aus den Figuren keine automatisch identischen Gestalten anderer Religionen.

Dieses Profil verbindet die benannten Altai-Texte zur gemeinsamen Lektüre und bewahrt ihre Unterschiede. Es spricht weder für alle sibirischen Gemeinschaften noch für jede heutige religiöse Praxis. Weitere regionale Erlik-Überlieferungen benötigen eigene Quellen und eigene Teilprofile.

Die Figur in ihren Quellen

Erlik in zwei benannten altaischen Aufzeichnungen

Zwei lokale Textprofile erhalten; jüngerer Bruder bei Malchiev, ältester Bruder bei Chachiyakov. Mensch/Erlik-Zweifel nicht durch sichere Figurenbiografie ersetzen.

Ein Bruder, dessen frühere Rolle umstritten bleibt
Text 2, Blöcke 1–7 und 9; Provenienz/Kommentar S. 406; russischer Text vollständig gelesen

Die Menschen leben durch einen Eingriff
Text 2, Blöcke 8–16 samt Schluss; Kommentar S. 406 zu tyn

In Elo ist Erlik der älteste von vier Brüdern
Text 3, Blöcke 1–11; Kommentar S. 408–409; Variante 1 S. 409 mit eigener Aufzeichnung 1985

Zwei lokale Profile öffnen weitere Fragen
S. 38–40 und 44–46: verschiedene Erzählkonstellationen und religionsgeschichtliche Deutung; Benutzter russischer Paralleltext und individuelle Provenienz; Benutzte lokale Aufzeichnungen 1970/1985

Belegte Beziehungen

  • Jüngerer Bruder Ülgens: Ülgen in Malchievs TextBelege [1] : Malchiev-Aufzeichnung 1976, Text 2 Block 1; kein gemeinsamer Stammbaum mit der Elo-Vierbrüder-Fassung

Fassungen und Belege unterscheiden

Werk, Überlieferung und Lesezugang

Werk

Schöpfung von Erde und Mensch: Malchiev-Aufzeichnung

Text 2 der Ausgabe von 2011 nach Ch. Malchiev wird vollständig in seiner russischen Fassung verwendet, mit den Blöcken 1–16 auf Druckseiten 67–79. Die Kommentare auf Seiten 406–408 vermitteln Herkunft, Erklärungen und Varianten. Im Handlungstext bleibt die Gleichsetzung des Tauchers mit Erlik ausdrücklich strittig; die Kommentarnote ist bestimmter. Eine ganze altaische Original- oder Tonfassung ist dadurch nicht erschlossen.

Aufzeichnung 1976; Ausgabe 2011, Text 2, S. 67–79

Sprache: Altaisch; benutzt wurde die russische Parallelübersetzung

Beleg für den hier verwendeten Ausschnitt: Schöpfung von Erde und Mensch: Ch. Malchiev, Malyy Yaloman 1976

Benutzter Lesezugang

Schöpfung von Erde und Mensch: Malchiev-Aufzeichnung: benutzter PDF-Zugang

I. B. Shinzhin, Aufzeichnung; E. E. Yamayeva/Shinzhin, Übersetzung. Vollständige russische Fassung und benannte Kommentare gelesen, keine vollständige altaische Originallektüre.

Aufzeichnung 1976; Ausgabe 2011, Text 2, S. 67–79

Sprache: Altaisch; benutzt wurde die russische Parallelübersetzung

Quellen zu diesem Lesezugang: Schöpfung von Erde und Mensch: Ch. Malchiev, Malyy Yaloman 1976

Werk

Entstehung der Erde: Chachiyakov-Aufzeichnung und Variante

Text 3 nach T. A. Chachiyakov umfasst in der verwendeten russischen Fassung die vollständigen Blöcke 1–11 auf Druckseiten 79–85. Dazu kommen Kommentare auf 408–409 und die ganze Zusammenfassung von Variante 1 aus dem Jahr 1985; von Variante 2 nur der Anfang auf 409. Hauptaufzeichnung 1970 und Variante 1985 bleiben getrennt. Die drei Üch-Kurbustans werden nicht durch Ülgen ersetzt.

Aufzeichnungen 1970/1985; Ausgabe 2011, Text 3 S. 79–85, Variante 1 S. 409

Sprache: Altaisch; benutzt wurden russische Übersetzungen

Beleg für den hier verwendeten Ausschnitt: Entstehung der Erde: T. A. Chachiyakov, Elo 1970 und benannte Variante 1985

Benutzter Lesezugang

Entstehung der Erde: Chachiyakov-Aufzeichnung und Variante: benutzter PDF-Zugang

1970er Text vollständig russisch gelesen; 1985er Variante 1 separat. Kupferstab/Standfläche für zwei Füße nicht mit Stabspitzenland vereinheitlichen. Keine Manuskripte oder Audio gehört.

Aufzeichnungen 1970/1985; Ausgabe 2011, Text 3 S. 79–85, Variante 1 S. 409

Sprache: Altaisch; benutzt wurden russische Übersetzungen

Quellen zu diesem Lesezugang: Entstehung der Erde: T. A. Chachiyakov, Elo 1970 und benannte Variante 1985

Werk

Schöpfungserzählungen: Oinotkinovas Forschungsdeutung

Verwendet werden die Druckseiten 38–40 und 43–46 mit Abstracts, Einleitungsanfang und benannten Vergleichen, nicht der gesamte 25-seitige Artikel. Russische Kommentare und Zitatübersetzungen vermitteln die altaischen Belege. Klassifikationen und Einflussvergleiche bleiben Deutungen der Autorin; eine neue vollständige Übersetzung aus dem Altaischen wird nicht beansprucht.

2020, Nr. 1, S. 38–62; benutzte Passagen S. 38–46

Sprache: Russisch; eigene deutsche Paraphrase

Beleg für den hier verwendeten Ausschnitt: Oinotkinova: Schöpfungserzählungen und ihre verschiedenen Vermittlungsrahmen

Benutzter Lesezugang

Schöpfungserzählungen: Oinotkinovas Forschungsdeutung: benutzter PDF-Zugang

Benannte Abstracts/Einleitung und Motivpassagen gelesen, keine gesamte 25-seitige Studie. Deutungskategorien nicht zur ursprünglichen Einheitsreligion machen.

2020, Nr. 1, S. 38–62; benutzte Passagen S. 38–46

Sprache: Russisch; eigene deutsche Paraphrase

Quellen zu diesem Lesezugang: Oinotkinova: Schöpfungserzählungen und ihre verschiedenen Vermittlungsrahmen

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Benannte altaische Aufzeichnungen im Onguday-Gebiet; russische Paralleltexte und Forschungsdeutung getrennt.
Verwendeter Ausschnitt
Neskazochnaya proza altaitsev 2011, Texte 2–3 mit individuellen Erzähl-/Aufzeichnungsangaben.
  1. Schöpfung von Erde und Mensch: Ch. Malchiev, Malyy Yaloman 1976

    Ch. Malchiev, Erzähler; I. B. Shinzhin, Aufzeichnung; E. E. Yamayeva und I. B. Shinzhin, russische Übersetzung; Oinotkinova/Shinzhin/Yadanova/Yamayeva, Ausgabe · Aufzeichnung 1976; Ausgabe Novosibirsk: Nauka 2011, Text 2, S. 67–79; Kommentar S. 406–408

    Vollständige russische Fassung Text 2, Blöcke 1–16 samt Schluss, Druck S. 67–79 (PDF 71,73,75,77,79,81,83). Kommentar/Provenienz S. 406–408 als Text gelesen, ganze S. 406 gerendert geöffnet. Ganze Erzählseite S. 69 gerendert gelesen. Altaische gegenüberliegende Seite PDF 72 nur Namens-/Dialoganfang geprüft, keine vollständige Originallektüre. Impressum und institutionelle Buchbeschreibung gelesen.

    Benutzte russische Übersetzung der Ausgabe von 2011; keine vollständige altaische Originalsprachlektüre, Manuskript- oder Tonaufnahmeautopsie, keine gesamte 576-seitige Buchlektüre. PDF hat 599 Dateiseiten und wechselnde Seitenoffsets; benannte Druckseiten/Dateiseiten separat geprüft. Fotografien und Tonaufnahmen nicht übernommen. Keine heutige Praxisbeschreibung oder gesamtsibirische Identität. Text selbst lässt offen, ob der anfangs Mensch genannte Taucher mit dem späteren Erlik identisch ist. Editorische Erklärung und Erzählzweifel nebeneinander erhalten; russisches dusha/Seele nicht ungeprüft auf alle altaischen Begriffe ausweiten. Abgerufen am 2026-10-03.

  2. Entstehung der Erde: T. A. Chachiyakov, Elo 1970 und benannte Variante 1985

    T. A. Chachiyakov, Erzähler; K. M. Makoshev, Aufzeichnung 1970; E. E. Yamayeva und N. R. Oinotkinova, russische Übersetzung; Z. S. Kazagacheva und Y. I. Sheykin, Aufzeichnung 1985 · Aufzeichnungen 1970/1985; Ausgabe 2011, Text 3 S. 79–85; Kommentar/Variante S. 408–409

    Vollständige russische Fassung Text 3, Blöcke 1–11, Druck S. 79–85 (PDF 83,85,87,89). Kommentare und Provenienz S. 408–409 gelesen; Variante 1 S. 409 vollständig gelesen, Variante 2 nur Anfang. Ganze Erzählseite S. 81 gerendert geöffnet und gelesen. Erzählung von 1970 undVariante von 1985 getrennt: Standfläche für zwei Füße gegenüber einer Stabspitze, Kupferstab nur Text 3, goldene Blume in beiden.

    Benutzte russische Übersetzung der Ausgabe von 2011; keine vollständige altaische Originalsprachlektüre, Manuskript- oder Tonaufnahmeautopsie, keine gesamte 576-seitige Buchlektüre. PDF hat 599 Dateiseiten und wechselnde Seitenoffsets; benannte Druckseiten/Dateiseiten separat geprüft. Fotografien und Tonaufnahmen nicht übernommen. Keine heutige Praxisbeschreibung oder gesamtsibirische Identität. Keine Originalaufzeichnungen FM 245/MNE 33 unabhängig geprüft. Vierbrüder-Fassung nennt drei Üch-Kurbustans; diese nicht stillschweigend durch Ülgen ersetzen. Text 3 und dessen Erzählkommentar zum Stehlen getrennt von eigener redaktioneller Bewertung. Krankheiten sind Erzählmotiv, keine medizinische Kausalbehauptung. Abgerufen am 2026-10-03.

  3. Oinotkinova: Schöpfungserzählungen und ihre verschiedenen Vermittlungsrahmen

    N. R. Oinotkinova; Institute of Philology SB RAS · Studies in Theory of Literary Plot and Narratology 2020, Nr. 1, S. 38–62; DOI 10.25205/2410-7883-2020-1-38-62

    Abstracts/Einleitung und benannte Abschnitte S. 38–40 und 43–46 tatsächlich gelesen: dualistische und Vierbrüder-Erzählungen, Erdtauchen, unterschiedliche Landschaftsentstehung, Schwalbenhilfe, Blütenwettbewerb und Menschenschöpfung. Keine gesamte Artikellektüre. Namensformen Ӱлген und Ӱч-Курбустан aus Fachtext geprüft.

    Kategorien dualistisch und buddhistisch sowie Einflussvergleiche sind wissenschaftliche Deutung der Autorin. Ihre Gott/Teufel-Sprache nicht als sichere ursprüngliche Figurenidentität übernehmen. Keine vollständige Lektüre aller 25 Seiten und keine unabhängige Lektüre der zitierten Originaltexte von Verbitski, Radlov oder Potanin; keine eigenen Feldaufnahmen. Die Autorin weist für eine Kumandin-Aufzeichnung 1964 selbst nur russischen Textzugang aus; daraus kein Originalsprachbeleg. Abgerufen am 2026-10-03.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-18. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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