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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Charon: Der Fährmann verändert seine Aufgabe

Eine attische Ölflasche zeigt eine Totenfahrt. Pausanias beschreibt Charon in einem heute verlorenen Gemälde. Vergil macht den Fährmann zum Wächter einer Grenze, Dante fügt ihn in eine christliche Hölle ein. Das Boot bleibt; die Bedingungen der Fahrt wechseln.

4–5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Ein Fährmann auf einer attischen Ölflasche

Eine weißgrundige attische Lekythos, eine Ölflasche, wird vom Met um 450 v. Chr. datiert und dem Sabouroff-Maler zugeschrieben. Der Katalog deutet den Bildumlauf als Charon, Hermes und einen verstorbenen Jugendlichen. Hermes geleitet den jungen Mann zum Boot; Charon trägt die Kleidung eines Arbeiters mit Kappe und einseitig befestigter Tunika.

Die hier gezeigte Aufnahme bietet einen Teil dieses Umlaufs. Zu sehen sind die Kappenfigur, eine lange Stange, ein Bootsrand und eine weitere Gestalt mit feinem Stab. Der Jugendliche ist in dieser Ansicht nicht als zusätzliche vollständig sichtbare Figur zu erkennen. Katalogdeutung und sichtbarer Bildausschnitt werden deshalb getrennt benannt. Eine Münzübergabe ist auf dieser Aufnahme nicht zu sehen.

Ein Teil des Bildumlaufs mit Charon und Hermes

Schlanke weißgrundige Ölflasche mit dunkler Mündung und dunklem Fuß. Auf dem Körper sind zwei abgenutzte Figurenzeichnungen zu sehen: links ein Mann mit Kappe und langer Stange neben einem Bootsrand, rechts eine Gestalt mit feinem Stab.
Attische Lekythos, dem Sabouroff-Maler zugeschrieben, um 450 v. Chr. The Met 21.88.17, Public Domain / CC0. Der Katalog deutet den Bildumlauf als Charon, Hermes und einen Verstorbenen. Diese Aufnahme zeigt einen Teil des Umlaufs; sie bildet die gesamte Szene nicht gleichzeitig ab. Bildnachweis Bildlizenz

Pausanias beschreibt ein Bild, das wir nicht mehr sehen

Pausanias schildert im zehnten Buch ein Gemälde des Polygnotos. In seiner Beschreibung liegt ein Boot auf dem Acheron; Schilf und Fischschatten geben dem Wasser Gestalt. Der Fährmann erscheint zusammen mit Tellis und Kleoboia. Ein Boot mit seinen Passagieren bildet hier einen Teil einer größeren gemalten Totenwelt.

Pausanias vermutet, der Maler habe sich an der Minyas orientiert. Er zitiert Verse, in denen Theseus und Peirithoos das Boot des alten Charon nicht vorfinden. Das ist eine Überlegung des beschreibenden Autors zu einem dichterischen Vorbild. Wir besitzen hier weder das Gemälde selbst noch die vollständig gelesene Minyas. Die Beschreibung ersetzt keine unmittelbare Bildbeobachtung wie das Foto der Lekythos.

Vergil lässt Charon entscheiden, wer hinüberdarf

In Vergils Aeneis hat Charon einen verwilderten Bart und feurige Augen. Die Toten drängen wie fallendes Herbstlaub zum Ufer. Die Sibylle erklärt Aeneas die Grenze: Bestattete werden übergesetzt; Unbestattete müssen warten. Das römische Epos macht den Zustand des toten Körpers für die Fahrt bedeutsam.

Als der lebende Aeneas mit der Sibylle kommt, weist Charon ihn zunächst zurück. Erst der vorgezeigte goldene Zweig ändert seine Haltung. Das Boot nimmt den schweren lebenden Körper auf und setzt beide über. Dieser besondere Zugang ist eine Handlung innerhalb der Aeneis, kein Beleg dafür, dass jede antike Überfahrt dieselben Regeln oder dasselbe Zeichen kannte.

Dantes Charon fährt innerhalb einer christlichen Ordnung

Im dritten Gesang des Inferno begegnet der reisende Dante einem alten Fährmann. Charon droht den Toten und will den Lebenden fernhalten. Vergil, hier Dantes Führer, verweist auf einen höheren Willen. Der Fährmann mit den Feueraugen sammelt die Seelen und treibt Zögernde mit dem Ruder an.

Das Gedicht nennt ihn einen Dämon. Vergil erklärt, hier sammelten sich die unter Gottes Zorn Verstorbenen; göttliche Gerechtigkeit dränge sie zur Überfahrt. Ein vertrauter antiker Name übernimmt damit eine Aufgabe in Dantes christlicher Jenseitserzählung. Die Figur ist nicht mehr nur die eines attischen Gefäßbildes. Ähnlichkeiten wie Boot, Alter und feuriger Blick verdecken diesen Wechsel der erzählten Ordnung nicht.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Ein Fährmann auf einer attischen Ölflasche
The Met 21.88.17: sichtbare Objektbeschreibung, API und ausgewählte Hauptaufnahme DP102162

Pausanias beschreibt ein Bild, das wir nicht mehr sehen
Pausanias 10.28.1–3, im gelesenen Fenster 10.28.1–5

Vergil lässt Charon entscheiden, wer hinüberdarf
Aeneis 6,295–336 und 384–416

Dantes Charon fährt innerhalb einer christlichen Ordnung
Inferno III,79–129 nach Longfellow

Belegte Beziehungen

  • Hermes gehört laut Katalog zur Begleitung am Boot: HermesBelege [1] : Met 21.88.17: Katalog und Hauptaufnahme

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Pausanias: Beschreibung Griechenlands

Werkebene der Beschreibung Griechenlands. Die einzelnen Museumseiten nennen ihre tatsächlich gelesenen Ausschnitte in den zugehörigen Ausgabenkarten; daraus folgt keine vollständige Erschließung des Werks.

Werkebene; hier kein exaktes Entstehungsjahr festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Pausanias: Charon in der Beschreibung eines verlorenen Gemäldes

Beschreibung Griechenlands 10.28.1–5: Acheron, Charon und einzelne Gestalten des von Pausanias beschriebenen Polygnotos-Gemäldes. Die jeweils benannten Textstellen in historischen englischen Übersetzungen; weitere Werkteile und Überlieferungen sind hier nicht vollständig erschlossen.

Antikes Werk in historischer englischer Übersetzung

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Überlieferter Text

Aeneis

Werkidentität getrennt von modernen Ausgaben. Nur die bei den Quellen einzeln bezeichneten Passagen erschlossen.

Antikes lateinisches Werk; die hier verwendete Auswahl belegt keine präzise Erstkomposition.

Sprache: Latein

Benutzte Ausgabe

Vergil Aeneis VI, Übersetzung Fairclough bei Theoi

VI.295–336 und 384–416 als begrenzter Vergleich. Gemeinsame Werkidentität mit vorhandenen Aeneis-Zugängen, keine Übernahme ihrer anderen Textausschnitte.

Historische englische Übersetzung, digital abgerufen 27.09.2026.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Commedia / Divina Commedia

Dantes Gedicht über Inferno, Purgatorio und Paradiso. Hier ausgewählte Stellen aus dem Inferno; keine Gesamtlektüre.

14. Jahrhundert; Werkdatierung laut italienischem Textzugang.

Sprache: Italienisch

Benutzte Ausgabe

Inferno in Longfellows englischer Übersetzung, Gutenberg 1001

Ausgewählte Stellen aus III, IV, XXVI und vollständiger Gesang XXXIV. Keine selbst kollationierten Handschriften.

Historische Übersetzung; E-Book laut Metadaten 1997 veröffentlicht und 2024 aktualisiert.

Sprache: Englisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Die jeweils benannten griechischen Überlieferungen; spätere römische und italienische Fassungen ausdrücklich getrennt.
Verwendeter Ausschnitt
Met 21.88.17 und Pausanias 10.28.1–5; als getrennte Rezeptionen Aeneis 6,295–336 und 384–416 sowie Inferno III,79–129.
  1. Charon und Hermes auf einer attischen Lekythos

    The Metropolitan Museum of Art; Sabouroff-Maler zugeschrieben · Um 450 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog

    Offizielle sichtbare Objektbeschreibung zu Charon, Hermes und dem Jugendlichen sowie Objektdaten und Public-Domain-Kennzeichnung für Met 21.88.17; archivierte API. Nur die ausgewählte Hauptaufnahme und ihre drei Webgrößen betrachtet.

    Eine fotografierte Gefäßseite, kein vollständiger Rundumblick. Der vollständige HTML-Volltext des Katalogs ist lokal nicht archiviert; ein Web-Leseprotokoll und die API sichern den Zugang. Keine allgemeine Münzpflicht oder Einheitslehre der Totenfahrt daraus abgeleitet. Abgerufen am 2026-10-01.

  2. Pausanias: Charon in der Beschreibung eines verlorenen Gemäldes

    Pausanias; englische Übersetzung W. H. S. Jones · Antikes Werk in historischer englischer Übersetzung

    Beschreibung Griechenlands 10.28.1–5: Acheron, Charon und einzelne Gestalten des von Pausanias beschriebenen Polygnotos-Gemäldes.

    Die jeweils benannten Textstellen in historischen englischen Übersetzungen; weitere Werkteile und Überlieferungen sind hier nicht vollständig erschlossen. Abgerufen am 2026-10-01.

  3. Aeneis VI: Charon und der Zugang zur Unterwelt

    Vergil; englische Übersetzung H. R. Fairclough / Theoi

    VI.295–336 und 384–416 gelesen: Fährmann, Feueraugen, Herbstlaubvergleich, Bestattungsvoraussetzung und Aeneas’ Überfahrt mit Sibylle und goldenem Zweig. Übersetzer im Seitenkopf geprüft.

    Nur benannte Abschnitte, keine Gesamtlektüre des Buchs. Englische Übersetzung, keine neue Prüfung des lateinischen Texts. Kein pauschales Gleichsetzen aller antiken Unterweltsvorstellungen. Abgerufen am 2026-09-27.

  4. Inferno: ausgewählte Gesänge in Longfellows Übersetzung

    Dante Alighieri; englische Übersetzung Henry Wadsworth Longfellow / Project Gutenberg

    III.1–21 und 79–129, IV.19–69, XXVI.22–63 sowie XXXIV vollständig gelesen; Titel, Übersetzer und digitale Editionsangaben geprüft.

    Keine Gesamtlektüre des Inferno oder der Commedia. Gemeinfreier englischer Textzugang, keine eigene Handschriftenkollation. Die Inhaltsübersicht und redaktionellen Gesangstitel des E-Books sind von Dantes Versen zu unterscheiden. Abgerufen am 2026-09-27.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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