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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Batara Guru: Ein Anfang zwischen drei Welten

Batara Guru verlässt die Oberwelt, wartet am Meer auf Wé Nyiliq Timoq und sorgt sich um seine Nachfolge. Die bugische La-Galigo-Überlieferung erzählt Weltanfang als Beziehungsgeschichte. Eine Handschrift und ihr Übersetzer zeigen, wie diese Geschichten lesbar werden.

6–7 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Vergilbte Handschriftenseite mit Zeilen bugischer Schrift, waagerechten Trennstrichen, Randnotizen und einem dunklen Tintenfleck.
La Galigo, Handschrift NBG-Boeg 188, Band 1: Blatt aus dem Vorspann, PDF-Seite 5. Niederschrift nach der Einleitung der Ausgabe 2017 zwischen 1852 und 1864. Digitalisierung: Leiden University Libraries, über Wikimedia Commons, CC BY 4.0. Archivierte JPEG-Seitenansicht unverändert; WebP-Fassungen proportional verkleinert. Bildnachweis Bildlizenz

Eine Seite vor der Geschichte

Betrachte die dunklen Schriftzeilen, die langen Trennstriche und den Tintenfleck. Oben rechts stehen andere Zeichen; auch mit Bleistift wurde auf dem Blatt gearbeitet. Das Bild zeigt kein Porträt Batara Gurus. Es führt zu einem erhaltenen Träger der Geschichten: dem ersten Band der Handschrift NBG-Boeg 188 in Leiden.

Wir sehen eine Seite des Vorspanns. Die Zahl 5 bezeichnet ihre Position in der digitalen PDF-Datei, nicht eine alte Blattzählung. Wer dieses Bild betrachtet, hat deshalb noch keine Episode gelesen. Erst eine ausgewiesene Lesung und Übersetzung macht aus sichtbarer Schrift eine überprüfbare Aussage.

Welcher Batara Guru?

Hier begegnet dir Batara Guru aus dem bugischen La Galigo. In den ausgewählten Szenen heißt er auch La Togeq Langiq. Manurungngé bezeichnet ihn als den Herabgestiegenen; der Ausdruck ist kein Beleg dafür, sämtliche so bezeichneten Gestalten zusammenzuführen. Gleichnamige Batara-Guru-Gestalten anderer südostasiatischer Traditionen werden ebenfalls nicht automatisch zu dieser Figur.

Seine Eltern Patotoqé und Datu Palingéq gehören zur Oberwelt. Ihr Sohn soll die bislang leere Mittelwelt bewohnen. Als Partnerin ist Wé Nyiliq Timoq aus der Unterwelt vorgesehen, seine Cousine. Die drei Welten verbinden sich damit durch eine konkrete Familie. Ein Etikett wie „Schöpfergott“ würde die Beziehungen übergehen, die die Handlung tragen.

Der Anfang fällt ihm schwer

Vor dem Abstieg weint Batara Guru. Sein Vater ermutigt ihn, Geschwister versuchen ihn zu trösten. Die Entsendung hat ein Ziel, doch der Abschied verliert dadurch nicht seinen Schmerz. Beim Herabsteigen in einem Bambusgefäß nimmt die Welt Gestalt an: Landschaft, Gewässer und Lebewesen entstehen.

Diese Verbindung ist bemerkenswert: Die Erzählung kann außerordentliche Macht zeigen und zugleich beim Zögern einer einzelnen Person bleiben. Für deine Lektüre ist beides wichtig. Ein Weltanfang wird auch als Trennung von vertrauten Beziehungen erfahrbar.

Am Strand: Warten und Handeln

Am Meer wartet Batara Guru auf Wé Nyiliq Timoq. Als ihre Sänfte mit dem Gefolge erscheint, erreichen die Diener sie nicht. Er selbst schwimmt hinaus und bringt sie ans Ufer. Später beobachtet sie Vögel an Bananen und verlangt Früchte und Getränke; der Hof folgt ihrem Beispiel.

Achte auf den Wechsel der Initiative: Einmal handelt er, dann gibt sie den Anstoß. Wé Nyiliq Timoq ist deshalb mehr als ein Name in seiner Verwandtschaftsliste. Wie verändert sich dein Blick auf die Begegnung, wenn du sie von ihren Beobachtungen und Wünschen her liest?

Nachlesen: [1] S.155–167

Wer soll nach ihm kommen?

Batara Guru wünscht einen Nachfolger mit Wé Nyiliq Timoq, obwohl er bereits andere Kinder hat. Auch sie äußert ihren Kummer. Der Text bindet den erhofften Erben an hohen Abstammungsrang. Das ist eine Wertordnung der Erzählung, keine biologische Rangordnung des Museums.

Koolhofs Überblick führt den Zusammenhang weiter: Nach Hilfe durch bissu, rituelle Spezialisten, wird Batara Lattuq geboren. Er übernimmt später die Herrschaft in Luwuq, während seine Eltern in die Oberwelt zurückgerufen werden. Batara Lattuq ist der Vater der Zwillinge Sawérigading und Wé Tenriabeng. Batara Gurus Geschichte eröffnet so eine Folge weiterer Generationen.

Für die eigene Lektüre dieses Dossiers endet die ausgewählte Geburtspassage vor dem Ausgang. Die Fortsetzung entnehmen wir hier ausdrücklich dem wissenschaftlichen Überblick. Zwischen einer gelesenen Szene und einer dort zusammengefassten Fortsetzung besteht ein Unterschied.

Eine Tochter wird Reis

Eine andere Beziehung führt zu Wé Oddang Nriuq. Koolhof bespricht die Episode, in der Batara Gurus Tochter kurz nach der Geburt stirbt. An ihrem Begräbnisort wächst Reis. Der Vater fragt Patotoqé nach dessen Bedeutung und erfährt, dass seine Tochter als Sangiang Serri verwandelt ist.

Die Herkunftserzählung verbindet Nahrung, Verlust und Verwandtschaft. Im Aufsatz steht dazu ein Ausschnitt aus der älteren Edition. Wir lesen diese Passage hier durch Koolhofs Darstellung; eine vollständige eigene Erschließung der Reisepisode ist damit noch nicht geleistet. Auch Sangiang Serri verdient ihre eigene Untersuchung.

Wessen Hand bewahrt die Erzählung?

NBG 188 entstand nach der Einleitung der Ausgabe von 2017 zwischen 1852 und 1864. Colliq Pujié stellte die zwölf Bände im Zusammenhang mit B. F. Matthes zusammen; mehrere Hände waren beteiligt. Schon im ersten Band unterscheidet die Einführung mindestens vier. Zusammenstellung und eigenhändige Niederschrift sind deshalb auseinanderzuhalten.

Die hier benutzte Ausgabe steht selbst in einer Geschichte gemeinsamer Arbeit. Muhammad Salim erarbeitete Transkription und indonesische Übersetzung; Fachruddin Ambo Enre gab sie heraus, Nurhayati Rahman wirkte an der zweiten Ausgabe mit. Diese Namen gehören zum Zugang zu Batara Guru ebenso wie die Signatur der Handschrift.

Salim berichtet anschaulich von der Schwierigkeit: Beschädigte Schrift ließ sich auf Fotokopien nicht zuverlässig lesen. Er prüfte das Original, nutzte ältere Wörterbücher und bezog Leser aus unterschiedlichen bugischen Regionen ein. Er nennt für seine Arbeit Oktober 1988 bis Dezember 1993. Übersetzen erscheint hier als langwieriges Prüfen von Schrift, Wortschatz und Bedeutungen. Sein Bericht ist eine eigene Stimme aus diesem Prozess, kein unabhängiges Gütesiegel für jede einzelne Entscheidung.

Eine Handschrift ist nicht das ganze La Galigo

Koolhof beschreibt eine bewegliche Verbindung von Vortrag und Schrift: Verschiedene Handschriften können dieselbe Episode in unterschiedlichem Wortlaut und Umfang bewahren. Sein räumlicher Vergleich ist hilfreich: Batara Guru verbindet zunächst die Welten übereinander; spätere Generationen erweitern durch Reisen den Horizont. Der erste Anfang ist damit nicht der einzige Mittelpunkt des Zyklus.

Seit 2011 gehört La Galigo zum UNESCO-Register Memory of the World. Der KITLV-Bericht von 2017 stellt die Digitalisierung zusammen mit Editionsarbeit und der Zusammenarbeit mit indonesischen Partnern vor. Ein digital zugänglicher Band ist ein großer Gewinn. Er ersetzt weder die anderen Textzeugen noch die Menschen, die diese Geschichten lesen, vortragen und auslegen.

Welche Verbindung möchtest du verfolgen?

Beginne mit einer der Beziehungen: Sohn und Eltern, die beiden Partner am Strand oder Vater und Tochter in der Reisepisode. Welche Handlung erschließt die Figur genauer als eine Liste ihrer Zuständigkeiten? Achte beim Weitererzählen darauf, welche Fassung du gerade benutzt.

Die Quellenwerkstatt hilft dir beim nächsten Schritt von einer Behauptung zu ihrem Beleg. Im Śākyamuni-Dossier kannst du einen anders erzählten Abschied vergleichen. Ähnlichkeit ist dabei eine Frage an die Texte, noch kein Nachweis historischer Verwandtschaft.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Anfang der Mittelwelt
Abstieg, Partnerschaft und Nachfolge im begrenzten Anfangskorpus.

Vater in der Reisepisode
Koolhofs Darstellung und darin zitierter Editionsausschnitt.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

La Galigo / Sureq Galigo

Bibliografische Werkidentität für die La-Galigo-Überlieferung. Ausgewählte Anfangsszenen nach der Ausgabe von 2017; Varianten und Vortrag nach Koolhof.

Überlieferter Erzählzusammenhang; kein einheitlich datiertes abgeschlossenes Originalwerk behauptet.

Sprache: Bugisch

Erhaltener Textzeuge

La Galigo, Handschrift NBG-Boeg 188, Leiden

Zwölf Bände unter Mitwirkung von Colliq Pujié und mehreren Schreiberhänden. Kein vollständiger Bestand sämtlicher La-Galigo-Erzählungen. Bild zeigt PDF-Seite 5 des ersten Bandes; keine historische Folionummer.

1852–1864 nach Einführung der Ausgabe 2017; ältere digitale Metadaten nennen ungefähr 1852–1858.

Sprache: Bugisch

Benutzte Ausgabe

La Galigo I, zweite Ausgabe 2017: Transkription und Übersetzung Muhammad Salims

Bugische Transkription mit indonesischer Übersetzung. Hier 23 ausgewählte Übersetzungsseiten und benannte Einleitungsteile gelesen, nicht der gesamte Band; keine unabhängige Prüfung der Transkription.

Erste Ausgabe 1995; revidierte zweite Ausgabe 2017, Jakarta.

Sprache: Indonesisch

Welche Zeit ist gemeint?

  • Anfang der bewohnten Mittelwelt in der Erzählung; kein historisch datiertes Gründungsereignis.
  • 1852–1864: Zeitraum der Niederschrift von NBG 188 nach der Einleitung der Ausgabe 2017. Ältere Metadaten nennen enger 1852–1858.
  • 1988–1993: Muhammad Salims Arbeit an Transkription und Übersetzung nach seinem eigenen Bericht.
  • 1995: erste Ausgabe von Band 1; 2017: hier benutzte überarbeitete zweite Ausgabe.
  • 2011: Aufnahme von La-Galigo-Handschriften in das UNESCO-Register Memory of the World.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Bugische La-Galigo-Überlieferung aus Sulawesi; ausgewählte Anfangsszenen und wissenschaftliche Einordnung
Verwendeter Ausschnitt
La Galigo I, zweite Ausgabe 2017 nach NBG 188: ausgewählte Übersetzungsseiten. Weitere Zusammenhänge nach ausdrücklich benannten Forschungsdarstellungen.
  1. La Galigo: Menurut naskah NBG 188, Jilid 1, zweite Ausgabe (2017)

    Rétna Kencana Colliq Pujié Arung Pancana Toa, Zusammenstellung; Muhammad Salim, Transkription und Übersetzung; Fachruddin Ambo Enre, Herausgeber; Nurhayati Rahman, Mitherausgeberin; Sirtjo Koolhof und Roger Tol, Redaktion

    Titel, Impressum, Inhaltsübersicht, Vorwort von 2017 S.vii–viii, Einführung S.16–19 und 48–49 sowie indonesische Übersetzung auf den gedruckten S.67,69,71,111,113,115,123,125,127,155,157,159,161,163,165,167,193,195,197,199,223,225,227 gelesen. Gedruckte S.18,67,111,157,225 zusätzlich als Seitenbilder betrachtet.

    23 ausgewählte Übersetzungsseiten, keine Volllektüre des ersten Bandes. Gegenüberstehende bugische Transkription nicht unabhängig kollationiert. Ausgang der Geburt auf S.227 noch nicht erreicht. Einführung nennt für die Niederschrift 1852–1864, weiter als ältere Metadaten mit 1852–1858. Mehrere Schreiberhände; Colliq Pujié nicht als alleinige Schreiberin behandelt. Korrektur zur Verwechslung mit Wé Tenriollé beachtet. Abgerufen am 2026-09-26.

  2. The Myth La Galigo, in: Sulawesi and Beyond: The František Czurda Collection (2010), S.66–69

    Sirtjo Koolhof; Sammelband herausgegeben von Sri Kuhnt-Saptodewo, Dagmar Pospíšilová und Philipp Hesser

    Vollständiges Kapitel The Myth La Galigo, gedruckte S.66–69 einschließlich Literatur, sowie Titel und Impressum gelesen. PDF-Seiten 2,34,35 als Doppelseiten betrachtet.

    Impressum bestätigt 2010; die Jahreszahl 1990 im Downloadnamen ist kein Publikationsdatum. Nicht der ganze Katalog gelesen. Genealogischer Überblick ist Sekundärdarstellung, keine eigene Lektüre sämtlicher Erzählungen. Aussagen über soziale Praxis nicht zeitlos auf alle Bugis übertragen. Katalogfotos nicht übernommen. Abgerufen am 2026-09-26.

  3. The La Galigo: A Bugis Encyclopedia and its Growth, Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde 155/3 (1999), S.362–387

    Sirtjo Koolhof

    S.362–363 sowie Abschnitt The La Galigo tradition und Folgeabschnitte S.368–373 gelesen; Anfang von S.364 und 374 ergänzend. S.370 und 373 als Seitenbilder betrachtet.

    Teilaufsatz gelesen. Reisepisode über den dort zitierten Ausschnitt vermittelt, nicht vollständig in der Ausgabe von 2017 gelesen. Unterschiedliche Einstellungen zu Sakralität und Zugänglichkeit benannt; keine heutige Gesamtbewertung lebender Gemeinschaften. Keine privaten Gebete oder Zugangsregeln erschlossen. Abgerufen am 2026-09-26.

  4. Transliterasi dan Terjemahan Sureq Galigo (2003), S.36–42

    Muhammad Salim; in Nurhayati Rahman, Anil Hukma und Idwar Anwar (Hg.), La Galigo: Menelusuri Jejak Warisan Sastra Dunia

    Vollständiger Bericht S.36–42 einschließlich Datierung 24. Januar 2002 gelesen; veröffentlicht 2003. Gedruckte S.36 und 40 als Seitenbilder betrachtet.

    Selbstbericht des Übersetzers, keine unabhängige Bestätigung fehlerfreier Übersetzung. PDF-Extraktion meldete einen beschädigten Objektverweis; benutzte Seitenbilder kontrolliert. Porträtbeischrift auf S.37 wegen der Korrektur in der Ausgabe 2017 nicht übernommen. Abgerufen am 2026-09-26.

  5. La Galigo – Memory of the World

    UNESCO

    Öffentlichen Haupttext zur Überlieferung sowie Eintragungsjahr 2011 und Nominierung 2010 gelesen.

    Keine Gleichsetzung der Aufnahme ins Register mit einer abgeschlossenen Edition. Ungefähre Umfangs- und Altersangaben nicht als exakte Gesamtzahl oder gesichertes Entstehungsjahr übernommen. Keine auf der Seite gezeigten Museumsbilder verwendet. Abgerufen am 2026-09-26.

  6. La Galigo manuscript, a UNESCO heritage, digitally available (2017)

    Wulandari Diah; KITLV-Jakarta / Leiden University

    Gesamten Haupttext zur Digitalisierung, Handschrift, Editionsvorstellung und Zusammenarbeit gelesen.

    Seitenkopf 27. Juli 2017, Text enthält späteren Veranstaltungstermin; daraus keine präzise Chronologie der Webänderungen abgeleitet. Ältere Niederschriftsdatierung 1852–1858 mit der weiteren Datierung der Ausgabe 2017 abgeglichen. Verlinkter Leiden-Katalog nicht erfolgreich separat gelesen. Abgerufen am 2026-09-26.

  7. La Galigo – Part 1, NBG-Boeg 188: digitalisierte Handschrift

    Leiden University Libraries, Digitalisierung; Wikimedia Commons, Metadaten und Bereitstellung

    Beschreibung, Herkunftsverweis, Lizenz CC BY 4.0 und Dateigeschichte gelesen. JPEG-Ansichten der PDF-Seiten 1 und 5 betrachtet; Seite 5 für die Museumsseite ausgewählt.

    Nicht die gesamte 196-seitige PDF-Datei heruntergeladen oder gelesen. Archiviert ist eine serverseitig gerenderte JPEG-Seitenansicht. PDF-Seite 5 bezeichnet keine historische Folionummer. Keine eigene Transkription der bugischen Schrift; einzelne Schreiberhand dieser Seite nicht identifiziert. Ältere Metadatendatierung enger als in Ausgabe 2017. Abgerufen am 2026-09-26.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-26. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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