Hesiods genealogische Asteria
Die Theogonie nennt Asteria als Tochter von Koios und Phoibe und als Schwester Letos. Perses führt sie in sein Haus; anschließend wird Hekate als ihre Tochter genannt. Das Gedicht verortet Asteria in einer Verwandtschaft, ohne sie in dieser Stelle mit einer Insel gleichzusetzen.
Diese wenigen Verse geben ihr eine erkennbare Stellung, aber keine lange selbständige Handlung. Was spätere Werke über Flucht und Delos erzählen, gehört zu deren eigener Fassung.
Eine spätere Flucht und ein Ortsname
Pseudo-Apollodors Bibliotheke erzählt, Asteria entziehe sich Zeus in der Gestalt einer Wachtel und springe ins Meer. Der Ort heiße zunächst Asteria und später Delos. Danach wird die von Hera verfolgte Leto dort aufgenommen.
Das ist eine knapp erzählte mythografische Verbindung von Figur und Ort. Der Text belegt einen erzählten Namen und eine Abfolge, aber keine überprüfbare physische Entstehung der Insel. Die Wachtelgestalt steht in dieser späteren Quelle, nicht in Hesiods Versen.
Kallimachos spricht die Insel selbst an
In seinem Delos-Hymnus richtet Kallimachos die Rede an die Insel. Er nennt ihren früheren Namen Asteria und beschreibt ihren Sprung vor Zeus in einer Bildsprache, die Insel und Gestalt ineinanderführt. Die Insel wird in diesem Gedicht als beweglich erzählt.
Die Verse 1–55 geben den poetischen Auftakt. Sie sind kein Beweis, dass Hesiod dieselbe Verwandlung meinte, und auch keine geologische Erklärung. Die spätere Anrede macht gerade sichtbar, wie ein Name im Gedicht zum Ort werden kann.
Eine andere Delos-Erzählung schweigt zu Asteria
Der delische Teil des Homerischen Apollo-Hymnus lässt Leto mit der Insel sprechen und Apollo dort gebären. Innerhalb des gelesenen Abschnitts nennt er Delos nicht Asteria. Dieses Schweigen widerlegt spätere Fassungen nicht; es verhindert aber, dass ihre Namensgeschichte als Satz des Hymnus ausgegeben wird.
Asteria bleibt hier textgeführt. Ohne ein gelesenes, individuell zugeordnetes antikes Bild wäre ein Porträt eine heutige Erfindung. Die Seite zeigt deshalb die verschiedenen Aussagen über ihren Namen statt einer scheinbar sicheren Gestalt.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Genealogische Figur
Theogonie 404–410: Eltern, Schwester, Perses, Hekate.
Mythografischer Ortsname
Bibliotheke 1,4,1: Flucht in Wachtelgestalt und Namensfolge.
Poetische Insel
Kallimachos 4,1–55 nennt Asteria; der verglichene delische Hymnus 3,1–150 nicht.
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Hesiod: Theogonie
Genealogisches Gedicht. Die einzelnen Editionskarten nennen die tatsächlich gelesenen Stellen; das Gesamtwerk ist hier nicht vollständig ausgewertet.
Werkebene; hier keine exakte Entstehungsdatierung festgelegt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Theogonie 404–452 nach Evelyn-White
Gemeinsame Genealogie und Hekate-Ehren gelesen; keine Gesamtausgabe kollationiert.
Historische Übersetzung 1914
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Bibliotheke des Pseudo-Apollodor
Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.
Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Bibliotheke 1,4,1 nach Frazer
Nur Asterias Flucht, Delos-Namensfolge und Letos Geburtserzählung in 1,4,1 gelesen.
Historische Übersetzung 1921
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Kallimachos: Hymnen
Werkebene für den begrenzt gelesenen Delos-Hymnus, keine Gesamterschließung.
Hellenistische Dichtung; kein exaktes Entstehungsjahr beansprucht.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Kallimachos, Delos-Hymnus 4,1–55 nach Mair
Nur die Anrede der Insel, Asteria-Name und Anfangserzählung gelesen; nicht der ganze Hymnus.
Historische Übersetzung 1921
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Homerische Hymnen
Sammlungsbezeichnung für einzelne Hymnen. Gemeinsam archiviert oder verglichen, aber nach Nummer und tatsächlichem Lesebereich zitiert.
Antike Hymnen verschiedener Entstehungszusammenhänge; keine einheitliche Autorschaft oder Handlungszeit.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Homerischer Apollo-Hymnus 3, delischer Teil nach Evelyn-White
Nur Hymnus 3,1–150 für Letos Gespräch mit Delos, die Geburt und den Asteria-Vergleich gelesen.
Historische Übersetzung 1914
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Griechische Genealogie, spätere Mythografie und hellenistisches Inselgedicht
- Verwendeter Ausschnitt
- Theogonie 404–410; Bibliotheke 1,4,1; Kallimachos Hymnus 4,1–55; zum Vergleich Homerischer Hymnus 3,1–150.
- Theogonie 404–452: Leto, Asteria und Hekates Ehren
Hesiod zugeschriebene Theogonie; englische Übersetzung Hugh G. Evelyn-White · Antike Dichtung; historische englische Übersetzung 1914
404–409: Koios/Phoibe und die Töchter Leto/Asteria, Asteria mit Perses; 410–452: Hekate als deren Tochter, von Zeus bewahrte Rechte in Himmel, Erde und Meer, Hilfe bei Königen, Wettkämpfen, Pferden, Fischfang und Herden sowie Kinderpflege. Nur dieser Textabschnitt für die drei Profile gelesen.
Historische englische Übersetzung ohne griechische Kollation. Hesiod gibt Hekate breite Ehren, aber hier weder eine Kreuzweg-Szene noch eine pauschale moderne Hexenrolle. Leto ist hier genealogisch kurz; Asteria wird noch nicht zur Insel Delos. Keine spätere Fassung rückwirkend einsetzen. Abgerufen am 2026-09-29.
- Bibliotheke 1.4.1: Asteria, Leto und Delos
Pseudo-Apollodor, Bibliotheke; englische Übersetzung James G. Frazer · Spätere antike Mythografie; historische englische Übersetzung 1921
Bibliotheke 1.4.1 im Zusammenhang: Asteria entzieht sich Zeus in Wachtelgestalt durch einen Sprung ins Meer; Ortsname Asteria und später Delos; Leto wird von Hera verfolgt und gebiert dort Artemis, dann mit deren Hilfe Apollo. Keine Nachbarkapitel pauschal mitgelesen.
Spätere mythografische Fassung ohne griechische Kollation. Sie ist nicht identisch mit dem delischen Hymnus; dessen Geburtsablauf und Asterias genaue Inselbeziehung nicht ineinander montieren. Frazer übersetzt Leto als Latona; griechische und römische Namen sichtbar unterscheiden. Abgerufen am 2026-09-29.
- Kallimachos, Hymnus 4 an Delos 1–55: Asteria als Inselname
Kallimachos; englische Übersetzung A. W. Mair · Hellenistische Dichtung; historische englische Übersetzung 1921
Hymnus 4,1–55 im Zusammenhang: Anrede an die Insel Delos, früherer Name Asteria, Sprung vor Zeus ins Meer, schwimmende Insel, neue Benennung nach Aufnahme von Letos Sohn. Fußnoten zu Ortsnamen nicht als eigenständige historische Zeugen ausgegeben.
Poetische Personifikation der Insel und spätere hellenistische Gestaltung. Nicht ohne Kennzeichnung als wörtliche physische Inselverwandlung oder als dieselbe Aussage wie Hesiods knappe Genealogie ausgeben; keine Volllektüre des gesamten Delos-Hymnus behauptet. Abgerufen am 2026-09-29.
- Homerischer Hymnus 3 an Apollon 1–150: Leto und Delos
Homerischer Hymnus an Apollon; englische Übersetzung Hugh G. Evelyn-White · Antiker Hymnus; historische englische Übersetzung 1914
Hymnus 3, delischer Teil 1–150: Leto beruhigt Apollon, nennt Artemis und Apollo als ihre Kinder, sucht einen Ort für die Geburt, verhandelt mit der personifizierten Insel Delos über einen Tempel, schwört einen Eid und gebiert nach neun Tagen Verzögerung durch Eileithyias Fernbleiben. Die spätere pythische Hymnenhälfte nicht als Teil dieses Quellenfensters behauptet.
Historische englische Übersetzung ohne griechische Kollation. Der Hymnus identifiziert Delos in diesem Abschnitt nicht ausdrücklich mit der Schwester Asteria; die Asteria-Insel-Verbindung stammt aus anderen Quellen. Die Ortsverhandlung ist poetische Erzählung, keine Dokumentation einer historischen Tempelgründung. Abgerufen am 2026-09-26.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-29. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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