Eine Spindel verbindet die Umläufe
Im zehnten Buch der Politeia wird von Ers Rückkehr aus dem Tod erzählt. Im hier gelesenen Abschnitt beschreibt dieser Bericht eine Spindel der Notwendigkeit. Acht Wirtel liegen ineinander; ihre Kreise drehen sich mit verschiedenen Bewegungen. Auf jedem Kreis steht eine Sirene, deren Ton mit den anderen eine Harmonie bildet. Die Spindel dreht sich auf Anankes Knien.
Lachesis, Klotho und Atropos sitzen daneben. Der Text nennt sie Töchter der Notwendigkeit und verteilt Gesang und Handgriffe: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erhalten verschiedene Stimmen. Diese Szene verbindet eine göttliche Gestalt mit der Ordnung des Himmels und der Zeit. Sie ist kein erhaltenes Foto einer Spindel und keine allgemeingültige Familiengeschichte aller Moirenüberlieferungen.
Die Seele wählt, bevor die Wahl bindend wird
Ein Herold nimmt Lose und Lebensmuster aus Lachesis’ Schoß. Das Los bestimmt die Reihenfolge, doch die Seelen sollen ihre Lebensweise selbst auswählen. Seine Rede legt die Verantwortung auf den Wählenden und erklärt Gott für schuldlos. Auch in einer von Notwendigkeit geordneten Welt entfällt die Aufgabe des Wählens also nicht.
Nach der Wahl begleitet der gewählte Daimon die Seele zu Klotho, die deren Los und Entscheidung bestätigt, und dann zu Atropos, die das Geschick unumkehrbar macht. Erst danach geht die Seele unter Anankes Thron hindurch. Wahl und Bindung sind aufeinanderfolgende Schritte dieser Erzählung. Daraus folgt weder eine vollständige moderne Theorie der Willensfreiheit noch, dass jede Darstellung Anankes genau diesen Ablauf kennt.
Ein anderer Text verbindet Notwendigkeit mit der Zeit
Damaskios referiert einen Weltanfang unter den Namen Hieronymus und Hellanicus. Dort steht ein geflügelter Drache, genannt nicht alternde Zeit und Herakles. Mit ihm ist Ananke verbunden; der Bericht führt auch Natur und Adrasteia an und beschreibt eine Ausdehnung bis zu den Grenzen der Welt. Die griechische Kontrollstelle nennt Ananke ausdrücklich. Corys ältere englische Übersetzung verwendet an dieser Stelle das Wort für Schicksal.
Diese Verbindung erzählt nicht Platons Szene mit den drei Töchtern und der Seelenwahl. Ebenso wenig erklärt der gelesene Satz eine Hochzeit zwischen Ananke und Chronos oder gemeinsame Elternschaft. Er spricht über kosmische Prinzipien, die Damaskios zusätzlich philosophisch deutet. Die verschiedenen Quellen geben Notwendigkeit jeweils eine konkrete Aufgabe; das Museum macht daraus keine lückenlose Biografie.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Eine Spindel verbindet die Umläufe
Politeia 10, 614b–615a; Politeia 10, 616c–617d
Die Seele wählt, bevor die Wahl bindend wird
Politeia 10, 617d–e und 620d–621a
Ein anderer Text verbindet Notwendigkeit mit der Zeit
Ruelle I, 123 bis, S. 317 ab Z. 15; S. 318, besonders Z. 1–4; From Damascius, Hieronymus/Hellanicus-Absatz
Belegte Beziehungen
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Platon: Politeia
Werkebene; für diesen Komplex nur die Moiren im Er-Mythos von Buch 10 gelesen.
Antiker philosophischer Dialog; hier keine genaue Entstehungsdatierung festgelegt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Platon: Anankes Spindel und die verantwortete Seelenwahl
Politeia 10, 616c–617e und 620d–621a in der englischen Shorey-Fassung. Ältere Moiren-Lesegrenze bleibt unverändert.
Benannte historische Textausgabe; konkrete Lesegrenzen unten
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Damaskios: Über die ersten Prinzipien
Untersuchung von Prinzipien mit referierten und philosophisch ausgelegten Kosmogonien. Die Ausgaben nennen die hier verwendeten Stellen.
Philosophisches Werk der Spätantike; historische Ausgaben und Übersetzungen gesondert benannt
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Damaskios: zwei orphische Weltanfänge in Corys Übersetzung
The Theogonies / From Damascius: Rhapsodienabsätze und Bericht über Hieronymus/Hellanicus bis zum Abschluss dieser Genealogie; zusätzlich Web-Editionshinweis gelesen.
Benannte historische Textausgabe; konkrete Lesegrenzen unten
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Damaskios: griechische Kontrollstellen zu Chronos, Ananke und Phanes
Ruelle I: Abschnitt 123, S. 316 ab Beginn des Rhapsodienabsatzes bis S. 317 vor 123 bis; 123 bis, S. 317 ab Absatzbeginn bis S. 319 vor 124. Griechische Namen und die Berichtsgliederung am Scan kontrolliert; keine eigene vollständige kritische Übersetzung.
Benannte historische Textausgabe; konkrete Lesegrenzen unten
Sprache: Altgriechisch, historische Ausgabe Ruelle 1889
Benutzte Ausgabe
Platon: Er als Bote aus dem Jenseits
Politeia 10, 614b–615a: ausschließlich das bezeichnete Fenster zum Erzählrahmen gelesen.
Englische Übersetzung Paul Shorey
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Die jeweils benannten griechischen philosophischen und orphischen Textzusammenhänge; Gesprächsrede und referierte ältere Überlieferung bleiben getrennt.
- Verwendeter Ausschnitt
- Politeia 10, 616c–617e und 620d–621a; Damaskios, Ruelle I, 123 bis, S. 317–319.
- Platon: der Rahmen von Ers Jenseitsbericht
Platon; englische Übersetzung Paul Shorey · Benannte historische Textausgabe; Politeia 10
Politeia 10, 614b–615a: Ers Wiederbelebung, Auftrag zum Bericht und Begegnung mit gerichteten Seelen in der Shorey-Übersetzung.
Nur das bezeichnete Fenster; Ers Szene ist eine literarisch-philosophische Erzählung. Ältere Lesegrenzen unverändert. Abgerufen am 2026-09-29.
- Platon: Anankes Spindel und die verantwortete Seelenwahl
Platon; englische Übersetzung Paul Shorey · Benannte historische Textausgabe; konkrete Lesegrenzen unten
Politeia 10, 616c–617e und 620d–621a in der englischen Shorey-Fassung. Ältere Moiren-Lesegrenze bleibt unverändert.
Nur die bezeichneten Stellen gelesen; keine vollständige Werk-, Handschriften- oder Korpusprüfung und keine externe Fachgegenlektüre. Berichtete ältere Texte wurden nicht als selbst gelesene Originale behandelt. Abgerufen am 2026-09-29.
- Damaskios: griechische Kontrollstellen zu Chronos, Ananke und Phanes
Damaskios; Herausgeber Charles-Émile Ruelle, Band I, Paris 1889; Digitalisat Bayerische Staatsbibliothek · Benannte historische Textausgabe; konkrete Lesegrenzen unten
Ruelle I: Abschnitt 123, S. 316 ab Beginn des Rhapsodienabsatzes bis S. 317 vor 123 bis; 123 bis, S. 317 ab Absatzbeginn bis S. 319 vor 124. Griechische Namen und die Berichtsgliederung am Scan kontrolliert; keine eigene vollständige kritische Übersetzung.
Nur die bezeichneten Stellen gelesen; keine vollständige Werk-, Handschriften- oder Korpusprüfung und keine externe Fachgegenlektüre. Berichtete ältere Texte wurden nicht als selbst gelesene Originale behandelt. Abgerufen am 2026-10-01.
- Damaskios: zwei orphische Weltanfänge in Corys Übersetzung
Damaskios; englische Übersetzung in Isaac Preston Cory, Ancient Fragments, 1832 · Benannte historische Textausgabe; konkrete Lesegrenzen unten
The Theogonies / From Damascius: Rhapsodienabsätze und Bericht über Hieronymus/Hellanicus bis zum Abschluss dieser Genealogie; zusätzlich Web-Editionshinweis gelesen.
Nur die bezeichneten Stellen gelesen; keine vollständige Werk-, Handschriften- oder Korpusprüfung und keine externe Fachgegenlektüre. Berichtete ältere Texte wurden nicht als selbst gelesene Originale behandelt. Abgerufen am 2026-10-01.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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