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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Ananke: Notwendigkeit lässt eine Wahl übrig

In Platons Jenseitserzählung dreht sich die Weltspindel auf Anankes Knien. Trotzdem müssen die Seelen ihr künftiges Leben selbst wählen. Damaskios begegnet Notwendigkeit in einem anderen Weltanfang: verbunden mit der Zeit und den Grenzen des Kosmos.

3–4 Minuten Lesezeit

Eine Spindel verbindet die Umläufe

Im zehnten Buch der Politeia wird von Ers Rückkehr aus dem Tod erzählt. Im hier gelesenen Abschnitt beschreibt dieser Bericht eine Spindel der Notwendigkeit. Acht Wirtel liegen ineinander; ihre Kreise drehen sich mit verschiedenen Bewegungen. Auf jedem Kreis steht eine Sirene, deren Ton mit den anderen eine Harmonie bildet. Die Spindel dreht sich auf Anankes Knien.

Lachesis, Klotho und Atropos sitzen daneben. Der Text nennt sie Töchter der Notwendigkeit und verteilt Gesang und Handgriffe: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erhalten verschiedene Stimmen. Diese Szene verbindet eine göttliche Gestalt mit der Ordnung des Himmels und der Zeit. Sie ist kein erhaltenes Foto einer Spindel und keine allgemeingültige Familiengeschichte aller Moirenüberlieferungen.

Die Seele wählt, bevor die Wahl bindend wird

Ein Herold nimmt Lose und Lebensmuster aus Lachesis’ Schoß. Das Los bestimmt die Reihenfolge, doch die Seelen sollen ihre Lebensweise selbst auswählen. Seine Rede legt die Verantwortung auf den Wählenden und erklärt Gott für schuldlos. Auch in einer von Notwendigkeit geordneten Welt entfällt die Aufgabe des Wählens also nicht.

Nach der Wahl begleitet der gewählte Daimon die Seele zu Klotho, die deren Los und Entscheidung bestätigt, und dann zu Atropos, die das Geschick unumkehrbar macht. Erst danach geht die Seele unter Anankes Thron hindurch. Wahl und Bindung sind aufeinanderfolgende Schritte dieser Erzählung. Daraus folgt weder eine vollständige moderne Theorie der Willensfreiheit noch, dass jede Darstellung Anankes genau diesen Ablauf kennt.

Ein anderer Text verbindet Notwendigkeit mit der Zeit

Damaskios referiert einen Weltanfang unter den Namen Hieronymus und Hellanicus. Dort steht ein geflügelter Drache, genannt nicht alternde Zeit und Herakles. Mit ihm ist Ananke verbunden; der Bericht führt auch Natur und Adrasteia an und beschreibt eine Ausdehnung bis zu den Grenzen der Welt. Die griechische Kontrollstelle nennt Ananke ausdrücklich. Corys ältere englische Übersetzung verwendet an dieser Stelle das Wort für Schicksal.

Diese Verbindung erzählt nicht Platons Szene mit den drei Töchtern und der Seelenwahl. Ebenso wenig erklärt der gelesene Satz eine Hochzeit zwischen Ananke und Chronos oder gemeinsame Elternschaft. Er spricht über kosmische Prinzipien, die Damaskios zusätzlich philosophisch deutet. Die verschiedenen Quellen geben Notwendigkeit jeweils eine konkrete Aufgabe; das Museum macht daraus keine lückenlose Biografie.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Eine Spindel verbindet die Umläufe
Politeia 10, 614b–615a; Politeia 10, 616c–617d

Die Seele wählt, bevor die Wahl bindend wird
Politeia 10, 617d–e und 620d–621a

Ein anderer Text verbindet Notwendigkeit mit der Zeit
Ruelle I, 123 bis, S. 317 ab Z. 15; S. 318, besonders Z. 1–4; From Damascius, Hieronymus/Hellanicus-Absatz

Belegte Beziehungen

  • Lachesis wird in Platons Er-Bericht Anankes Tochter genannt: LachesisBelege [2] : Politeia 10, 617c–d

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Platon: Politeia

Werkebene; für diesen Komplex nur die Moiren im Er-Mythos von Buch 10 gelesen.

Antiker philosophischer Dialog; hier keine genaue Entstehungsdatierung festgelegt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Platon: Anankes Spindel und die verantwortete Seelenwahl

Politeia 10, 616c–617e und 620d–621a in der englischen Shorey-Fassung. Ältere Moiren-Lesegrenze bleibt unverändert.

Benannte historische Textausgabe; konkrete Lesegrenzen unten

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Überlieferter Text

Damaskios: Über die ersten Prinzipien

Untersuchung von Prinzipien mit referierten und philosophisch ausgelegten Kosmogonien. Die Ausgaben nennen die hier verwendeten Stellen.

Philosophisches Werk der Spätantike; historische Ausgaben und Übersetzungen gesondert benannt

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Damaskios: zwei orphische Weltanfänge in Corys Übersetzung

The Theogonies / From Damascius: Rhapsodienabsätze und Bericht über Hieronymus/Hellanicus bis zum Abschluss dieser Genealogie; zusätzlich Web-Editionshinweis gelesen.

Benannte historische Textausgabe; konkrete Lesegrenzen unten

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Damaskios: griechische Kontrollstellen zu Chronos, Ananke und Phanes

Ruelle I: Abschnitt 123, S. 316 ab Beginn des Rhapsodienabsatzes bis S. 317 vor 123 bis; 123 bis, S. 317 ab Absatzbeginn bis S. 319 vor 124. Griechische Namen und die Berichtsgliederung am Scan kontrolliert; keine eigene vollständige kritische Übersetzung.

Benannte historische Textausgabe; konkrete Lesegrenzen unten

Sprache: Altgriechisch, historische Ausgabe Ruelle 1889

Benutzte Ausgabe

Platon: Er als Bote aus dem Jenseits

Politeia 10, 614b–615a: ausschließlich das bezeichnete Fenster zum Erzählrahmen gelesen.

Englische Übersetzung Paul Shorey

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Die jeweils benannten griechischen philosophischen und orphischen Textzusammenhänge; Gesprächsrede und referierte ältere Überlieferung bleiben getrennt.
Verwendeter Ausschnitt
Politeia 10, 616c–617e und 620d–621a; Damaskios, Ruelle I, 123 bis, S. 317–319.
  1. Platon: der Rahmen von Ers Jenseitsbericht

    Platon; englische Übersetzung Paul Shorey · Benannte historische Textausgabe; Politeia 10

    Politeia 10, 614b–615a: Ers Wiederbelebung, Auftrag zum Bericht und Begegnung mit gerichteten Seelen in der Shorey-Übersetzung.

    Nur das bezeichnete Fenster; Ers Szene ist eine literarisch-philosophische Erzählung. Ältere Lesegrenzen unverändert. Abgerufen am 2026-09-29.

  2. Platon: Anankes Spindel und die verantwortete Seelenwahl

    Platon; englische Übersetzung Paul Shorey · Benannte historische Textausgabe; konkrete Lesegrenzen unten

    Politeia 10, 616c–617e und 620d–621a in der englischen Shorey-Fassung. Ältere Moiren-Lesegrenze bleibt unverändert.

    Nur die bezeichneten Stellen gelesen; keine vollständige Werk-, Handschriften- oder Korpusprüfung und keine externe Fachgegenlektüre. Berichtete ältere Texte wurden nicht als selbst gelesene Originale behandelt. Abgerufen am 2026-09-29.

  3. Damaskios: griechische Kontrollstellen zu Chronos, Ananke und Phanes

    Damaskios; Herausgeber Charles-Émile Ruelle, Band I, Paris 1889; Digitalisat Bayerische Staatsbibliothek · Benannte historische Textausgabe; konkrete Lesegrenzen unten

    Ruelle I: Abschnitt 123, S. 316 ab Beginn des Rhapsodienabsatzes bis S. 317 vor 123 bis; 123 bis, S. 317 ab Absatzbeginn bis S. 319 vor 124. Griechische Namen und die Berichtsgliederung am Scan kontrolliert; keine eigene vollständige kritische Übersetzung.

    Nur die bezeichneten Stellen gelesen; keine vollständige Werk-, Handschriften- oder Korpusprüfung und keine externe Fachgegenlektüre. Berichtete ältere Texte wurden nicht als selbst gelesene Originale behandelt. Abgerufen am 2026-10-01.

  4. Damaskios: zwei orphische Weltanfänge in Corys Übersetzung

    Damaskios; englische Übersetzung in Isaac Preston Cory, Ancient Fragments, 1832 · Benannte historische Textausgabe; konkrete Lesegrenzen unten

    The Theogonies / From Damascius: Rhapsodienabsätze und Bericht über Hieronymus/Hellanicus bis zum Abschluss dieser Genealogie; zusätzlich Web-Editionshinweis gelesen.

    Nur die bezeichneten Stellen gelesen; keine vollständige Werk-, Handschriften- oder Korpusprüfung und keine externe Fachgegenlektüre. Berichtete ältere Texte wurden nicht als selbst gelesene Originale behandelt. Abgerufen am 2026-10-01.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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