Zwei Mulden und ein dunkler Rest
Eine hölzerne Palette des Metropolitan Museum ist 34,6 Zentimeter lang. An ihrem Ende liegen zwei runde Farbfächer. Schwarze Tinte ist noch deutlich erhalten, die rote fast verschwunden. Der Katalog erklärt, dass Schreiber solche Paletten für Tinte und Rohrpinsel nutzten. Der Gegenstand zeigt eine konkrete Technik, nicht den Moment, in dem ein Gott die Schrift erfand.
Ein späteres Set aus Vorhofschutt eines thebanischen Grabes enthält laut Met Palette, drei Rohrpinsel, Papyrus, Fäden und eine Leinenhülle. Das Foto zeigt nur Palette und Pinsel. Zwischen den beiden Objekten liegen viele Jahrhunderte; die wiederkehrende Werkzeugform erlaubt einen materiellen Vergleich, aber keine Geschichte eines bestimmten Schreibers.
Eine wirkliche Palette statt erfundener Zeichen

Pinsel neben einer späteren Palette

Vermittlung geschieht nicht immer mit dem Stift
Im ramessidischen Papyrus Chester Beatty I berät eine Versammlung über die Nachfolge des Osiris. Thot stellt eine entscheidende Frage, später schlägt er einen Brief an Osiris vor. Hier steht Schreiben in einer Erzählung über Amt und Streit; die Palette aus dem Museum ist kein Requisit dieser Handschrift.
Auf einem römischen Kartonagefragment aus Kharga führt dagegen ein ibisköpfiger Thot mit Palette und Stift einen Verstorbenen vor Osiris. Das ist ein Bild der Bestattung, kein Protokoll derselben Götterversammlung. Thots Rolle als Vermittler wird in beiden Zeugnissen sichtbar, doch Wort, Bild, Zeit und Handlung bleiben verschieden.
Ein viel späteres Bild des Schreibenden

Messen ist eine andere Handlung
Die Göttin Seschat erscheint nach einer UCL-Bildlegende zusammen mit einem König beim „Spannen der Schnur“ am Tempel von Athribis. Es handelt sich um ein Gründungsritual. Das unvollständige Met-Relief einer wahrscheinlich als Seschat bezeichneten Göttin lässt dagegen weder ein Seil noch eine bestimmte Handlung erkennen. Ein Objekt darf nicht mit der fehlenden Szene eines anderen ergänzt werden.
Die praktische Palette führt zum Erkennium: Dort fragt der Raum „Schreiben und Speichern“, wie Material und Zeichen zu dauerhaft nutzbaren Mitteilungen werden. Hier fragt das Mythovarium zusätzlich, warum Schreib- und Messhandlungen in religiösen Bildern und Erzählungen auftreten. Die Fragen ergänzen sich; die beiden Museen behaupten keine identische Überlieferung.
Eine nur wahrscheinlich identifizierte Göttin

Welche Zeit ist gemeint?
- Eine Schreiberpalette mit Tintenresten wird grob auf 2030–1550 v. Chr. datiert.
- Ein thebanisches Schreibset gehört in die Jahre 664–332 v. Chr.
- Das bemalte Kharga-Fragment gehört in die römische Zeit, 100–300 n. Chr.
Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Ägyptische Schriftpraxis und verschiedene religiöse Bild- und Textzusammenhänge vom Mittleren Reich bis in römische Zeit
- Verwendeter Ausschnitt
- The Met 10.176.62 und 14.1.393a–d als Schreibobjekte; Papyrus Chester Beatty I § 8; The Met 13.182.42; UCL Athribis.
- Scribe’s Palette, The Met 10.176.62
The Metropolitan Museum of Art · ca. 2030–1550 v. Chr.
34,6 cm lange Holzpalette mit Resten schwarzer Tinte und kaum erhaltener roter Tinte; Schreiber hielten darin Tinte und Rohrpinsel. Met datiert das Objekt vom Mittleren Reich bis in die Zweite Zwischenzeit; Herkunftsangabe nur Ägypten. Die reale Palette ist kein persönliches Attribut eines nachweisbaren Thot-Priesters und kein Beleg für göttliche Urheberschaft der Schrift.
Indexnotiz der Weblektüre. Kuratorischer Text nur in der gelesenen Webdarstellung; API enthält Objektmetadaten und Public-Domain-Status, keine Handlungsbiografie. Abgerufen am 2026-09-30.
- Scribe’s Palette and Brushes, The Met 14.1.393a–d
The Metropolitan Museum of Art · 664–332 v. Chr.
Schreibset aus Palettenbrett mit ungebrauchtem schwarzen Tintenstück, drei Rohrpinseln, Faden, Papyrusblättern und Leinenumhüllung. Met nennt als Fundort Schutt im Vorhof eines Grabes in Theben, Sheikh Abd el-Qurna; es ordnet die Gruppe einem Schreiber zu. Ein Set aus Grabvorhofschutt belegt Material und Anordnung, aber nicht die Person oder einen konkreten Schreibvorgang.
Indexnotiz der Weblektüre. Kuratorischer Text nur in der gelesenen Webdarstellung; API enthält Objektmetadaten und Public-Domain-Status. Abgerufen am 2026-09-30.
- Papyrus Chester Beatty I: The Contendings of Horus and Seth, Übersetzung und Kommentar
Ägyptische Erzählung auf Papyrus Chester Beatty I; Alan H. Gardiner, Edition und englische Übersetzung (1931); Chester Beatty Library, Digitalisat · Ägyptische Handschrift der Ramessidenzeit; Ausgabe 1931
Digitalisierte Titelseite (PDF-S. 5), Herkunfts- und Datierungsabschnitt (PDF-S. 8), Einleitung zur Erzählung (PDF-S. 15–20) sowie die vollständige englische Übersetzung und Stellenkommentare in Kapitel II, § 8, Druck-S. 13–26 (PDF-S. 20–33) gelesen. Gericht und Neiths Brief, Isis' Gleichnis, Flusspferdkampf, gewaltsame und sexualisierte Episoden, Osiris-Brief und Schlussspruch einzeln verfolgt.
Keine eigene Übersetzung der hieratischen Handschrift, keine vollständige Tafelautopsie, keine Prüfung aller 115 PDF-Seiten und keine Kollation moderner Ausgaben. Gardiners wertende, teils deutlich zeitgebundene Kommentare von 1931 werden nicht als heutiger Forschungsstand übernommen; Sexualgewalt und Verletzungen benötigen im Besuchertext einen angemessenen Inhaltshinweis. Die Erzählung ist ein konkreter ramessidischer Text, keine einheitliche ägyptische Urfassung. Abgerufen am 2026-09-29.
- Cartonnage fragment, The Met 13.182.42
The Metropolitan Museum of Art · 100–300 n. Chr.
Bemaltes Kartonagefragment aus einem römischen Friedhof in der Oase Kharga. Vor Osiris steht nach Met ein ibisköpfiger Thot mit Palette und Stift; er führt den weiß gekleideten Verstorbenen vor. Weitere Figuren sind Anubis, Horus, Isis und Nephthys. Die römische Bestattungsdarstellung ist nicht dieselbe Szene wie Naunys deutlich älterer Totenbuchpapyrus.
Indexnotiz der Weblektüre. Kuratorische Ikonografie in der gelesenen Webdarstellung; API nur Objektmetadaten. Keine eigene Hieroglyphenübersetzung. Abgerufen am 2026-09-30.
- Two-sided stela of pluriform Thoth, The Met 55.143
The Metropolitan Museum of Art · wahrscheinlich 1.–2. Jh. n. Chr.
Spätrömische zweiseitige Kalksteinstele aus Ägypten; Met beschreibt drei Thot-Bilder: Verbindung mit Chons-Harpokrates, Pavian und ibisköpfige gekrönte Figur. Die Rückseite ist stärker abgerieben und möglicherweise unvollendet; kleinere Kiltbilder werden von Met teilweise nur vermutet. Das Objekt belegt eine späte Bildvielfalt, keine unveränderte Identität aller Formen seit dem Alten Reich.
Indexnotiz der Weblektüre. Wahrscheinliche Datierung und unsichere Identifikation kleiner Details nicht glätten; API enthält Objektmetadaten und Gemeinfreiheitsangabe. Abgerufen am 2026-09-30.
- Temple of Repyt at Athribis: stretching the cord
University College London, Digital Egypt for Universities · Petrie 1908, S. 20, Taf. XXVI
UCL identifiziert auf dem Tempelbild von Athribis König und Seschat beim „stretching the cord“ als Gründungsritual. Die Kurzseite verweist auf Petrie 1908, S. 20 und Taf. XXVI; weder eine neue Bauvermessung noch die vollständige Inschrift wurde hier gelesen.
Indexnotiz der Weblektüre. Nur kurze UCL-Bildlegende gelesen, keine Volllektüre der Petrie-Publikation oder eigene Entzifferung. Abgerufen am 2026-09-30.
- Head of a Goddess, The Met 08.202.44
The Metropolitan Museum of Art · ca. 1550–1504 v. Chr.
Bemalter Kalksteinkopf einer Göttin aus der Zeit Ahmose I. bis Amenhotep I.; Met identifiziert sie nur wahrscheinlich als Seschat. Met nennt für Seschat das Dokumentieren königlicher Namen und Beute sowie Teilnahme am Tempelgründungsritual des Seilspannens. Welche dieser Funktionen das unvollständige Relief zeigte, ist nach Met unbekannt.
Indexnotiz der Weblektüre. Wahrscheinliche Figurenidentifikation und unbestimmter ursprünglicher Bildzusammenhang müssen sichtbar bleiben; API archiviert nur Objektmetadaten. Abgerufen am 2026-09-30.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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