Exponat 02 · Speiserest · Mahlen und Backen · Mikroskopie
Brot aus Wildpflanzen
Kleine verkohlte Reste aus Shubayqa 1 weisen auf flache brotartige Speisen vor rund 14.400 Jahren hin. Wildgetreide und Knollen erschließen eine Küche, die lange vor ausgebildeter Landwirtschaft existierte.
3 Minuten Haupttext · Stand: 6. September 2026
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Woran lässt sich erkennen, dass Menschen Pflanzen zu einer brotartigen Speise verarbeitet haben?
- Brotartige Speisen wurden schon vor ausgebildeter Landwirtschaft hergestellt.
- Verkohlte Speisereste können Arbeitsvorgänge sichtbar machen.
- Ein einzelnes Gericht steht nicht für die gesamte Ernährung einer Gemeinschaft.
- Zeitliche Einordnung
- Shubayqa 1: brotartige Reste um 14.400 cal BP
- Orte und Regionen
- Nordöstliches Jordanien; Feuchtgebiete im heutigen Schwarzen Wüstengebiet
- Historisch Beteiligte
- Wissen vieler lokaler Gemeinschaften; einzelne Erfinderinnen und Erfinder sind nicht überliefert.
Die entscheidende Spur ist kleiner als ein Brot
Der helle Fladen im Bild macht sofort verständlich, worum es gehen könnte. Für die Forschung ist jedoch das kleine dunkle Fragment interessanter. Es erinnert daran, dass ein archäologischer Speiserest häufig weder appetitlich noch vollständig erhalten ist. Was heute wie ein unscheinbarer Krümel aussieht, kann mehrere frühere Arbeitsschritte in seinem Inneren bewahren.
Um diesen Rest zu lesen, reicht die Ähnlichkeit mit einem heutigen Lebensmittel nicht aus. Seine Bestandteile und seine Struktur müssen untersucht werden. Die Frage lautet zunächst nicht, wie das Gericht hieß, sondern was mit pflanzlichem Material geschehen ist.
Brotartige Produkte vor dem Ackerbau
Arranz-Otaegui und ihr Team analysierten 2018 insgesamt 24 verkohlte Speisereste aus Shubayqa 1. Sie deuteten einen Teil des Materials als flache brotartige Produkte; zu den erkannten Ausgangspflanzen gehören wilder Einkornweizen und Knollen von Bolboschoenus, einer Riedgrasgattung. Die etwa 14.400 Jahre alten Reste liegen lange vor ausgebildeter Landwirtschaft in der Region. Die Untersuchung der Speisereste
Damit verändert sich eine vertraute Erwartung. Man muss nicht zuerst domestiziertes Getreide anbauen, um pflanzliche Zutaten zu zerkleinern und zu einer Speise zusammenzufügen. Eine Verarbeitungstechnik und eine Form der Nahrungserzeugung besitzen unterschiedliche Geschichten.
Wie man Brot, Teig und Brei vergleicht
Eine Methodenarbeit von González Carretero, Wollstonecroft und Fuller verglich 2017 verkohlte Lebensmittelreste aus dem jüngeren Çatalhöyük mit experimentell hergestellten Referenzen. Untersucht wurden Pflanzengewebe, Partikel und die Größen und Formen von Hohlräumen. Die Kombination hilft, verschiedene Verarbeitungsweisen einzugrenzen. Das Verfahren mit experimentellen Vergleichen
Eine Vergrößerung erzeugt also nicht von selbst eine sichere Bezeichnung. Sie macht Merkmale zugänglich, deren Bedeutung durch Vergleiche geprüft wird. Ein Experiment beantwortet dabei, welche Spur unter bekannten Bedingungen entstehen kann. Es beweist nicht, dass historische Menschen genau dieselbe Versuchsanordnung benutzten.
Die Landschaft gehört zum Gericht
Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung des größeren Pflanzenbestands von Shubayqa betont Feuchtgebietspflanzen. Besonders in der frühen natufischen Phase waren Bolboschoenus-Knollen stark vertreten. Wildgräser wurden ebenfalls verarbeitet; die Studie ordnet sie in eine vielfältige Pflanzennutzung ein. Die neue Untersuchung des Ernährungskontexts
Das Brotfragment soll deshalb keinen ausschließlich von Getreide geprägten Alltag vertreten. Die Pflanzen rings um einen Fundort, ihre Verfügbarkeit und die Auswahl der Menschen gehören mit zur Erklärung. Das gleiche kleine Stück kann Teil einer Küche gewesen sein, die in anderen erhaltenen Resten ganz anders sichtbar wird.
Ein Gericht verbindet einzelne Fähigkeiten
Betrachte die Gegenstände auf dem Museumstisch nacheinander: Ausgangspflanze, Zerkleinerungsgerät, vermischtes Material, fertige Speise. Diese Anordnung ist eine Erklärung der Verarbeitung. Sie zeigt, weshalb die Bezeichnung „Brot“ mehr enthält als das Vorhandensein von Körnern. Rohstoffe müssen in eine andere Form gebracht werden, und das Ergebnis muss sich als Speise verwenden lassen.
Welcher Arbeitsschritt zuerst versucht wurde und wer ihn weitergab, ist nicht überliefert. Du kannst die technische Leistung trotzdem erkennen. Menschen verbanden Materialkenntnis mit Handlungen, deren Ergebnis sich wiederholen ließ. Dafür ist kein schriftliches Rezept erforderlich.
Wie häufig kam das auf den Tisch?
Die Studie von 2018 warnt davor, die frühen Brotprodukte bereits als alltägliches Grundnahrungsmittel zu verstehen. Ein häufiger Getreidekonsum für die gesamte natufische Zeit folgt aus diesen Funden nicht. Einordnung der Häufigkeit
Dazu kommt eine Überlieferungsfrage: Gegessene Nahrung verschwindet normalerweise aus dem archäologischen Blick. Erhalten bleiben besondere Ausschnitte, etwa verkohlte Reste. Die Zahl gefundener Krümel entspricht deshalb nicht unmittelbar der Zahl früherer Mahlzeiten. Eine ungewöhnlich gute Spur kann gerade ein ungewöhnliches Ereignis betreffen.
Was dieses Exponat verändert
Nimm vom Museumstisch weniger ein bestimmtes Rezept als eine veränderte Reihenfolge der Fragen mit. Pflanzen sammeln, Pflanzen anbauen und Pflanzen zubereiten sind verschiedene Tätigkeiten. Sie können sich gegenseitig beeinflussen, müssen aber nicht gemeinsam beginnen. Die frühe Küche verdient deshalb eine eigene Geschichte.
Der nächste Mörser führt zu einer weiteren Art der Umwandlung: Getreide kann keimen und gären. Dort wird die Frage nach der Spur schwieriger. Denn nicht jede veränderte Stärke stammt aus einem absichtlich gebrauten Getränk. Mit dem Unterschied zwischen möglichem Verfahren und nachgewiesenem Vorgang bist du dafür bereits gut vorbereitet.
Grenzen des Wissens
Was offen bleibt
Die Reste verraten weder ein vollständiges Rezept noch Backdauer, ursprüngliche Gesamtform oder Verzehrhäufigkeit. Ein Fladenmodell ist eine Vermittlungshilfe.
Begriffe verstehen
Speisematrix
Das zusammenhängende Material eines Speiserests, in dem etwa Pflanzengewebe und Hohlräume liegen.
Verkohlung
Umwandlung organischen Materials durch Erhitzung unter begrenzter Sauerstoffzufuhr.
Rasterelektronenmikroskopie
Verfahren, das mit Elektronen feine Oberflächenstrukturen sichtbar macht.
Knolle
Verdicktes pflanzliches Speicherorgan; nicht jede Knolle ist eine Wurzel.
Quellen und Nachweise
Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.
- Brotartige Reste aus Shubayqa
Arranz-Otaegui, A., Gonzalez Carretero, L., Ramsey, M. N., Fuller, D. Q. und Richter, T. (2018): Archaeobotanical evidence reveals the origins of bread 14,400 years ago in northeastern Jordan. PNAS 115, 7925–7930. DOI 10.1073/pnas.1801071115.
24 untersuchte Speisereste; flache brotartige Produkte, keine erhaltenen vollständigen Laibe.
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González Carretero, L., Wollstonecroft, M. und Fuller, D. Q. (2017): A methodological approach to the study of archaeological cereal meals: a case study at Çatalhöyük East (Turkey). Vegetation History and Archaeobotany 26, 415–432. DOI 10.1007/s00334-017-0602-6.
Methodischer Vergleich an einem anderen, jüngeren Fundort; keine Übertragung seiner Rezepte nach Shubayqa.
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Proserpio, B., Aldaia Aierbe, J., Cárdenas, M., Richter, T., Fuller, D. Q. und Arranz-Otaegui, A. (2026): Evolution of plant exploitation strategies of Early and Late Natufian hunter-gatherers at Shubayqa 1 (14,600–11,500 cal bp), Black Desert of Jordan. Vegetation History and Archaeobotany. DOI 10.1007/s00334-026-01138-y.
Feuchtgebietspflanzen wichtig; Brot nicht mit einem bereits getreidedominierten Alltag gleichsetzen.
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Redaktion: Benjamin Metzig. Erstfassung in redaktioneller Prüfung. Bearbeitungsstand: 6. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.
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