Zum Museumsinhalt

Themenraum · 6 Exponate

Nahrung und Umwelt lesen

Ein Tierkörper, eine Pflanze oder ein Gewässer eröffnet Möglichkeiten. Sechs Exponate zeigen, wie Menschen Ressourcen erschlossen – und wie Forschung das verschwundene Können an seinen Spuren untersucht.

In deinem Tempo · Quellen an jedem Exponat · Stand: 5. September 2026

Buntstiftskizze einer Uferlandschaft mit Nüssen, Samen, Reibsteinen, Schilf und einem Wasserlauf.Bild vergrößern ↗
Thematische, frei gestaltete Wissenslandschaft. Keine Rekonstruktion eines Fundplatzes oder einer gemeinsamen historischen Mahlzeit.

Eine Raumfrage · verschiedene Zugänge

Erkennen, erschließen, verarbeiten, vorausdenken.

Beginne bei einer Frage, die dich interessiert, oder folge den Stationen des Rundgangs.

Die Werkstatt der Erkenntnis

Was trägt ein Befund?

Öffne die Beispiele und vergleiche erhaltenes Material, begründete Deutung und offene Fragen. Die Beispiele sind keine lückenlose Entwicklungskette.

Boxgrove: Ein Bruch wird neu erklärtUngefähr 480.000 Jahre
Was ist erhalten?
Ein Pferdeschulterblatt mit auffälligem Bruch; experimentell erzeugte Vergleichsschäden.
Welche Deutung trägt es?
Die Neuuntersuchung von 2025 ordnet diesen Bruch eher der Bearbeitung mit einem Schlagstein zu.
Was bleibt offen?
Die Spur ist damit kein gesicherter Speertreffer. Die Frage nach Jagd muss weitere Befunde einbeziehen.
Befund und Quellen nachlesen ↗
Ohalo II: Kleine Reste auf einer ArbeitsflächeUngefähr 23.000 Jahre
Was ist erhalten?
Ein Basaltstein mit untersuchten Stärkekörnern im Lagerplatzkontext.
Welche Deutung trägt es?
Die Rückstände stützen die Verarbeitung von Wildgetreide auf dem Gerät.
Was bleibt offen?
Ein fertiges Backprodukt blieb nicht erhalten; ein Feld folgt aus der Mahltechnik nicht.
Befund und Quellen nachlesen ↗
Qesem: Eine zeitliche Lücke erschließenFundstellenrahmen 420.000–200.000 Jahre
Was ist erhalten?
Bearbeitungsspuren an Knochen und Vergleichsversuche mit unterschiedlich lange gelagertem Material.
Welche Deutung trägt es?
Das Team deutet bestimmte Spuren als Hinweis auf zeitversetzte Marknutzung.
Was bleibt offen?
Der Versuchszeitraum ist kein direkt datierter Vorrat und keine allgemeine Haltbarkeitsangabe.
Befund und Quellen nachlesen ↗

Eine Frage an deinen Blick

Was lässt sich wirklich behaupten?

In einem Fundkomplex tritt eine Tierart vor allem in einer bestimmten Jahreszeit auf. Was folgt daraus für die Frage nach Vorräten?

Wähle die Aussage, die den Befund angemessen einordnet.
Auflösung und Begründung

Saisonale Nutzung und Vorratshaltung sind unterschiedliche Aussagen. Für die zweite muss zusätzlich untersucht werden, ob und wie sich eine Verzögerung zwischen Gewinnung und Verwendung nachweisen lässt.

Die Erklärung mit Quellen lesen ↗

Die Idee dieser Ausstellung

Wie wird ein Lebensraum zu einer nutzbaren Wissenslandschaft?

Möglichkeiten erkennen, Tätigkeiten verbinden

Ein Lebensraum wird nicht allein dadurch nutzbar, dass dort Nahrung vorhanden ist. Menschen müssen geeignete Teile unterscheiden, Zugang finden und Material verändern können. Diese Ausstellung richtet den Blick auf das Können zwischen einer möglichen Ressource und ihrer tatsächlichen Verwendung. Sie verbindet tierische und pflanzliche Nahrung, Land und Wasser sowie gegenwärtige und spätere Nutzung.

Die sechs Exponate teilen die Frage in handhabbare Zugänge. Jeder beginnt mit einem anschaulichen Gegenstand oder einer Spur und führt dann zu konkreten Fundstudien. Du kannst den Rundgang wählen oder bei einem Thema einsteigen, das dich besonders interessiert. Die Begriffe und Quellen bleiben direkt am jeweiligen Exponat erreichbar.

Eine weite Geschichte ohne einheitlichen Speiseplan

Die Beispiele reichen von Ostafrika und der Levante bis nach Europa, Australien, Timor-Leste und Chile. Sie stammen aus sehr verschiedenen Zeiten. Ihre Zusammenstellung behauptet keine direkte Überlieferungskette und keine für die gesamte Vorgeschichte einheitliche Ernährung. Unterschiedliche Lebensräume eröffneten unterschiedliche Möglichkeiten; die Funde überliefern jeweils nur einen Teil davon.

Auch die Zahl sichtbarer Reste ist nicht mit der früheren Bedeutung einer Ressource gleichzusetzen. Harte und weiche Materialien bleiben unterschiedlich erhalten. Einige Fundplätze öffnen außergewöhnlich klare Fenster, während an anderen viele Tätigkeiten kaum Spuren hinterlassen haben. Die Forschung muss diese Auswahl der Überlieferung mitdenken.

Was verändert ein zusätzlicher Befund?

Die drei Vergleiche dieses Raums zeigen unterschiedliche Erkenntniswege. Ein experimenteller Vergleich kann einen auffälligen Bruch neu erklären. Mikroskopische Rückstände können die Nutzung einer Arbeitsfläche eingrenzen. Unterschiede im Zustand bearbeiteten Materials können eine zeitliche Verzögerung erschließbar machen. Keine dieser Methoden liefert die gesamte vergangene Lebenswelt auf einmal.

Der wichtigste Schritt beim Vergleichen ist deshalb, die Aussage genau zu benennen. Geht es um eine mögliche Funktion, eine nachgewiesene Bearbeitung, einen Fangort oder eine spätere Verwendung? Zusätzliche Belege können die Erklärung stärken, präzisieren oder verändern. Der kurze Selbsttest lädt dazu ein, diesen Unterschied selbst anzuwenden.

Eine Ausstellung, die Korrekturen sichtbar macht

Forschung verändert nicht nur Altersangaben. Manchmal wird auch die Verbindung zwischen Material, Tätigkeit und Ablagerung neu bewertet. Die Exponate zu Boxgrove und Monte Verde zeigen solche Fälle ausdrücklich. Eine lebendige Museumsgeschichte muss erklären können, worüber gestritten wird, statt widersprüchliche Ergebnisse zu einer scheinbar eindeutigen Zahl zu glätten.

Die Bildwelt begleitet diesen Zugang als Illustration. Sie veranschaulicht Materialeigenschaften, Tätigkeitsprinzipien und Landschaften. Konkrete archäologische Aussagen entstehen aus den verlinkten Untersuchungen. So können Bild und Text gemeinsam Orientierung geben, ohne eine künstlerisch gestaltete Szene als erhaltenes Dokument auszugeben.

Vom Nutzbaren zum Weitergeben

Werkzeugwissen und Feuertechnik begleiten viele der hier behandelten Aufgaben. Die verwandten Exponate führen zu den passenden Erklärungen innerhalb der Sammlung. Im nächsten Raum verschiebt sich die Frage zu Kleidung, Schutz und der Weitergabe von Können. Denn eine einmal gelungene Tätigkeit bleibt nur dann verfügbar, wenn Menschen sie wiederholen, anpassen und voneinander lernen können.

Für diesen Raum genügt als roter Faden eine gemeinsame Beobachtung: Scheinbar einfache Alltagsmaterialien können anspruchsvolle Kenntnisse voraussetzen. Die Ausstellung macht dieses Können über unterschiedliche Spuren zugänglich und zeigt zugleich, wie weit der jeweilige Nachweis trägt.

Dein nächster Weg

6 Stationen, eine gemeinsame Frage.

Der Rundgang verbindet die Exponate. In der Sammlung erreichst du die anderen Themenräume.

Bildansicht

100 %

Mit + Details vergrößern. Das vergrößerte Bild lässt sich mit dem Finger, der Maus oder den Pfeiltasten verschieben.

Bilddatei in voller Größe öffnen ↗