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Exponat 18 · Nahrungserschließung und Fangtechnik

Fischen und Gewässer verstehen

Fischreste, Haken und Spuren von Schnüren erzählen unterschiedliche Teile einer Geschichte. Gemeinsam zeigen sie frühes Gewässerwissen; die genaue Fangweise lässt sich trotzdem nicht beliebig ergänzen.

5 Minuten Haupttext · Stand: 5. September 2026

Buntstiftskizze eines offenen, gebogenen Muschelhakens neben einer Schale auf dunklem Küstengestein.Bild vergrößern ↗
Freie Darstellung einer Hakenform aus Muschelschale. Kein maßstäblicher Nachbau des fragmentierten Jerimalai-Fundes und keine Rekonstruktion einer 42.000 Jahre alten Fangmethode.

Auf einen Blick

Was verrät ein Fischrest – und was zusätzlich ein Angelhaken?

  • Fischreste und erhaltene Fanggeräte können sehr verschieden alt sein.
  • Ein Haken funktioniert im Zusammenspiel mit weiteren Teilen und passender Handhabung.
  • Die ökologische Zuordnung eines Fisches beweist nicht allein den genauen Fangort.
Zeitliche Einordnung
Jerimalai: Fischreste etwa 42.000 Jahre, Muschelhaken etwa 23.000–16.000 Jahre; Jordan River Dureijat: Haken etwa 15.000–12.000 Jahre
Orte und Regionen
Timor-Leste und nördliche Levante
Historisch Beteiligte
Namentlich nicht überliefert

Zwei Fundarten, zwei Fragen

Auf dem einen Museumsschild steht ein Fischrest, auf dem anderen ein Haken. Beide passen zum Thema Fischen, beantworten aber zunächst verschiedene Fragen. Der Rest eines Tieres hilft bei der Untersuchung genutzter Ressourcen. Das Gerät gibt einen direkteren Zugang zu einer technischen Lösung. Ob beide zusammengehören, hängt von ihrem jeweiligen Alter und Fundzusammenhang ab.

Diese Trennung schützt vor einer besonders verführerischen Rekonstruktion: Man findet einen alten Fisch und einen jüngeren Haken und setzt beides zu einer einzigen anschaulichen Szene zusammen. Die Szene wäre leicht verständlich, könnte aber Jahrtausende überbrücken, ohne dass die Besucher es bemerken. Deshalb stehen in diesem Exponat die unterschiedlichen Zeitangaben ausdrücklich nebeneinander.

Jerimalai: alte Fischreste, jüngerer Haken

Die 2011 veröffentlichte Untersuchung des Felsunterstands Jerimalai, auch Asitau Kuru genannt, in Timor-Leste beschreibt Fischreste aus einem ungefähr 42.000 Jahre alten Zusammenhang. Die Autoren deuteten Teile des Spektrums als Hinweis auf anspruchsvolle maritime Nahrungssuche. Die frühe Nutzung von Fisch tritt hier in einer Inselwelt besonders deutlich hervor. Die Originalstudie zu Jerimalai

Der ebenfalls bekannte Haken aus Muschelschale gehört in einen jüngeren Rahmen von etwa 23.000 bis 16.000 Jahren. Diese Datierung wird auch im Bericht der beteiligten University of Queensland erläutert. Der Zeitrahmen des Muschelhakens

Ein älterer Fang muss deshalb nicht ohne Hilfsmittel erfolgt sein. Es bedeutet vielmehr, dass dieses konkret erhaltene Hilfsmittel die ältere Methode nicht unmittelbar belegt. Was aus vergänglichem Material bestand oder bisher nicht gefunden wurde, bleibt eine zusätzliche Forschungsfrage.

Wo wurde der Fisch gefangen?

Aus der Art beziehungsweise ökologischen Einordnung eines Fisches lässt sich seine mögliche Herkunft eingrenzen. Die Schlussfolgerung auf eine ganz bestimmte Fangstelle ist anspruchsvoller. Ein Tier kann sich in verschiedenen Lebensphasen oder Situationen unterschiedlich verteilen. Auch die Genauigkeit der Bestimmung alter Knochen beeinflusst, wie eng die räumliche Aussage sein darf.

Über die frühe Fischerei in Jerimalai entstand deshalb eine wissenschaftliche Debatte. Atholl Anderson argumentierte 2013 gegen einen zwingenden Schluss auf Fang weit draußen auf See; Sue O’Connor und Rintaro Ono widersprachen seiner Darstellung und verteidigten die Bedeutung komplexer Fangtechnik. Die Kritik von Anderson Die Antwort von O’Connor und Ono

Das Museum macht aus diesem Streit kein scheinbar gesichertes Bild eines bestimmten Bootes. Der Vergleich zeigt etwas Allgemeineres: Ressourcenbestimmung, Fangort und verwendete Technik hängen zusammen, sind aber nicht dieselbe Aussage.

Ein erhaltenes Zusammenspiel in Jordan River Dureijat

Ein jüngerer Fundkomplex am oberen Jordan bietet einen anderen Zugang. Die 2021 veröffentlichte Untersuchung von Jordan River Dureijat beschreibt 19 vollständige oder fragmentierte Knochenhaken und sechs gerillte Steine. Die Haken stammen aus ungefähr 15.000 bis 12.000 Kalenderjahren vor heute. Verschiedene Formen, Befestigungsmerkmale, Gebrauchsspuren und Rückstände erlauben einen genaueren Blick auf die Geräte. Die Untersuchung von Haken und gerillten Steinen

Pflanzenfasern an einem Hakenschaft und einem Stein stützen die Deutung einer Schnurverbindung. Abnutzung passt zur Verwendung der gerillten Steine als Gewichte. Das Team kombiniert dafür technologische, mikroskopische und zoologische Untersuchungen. Der Zusammenhang ist stärker als die bloße Ähnlichkeit eines einzelnen Steins mit einem modernen Angelgewicht. Dennoch bleiben rekonstruierte Teile und direkt erhaltene Spuren unterscheidbar.

Eine Form hält nur im Zusammenhang

Ein gebogener Haken bringt mehrere Anforderungen zusammen. Seine Spitze greift an, seine Krümmung beeinflusst das Halten, und eine Befestigungsstelle verbindet ihn mit einer Schnur. Das Material muss die jeweilige Form zulassen und der Beanspruchung standhalten. Ein Widerhaken kann das Herausgleiten erschweren; er erklärt allein aber weder die gefangene Art noch den Erfolg eines historischen Fangvorgangs.

Die Schnur ergänzt eine Aufgabe, die der Haken selbst nicht erfüllen kann: Sie verbindet das kleine Gerät mit einem entfernten Griffpunkt. Ein Gewicht kann wiederum beeinflussen, wo Teile der Ausrüstung im Wasser liegen. Damit begegnet uns erneut das Prinzip des Verbunds aus dem Werkzeugraum. Die Funktion entsteht aus passend verbundenen Rollen. Eine einzelne elegante Hakenform zeigt nur einen Ausschnitt dieser Lösung.

Das Gerät kennt das Wasser nicht

Auch ein brauchbares Fanggerät ersetzt die Kenntnis eines Lebensraums nicht. Die Frage nach dem geeigneten Einsatz betrifft Zugang, Strömung, Tiefe und die erwartete Anwesenheit von Tieren. Solche Faktoren machen verständlich, weshalb Technik und Umweltwissen gemeinsam untersucht werden. Ein Gerät erklärt eine Handlungsmöglichkeit; sein sinnvolles Verwenden verlangt mehr als seine Herstellung.

Für einen gedanklichen Vergleich reichen zwei sehr verschiedene Umgebungen: ein ruhiger Randbereich und rasch bewegtes Wasser. Dieselbe Ausrüstung kann dort unterschiedlich handhabbar sein. Das ist eine Erklärung grundsätzlicher Anforderungen, keine Rekonstruktion des genauen Einsatzortes eines Fundhakens. Gerade diese Unterscheidung erlaubt, Zusammenhänge anschaulich zu vermitteln und die historische Aussage dennoch an die Belege zu binden.

Warum vergängliche Teile wichtig bleiben

Die Ausstellung zeigt einen Haken, weil seine Form sichtbar und verständlich ist. Das kann die Wahrnehmung verzerren: Ein harter kleiner Bestandteil zieht mehr Aufmerksamkeit auf sich als eine kaum erhaltene Schnur oder das verlorene Wissen über den Einsatz. Die Abwesenheit vollständiger Ausrüstung darf nicht mit der Abwesenheit zusammenhängender Technik verwechselt werden.

Umgekehrt lässt sich eine Lücke nicht mit jedem plausiblen Gerät füllen. Für ein bestimmtes Netz, eine Reuse oder ein Boot brauchen wir jeweils passende Nachweise. Die hilfreiche Frage ist daher nicht, wie viele moderne Fangmethoden man in die Vorgeschichte zurückversetzen könnte. Sie lautet, welche technische Beziehung das erhaltene Material tatsächlich trägt und welche zusätzliche Beobachtung die übrigen Möglichkeiten unterscheiden würde.

Eine Rekonstruktion mit sichtbaren Grenzen

Ordne beim Betrachten des Motivs die Aussagen nach ihrer Grundlage. Die gezeichnete Hakenform veranschaulicht ein Prinzip. Der Fund von Jerimalai belegt ein bestimmtes historisches Materialstück in einem Datierungsrahmen. Der Fundkomplex von Jordan River Dureijat verbindet mehrere Spuren einer Ausrüstung. Keines dieser Beispiele liefert für sich allein alle Einzelheiten eines vergangenen Tages am Wasser.

Der nächste Schritt im Rundgang betrifft Zeit in einer anderen Größenordnung. Es geht darum, wann Ressourcen verfügbar waren und ob Menschen ihre Nutzung auf später verschieben konnten. Fang, jahreszeitliche Kenntnis und Vorräte können zusammenhängen; für jede dieser Verbindungen gilt erneut, dass der Befund die Reichweite der Erklärung bestimmt.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

In Jerimalai sind die Fischreste deutlich älter als der bekannte Muschelhaken. Die Schlussfolgerung auf frühe Hochseefischerei wurde kontrovers diskutiert. Erhaltene Geräte aus einem jüngeren Fundzusammenhang dürfen nicht unbemerkt in die ältere Szene versetzt werden.

Begriffe verstehen

Pelagisch

Auf den freien Wasserkörper bezogen; die genaue ökologische Lebensweise hängt von der jeweiligen Tierart und ihrem Lebensstadium ab.

Widerhaken

Rückwärts gerichteter Vorsprung, der das Herausgleiten eines Hakens erschweren kann.

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Senkstein

Als Gewicht gedeuteter oder verwendeter Stein, der einen Teil einer Fangausrüstung im Wasser tiefer halten kann.

Gebrauchskontext

Zusammenhang, in dem ein Gegenstand verwendet wurde; er wird aus verschiedenen Spuren erschlossen.

Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Fischreste und Angelhaken in Jerimalai

    O’Connor, S.; Ono, R.; Clarkson, C. (2011): Pelagic fishing at 42,000 years before the present and the maritime skills of modern humans. Science 334, 1117–1121. DOI: 10.1126/science.1207703.

    Fischreste etwa 42.000 Jahre; jüngerer Muschelhaken nicht gleich datieren. Schluss auf Hochseefang wurde diskutiert.

    ← Zur Textstelle: Jerimalai: alte Fischreste, jüngerer Haken
  2. Der jüngere Muschelhaken von Jerimalai

    University of Queensland (2011): Fishing still a favourite pastime – even 42,000 years later. 8. Dezember 2011.

    Institutioneller Bericht mit Hakenrahmen 23.000–16.000 Jahre; keine Übernahme historischer Weltrekordbehauptung.

    ← Zur Textstelle: Jerimalai: alte Fischreste, jüngerer Haken
  3. Küstennaher Fang als Gegenargument

    Anderson, A. (2013): Inshore or offshore? Boating and fishing in the Pleistocene. Antiquity 87, 879–884. DOI: 10.1017/S0003598X0004953X.

    Kritik am zwingenden Schluss von bestimmten Fischresten auf weit entfernten Hochseefang.

    ← Zur Textstelle: Wo wurde der Fisch gefangen?
  4. Antwort zur frühen Fangtechnik

    O’Connor, S.; Ono, R. (2013): The case for complex fishing technologies: A response to Anderson. Antiquity 87, 885–888. DOI: 10.1017/S0003598X00049553.

    Dokumentiert den wissenschaftlichen Widerspruch; konkrete Fangmethode im Museum nicht als gesichert bebildern.

    ← Zur Textstelle: Wo wurde der Fisch gefangen?
  5. Haken, Schnurspuren und Senksteine

    Pedergnana, A.; Cristiani, E.; Munro, N.; Valletta, F.; Sharon, G. (2021): Early line and hook fishing at the Epipaleolithic site of Jordan River Dureijat (Northern Israel). PLOS ONE 16, e0257710. DOI: 10.1371/journal.pone.0257710.

    19 vollständige oder fragmentierte Knochenhaken, sechs gerillte Steine; Haken aus 15.000–12.000 cal BP, nicht gesamter älterer Besiedlungsdauer.

    ← Zur Textstelle: Ein erhaltenes Zusammenspiel in Jordan River Dureijat

Redaktion: Benjamin Metzig. Erstfassung. Recherche- und Bearbeitungsstand: 5. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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