Titanide und Mutter von Ordnungsfiguren
Themis steht in Hesiods Reihe der Kinder von Gaia und Uranos. Später nennt die Theogonie sie als Partnerin des Zeus und Mutter der Horen Eunomia, Dike und Eirene: Ordnung, Recht und Frieden erscheinen als benannte Gestalten. Der Text nennt daneben Klotho, Lachesis und Atropos als Moiren aus dieser Verbindung.
An einer früheren Stelle hatte Hesiod dieselben drei Moirennamen bereits als Kinder der Nyx aufgeführt. Die doppelte Abstammung bleibt als Spannung innerhalb des überlieferten Gedichts stehen; sie wird nicht mit einer frei erfundenen Familienfolge aufgelöst. Pseudo-Apollodor gibt die Verbindung mit Zeus in seiner späteren Zusammenstellung wieder.
Themis am Orakel von Delphi
Im Prolog der Eumeniden nennt die Pythia Gaia als erste Stimme des delphischen Orakels, Themis als zweite, Phoibe als dritte und Apollon als Nachfolger. Die Rede stellt ausdrücklich eine friedliche Weitergabe von Themis an Phoibe dar.
Die Bibliotheke erzählt einen anderen Zugang: Als Apollon nach Delphi kommt, erteilt Themis dort Orakel; eine Schlange hindert ihn, bis er sie tötet. Die beiden Texte werden nicht zu einem lückenlosen historischen Ablauf zusammengefügt.
Die beratende Mutter in einer Tragödie
Im Gefesselten Prometheus nennt Hephaistos den Gefesselten einen Sohn der Themis. Prometheus selbst sagt, seine Mutter Themis oder Gaia habe ihm vorausgesagt, dass im Kampf um Zeus' Herrschaft List und nicht bloße Gewalt entscheiden werde. Er habe diesen Rat den Titanen gegeben und sich dann Zeus angeschlossen.
Das ist Prometheus' Rede in einem Drama, dessen Zuschreibung an Aischylos umstritten ist. Hesiod hatte für die vier Söhne des Iapetos Klymene genannt, Pseudo-Apollodor Asia. Themis ersetzt diese Mütter deshalb nicht rückwirkend in allen Fassungen; auch die dramatische Gleichnennung von Themis und Gaia ist keine universale Identitätsformel.
Recht ist eine Frage, kein festes Abzeichen
Hesiods Namen Eunomia, Dike und Eirene geben der Ordnung eine Verwandtschaftsform. Die delphischen Texte und die Prometheus-Rede zeigen weitere Rollen der Themis, aber in anderen Gattungen und Zeiten.
Darum steht auf dieser Seite keine zeitlose Amtsliste der Göttin. Die Quellen zeigen, welche Beziehung oder Stimme jeweils behauptet wird und wo diese Behauptung endet.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Hesiod: Titanide und Horen
Theogonie 133–138, 211–225 und 901–906; zwei Moiren-Abstammungen stehen nebeneinander.
Delphi: zwei Erzählfassungen
Eumeniden 1–20 als Pythias dramatische Rede; Bibliotheke 1.4.1 mit Python und Apollon.
Gefesselter Prometheus: beratende Mutter
Dramatische Mutterangabe im Vergleich mit Klymene und Asia in anderen Texten.
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Hesiod: Theogonie
Genealogisches Gedicht. Die einzelnen Editionskarten nennen die tatsächlich gelesenen Stellen; das Gesamtwerk ist hier nicht vollständig ausgewertet.
Werkebene; hier keine exakte Entstehungsdatierung festgelegt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Theogonie nach Evelyn-White: Themis, Mnemosyne und Musen
53–105, 133–138, 211–225 und 901–919: Musen, beide Titaniden, konkurrierende Moiren-Genealogien und Zeus-Nachkommen.
Historische Übersetzung 1914, digital bei Theoi.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Bibliotheke des Pseudo-Apollodor
Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.
Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Bibliotheke nach Frazer: Themis, Mnemosyne und Delphi
1.1.3, 1.3.1 und 1.4.1: Titaniden, Nachkommen und Themis am Orakel.
Historische Übersetzung 1921, digital bei Theoi.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Aischylos: Eumeniden
Werkidentität getrennt von historischen englischen Übersetzungen. Die jeweils verknüpften Ausgabedatensätze benennen die gelesenen Ausschnitte; keine vollständige Werklektüre oder Handschriftenkollation behauptet.
Athenische Tragödie, 458 v. Chr. aufgeführt; einzelne verwendete Passage.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Eumeniden nach Smyth: Phoibes Delphische Orakelfolge
Pythias Prolog 1–20; dramatische Rede über Gaia, Themis, Phoibe und Apollo.
Historische Übersetzung 1926, digital bei Theoi.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Gefesselter Prometheus
Werkidentität getrennt von der historischen englischen Übersetzung. Hier nur Themis' Rolle als Mutter und Ratgeberin in ausgewählten Reden.
Antike Tragödie; Zuschreibung an Aischylos umstritten.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Gefesselter Prometheus nach Smyth: Themis als Mutter und Ratgeberin
18–28, 199–228 und 870–876; dramatische Figurenrede und abweichende Mutterangabe.
Historische Übersetzung 1926, digital bei Theoi.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Theogonie nach Evelyn-White: Iapetos und vier Söhne
Nur 507–545: Partnerin Klymene, vier Söhne und deren unterschiedliche Konflikte mit Zeus.
Historische Übersetzung 1914, digital bei Theoi.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Bibliotheke 1 nach Frazer: Generationen und Gaia-Konflikte
1.1.1–1.2.6 und 1.6.1–1.6.3 gelesen; späterer mythografischer Vergleich zu Hesiod, keine zusammengeschriebene Urfassung.
Historische Übersetzung 1921, digital bei Theoi.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Griechische genealogische Dichtung, Tragödie und spätere Mythografie
- Verwendeter Ausschnitt
- Theogonie 133–138, 211–225 und 901–906; Bibliotheke 1.1.3, 1.3.1 und 1.4.1; Eumeniden 1–20; Gefesselter Prometheus 18–28, 199–228 und 870–876.
- Theogonie 53–105, 133–138, 211–225 und 901–919: Musen, Themis und Mnemosyne
Hesiod zugeschriebene Theogonie; englische Übersetzung Hugh G. Evelyn-White · Antike Dichtung; historische englische Übersetzung 1914
Verse 53–105: Mnemosyne und neun Musen, Gesang und Vergessen von Sorgen; 133–138: beide Titaniden; 211–225: Moiren als Töchter der Nyx; 901–919: Zeus mit Themis als Mutter der Horen und Moiren, mit Mnemosyne als Mutter der Musen. Die nebeneinander stehenden Moiren-Genealogien bleiben sichtbar.
Historische Übersetzung ohne eigene griechische Kollation. Musen sind nicht Mnemosyne selbst; Musengesang und dessen Wirkung dürfen nicht zu individuell erzählten Taten der Mutter werden. Themis ist nicht mit den drei Horen identisch. Die zwei Moiren-Abstammungen nicht stillschweigend glätten. Abgerufen am 2026-09-29.
- Bibliotheke 1.1.3, 1.3.1 und 1.4.1: Themis und Mnemosyne
Pseudo-Apollodor; englische Übersetzung James G. Frazer · Antike mythografische Sammlung; englische Übersetzung 1921
1.1.3 beide Titaniden in der Liste; 1.3.1 Themis und Horen/Moiren, Mnemosyne und Musen; 1.4.1 Themis als Orakelstimme in Delphi vor Apollons Ankunft. Nur diese Stellen als spätere Zusammenstellung gelesen.
Spätere Mythografie ist keine fehlende Fortsetzung von Hesiod. Themis in Delphi hier nicht mit der ganzen dramatischen Sukzession der Eumeniden gleichsetzen; die Bibliotheke nennt in 1.4.1 Python und Apollon, die Tragödie Phoibe. Historische Übersetzung ohne griechische Kollation. Abgerufen am 2026-09-29.
- Eumeniden 1–20: Phoibe in der Delphischen Orakelfolge
Aischylos; englische Übersetzung Herbert Weir Smyth · Athenische Tragödie 458 v. Chr.; historische englische Übersetzung 1926
Prolog der Pythia, Verse 1–20, vollständig gelesen: Erde, Themis, Phoibe und Apollo werden als Reihenfolge des Delphischen Orakels in einer dramatischen Gebetsrede genannt; Phoibe gibt den Sitz Apollo als Gabe, dessen Beiname Phoibos im Text auf sie bezogen wird.
Die Pythia spricht im Rahmen einer Tragödie; die Szene ist keine lückenlose historische Eigentumsliste des Delphischen Heiligtums. Die Namensbeziehung Phoibe/Phoibos bedeutet keine Identität der Titanide mit Apollo oder einer anderen gleichnamigen Gestalt. Historische Übersetzung ohne eigene griechische Kollation. Abgerufen am 2026-09-29.
- Gefesselter Prometheus 18–28, 199–228 und 870–876: Themis als Mutter und Ratgeberin
Gefesselter Prometheus, traditionell Aischylos zugeschrieben; englische Übersetzung Herbert Weir Smyth · Antike Tragödie mit umstrittener Autorschaft; historische englische Übersetzung 1926
18–28: Hephaistos nennt Prometheus Sohn der Themis; 199–228: Prometheus behauptet, Mutter Themis oder Gaia habe den Sieg durch List vorausgesagt und er habe Zeus unterstützt; 870–876: Prometheus verweist auf ein Orakel der Mutter. Figurenrede im Drama, keine unstrittige Genealogie aller Fassungen.
Autorschaft des Stücks ist in der Forschung umstritten. Aus Prometheus' Figurenrede folgt keine einheitliche Mutterangabe für Hesiods Iapetos-Söhne. Smyths Übersetzung ohne eigene griechische Kollation; nur die benannten Versbereiche gelesen. Abgerufen am 2026-09-29.
- Theogonie 507–545: Iapetos, Klymene und vier Söhne
Hesiod zugeschriebene Theogonie; englische Übersetzung Hugh G. Evelyn-White · Antike Dichtung; historische englische Übersetzung 1914
Verse 507–545 gelesen: Iapetos und Klymene, Atlas, Menoitios, Prometheus und Epimetheus; Zeus' unterschiedliche Strafen für Menoitios, Atlas und Prometheus sowie Übergang zur Mecone-Szene. Nur dieser Familien- und Konfliktanschluss an die zuvor begrenzt registrierten Titanenverse wird beansprucht.
Historische englische Übersetzung ohne griechische Kollation. Die vier Söhne sind keine austauschbare Titanengruppe und Iapetos wird in dieser Passage nicht selbst als kämpfender Gegner des Zeus gezeigt. Prometheus' weitere Mecone-, Feuer- und Pandora-Erzählung ist hier nicht vollständig erschlossen. Abgerufen am 2026-09-29.
- Bibliotheke 1,1–2 und 1,6: frühe Göttergenerationen
Pseudo-Apollodor; englische Übersetzung James G. Frazer · Antike mythografische Sammlung; englische Übersetzung 1921
Bibliotheke 1.1.1–1.2.6 und 1.6.1–1.6.3 gelesen: Uranos' Herrschaft, abweichende Geburtsfolge, gemeinsamer Angriff der Titanen außer Okeanos, Kronos' Machtwechsel, Tartaros als Raum, Pontos' Kinder sowie Gaias Reaktion nach Titanen- und Gigantenkampf.
Spätere mythografische Zusammenstellung, keine fehlende Fortsetzung Hesiods. Besonders Dione in der Titanidenliste, Reihenfolge der ersten Kinder und Beteiligung der Titanen nicht in Hesiods Fassung hineinmischen. Frazer-Übersetzung; Fußnoten und Varianten nur begrenzt geprüft. Abgerufen am 2026-09-29.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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