Früh genannt, noch nicht als Gefängnis erklärt
Nach Chaos und Gaia nennt Hesiod den düsteren Tartaros in der Tiefe der Erde. Der Text gibt ihm in dieser Anfangsfolge keine Eltern. Er nennt ihn auch nicht einfach ein Kind des Chaos: Ein Name nach dem anderen ist noch keine Eltern-Kind-Reihe.
Die erste Nennung hat eine räumliche Färbung, aber die spätere ausführliche Beschreibung des Titanengefängnisses steht an einer anderen Stelle des Gedichts.
Ein bewachter Raum unter der Erde
Nach dem Sieg der jüngeren Götter werden die Titanen im Tartaros eingeschlossen. Hesiod beschreibt bronzene Tore, Mauern und Wächter. Ein fallender Amboss braucht in seinem Vergleich neun Tage und Nächte bis zur Erde und nochmals so lange von dort zum Tartaros.
Der Amboss ist ein dichterisches Maß für unerreichbare Tiefe, keine Angabe in Kilometern. Die folgende Kosmografie spricht von dunklen Grenzen und einem furchterregenden Abgrund, nicht von einem auf einer Karte auffindbaren Ort.
In einer anderen Zeile ist Tartaros Partner Gaias
Nach dem Titanenkampf bringt Gaia laut Theogonie mit Tartaros Typhoeus hervor. Diese ausdrücklich genealogische Beziehung steht neben den Ortsbeschreibungen, ersetzt sie aber nicht. Tartaros bekommt dadurch nicht nachträglich eine ausführliche eigene Handlungsszene.
Die Bibliotheke erzählt Typhons Geburt erst nach dem Kampf gegen die Giganten. Die andere Reihenfolge bleibt als spätere Fassung sichtbar, statt beide Konflikte in eine scheinbar einheitliche Chronologie zu schieben.
Die Bibliotheke setzt einen anderen Ortsakzent
Pseudo-Apollodor bezeichnet Tartaros als düsteren Ort im Hades und berichtet, Uranos habe die Kyklopen dorthin gesperrt. Zeus befreit sie später; die besiegten Titanen werden erneut dort eingeschlossen. Der Text ordnet dieselbe Ortsbezeichnung in seine eigene Herrschaftserzählung ein.
Hesiods Kosmografie und die Bibliotheke müssen deshalb mit ihren jeweiligen Stellen angezeigt werden. Weder ist Tartaros überall bloß eine Person, noch verschwindet seine genealogische Rolle hinter dem Gefängnisnamen.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Theogonie: Folge, Ort, Partner
116–125, 713–820 und 820–835; drei unterschiedliche Rollen.
Bibliotheke: Gefängnis und Typhon
1.1.2, 1.2.1 und 1.6.3; spätere mythografische Folge.
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Hesiod: Theogonie
Genealogisches Gedicht. Die einzelnen Editionskarten nennen die tatsächlich gelesenen Stellen; das Gesamtwerk ist hier nicht vollständig ausgewertet.
Werkebene; hier keine exakte Entstehungsdatierung festgelegt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Theogonie nach Evelyn-White: Uranfang und Nachtgeschlecht
Nur Verse 116–233 und 617–820 im Zusammenhang gelesen. Anfangsfolge, Uranos-Konflikt, Nyx' Nachkommen, Titanenkampf und kosmografische Ortsrollen; keine Volllektüre oder griechische Kollation.
Historische Übersetzung von 1914; digitale Wiedergabe bei Theoi.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Theogonie nach Evelyn-White: Gaia und Tartaros nach dem Titanenkampf
Verse 820–885 gelesen; genealogische Rolle des Tartaros, Gaias erneuter Konflikt und Anregung zu Zeus' Herrschaft. Andere Passagen liegen in getrennt begrenzten Archivquittungen.
Historische Übersetzung 1914, digital bei Theoi.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Bibliotheke des Pseudo-Apollodor
Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.
Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Bibliotheke 1 nach Frazer: Generationen und Gaia-Konflikte
1.1.1–1.2.6 und 1.6.1–1.6.3 gelesen; späterer mythografischer Vergleich zu Hesiod, keine zusammengeschriebene Urfassung.
Historische Übersetzung 1921, digital bei Theoi.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Griechische genealogische und kosmografische Dichtung; späterer mythografischer Vergleich
- Verwendeter Ausschnitt
- Theogonie 116–125, 713–820 und 820–885; Bibliotheke 1.1.2, 1.2.1 und 1.6.3.
- Theogonie: kosmische Anfänge und Nachtgeschlecht
Hesiod zugeschriebene Theogonie; englische Übersetzung Hugh G. Evelyn-White · Antike Dichtung; historische englische Übersetzung 1914
Verse 116–233 zu Chaos, Gaia, Tartaros, Eros, Erebos, Nyx, Aither, Hemera, Uranos, Pontos, den Titanen, Kronos' Angriff und Nyx' Nachkommen; 617–820 zu Titanenkampf, Tartaros, Atlas sowie Nacht und Tag an der Schwelle tatsächlich gelesen. Keine Volllektüre der Theogonie behauptet.
Historische Übersetzung ohne eigene griechische Kollation oder kritischen Apparat. Die Reihenfolge des Auftretens ist keine naturwissenschaftliche Entstehungschronologie. Genealogische Personifikation, Ortsbeschreibung und handelnde Figur auseinanderhalten. Erebos als Kind des Chaos in Vers 123 nicht automatisch mit jedem späteren Raumbeleg gleichsetzen. Einzelne Namen der Nyx-Liste nicht zu Lebensgeschichten ausbauen. Abgerufen am 2026-09-29.
- Theogonie 820–885: Gaia, Tartaros, Typhoeus und Zeus' Herrschaft
Hesiod zugeschriebene Theogonie; englische Übersetzung Hugh G. Evelyn-White · Antike Dichtung; historische englische Übersetzung 1914
Verse 820–885 im Zusammenhang gelesen: Gaia und Tartaros als Eltern des Typhoeus nach dem Titanenkampf, weitere Kampfschilderung und Gaias Anregung, Zeus die Herrschaft zu übertragen. Nur dieser Anschluss an die bereits archivierte Uranfang-Lektüre beansprucht.
Historische englische Übersetzung ohne eigene griechische Kollation. Tartaros' genealogische Rolle in 820–835 ist nicht automatisch dasselbe wie jede Ortsnennung in 713–820. Typhoeus-Geburt und Zeus-Nachfolge nicht als vollständige Geschichte Gaias ausgeben. Abgerufen am 2026-09-29.
- Bibliotheke 1,1–2 und 1,6: frühe Göttergenerationen
Pseudo-Apollodor; englische Übersetzung James G. Frazer · Antike mythografische Sammlung; englische Übersetzung 1921
Bibliotheke 1.1.1–1.2.6 und 1.6.1–1.6.3 gelesen: Uranos' Herrschaft, abweichende Geburtsfolge, gemeinsamer Angriff der Titanen außer Okeanos, Kronos' Machtwechsel, Tartaros als Raum, Pontos' Kinder sowie Gaias Reaktion nach Titanen- und Gigantenkampf.
Spätere mythografische Zusammenstellung, keine fehlende Fortsetzung Hesiods. Besonders Dione in der Titanidenliste, Reihenfolge der ersten Kinder und Beteiligung der Titanen nicht in Hesiods Fassung hineinmischen. Frazer-Übersetzung; Fußnoten und Varianten nur begrenzt geprüft. Abgerufen am 2026-09-29.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-29. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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