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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Seth: Gegner, Schützer und Königszeichen

Seth ist im älteren Totenspruch für eine Tat gegen Osiris verantwortlich, beansprucht im Herrschaftsstreit aber auch Schutzarbeit für Re. Königliche Zeichen und ein Seth-Baal-Skarabäus bezeugen weitere, getrennte Kontexte.

4–5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Mehr als der Gegner des Horus

Im Pepi-I-Spruch 477 ist Seth mit der Tat verbunden, nach der Osiris wieder aufgerichtet werden muss. Der Text ist ein königlicher Totenspruch, keine vollständige Fassung des späteren Streits. Im Papyrus Chester Beatty I ist Seth ein hartnäckiger Bewerber um das Amt des Osiris. Dieselbe Erzählung lässt ihn aber vorbringen, er stehe auf Res Barke und töte deren Feind. Wer ihn nur als Verkörperung des Bösen beschreibt, übersieht ein Argument, dem die Götter im Text Gehör geben.

Das macht Gewalt oder Übergriff in der Prozesshandlung nicht ungeschehen. Es zeigt, dass die Quelle unterschiedliche Maßstäbe für Herrschaft verhandelt: die Abstammung des Horus und die beanspruchte Schutzleistung des Seth. Das Nachbarexponat erzählt die belastenden Konfliktszenen mit Inhaltshinweis; dieses Profil fragt nach den Funktionen, die der Name Seth in getrennten Zeugnissen erhält.

Ein Seth-Baal-Zeichen auf einem Skarabäus

Grüner ovaler Skarabäus mit einer eingeritzten geflügelten Gestalt über einem Löwen.
Skarabäus mit Seth-Baal auf einem Löwen, etwa 1300–1080 v. Chr., The Met 22.1.451, Public Domain / CC0. Die Katalogdeutung verbindet hier Seth mit dem vorderasiatischen Wettergott Baal; das kleine Bild ist kein Zeugnis der Gerichtsverhandlung mit Horus. Bildnachweis Bildlizenz

Der eigene Anspruch vor Gericht

Seth wendet gegen Horus' Erbanspruch seine Kraft ein. Er erklärt vor dem Göttergericht, dass er den Gegner des Re vor dessen Sonnenbarke erschlage. Diese Worte kommen von Seth selbst und gehören zu seinem Plädoyer. Die Erzählung bescheinigt damit nicht automatisch, dass jedes spätere Seth-Bild dieselbe Handlung zeigt.

Am Ende erhält Horus das Amt seines Vaters. Seth wird Re zugeordnet. Die Entscheidung beseitigt ihn nicht aus der Ordnung der Götter. Sie verteilt Rollen nach einem langen Verfahren neu; die Erzählung hält Seths Schutzfunktion und seine Gewalthandlungen zugleich aus, ohne sie zu einer moralisch widerspruchsfreien Figur zu glätten.

Königszeichen und ein anderes Bildfeld

UCL Digital Egypt beschreibt Peribsen mit einem Seth-Zeichen über der königlichen Palastfassade und Khasekhemwy mit Zeichen beider Götter. Das sind Belege aus der Darstellung des Königsnamens, nicht Szenen aus Papyrus Chester Beatty I. Sie zeigen, dass Seth in der Geschichte königlicher Repräsentation eine Rolle spielte, die eine spätere Kurzformel vom bösen Gegenspieler verdecken würde.

Der ramessidische Met-Skarabäus zeigt eine geflügelte Gestalt im Seth-Baal-Zusammenhang. Seine kleine Bildfläche ist besonders in der mobilen Ansicht ohne Museumskatalog schwer zu lesen. Das Objekt bezeugt eine eigenständige Verbindung von Zeichen und Namen im Kontakt mit westasiatischen Formen. Es bildet weder den Gerichtssaal noch die Sonnenbarke ab; die Bilddeutung beruht auf dem Objektkatalog, nicht auf einem frei erfundenen Szenenvergleich.

Eine heutige Vorstellung des Gerichts

Zwei Gestalten stehen sich in einer offenen Halle gegenüber; hinter ihnen sitzen Beratende, seitlich stehen ein Falken- und ein anderes Tierbanner.
Heutige KI-Interpretation des Herrschaftsstreits auf Papyrus Chester Beatty I. Die Halle, Kleidung und Banner sind freie Gestaltung und keine überlieferte Darstellung dieser Gerichtsszene. Eine Entscheidung ist im Bild noch nicht gefallen.

Was belegt welches Zeugnis?

Vergleiche Seths Satz über die Sonnenbarke mit dem Skarabäus und dem heutigen Gerichtsbild. Nur der Papyrustext enthält sein gesprochenes Schutzargument. Der Skarabäus ist ein historischer Gegenstand in einem anderen Bildfeld; die große Gerichtsszene ist eine moderne Illustration. Welche Aussage würdest du zurückziehen, wenn du nur eines der drei Zeugnisse hättest?

Die Frage verhindert eine einfache Held-gegen-Bösewicht-Lektüre, ohne die verletzenden Handlungen des Erzähltexts zu entschuldigen.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Gegner und Schutzanspruch
Seths Tat im Spruch und seine Barkenrede im Gerichtsverfahren.

Königszeichen und Seth-Baal
Getrennte Bildkontexte; weder Barke noch Gericht sind auf dem Skarabäus sichtbar.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Pyramidentexte der Pyramide Pepi I., hier Sprüche 477 und 482

Ausgewählte Anrufungen im königlichen Totenkontext; keine einheitliche Osiris-Biografie und keine Lektüre aller Sprüche.

Älterer funerärer Textbestand aus der Pyramide Pepi I.; die gelesene englische Ausgabe stammt von 2015.

Sprache: Altägyptisch

Erhaltener Textzeuge

Textzeuge in der Pyramide Pepi I., Sprüche 477 und 482

Königlicher Grabkontext der beiden ausgewählten Sprüche; die Inschriften selbst wurden nicht autoptisch gelesen.

Pyramide Pepi I.; keine Entstehungsdatierung sämtlicher Motive abgeleitet.

Sprache: Altägyptisch

Benutzte Ausgabe

James P. Allen: The Ancient Egyptian Pyramid Texts, 2. Auflage

Pepi I, Druck-S. 133–136: Kontext 474–476, vollständige Sprüche 477 und 482 sowie Anfang 483 gelesen; keine eigene Hieroglyphenübersetzung.

SBL Press 2015; Ausgabe und antiker Textzeuge sind getrennt.

Sprache: Englisch nach Altägyptisch

Überlieferter Text

Der Streit von Horus und Seth

Erzählung vom Herrschaftsstreit mit Briefen an Osiris und abschließender Entscheidung für Horus.

Ramessidischer Textzeuge; kein einheitliches Ursprungsdatum aller Horus-Seth-Konfliktmotive behauptet.

Sprache: Altägyptisch, hier ramessidische Erzählung in Hieratisch

Erhaltener Textzeuge

Papyrus Chester Beatty I: Der Streit von Horus und Seth

Der konkrete hieratische Papyrus ist der Textzeuge der hier ausgewerteten Erzählung; keine eigene Papyrusautopsie.

Ramessidenzeit; Zugehörigkeit zu einem vermuteten Manuskriptverbund ist kein gesicherter gemeinsamer Einzelfund.

Sprache: Ägyptisch in hieratischer Schrift

Benutzte Ausgabe

Alan H. Gardiner: The Contendings of Horus and Seth

Kapitel II, § 8, Druck-S. 13–26 vollständig gelesen. Zeitgebundene Werturteile im Kommentar werden nicht übernommen.

Edition und Übersetzung 1931; nicht das Alter des Papyrus.

Sprache: Englisch nach ägyptischem Hieratisch

Welche Zeit ist gemeint?

  • Pepi I, Spruch 477: älterer funerärer Seth-Beleg; hier Allens Übersetzung von 2015.
  • Papyrus Chester Beatty I: ramessidischer Gerichts- und Sonnenbarken-Kontext; Gardiners gelesene Ausgabe erschien 1931.
  • Seth-Baal-Skarabäus The Met 22.1.451: ramessidisch nach Museumskatalog.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Ägyptische funeräre und ramessidische Texte; königliche Namenszeichen und ramessidisches Kontaktobjekt gesondert
Verwendeter Ausschnitt
Pepi I, Spruch 477 nach Allen 2015; Papyrus Chester Beatty I nach Gardiner 1931; UCL zum königlichen Horusnamen; The Met 22.1.451.
  1. The Ancient Egyptian Pyramid Texts, second edition: Pepi I, Sprüche 477 und 482

    James P. Allen, Übersetzung und Edition; SBL Press · Ältere ägyptische Pyramidentexte aus der Pyramide Pepi I.; englische Ausgabe 2015

    Titelseite und Copyright der Ausgabe (PDF-S. 1–4), Pepi-I-Abschnitt Druck-S. 133–136 (PDF-S. 145–148) mit Kontext der Sprüche 474–476, vollständigem Spruch 477 und Spruch 482 gelesen; nur Anfang von 483 als Nachbarstelle. In 477 werden Osiris' Aufrichtung, Seths Tat, Horus und Thot sowie Isis und Nephthys getrennt verfolgt; in 482 königlicher Totenkontext, Isis/Nephthys-Klage und Horus' Handlung.

    Keine eigene Hieroglyphenübersetzung, kein Vergleich aller Pyramidentext-Zeugen, kein vollständiges Buch gelesen. Die Sprüche richten sich auf Pepi I. und sind keine fortlaufende Biografie des Osiris; ihre religiösen Aussagen werden nicht als historischer Ereignisbericht ausgegeben. Das PDF dient ausschließlich als Forschungsbeleg, nicht als nachgehostetes Publikumsmedium. Abgerufen am 2026-09-29.

  2. Papyrus Chester Beatty I: The Contendings of Horus and Seth, Übersetzung und Kommentar

    Ägyptische Erzählung auf Papyrus Chester Beatty I; Alan H. Gardiner, Edition und englische Übersetzung (1931); Chester Beatty Library, Digitalisat · Ägyptische Handschrift der Ramessidenzeit; Ausgabe 1931

    Digitalisierte Titelseite (PDF-S. 5), Herkunfts- und Datierungsabschnitt (PDF-S. 8), Einleitung zur Erzählung (PDF-S. 15–20) sowie die vollständige englische Übersetzung und Stellenkommentare in Kapitel II, § 8, Druck-S. 13–26 (PDF-S. 20–33) gelesen. Gericht und Neiths Brief, Isis' Gleichnis, Flusspferdkampf, gewaltsame und sexualisierte Episoden, Osiris-Brief und Schlussspruch einzeln verfolgt.

    Keine eigene Übersetzung der hieratischen Handschrift, keine vollständige Tafelautopsie, keine Prüfung aller 115 PDF-Seiten und keine Kollation moderner Ausgaben. Gardiners wertende, teils deutlich zeitgebundene Kommentare von 1931 werden nicht als heutiger Forschungsstand übernommen; Sexualgewalt und Verletzungen benötigen im Besuchertext einen angemessenen Inhaltshinweis. Die Erzählung ist ein konkreter ramessidischer Text, keine einheitliche ägyptische Urfassung. Abgerufen am 2026-09-29.

  3. Manuscripts from Deir el-Medina: Papyrus Chester Beatty 1 im Manuskriptverbund

    University College London, Digital Egypt for Universities · Institutionelle Digitalseite, 2003

    Vollständige öffentliche Seite mit Papyrusliste, Zuordnung der Erzählung zu Chester Beatty 1, vermutetem Manuskriptverbund, Bibliotheksgeschichte und ausdrücklich unsicherer gemeinsamer Fundherkunft gelesen.

    Kontextdarstellung und Bibliographie, keine Übersetzung der Erzählung. Die angenommene gemeinsame Herkunft der Gruppe wird nicht als für jedes Manuskript gesicherter Einzelfund ausgegeben. Abgerufen am 2026-09-29.

  4. The Horus name: Falke, Palastfassade und Königsname

    University College London, Digital Egypt for Universities · Institutionelle Digitalseite, 2001

    Vollständige öffentliche Seite gelesen: drei Bestandteile des Horusnamens, frühe Varianten ohne Falken, Peribsen mit Seth-Zeichen und Khasekhemwy mit Seth-Tier und Horus-Falken; Bildreferenzen UC 16175, UC 15800, UC 11270, UC 16084 und UC 11753 als Katalognachweise, nicht als übernommene Bilder.

    Kurzer institutioneller Überblick, keine eigene Lesung der abgebildeten Inschriften. Aus einer Königsnamensform keine lineare Geschichte vollständiger Horus-Seth-Versöhnung erschließen; die Rechte der UCL-Bilder wurden nicht zur Nachnutzung freigegeben. Abgerufen am 2026-09-30.

  5. The Met Objekt 565729: Skarabäus mit Seth-Baal auf einem Löwen

    The Metropolitan Museum of Art · Ramessidenzeit, etwa 1300–1080 v. Chr.; heutiger Sammlungskatalog

    The Met 22.1.451: kleiner Fayence-Skarabäus der Ramessidenzeit aus den Met-Grabungen in Lisht North. Der Katalog identifiziert die geflügelte Gestalt über Löwen als Seth-Baal und beschreibt die Verbindung mit dem vorderasiatischen Wettergott Baal. Objektangaben, Kontext, Datierung, API-Feld isPublicDomain und Hauptbildadresse geprüft.

    Seth-Baal ist eine kulturell verbundene Gestalt, nicht ein unveränderter Standardtyp jedes ägyptischen Seth-Bildes. Der Skarabäus illustriert weder die Gerichtsverhandlung auf Chester Beatty I noch Seths Schutzrolle an der Sonnenbarke. Das kleine Siegelmotiv ist nur mit Katalog und Vergrößerung sicher lesbar. Abgerufen am 2026-09-29.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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