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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Quirinus: Romulus bekommt einen neuen Namen

Ovid verbindet Quirinus mit Romulus und lässt mehrere Namenserklärungen nebeneinander stehen. Ciceros Balbus nennt dieselbe Gleichsetzung als Glaubensvorstellung. Ein von Augustus beanspruchter Tempel zeigt einen weiteren, öffentlichen Zugang.

3–4 Minuten Lesezeit

Drei Wege führen zum Namen

Am Quirinalfest nennt Ovid Quirinus den früheren Romulus. Den Namen erklärt er jedoch auf verschiedene Weise: über eine Bezeichnung für den Speer, über die Quiriten oder über die Stadt Cures. Die Vorschläge stehen nebeneinander. Die Identifikation im Gedicht ist klarer als die Herkunft des Namens.

Diese Offenheit gehört zur Figur. Ein ähnlicher Name, ein Ort und eine politische Gemeinschaft liefern unterschiedliche Anknüpfungen. Ovid bietet dem Publikum Möglichkeiten des Verstehens; er legt keine abschließend bewiesene Sprachgeschichte vor.

Ein Verschwinden braucht einen Zeugen

Mars bittet Jupiter darum, seinen Sohn zu sich nehmen zu dürfen. Beim Ziegensumpf verdunkelt ein Wetterereignis den Himmel; Romulus wird in die göttliche Welt versetzt. Die Erzählung verwandelt den Verlust des Herrschers in eine neue Gegenwart. Ovid weist den Verdacht eines Mordes durch Senatoren zurück, ohne damit einen unabhängigen historischen Beweis zu liefern.

Julius Proculus berichtet anschließend von einer Erscheinung. Der neue Quirinus ordnet seine Verehrung an und spricht über römische Kriegskunst. Der Bericht eines Vermittlers trägt die göttliche Rede in die Stadt. Erscheinung, Kultauftrag und politischer Anspruch sind miteinander verbunden, aber bleiben Aussagen dieser literarischen Fassung.

Auch die philosophische Rede braucht ihre Stimme

In Ciceros De natura deorum spricht der Stoiker Balbus über Menschen, die wegen ihrer Wohltaten als göttlich verehrt werden. Dabei nennt er Romulus, von dem man glaube, er sei derselbe wie Quirinus. Die Formulierung präsentiert eine Gleichsetzung als Teil einer Begründung göttlicher Verehrung.

Das ist ein zweiter Zugang, aber keine neutrale Entscheidung über sämtliche frühen Quirinuskulte. Balbus spricht im Streit verschiedener philosophischer Positionen. Das Museum verbindet die Zeugnisse über ihre benannte Beziehung; es erklärt deshalb nicht jede Quirinusverehrung automatisch zur Geschichte des Romulus.

Ein Tempel und ein Ofenfest sind andere Dinge

Augustus nennt in Kapitel 19 seines Leistungsberichts den Tempel des Quirinus unter den von ihm errichteten Bauten. Hier steht göttliche Verehrung in einem öffentlichen Bauprogramm. Der Anspruch des Herrschers ist eine eigene Quelle; die Aufzählung erzählt weder die gesamte Tempelgeschichte noch Romulus’ Himmelfahrt.

Neben dem Quirinusabschnitt behandelt Ovid Fornax, die Ofengöttin, und die Feiern der Kurien. Ihr Nachholtag erklärt, warum mehrere Feste im Kalender zusammenrücken. Eine Nachbarschaft im Kalender macht Fornax nicht zu einem weiteren Namen des Quirinus.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Drei Wege führen zum Namen
Fasti 2,475–511 im gelesenen Fenster 475–532

Ein Verschwinden braucht einen Zeugen
Fasti 2,475–511

Auch die philosophische Rede braucht ihre Stimme
De natura deorum II.62; Sprecherbestimmung II.1–4

Ein Tempel und ein Ofenfest sind andere Dinge
Res gestae 19; Fasti 2,512–532

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Fasti

Fasti 2.475–532: Quirinus und die benachbarte Fornaxerklärung bleiben verschiedene Kalenderabschnitte.

Antikes lateinisches Werk; die hier verwendete Auswahl belegt keine präzise Erstkomposition.

Sprache: Latein

Benutzte Ausgabe

Fasti 2,475–532: Quirinus und benachbartes Ofenfest

Romulus’ Vergöttlichung und mehrere Erklärungen des Quirinusnamens; der folgende Fornaxabschnitt bleibt eigenständig.

Antikes beziehungsweise spätantikes Werk; die historische Übersetzung und digitale Leseausgabe bilden eigene Zeitebenen.

Sprache: Englische Frazerübersetzung

Überlieferter Text

De natura deorum

De natura deorum II.62 mit Sprecherbestimmung II.1–4: Balbus’ als Glaubensvorstellung bezeichnete Romulus-Quirinus-Verbindung.

Antikes lateinisches Werk; die hier verwendete Auswahl belegt keine präzise Erstkomposition.

Sprache: Latein

Benutzte Ausgabe

Cicero De natura deorum – Rackham1933

Benutzte Online-Ausgabe, keine hier eigenständig kollationierten antiken Textzeugen. Lektüreumfang je Quelle dokumentiert.

1933.

Sprache: Englisch

Überlieferter Text

Res gestae divi Augusti

Nur Res gestae 19: der Quirinustempel im Bauanspruch des Augustus.

Antiker Leistungsbericht des Augustus; erhaltene Überlieferung von ursprünglichem Entstehungskontext unterscheiden.

Sprache: Latein

Benutzte Ausgabe

Res gestae 19: Bauten

Res gestae divi Augusti19 vollständig in der englischen historischen Loebübersetzung und im lateinischen Paralleltext gelesen; digitale Ausgabe LacusCurtius, Editionskopf1924. Keine vollständige Lektüre der übrigen Kapitel.

Antikes Werk, historische Übersetzung und digitale Leseausgabe bleiben verschiedene Ebenen.

Sprache: Englische Shipleyübersetzung 1924 und lateinischer Lesetext

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Ovids eigene Vergöttlichungsfassung, Balbus’ philosophische Begründung und Augustus’ Bauanspruch.
Verwendeter Ausschnitt
Die auf dieser Seite benannten Werkfenster: Fasti 2.475–532: Quirinus und die benachbarte Fornaxerklärung bleiben verschiedene Kalenderabschnitte.; De natura deorum II.62 mit Sprecherbestimmung II.1–4: Balbus’ als Glaubensvorstellung bezeichnete Romulus-Quirinus-Verbindung.; Nur Res gestae 19: der Quirinustempel im Bauanspruch des Augustus.
  1. Ovid: Quirinus, Romulus und ein benachbartes Ofenfest

    Ovid; englische Übersetzung James G. Frazer; digitale Leseausgabe Theoi · Antikes Kalendergedicht; historische Frazerübersetzung, digitale Leseausgabe.

    Fasti 2,475–532: das vollständige zusammenhängende Fenster in James G. Frazers englischer Übersetzung auf Theoi gelesen; alle Absätze im Werkzeug ausgegeben.

    Nur dieses benannte Textfenster. Keine vollständige Buchlektüre, lateinische Gegenlese, gelesene Fußnotenkommentierung, Handschriftenkollation oder eigene Objektprüfung. Literarische Erklärungen und Etymologiealternativen sind keine unabhängig bewiesenen Ursprünge. Abgerufen am 2026-10-01.

  2. De natura deorum II: Balbus über Jupiter und griechische Göttergeschichten

    Cicero; englische Übersetzung H. Rackham, Loeb Classical Library 1933; LacusCurtius

    II.60–72 vollständig gelesen, insbesondere 63–66 und 70–72; Dialogkontext und Sprecher Balbus in II.1–4 geprüft, weitere Anfangspassagen bis 16 gelesen. Editionsangaben überprüft.

    Stoische Position des Dialogsprechers Balbus, keine pauschale Lehre Ciceros oder aller Römer. Antike Namendeutungen nicht als moderne sprachwissenschaftliche Etymologien übernommen. Keine Volllektüre des Gesamtwerks. Abgerufen am 2026-09-26.

  3. Augustus: Tempelbauten als Leistungsbericht

    Augustus; englische Übersetzung Frederick W. Shipley, Loeb1924; digitale Ausgabe LacusCurtius · Antiker Leistungsbericht; historische Übersetzung1924

    Res gestae divi Augusti19 vollständig in der englischen historischen Loebübersetzung und im lateinischen Paralleltext gelesen; digitale Ausgabe LacusCurtius, Editionskopf1924. Keine vollständige Lektüre der übrigen Kapitel.

    Herrscherliche Selbstdarstellung, keine neutrale Ereignischronik. Die digitale Seite enthält eine größere Textmenge und editorische Noten, die nicht vollständig gelesen wurden. Keine epigraphische Autopsie oder griechische Kollation. Abgerufen am 2026-10-01.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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