Die ausgelöste Handlung
In Pseudo-Apollodors Bibliotheke verspricht Minos, einen von Poseidon gesandten Stier zu opfern, behält ihn aber. Poseidon bewirkt daraufhin Pasiphaes Begehren nach dem Tier. Daidalos fertigt eine hölzerne Kuh als Hilfsmittel. Aus der Verbindung geht der Minotauros hervor, für den ein Labyrinth gebaut wird.
Die Handlung beginnt in dieser Quelle mit Minos’ Bruch einer Opferpflicht und dem Eingriff eines Gottes. Pasiphae ist betroffen und handelt innerhalb der Erzählung, doch der Text verteilt Ursache und Macht nicht allein auf sie.
Daidalos und die spätere Rahmung
Diodor erzählt Daidalos’ Kunstfertigkeit und seine Hilfe für Pasiphae in einem Abschnitt über den Erfinder. Dadurch rückt der technische Einfall in den Vordergrund, während Pasiphae zur Station in einer Daidalos-Biografie wird.
In Ovids fiktivem Brief an Hippolytos erinnert Phaidra an ihre Mutter und deren Stiergeschichte, um eigenes Begehren als Schicksal der Familie zu deuten. Das ist eine werbende Selbstdeutung der Tochter in römischer Dichtung, nicht Pasiphaes eigene Stimme.
Ein Glasfragment aus der Zeit des Symbolismus
César-Isidore-Henry Cros gestaltete zwischen 1891 und 1907 ein Pâte-de-verre-Fragment. Eine Frau im Profil streckt den Arm zum Kopf eines Stiers. Das Met benennt das Motiv „Pasiphae schmückt den Stier mit Blumen“. Einzelne Blumen sind in der Gesamtaufnahme schwer zu erkennen; die Benennung folgt dem Katalog.
Das Glasbild aus der Zeit um 1900 ist eine eigene Kunstdeutung. Es darf weder als antikes Bild Pasiphaes noch als Beweis für das Aussehen des mythischen Geschehens erscheinen.
Pasiphae in einer Kunstdeutung um 1900

Wer erzählt über wen?
Die Bibliotheke schildert einen göttlich ausgelösten Konflikt; Diodor interessiert sich für Daidalos; Ovid lässt die Tochter auf Pasiphae zurückblicken. In keiner dieser gelesenen Passagen legt Pasiphae selbst Rechenschaft ab.
Gerade diese Leerstelle ist für das Profil wichtig. Ein heutiger Text kann ihren Handlungsspielraum benennen, aber keine unbelegte innere Biografie erfinden.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Bibliotheke des Pseudo-Apollodor
Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.
Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Bibliotheke 3,1,4 nach Frazer: Minos, Pasiphae und Daidalos
Poseidons Stier, Pasiphae, hölzerne Kuh und Labyrinth.
Historische englische Übersetzung; genutzter Stellenumfang in der Quellenquittung begrenzt.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Bibliotheke historike
Diodor, Bibliotheke 4,76–77 in Oldfathers historischer Übersetzung: Pasiphaes Episode innerhalb der Erfinder- und Fluchtberichte über Daidalos. Der Euhemeros-Auszug aus Buch VI ist nicht das Lesefenster dieser Seite.
Antikes Geschichtswerk Diodors; hier Buch IV.
Sprache: Griechisch
Benutzte Ausgabe
Diodor 4,76–77 nach Oldfather: Daidalos und Pasiphae
Daidalos’ Erfindungen, Hilfe für Pasiphae und Fluchtvarianten.
Historische englische Übersetzung; genutzter Stellenumfang in der Quellenquittung begrenzt.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Ovid: Heroides
Phaidras und Ariadnes literarische Rollenreden.
Römische fiktive Briefe; hier Briefe 4 und 10.
Sprache: Latein
Benutzte Ausgabe
Heroides 4 nach Showerman: Phaidra an Hippolytos
Fiktiver Brief als werbende Phaidra-Perspektive.
Historische englische Übersetzung; genutzter Stellenumfang in der Quellenquittung begrenzt.
Sprache: Englisch nach Latein
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Begrenzte griechische und römische Textfassungen, datierte Museumsobjekte und getrennte archäologische Befunde
- Verwendeter Ausschnitt
- Epitome 1 und einschlägige Stellen aus Odyssee, Tragödie und weiteren benannten Fassungen; keine historische Gesamtbiografie.
- Pseudo-Apollodor, Bibliotheke 3,1,4 und 3,15,8: Daidalos in Kreta und Athen
Pseudo-Apollodor; englische Uebersetzung James G. Frazer, Theoi Classical Texts · Antike Mythographie; historische englische Uebersetzung
Bibliotheke 3,1,4 und 3,15,8 gelesen: hoelzerne Kuh, Labyrinth, Talos als Neffe und Schueler, Toetung aus Konkurrenzangst, Prozess und Flucht nach Kreta.
Mythographische Zusammenstellung, keine geschlossene zeitgenoessische Biographie. Im langen Seitenarchiv gelten ausschliesslich die genannten Abschnitte als gelesen. Abgerufen am 2026-09-29.
- Diodor, Bibliotheke 4,76-77: Daidalos und zwei Fluchtversionen
Diodoros Sikulos; englische Uebersetzung C. H. Oldfather, Theoi Classical Texts · Antikes Geschichtswerk; historische englische Uebersetzung
Bibliotheke 4,76,1-7 und 4,77,1-9 gelesen: Handwerk und Bildwerke, Eifersucht und Toetung des Talos, Hilfe fuer Pasiphae, Labyrinth sowie nebeneinander erzaehlte Schiff- und Fluegelflucht mit Ikaros' Tod.
Diodor markiert selbst Varianten; die Schiffsfassung darf nicht als blosse Ausschmueckung der Fluegelfassung ausgegeben werden. Alte Uebersetzung, keine moderne Textkritik. Abgerufen am 2026-09-29.
- Ovid, Heroides 4, Phaidra an Hippolytos
Ovid, englische Übersetzung Grant Showerman · Römische Dichtung; historische englische Übersetzung
Heroides 4,1–175 ist eine fiktive Briefrede Phaidras an Hippolytos: Sie rechtfertigt ihr Begehren, verweist auf Pasiphae und Ariadne als Familiengeschichte, behauptet Theseus' Vernachlässigung und bittet Hippolytos um Erwiderung.
Ovid gibt einer literarischen Figur eine absichtlich werbende Ich-Stimme. Die Behauptungen über Theseus, Pasiphae und Ariadne sind Teil der Figurenperspektive und nicht unabhängige Tatsachenberichte. Abgerufen am 2026-09-29.
- The Met Objekt 195144: Pasiphae schmückt den Stier
The Metropolitan Museum of Art · Französisches Glasobjekt 1891–1907; heutiger Sammlungskatalog
Met 24.131.1: César-Isidore-Henry Cros zeigt Pasiphae, die die Hörner eines Stiers mit Blumen schmückt. Pâte-de-verre-Fragment aus Frankreich, 1891–1907, im Kontext symbolistischer Kunst. API-Eintrag und Public-Domain-Hauptbild einzeln geprüft.
Späte Symbolistenkunst, keine bronzezeitliche Darstellung und keine unmittelbare Illustration Pseudo-Apollodors; Motiv nicht als historische Handlung Pasiphaes lesen. Abgerufen am 2026-09-29.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-17. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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