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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Loreley: Wie ein Gedicht nach alter Sage klingt

Eine Frau vor dem Bischof, eine Sängerin über dem Rhein: Brentano und Heine erzählen verschieden. Zwei Buchseiten zeigen, warum „alte Zeiten“ noch kein Herkunftsnachweis sind.

6–7 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Ein altes Märchen auf einer datierten Seite

Auf Seite 178 steht „Ein Mährchen aus alten Zeiten“. Gleich darüber: die nüchterne Nummer II. Du liest einen Text Heinrich Heines im Buch der Lieder von 1827. Das Gedicht war nach Auskunft des Heinrich-Heine-Instituts schon 1824 in der Zeitschrift Der Gesellschafter erschienen. „Alte Zeiten“ gehört zur Stimme im Gedicht; es ist keine bibliografische Altersangabe.

Der Unterschied lohnt sich: Eine Geschichte kann vertraut und sehr alt klingen, obwohl sich ihre literarische Gestaltung genau benennen lässt. Bei der Loreley lässt sich dieser Vorgang an verschiedenen Texten beobachten.

Lies den Altersanspruch im Druck

Vergilbte Druckseite 178 mit der Nummer II und den ersten vier Strophen von Heines Loreley-Gedicht in Fraktur.
Heinrich Heine, Buch der Lieder, Hoffmann und Campe, Hamburg 1827, S.178: Die Heimkehr II. Gemeinfreier Buchscan, über Wikimedia Commons; Herkunft dort: Heinrich-Heine-Portal. Original unverändert, WebP-Fassungen proportional verkleinert. Bildnachweis Bildlizenz

Brentanos Lore Lay kann selbst sprechen

Vor Heine gestaltet Clemens Brentano die Lore Lay in seinem Roman Godwi. Hartwig Schultz ordnet die Ballade der Veröffentlichung von 1801 zu. Für die folgende Lektüre verwenden wir die frühe Fassung der Bibliotheca Augustana, die auf Schultz’ Gedichtausgabe von 1995 verweist.

Dort ist Lore Lay eine schöne Frau aus Bacharach, deren Wirkung auf andere ihr selbst unerträglich wird. Ein Liebhaber hat sie verlassen. Vor dem Bischof fordert sie den Tod; er ist selbst von ihr ergriffen und schickt sie stattdessen ins Kloster. Drei Ritter begleiten sie. Am Felsen glaubt sie ihren Geliebten in einem Schiff zu erkennen, beugt sich hinab und stürzt in den Rhein.

Die Ritter können nicht wieder hinunter und sterben ebenfalls. Den Schluss bilden ein singender Schiffer, der dreifache Ruf ihres Namens und eine Anmerkung zum Echo. Diese Lore Lay hat eine eigene Rede, einen Konflikt und einen Weg zum Felsen. Das unterscheidet sie von einer Figur, die nur oben sitzt und Schiffe verführt.

Schon bei Brentano verändert sich das Ende

Die Bibliotheca Augustana bietet zusätzlich eine spätere, dort unter 1802 geführte Fassung namens Lureley. Am Schluss sitzt nun der Bischof im Kahn; ein Priester singt das Lied. Der Tod der drei Ritter aus der früheren Fassung wird hier nicht erzählt.

Das sind Alternativen im Text, keine zusätzlichen Ereignisse derselben Lebensgeschichte. Wer beide Fassungen zusammenzieht, erfindet einen Verlauf, den keine von ihnen so bietet. Die angegebenen Jahre und Editionsverweise stammen hier aus dem Textportal; eine Handschrift oder ein Brentano-Erstdruck wurde dafür nicht selbst untersucht.

Bei Heine sehen wir mit dem Schiffer nach oben

Heines sechs Strophen beginnen mit einem traurigen Ich. Dann öffnet sich die Abendlandschaft: Rhein, Berg, eine Frau mit goldenem Schmuck und Haar. Sie kämmt sich und singt. Der Schiffer schaut nach oben und achtet nicht auf die Felsenriffe.

Brentanos Gespräch mit dem Bischof, die Klosterreise und die drei Ritter fehlen. Auch die Frau selbst erhält keine direkte Rede. Am Ende sagt der Sprecher „Ich glaube“ und erzählt vom Untergang des Schiffers und seines Kahns. Erst jetzt fällt der Name Lore-Ley. Diese Perspektive macht aus der leidenden und sprechenden Figur eine ferne Erscheinung, deren Wirkung ein anderer schildert.

Wo das Gedicht endet

Druckseite 179: oben die letzten zwei Loreley-Strophen, darunter ein Trennstrich und der Beginn von Gedicht III.
Fortsetzung auf S.179: Oberhalb des Strichs endet Die Heimkehr II. Darunter beginnt bereits ein anderes Gedicht. Gemeinfreier Buchscan über Wikimedia Commons, Herkunft dort: Heinrich-Heine-Portal. Original unverändert, WebP-Fassungen proportional verkleinert. Bildnachweis Bildlizenz

Der Rhein ist real – die Szene ist gestaltet

Das Foto zeigt die Loreley von einem Aussichtspunkt nahe Biebernheim im Jahr 2016. Straßen, Bahn und Campingplatz gehören zu diesem Landschaftsblick. Auf der Aufnahme sitzt keine Gedichtfigur. Gerade diese Trennung macht den Ort interessant: Ein wirklicher Felsen kann zum Schauplatz sehr verschiedener literarischer Bilder werden.

Schultz beschreibt, wie der Name eines Echo-Felsens Brentano zur Figur anregte. Später verbreitete sich Heines Text auch in musikalischer Form. Ein konkretes Zeugnis dafür bewahrt das Heinrich-Heine-Institut: einen historischen Musikautomaten mit einer Lochschallplatte der Silcher-Vertonung. Text, Ortsname, Aussicht und Musik bilden verschiedene Wege, auf denen die Loreley vertraut werden kann.

Ein Landschaftsblick von 2016

Blick über eine Rheinschleife zum bewaldeten Loreley-Felsen; am Ufer Straßen, Bahn und ein Campingplatz.
Blick nahe Biebernheim über den Rhein zur Loreley, 17. August 2016. Foto: Milseburg / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Die Aufnahme zeigt eine heutige Landschaft, keine Szene aus Brentanos oder Heines Gedicht. Original unverändert; proportionale WebP-Fassungen unter derselben Lizenz. Bildnachweis Bildlizenz

Drei Fragen statt einer scheinbar vollständigen Sage

Wer spricht? Welche Fassung liegt vor? Welches Datum gehört zum Druck oder zur Aufnahme? Probiere diese Fragen an den beiden Buchseiten und dem Foto aus. Das Alter des Felsens, die erzählte Zeit und die Geschichte eines Gedichts beantworten verschiedene Fragen. Aus einem alten Ortsnamen folgt noch keine ebenso alte Biografie der Frau, die später seinen Namen trägt.

Die Figur in ihren Quellen

Lore Lay bei Brentano

Werkbezogene literarische Gestalt. Mit der anderen Autorenfigur über Rezeption verbunden, aber keine gemeinsame historische Biografie. Nicht mit dem realen Felsen oder jeder späteren Loreley-Gestaltung identisch.

Frühe Balladenfassung
Selbstrede, Bischof, Klosterweg, drei Ritter, Sturz und Echo; benutzte digitale Ausgabe.

Spätere Lureley-Fassung
Abweichender Schluss mit Bischof im Kahn und singendem Priester, keine Ergänzung der früheren Handlung.

Die Figur in ihren Quellen

Lore-Ley bei Heine

Werkbezogene literarische Gestalt. Mit der anderen Autorenfigur über Rezeption verbunden, aber keine gemeinsame historische Biografie. Nicht mit dem realen Felsen oder jeder späteren Loreley-Gestaltung identisch.

Die Heimkehr II
Figur im sechsstrophigen Gedicht; goldener Schmuck, Kämmen und Gesang, vermittelt durch einen Sprecher.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Zu Bacharach am Rheine / Lore Lay: Brentanos Ballade

Literarische Ballade mit verschiedenen Fassungen, nicht die Biografie einer historisch bezeugten Rheinbewohnerin.

Godwi-Veröffentlichung 1801 nach Schultz; Entstehungsangaben der benutzten digitalen Fassungen separat geführt.

Sprache: Deutsch

Benutzte Ausgabe

Brentanos frühe Lore-Lay-Fassung in der Bibliotheca Augustana

Benutzte digitale Textfassung: drei Ritter sterben am Felsen; am Ende singt ein Schiffer, ein dreifacher Ruf und eine Echo-Anmerkung folgen. Kein selbst untersuchtes Manuskript oder Erstdruckexemplar hinterlegt.

Im Portal unter 1800 geführt, mit Editionsverweis Schultz 1995.

Sprache: Deutsch

Benutzte Ausgabe

Brentanos spätere Lureley-Fassung in der Bibliotheca Augustana

Benutzte digitale Textfassung: der Bischof sitzt im Kahn; ein Priester singt am Schluss. Von der frühen Fassung getrennt, ohne Autopsie der zugrunde liegenden Druckausgabe.

Im Portal unter 1802 geführt, mit Editionsverweis Frühwald 1968.

Sprache: Deutsch

Überlieferter Text

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten: Heines Loreley-Gedicht

Sechsstrophiges Gedicht; Die Heimkehr II im Buch der Lieder. Ein Sprecher erzählt eine Rhein-Szene und benennt die Lore-Ley erst am Schluss.

Zeitschriftenerstdruck 1824 laut Heinrich-Heine-Institut; hier Buchfassung 1827.

Sprache: Deutsch

Erhaltener Textzeuge

Heine, Buch der Lieder, Hamburg 1827, S.178–179

Zwei digitale Reproduktionen der Druckseiten visuell gelesen. Herkunft laut Commons: Heinrich-Heine-Portal; kein physisches Exemplar selbst untersucht.

Druck 1827, Verlag Hoffmann und Campe.

Sprache: Deutsch

Benutzte Ausgabe

Wikisource-Transkription der Heine-Buchfassung von 1827

Alle sechs Strophen gelesen und mit den beiden Scans verglichen. Gedicht III unter dem Strich auf S.179 ist ausgeschlossen.

Digitale Transkription, abgerufen 27.09.2026; nicht das historische Publikationsdatum.

Sprache: Deutsch

Welche Zeit ist gemeint?

  • Godwi-Veröffentlichung nach Hartwig Schultz: 1801.
  • Heines Gedicht im Gesellschafter laut Heine-Institut: 1824.
  • Hier betrachtete Heine-Buchseiten: 1827.
  • Landschaftsfoto nahe Biebernheim: 17. August 2016.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Benannte literarische Loreley-Gestaltungen bei Clemens Brentano und Heinrich Heine
Verwendeter Ausschnitt
Frühe und spätere Brentano-Fassung in der Bibliotheca Augustana; Heine, Die Heimkehr II, Buch der Lieder 1827, S.178–179.
  1. Zu Bacharach am Rheine: frühe Fassung in der Bibliotheca Augustana

    Clemens Brentano; digitale Vermittlung Bibliotheca Augustana

    Die gesamte 26-strophige Ballade und ihre Echo-Anmerkung im Abschnitt Zu Bacharach am Rheine gelesen, einschließlich Editionsverweis Schultz 1995 und Datierung 1800.

    Nur diese Ballade, nicht alle Gedichte der Seite gelesen. Digitale Wiedergabe, keine Autopsie des Godwi-Erstdrucks oder der gedruckten Ausgabe Schultz 1995. Die Datierung des Portals ist von einer selbst geprüften Entstehungsdatierung zu unterscheiden. Abgerufen am 2026-09-27.

  2. Lureley: spätere Fassung in der Bibliotheca Augustana

    Clemens Brentano; digitale Vermittlung Bibliotheca Augustana

    Die gesamte unter Lureley stehende Fassung einschließlich Schluss mit Bischof im Kahn und singendem Priester gelesen; Editionsverweis Frühwald 1968 und Portaldatierung 1802 erfasst.

    Keine eigenständige Prüfung der Handschrift, des Erstabdrucks oder der gedruckten Edition Frühwald 1968. Einige Apostrophstellen sind im Portal als Fragezeichen wiedergegeben; keine diplomatische Abschrift beansprucht. Andere Gedichte der Seite nicht ausgewertet. Abgerufen am 2026-09-27.

  3. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten: Die Heimkehr II, Buch der Lieder 1827, S.178–179

    Heinrich Heine; digitale Transkription Wikisource

    Alle sechs Strophen in der Transkription gelesen und mit den separat archivierten Bildern der Druckseiten 178 und 179 visuell verglichen.

    Nur dieses Gedicht, nicht das gesamte Buch der Lieder. Die Ausgabe 1827 ist nicht der Zeitschriftenerstdruck von 1824. Nachfolgendes Gedicht III auf S.179 nicht Teil des Dossiers. Abgerufen am 2026-09-27.

  4. Clemens Brentano: biografische Einordnung der Lore-Lay-Ballade

    Hartwig Schultz / LVR, Portal Rheinische Geschichte

    Biografischen Haupttext einschließlich der Absätze zu Godwi, Lore Lay, Echo und Heine gelesen; Autoren-, Publikations- und Änderungsangabe erfasst.

    Die verlinkten Werke und Literaturtitel nicht selbst gelesen. Verwendet wird die begrenzte Einordnung von Roman, literarischer Erfindung und Rheinromantik, nicht eine Gesamtgeschichte aller Loreley-Überlieferungen. Abgerufen am 2026-09-27.

  5. Heine-Ausstellung: Loreley-Erstdruck und Musikautomat

    Heinrich-Heine-Institut / Landeshauptstadt Düsseldorf

    Abschnitt Schenkung des Schwäbischen Chorverbandes gelesen: Erstdruck 1824 im Gesellschafter, Musikautomat und Silcher-Vertonung.

    Kein Besuch oder Autopsie des Automaten, keine Tonaufnahme untersucht. Zeitabhängige Öffnungs- und Ausstellungshinweise werden nicht übernommen. Abgerufen am 2026-09-27.

  6. Loreley von Nordwesten: Landschaftsfoto vom 17. August 2016

    Milseburg / Wikimedia Commons

    Dateibeschreibung, Datum, Urheber, Abmessungen und ausdrückliche CC-BY-SA-4.0-Lizenz gelesen; Originalfoto tatsächlich betrachtet.

    Gegenwärtiger Landschaftsblick vom Aussichtspunkt nahe Biebernheim, keine Rekonstruktion einer Gedichtszene oder Beleg einer Sagengestalt. Kamerastandort nicht mit Felsposition gleichgesetzt. Abgerufen am 2026-09-27.

  7. Buch der Lieder, Hamburg 1827, S.178: Reproduktion

    Heinrich Heine; Hoffmann und Campe; Scan laut Commons aus dem Heinrich-Heine-Portal

    Bibliografische Beschreibung, Herkunftsangabe, Gemeinfreiheitsvermerk und Originalbild geprüft; erste vier Strophen und Nummer II im Scan gelesen.

    Digitale Reproduktion, keine Buchautopsie. Commons nennt als Herkunft das frühere Heinrich-Heine-Portal; keine eigene Prüfung des dortigen Exemplarnachweises. Abgerufen am 2026-09-27.

  8. Buch der Lieder, Hamburg 1827, S.179: Reproduktion

    Heinrich Heine; Hoffmann und Campe; Scan laut Commons aus dem Heinrich-Heine-Portal

    Bibliografische Beschreibung, Herkunftsangabe, Gemeinfreiheitsvermerk und Originalbild geprüft; letzte zwei Strophen oberhalb des Trennstrichs im Scan gelesen.

    Unter dem Trennstrich beginnt ein anderes Gedicht, Nummer III. Dieses wird nicht der Loreley zugerechnet. Keine physische Buchautopsie oder erneute Exemplarrecherche. Abgerufen am 2026-09-27.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-27. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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