Ein Name in einer gemeinsamen Stimme
Kleio steht in der Theogonie an erster Stelle der neun namentlich genannten Töchter von Zeus und Mnemosyne. Die Musen singen dort gemeinsam von Göttern und Menschen. Kleio bekommt keinen eigenen Geschichtsauftrag und keine besondere Szene.
Pausanias überliefert am Helikon eine andere, ältere Dreiergruppe mit den Namen Übung, Erinnerung und Gesang. Seine Erzählung macht sichtbar, dass Musenzahl und Namen nicht in jeder lokalen Tradition dieselben waren.
Diodors Ruhm ist noch kein modernes Geschichtsfach
Diodor erklärt Kleios Namen mit dem Ruhm, den das Lob eines Dichters den Besungenen verschafft. Eine solche Erinnerung kann vergangene Taten bewahren. Seine Stelle ordnet Kleio aber nicht mit einem eigenen Lehrbuch der Geschichtswissenschaft aus.
Die bekannte Bezeichnung „Muse der Geschichte“ ist als spätere Rezeptionsschicht verständlich; sie darf Diodors Aussage nicht ersetzen.
Die Trompete von 1674
Claude Lorrains Zeichnung zeigt die Musen in einer Landschaft. Das Met erkennt Kleio an der Trompete links im Figurenkreis: Sie soll den Ruhm der geschilderten Personen weithin hörbar machen. Dieser Bildcode gehört zur neuzeitlichen Darstellung.
Die feine Trompete ist in kleinen Ansichten kaum aufzulösen. Daher erklärt der Bildtext die Katalogdeutung, statt sie als unmittelbar sichtbaren Beweis auszugeben.
Historisches Bildzeugnis zu Kleio

Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Ein Name in einer gemeinsamen Stimme
Theogonie 53–79; Pausanias 9,29,2–4
Diodors Ruhm ist noch kein modernes Geschichtsfach
Diodor 4,7,3–4
Die Trompete von 1674
Met 61.59, Objektbeschreibung und Bild
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Hesiod: Theogonie
Genealogisches Gedicht. Die einzelnen Editionskarten nennen die tatsächlich gelesenen Stellen; das Gesamtwerk ist hier nicht vollständig ausgewertet.
Werkebene; hier keine exakte Entstehungsdatierung festgelegt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Theogonie 53–103 nach Evelyn-White: die neun Musen
Mnemosyne, neun namentlich benannte Töchter und der gemeinsame Gesang; Kalliope wird mit der Rede der Herrscher verbunden.
Historische Übersetzung 1914
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Pausanias: Beschreibung Griechenlands
Werkebene der Beschreibung Griechenlands. Die einzelnen Museumseiten nennen ihre tatsächlich gelesenen Ausschnitte in den zugehörigen Ausgabenkarten; daraus folgt keine vollständige Erschließung des Werks.
Werkebene; hier kein exaktes Entstehungsjahr festgelegt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Pausanias 9,29–30 nach Jones: Musen am Helikon
Dreier- und Neunergruppen, Musenstatuen, Uranias lokaler Sohn Linus und Pausanias' Gegenposition zu Kalliopes Orpheus-Mutterschaft.
Historische Übersetzung
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Diodor: Bibliotheke historike, Buch IV, Musenpassage
Quellengebundene Teilidentität des Werks für die Musenpassage; ein anderer bereits freigegebener Werkdatensatz umfasst separat das indirekt überlieferte Fragment aus Buch VI.
Antikes Geschichtswerk; dieser Arbeitsdatensatz umfasst nur 4,7,1–4.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Diodor 4,7,1–4 nach Oldfather: Namen und Zahl der Musen
Antike Zusammenstellung von Zahl- und Elternvarianten, Künsten und neun Namenserklärungen; kein festes neunfaches Fachschema.
Historische Übersetzung 1935
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Griechische Dichtung, lokaler Reisebericht und datierte Bildrezeption; begrenzte Quellenfenster
- Verwendeter Ausschnitt
- Hesiods Musenpassage; spätere Varianten und Bilder sind gesondert kenntlich.
- Theogonie 53–103: Geburt, Namen und gemeinsame Rede der neun Musen
Hesiod zugeschriebene Theogonie; englische Übersetzung H. G. Evelyn-White · Antike Dichtung; historische englische Übersetzung 1914
53–67: Zeus und Mnemosyne, gemeinsamer Gesang und die Wirkung der Musen; 75–79: neun Namen und Kalliope als hervorgehobene Muse; 80–103: Rede der Herrscher und Trost durch Sänger. Keine eigene Fachliste für die übrigen acht Musen.
Eine historische Übersetzung, keine vollständige altgriechische Textkollation. Die neun Namen dürfen nicht rückwirkend als Hesiods feste Liste von neun Künsten ausgegeben werden; Kalliope wird mit Rede der Herrscher verbunden, nicht allein auf spätere Ependichtung festgelegt. Abgerufen am 2026-09-29.
- Pausanias 9,29–30: Musen am Helikon und verschiedene Gruppen
Pausanias, Beschreibung Griechenlands; englische Übersetzung W. H. S. Jones · Antiker Reisebericht; historische englische Übersetzung
9,29,1–4: Helikon, drei ältere Namen Melete, Mneme, Aoede und berichtete Einführung von neun Musen; 9,29,6: Urania als Mutter des Linus in lokaler Überlieferung; 9,30,1: mehrere Musenstatuen; 9,30,4: Pausanias bestreitet Kalliopes Mutterschaft bei Orpheus zugunsten einer Tochter des Pieros.
Pausanias berichtet örtliche Traditionen und eigene Urteile. Seine Abfolge ist kein Beweis für die tatsächliche Einführung der Neunergruppe durch Pieros; er beschreibt die Statuen nicht mit individuellen Attributen. Abgerufen am 2026-09-29.
- Diodor 4,7,1–4: Zahl, Herkunft und Namensdeutungen der Musen
Diodoros Sikeliotes; englische Übersetzung C. H. Oldfather, Loeb Classical Library, auf LacusCurtius · Antike historische Kompilation; englische Übersetzung 1935
4,7,1–2: konkurrierende Eltern- und Zahlentraditionen; 4,7,3: verschiedenartige Künste werden den Musen zugeordnet, ohne eine feste Eins-zu-eins-Tabelle; 4,7,4: Diodors antike Erklärungen der neun Namen von Kleio bis Kalliope.
Antike Etymologien sind Diodors Deutungsangebot und keine gesicherte moderne Wortgeschichte. Die Namenserklärungen setzen weder einzelne Handlungen noch ein starres Fach für jede Muse fest. Die historische englische Übersetzung wird nur knapp paraphrasiert. Abgerufen am 2026-09-29.
- Claude Lorrain, Landschaft mit Apollon und den Musen, Met 61.59
The Metropolitan Museum of Art; Zeichnung von Claude Lorrain · Zeichnung 1674; heutiger Sammlungskatalog
Met-Objektseite und API: Claude Lorrains Zeichnung von 1674, Inventar 61.59, Public Domain und API-Flag. Met identifiziert anhand der Attribute links Terpsichore und Kleio sowie rechts Kalliope und Thalia; die anderen Gestalten sind im Katalog nicht einzeln benannt.
Neuzeitliche Rezeption; weder antikes Bild noch Beweis für Hesiods individuelle Fachzuteilung. Die vier Katalogidentifikationen werden als Katalogdeutung und nur nach tatsächlicher Bildsichtung verwendet. Abgerufen am 2026-09-29.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-29. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
Eine Korrektur oder ein kulturelles Anliegen melden · Bitte den Titel oder die Seitenadresse nennen.
