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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Klabautermann: Wer hört ihn an Bord?

Temmes Aufzeichnung und Heines erzähltes Gespräch verbinden Hilfe, Geräusche und drohenden Untergang auf unterschiedliche Weise.

4–5 Minuten Lesezeit

Geräusche werden als Hilfe gedeutet

Im Schiff poltert es, Ladung wird nachgestaut, Planken werden bearbeitet. Temmes Aufzeichnung nennt den kleinen Geist Kalfater oder Klabatermann und verbindet seinen Namen mit dem Abdichten des Schiffs. Er weckt den schlafenden Schiffer bei Gefahr und erleichtert den Matrosen die Arbeit. Die Tätigkeiten gehören zur erzählten Ordnung an Bord; sie sind kein unabhängiger Nachweis eines übernatürlichen Schiffsbewohners.

Auch ein Helfer kann quälen

Die Matrosen bemühen sich um ein gutes Verhältnis und stellen Essen hin. Wer als fleißig gilt, bekommt Hilfe; andere werden gezwickt und gequält. Beim Wechsel auf ein anderes Schiff kann ein Zeichen die günstige Aufnahme durch dessen Klabatermann vermitteln. Der Text spricht somit von mehreren schiffsgebundenen Gestalten, nicht von einem einzigen Reisenden durch alle Schiffe.

Nachlesen: [1] S. 300–301

Die Sammlung lässt ihre Varianten nebeneinander

Zunächst soll das Sehen des Geistes den Tod ankündigen. Später wird aber auch eine Möglichkeit genannt, ihn ohne Gefahr zu sehen. Zuerst verlässt er das nicht mehr zu rettende Schiff; andere Erzählende erklären dagegen, ein Schiff mit einem solchen Helfer könne nie untergehen. Diese Behauptungen werden durch Formulierungen wie manche oder einige markiert. Eine Zusammenfassung muss sie als Varianten erhalten.

Auch sein Aussehen wechselt: Kleidung mit roter Jacke und rundem Hut steht neben Nacktheit. Eine weitere Erklärung verbindet ihn mit der Seele eines vor der Taufe gestorbenen Kindes und dem im Schiff verbauten Holz eines Baums. Das ist eine überlieferte religiöse Vorstellung, keine Tatsachenbehauptung über verstorbene Kinder.

Nachlesen: [1] S. 301–302

Bei Heine erzählt der Steuermann

Der literarische Erzähler fragt nach dem Klabotermann. Der Steuermann erklärt Geräusche im Schiffsraum als dessen Arbeit. Hämmern außen soll den Zimmermann auf eine Schadstelle hinweisen; am Bramsegel verbindet sich die Gestalt mit gutem Wind. Im schlimmsten Fall werde sie am Steuer sichtbar. Gerade diesen Untergangsfall hat der Steuermann nach eigener Aussage nicht selbst erlebt, sondern von anderen gehört.

Der Kapitän setzt einen anderen Akzent

Der zuhörende Kapitän lächelt. Später erzählt er vom angeblich stärkeren Glauben vor fünfzig oder hundert Jahren und von einem eigenen Gedeck mit Speisen für den Geist. Solche Zeitabstände in einer Figurenrede werden nicht in einen gesicherten Erstbeleg des achtzehnten Jahrhunderts umgerechnet. Heines vermittelndes Erzählen ist selbst Teil des literarischen Zugangs.

Nachlesen: [2] S. 68

Ein Erzähltyp mit getrennten Textprofilen

Temmes Sammlungseintrag und Heines Gespräch teilen Arbeit, Warnung und gefährliche Sichtbarkeit als Motive. Sie sprechen aber mit verschiedenen Stimmen und lösen die Einzelheiten unterschiedlich. Das Profil ordnet deshalb zwei Textfenster eines maritimen Erzähltyps. Es erfindet keine gemeinsame Lebensgeschichte und setzt den Klabautermann nicht mit dem fliegenden Holländer gleich.

Wer weiß was?

Heines Fenster steht im Zweiten Theil der Reisebilder von 1827; der Prosateil trägt die Jahresangabe 1826. Eine neue Ganzlektüre des Buchs wird daraus nicht behauptet.

StimmeArt der AussageGrenze
Temmes SammlerstimmeBerichtet mündliche Varianten aus PommernGewährsleute und Aufnahmezeit werden im Eintrag nicht einzeln genannt.
Heines ErzählerFragt und gibt Gespräche wiederLiterarische Vermittlung statt ungefiltertes Seemannsprotokoll.
SteuermannErklärt Geräusche und erzählt vom UntergangHat den äußersten Sichtungsfall nicht selbst erlebt.
KapitänBerichtet lächelnd über frühere Stärke des Glaubens und SpeisegedeckeZeitabstände sind berichtete Erinnerung, kein geprüfter Erstbeleg.

Die Figur in ihren Quellen

Klabautermann

Maritimer Erzähltyp mit getrennten Temme-/Heine-Profilen; keine einzige Person auf allen Schiffen und keine automatische Verbindung zum fliegenden Holländer.

Kalfater oder Klabatermann
Temme 1840, Nr. 253, S. 300–302, vollständig mit Schlussvarianten.

Klabotermann
Heine 1827, S. 65–68: getrennte literarisch vermittelte Stimmen, keine neue Ganzlektüre.

Weitere Rollen in den gelesenen Quellen (7)

Die Einträge gehören jeweils zum benannten Textfenster. Gleiche Namen werden dadurch nicht zu einer gemeinsamen Biografie.

Temmes Sammlerstimme

Ordnet Varianten, ohne einzelne Gewährsleute zu nennen.

Schlussangabe Mündlich · Quellenangabe

Schiffer und Matrosen

Verschiedene Funktionsrollen: werden gewarnt, erhalten Hilfe, geben Speisen und versuchen sich zu retten.

S. 300–302 · Quellenangabe

Verstorbene Kinder

Eine Gruppe in einer ausdrücklich als manche behaupten markierten Herkunftsvariante; keine belegte Biografie.

S. 302 · Quellenangabe

Heines Erzähler

Fragt und vermittelt das Gespräch als Literatur.

S. 65–68 · Quellenangabe

Steuermann

Erklärt Geräusche und berichtet über einen selbst nicht erlebten Extremfall.

S. 66–68 · Quellenangabe

Kapitän

Lächelt und berichtet über Speisegedecke und vergangene Stärke des Glaubens.

S. 68 · Quellenangabe

Zimmermann

Erhält in der Erklärung des Steuermanns durch Hämmern einen Reparaturhinweis.

S. 67 · Quellenangabe

Gruppe im Quellenbezug

Getrennte maritime Erzählstimmen

Redaktioneller Referenzsatz für unterscheidbare Stimmen und Funktionsgruppen; kein einzelner Akteur und keine Aliasgleichsetzung.

Sammler, Erzähler, Steuermann, Kapitän, Mannschaft
Nur die ausdrücklich bezeichneten gelesenen Fenster.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Der Kalfater oder Klabatermann

Ein ausgewählter vollständiger Sammlungstext mit nebeneinanderstehenden Varianten.

1840, Nr. 253 in Die Volkssagen von Pommern und Rügen

Sprache: Deutsch

Überlieferter Text

Die Nordsee, Dritte Abtheilung

Begrenztes Klabotermann-Fenster im literarischen Prosatext; keine neue Ganzlektüre.

Mit 1826 bezeichnet; im gelesenen Titelnachweis Reisebilder Zweiter Theil 1827

Sprache: Deutsch

Welche Zeit ist gemeint?

  • Heine: Reisebilder, Zweiter Theil, 1827; der Prosateil ist mit 1826 bezeichnet.
  • Temme: Sammlungseintrag 1840.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Maritimer Erzähltyp in Temmes Sammlung und einem literarisch vermittelten Gespräch Heines.
Verwendeter Ausschnitt
Temme 1840, Nr. 253, S. 300–302 vollständig; Heine, Reisebilder 1827, S. 65–68 als getrenntes Fenster. Keine gemeinsame Schiffsbiografie.
  1. Der Kalfater oder Klabatermann

    Jodocus Donatus Hubertus Temme, Die Volkssagen von Pommern und Rügen, 1840

    Nr. 253, S. 300–302 vollständig einschließlich Schlussvarianten und Angabe Mündlich gelesen.

    Sammleredition mit unbenannten mündlichen Gewährsleuten; kein Schiffslogbuch oder lückenloser historischer Verbreitungsnachweis. Abgerufen am 2026-10-16.

  2. Klabotermann im Gespräch bei Heine

    Heinrich Heine, Reisebilder, Zweiter Theil, Hamburg: Hoffmann und Campe, 1827

    Die Nordsee, 1826, Dritte Abtheilung, S. 65–68: zusammenhängendes Klabotermann-Fenster und Titeldaten in bereits gelieferter Webantwort gelesen.

    Nur das bezeichnete Klabotermann-Fenster und die Titeldaten, nicht das ganze Buch. Erzähler, Steuermann und Kapitän bleiben literarisch vermittelte Stimmen. Der Textzugang ist als begrenzter digitaler Ausschnitt dokumentiert. Abgerufen am 2026-10-16.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-16. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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