Geräusche werden als Hilfe gedeutet
Im Schiff poltert es, Ladung wird nachgestaut, Planken werden bearbeitet. Temmes Aufzeichnung nennt den kleinen Geist Kalfater oder Klabatermann und verbindet seinen Namen mit dem Abdichten des Schiffs. Er weckt den schlafenden Schiffer bei Gefahr und erleichtert den Matrosen die Arbeit. Die Tätigkeiten gehören zur erzählten Ordnung an Bord; sie sind kein unabhängiger Nachweis eines übernatürlichen Schiffsbewohners.
Auch ein Helfer kann quälen
Die Matrosen bemühen sich um ein gutes Verhältnis und stellen Essen hin. Wer als fleißig gilt, bekommt Hilfe; andere werden gezwickt und gequält. Beim Wechsel auf ein anderes Schiff kann ein Zeichen die günstige Aufnahme durch dessen Klabatermann vermitteln. Der Text spricht somit von mehreren schiffsgebundenen Gestalten, nicht von einem einzigen Reisenden durch alle Schiffe.
Die Sammlung lässt ihre Varianten nebeneinander
Zunächst soll das Sehen des Geistes den Tod ankündigen. Später wird aber auch eine Möglichkeit genannt, ihn ohne Gefahr zu sehen. Zuerst verlässt er das nicht mehr zu rettende Schiff; andere Erzählende erklären dagegen, ein Schiff mit einem solchen Helfer könne nie untergehen. Diese Behauptungen werden durch Formulierungen wie manche oder einige markiert. Eine Zusammenfassung muss sie als Varianten erhalten.
Auch sein Aussehen wechselt: Kleidung mit roter Jacke und rundem Hut steht neben Nacktheit. Eine weitere Erklärung verbindet ihn mit der Seele eines vor der Taufe gestorbenen Kindes und dem im Schiff verbauten Holz eines Baums. Das ist eine überlieferte religiöse Vorstellung, keine Tatsachenbehauptung über verstorbene Kinder.
Bei Heine erzählt der Steuermann
Der literarische Erzähler fragt nach dem Klabotermann. Der Steuermann erklärt Geräusche im Schiffsraum als dessen Arbeit. Hämmern außen soll den Zimmermann auf eine Schadstelle hinweisen; am Bramsegel verbindet sich die Gestalt mit gutem Wind. Im schlimmsten Fall werde sie am Steuer sichtbar. Gerade diesen Untergangsfall hat der Steuermann nach eigener Aussage nicht selbst erlebt, sondern von anderen gehört.
Der Kapitän setzt einen anderen Akzent
Der zuhörende Kapitän lächelt. Später erzählt er vom angeblich stärkeren Glauben vor fünfzig oder hundert Jahren und von einem eigenen Gedeck mit Speisen für den Geist. Solche Zeitabstände in einer Figurenrede werden nicht in einen gesicherten Erstbeleg des achtzehnten Jahrhunderts umgerechnet. Heines vermittelndes Erzählen ist selbst Teil des literarischen Zugangs.
Ein Erzähltyp mit getrennten Textprofilen
Temmes Sammlungseintrag und Heines Gespräch teilen Arbeit, Warnung und gefährliche Sichtbarkeit als Motive. Sie sprechen aber mit verschiedenen Stimmen und lösen die Einzelheiten unterschiedlich. Das Profil ordnet deshalb zwei Textfenster eines maritimen Erzähltyps. Es erfindet keine gemeinsame Lebensgeschichte und setzt den Klabautermann nicht mit dem fliegenden Holländer gleich.
Wer weiß was?
Heines Fenster steht im Zweiten Theil der Reisebilder von 1827; der Prosateil trägt die Jahresangabe 1826. Eine neue Ganzlektüre des Buchs wird daraus nicht behauptet.
| Stimme | Art der Aussage | Grenze |
|---|---|---|
| Temmes Sammlerstimme | Berichtet mündliche Varianten aus Pommern | Gewährsleute und Aufnahmezeit werden im Eintrag nicht einzeln genannt. |
| Heines Erzähler | Fragt und gibt Gespräche wieder | Literarische Vermittlung statt ungefiltertes Seemannsprotokoll. |
| Steuermann | Erklärt Geräusche und erzählt vom Untergang | Hat den äußersten Sichtungsfall nicht selbst erlebt. |
| Kapitän | Berichtet lächelnd über frühere Stärke des Glaubens und Speisegedecke | Zeitabstände sind berichtete Erinnerung, kein geprüfter Erstbeleg. |
Die Figur in ihren Quellen
Klabautermann
Maritimer Erzähltyp mit getrennten Temme-/Heine-Profilen; keine einzige Person auf allen Schiffen und keine automatische Verbindung zum fliegenden Holländer.
Kalfater oder Klabatermann
Temme 1840, Nr. 253, S. 300–302, vollständig mit Schlussvarianten.
Klabotermann
Heine 1827, S. 65–68: getrennte literarisch vermittelte Stimmen, keine neue Ganzlektüre.
Weitere Rollen in den gelesenen Quellen (7)
Die Einträge gehören jeweils zum benannten Textfenster. Gleiche Namen werden dadurch nicht zu einer gemeinsamen Biografie.
- Temmes Sammlerstimme
Ordnet Varianten, ohne einzelne Gewährsleute zu nennen.
Schlussangabe Mündlich · Quellenangabe
- Schiffer und Matrosen
Verschiedene Funktionsrollen: werden gewarnt, erhalten Hilfe, geben Speisen und versuchen sich zu retten.
S. 300–302 · Quellenangabe
- Verstorbene Kinder
Eine Gruppe in einer ausdrücklich als manche behaupten markierten Herkunftsvariante; keine belegte Biografie.
S. 302 · Quellenangabe
- Heines Erzähler
Fragt und vermittelt das Gespräch als Literatur.
S. 65–68 · Quellenangabe
- Steuermann
Erklärt Geräusche und berichtet über einen selbst nicht erlebten Extremfall.
S. 66–68 · Quellenangabe
- Kapitän
Lächelt und berichtet über Speisegedecke und vergangene Stärke des Glaubens.
S. 68 · Quellenangabe
- Zimmermann
Erhält in der Erklärung des Steuermanns durch Hämmern einen Reparaturhinweis.
S. 67 · Quellenangabe
Gruppe im Quellenbezug
Getrennte maritime Erzählstimmen
Redaktioneller Referenzsatz für unterscheidbare Stimmen und Funktionsgruppen; kein einzelner Akteur und keine Aliasgleichsetzung.
Sammler, Erzähler, Steuermann, Kapitän, Mannschaft
Nur die ausdrücklich bezeichneten gelesenen Fenster.
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Der Kalfater oder Klabatermann
Ein ausgewählter vollständiger Sammlungstext mit nebeneinanderstehenden Varianten.
1840, Nr. 253 in Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Sprache: Deutsch
Überlieferter Text
Die Nordsee, Dritte Abtheilung
Begrenztes Klabotermann-Fenster im literarischen Prosatext; keine neue Ganzlektüre.
Mit 1826 bezeichnet; im gelesenen Titelnachweis Reisebilder Zweiter Theil 1827
Sprache: Deutsch
Welche Zeit ist gemeint?
- Heine: Reisebilder, Zweiter Theil, 1827; der Prosateil ist mit 1826 bezeichnet.
- Temme: Sammlungseintrag 1840.
Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Maritimer Erzähltyp in Temmes Sammlung und einem literarisch vermittelten Gespräch Heines.
- Verwendeter Ausschnitt
- Temme 1840, Nr. 253, S. 300–302 vollständig; Heine, Reisebilder 1827, S. 65–68 als getrenntes Fenster. Keine gemeinsame Schiffsbiografie.
- Der Kalfater oder Klabatermann
Jodocus Donatus Hubertus Temme, Die Volkssagen von Pommern und Rügen, 1840
Nr. 253, S. 300–302 vollständig einschließlich Schlussvarianten und Angabe Mündlich gelesen.
Sammleredition mit unbenannten mündlichen Gewährsleuten; kein Schiffslogbuch oder lückenloser historischer Verbreitungsnachweis. Abgerufen am 2026-10-16.
- Klabotermann im Gespräch bei Heine
Heinrich Heine, Reisebilder, Zweiter Theil, Hamburg: Hoffmann und Campe, 1827
Die Nordsee, 1826, Dritte Abtheilung, S. 65–68: zusammenhängendes Klabotermann-Fenster und Titeldaten in bereits gelieferter Webantwort gelesen.
Nur das bezeichnete Klabotermann-Fenster und die Titeldaten, nicht das ganze Buch. Erzähler, Steuermann und Kapitän bleiben literarisch vermittelte Stimmen. Der Textzugang ist als begrenzter digitaler Ausschnitt dokumentiert. Abgerufen am 2026-10-16.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-16. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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