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MythaneumDas Museum der Mythologien

Figur

Hypsipyle: eine Herrscherin verliert den Schutz

Hypsipyle führt auf Lemnos eine Frauenversammlung und rettet ihren Vater. Die Bibliotheke führt sie später als versklavte Kinderpflegerin in eine andere Katastrophe.

4 Minuten Lesezeit

Lemnos muss seine Zukunft selbst beraten

Die Argonautika setzen die Begegnung mit der Argo nach einer Gewalttat an: Die Frauen von Lemnos haben die Männer getötet. Hypsipyle hat allein ihren Vater Thoas gerettet. Nun übernimmt sie dessen Rüstung und steht an der Spitze einer Gemeinschaft, die selbst Landwirtschaft und Verteidigung tragen muss.

Als die Fremden erscheinen, beruft sie die Frauen zur Beratung. Zuerst schlägt sie vor, Speise und Wein zu liefern, die Männer aber draußen zu halten. Die ältere Polyxo stellt eine andere Frage: Wer wird später die alternden Frauen schützen, und wie kann die Gemeinschaft ohne Kinder fortbestehen? Die Versammlung beschließt die Aufnahme. Hypsipyles Herrschaft zeigt sich hier in Beratung und Entscheidung, bevor Iason ihr persönlicher Gast wird.

Gastlichkeit beruht auf einer verborgenen Tat

Hypsipyle erzählt Iason, die Männer lebten mit thrakischen Frauen außerhalb der Stadt. Das verschweigt die Tötung. Sie bietet ihm die Vorrechte ihres Vaters an; er lässt die Herrschaft bei ihr und verweist auf das Ziel seiner Fahrt. Die ausgedehnte Gastlichkeit hält die Mannschaft dennoch lange auf Lemnos fest.

Beim Abschied stellt sie ihm die Insel und ihr Zepter für die Zukunft in Aussicht, zweifelt aber an seiner Rückkehr. Sie fragt, was sie tun solle, falls sie Mutter werde. Iason bittet, einen möglichen Sohn später nach Iolkos zu schicken, damit er seinen Eltern beistehen könne. Die Bibliotheke nennt dagegen bereits zwei geborene Söhne, Euneus und Nebrophonos. Diese Angaben stammen aus verschiedenen Erzählschritten und werden nicht dem Abschiedsgespräch untergeschoben.

Die Rettung des Vaters hat andere Folgen

Apollonios lässt Hypsipyle Thoas in einer Truhe ins Meer bringen; die Rettung führt ihn zu einer anderen Insel. Die Bibliotheke beschreibt im Lemnosabschnitt zunächst ein Versteck. Später, in der Geschichte der Sieben gegen Theben, wird diese Rettung entdeckt: Die Lemnierinnen töten Thoas und verkaufen Hypsipyle in die Sklaverei.

Ihre Handlung wird so nicht überall gleich abgeschlossen. Ein Text erzählt das Entkommen des Vaters, ein anderer den späteren Verlust und Hypsipyles eigene Entrechtung. Wer nur ihre Verbindung mit Iason betrachtet, würde diesen Wechsel von der Herrscherin zur abhängigen Frau übersehen.

Eine andere Reise trifft die Kinderpflegerin

In der Bibliotheke versorgt Hypsipyle im Haus von Lykurgos und Eurydike das Kind Opheltes. Als die Sieben gegen Theben nach Wasser fragen, zeigt sie ihnen eine Quelle und lässt den Jungen zurück. Eine Schlange tötet das Kind. Die Fremden töten die Schlange und bestatten ihn; Amphiaraos deutet den Tod als böses Vorzeichen und nennt ihn Archemoros. Die Erzählung verbindet das Begräbnis mit den Nemeischen Spielen.

Hypsipyle hat hier kein eigenes Reich mehr, sondern eine Aufgabe im fremden Haus. Ein Weg zu Wasser wird zum Ort des Verlusts. Diese konkrete Bibliothekefassung genügt, um ihr späteres Schicksal zu erschließen; eine Wiedervereinigung mit ihren Söhnen oder der ganze Bestand fragmentarischer Hypsipyle-Dramen wird aus ihr nicht erfunden.

Die Figur in ihren Quellen

Eine Gestalt, verschiedene Textrollen

Lemnos muss seine Zukunft selbst beraten
Argonautika 1,609–717

Gastlichkeit beruht auf einer verborgenen Tat
Argonautika 1,774–921; Bibliotheke 1.9.17

Die Rettung des Vaters hat andere Folgen
Argonautika 1,609–639; Bibliotheke 1.9.17; Bibliotheke 3.6.4

Eine andere Reise trifft die Kinderpflegerin
Bibliotheke 3.6.4

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Apollonios Rhodios: Argonautika

Erzählgedicht um die Argo und ihre Fahrt. Die benutzten historischen Übersetzungen nennen ihre tatsächlich gelesenen Fenster in eigenen Editionskarten; kein vollständig erschlossenes Gesamtwerk.

Hellenistische Dichtung; hier keine genaue Entstehungsdatierung

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Argonautika: Mannschaft, Führung und Lemnos

Benannte begrenzte Fenster der historischen englischen Übersetzung. Keine Volllektüre des Gesamtwerks oder eigene griechische Kollation.

1912; Buch 1,1–175, 306–362 und 609–921; zuletzt gelesener Absatz beginnt mit 910, nächster mit 922.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Überlieferter Text

Bibliotheke des Pseudo-Apollodor

Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.

Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.

Sprache: Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Bibliotheke: Fahrt und abweichende Folgen

Benannte begrenzte Fenster der historischen englischen Übersetzung. Keine Volllektüre des Gesamtwerks oder eigene griechische Kollation.

1921; Bibliotheke 1.9.16–17, 1.9.20 und 1.9.23–28.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Benutzte Ausgabe

Bibliotheke: Hypsipyle nach Lemnos und die Dioskuren

Benannte begrenzte Fenster der historischen englischen Übersetzung. Keine Volllektüre des Gesamtwerks oder eigene griechische Kollation.

1921; Bibliotheke 3.6.4, 3.10.7 und 3.11.2.

Sprache: Englisch nach Altgriechisch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Benannte griechische Erzählgedichte, Tragödie, Mythographie und Ortsberichte; Fassungen getrennt.
Verwendeter Ausschnitt
Argonautika 1,609–921; Bibliotheke 3.6.4.
  1. Argonautika: Mannschaft, Führung und Lemnos

    Apollonios von Rhodos; englische Übersetzung R. C. Seaton · 1912

    Buch 1,1–175, 306–362 und 609–921; zuletzt gelesener Absatz beginnt mit 910, nächster mit 922.

    Nur genannte zusammenhängende Absätze gelesen. Historische englische Übersetzung, keine Volllektüre oder griechische Kollation. Samothrakische Riten werden vom Text selbst nicht ausgeführt. Abgerufen am 2026-10-01.

  2. Bibliotheke: Fahrt und abweichende Folgen

    Pseudo-Apollodor; englische Übersetzung J. G. Frazer · 1921

    Bibliotheke 1.9.16–17, 1.9.20 und 1.9.23–28.

    Nur genannte Mythographiestellen. Keine Volllektüre der Bibliotheke, keine griechische Kollation und keine historische Ethnogenese aus den Medus-Aussagen abgeleitet. Abgerufen am 2026-10-01.

  3. Bibliotheke: Hypsipyle nach Lemnos und die Dioskuren

    Pseudo-Apollodor; englische Übersetzung J. G. Frazer · 1921

    Bibliotheke 3.6.4, 3.10.7 und 3.11.2.

    Nur drei englische Mythographiestellen, keine Volllektüre des dritten Buches oder Kollation. Spätere Hypsipyle-Fassungen und vollständiger Kultbestand bleiben offen. Abgerufen am 2026-10-01.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-01. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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