Artemis ehren, Aphrodite zurückweisen
Aphrodite stellt Hippolytos im Prolog des euripideischen Dramas als Sohn des Theseus und einer Amazone vor. Er verehrt Artemis auf der Jagd, meidet Ehe und lässt Aphrodite keine Ehre zukommen. Die Göttin deutet dies als Kränkung und plant seine Vernichtung.
Hippolytos’ Treue zu Artemis wird so nicht bestritten. Im Drama schützt sie ihn aber nicht automatisch vor den Ansprüchen einer anderen Gottheit oder vor den Folgen seines Umgangs mit Menschen.
Ein Versprechen hält Wissen zurück
Die Amme verrät Hippolytos Phaidras Begehren. Er weist es scharf zurück, hat aber zuvor einen Eid geleistet und sagt Theseus nicht, was er gehört hat. Phaidra stirbt und lässt eine Anklage zurück. Theseus liest sie als sichere Auskunft über seinen Sohn.
Der Wissenskonflikt ist entscheidend: Hippolytos kennt einen Teil der Wahrheit, Theseus glaubt ein schriftliches Zeugnis, Artemis kennt den göttlichen Plan. Der Vater spricht einen von Poseidon gewährten Fluch aus, bevor die Perspektiven zusammengeführt werden.
Zu spät erkannt
Ein Bote schildert Hippolytos’ Unfall am Meer. Erst danach erklärt Artemis Theseus die Täuschung. Vater und Sohn sprechen noch miteinander; Hippolytos nimmt die Entschuldigung an, aber der Schaden lässt sich nicht mehr rückgängig machen.
In der Epitome steht eine knappere Folge: Phaidra beschuldigt den fliehenden Hippolytos, Theseus ruft Poseidon an, und erst nach dem Tod des Sohnes wird ihre Geschichte öffentlich. Die Version ist mit der dramatischen Reihenfolge nicht deckungsgleich.
Troizen erinnert anders
Pausanias beschreibt in Troizen einen Hippolytos-Bezirk mit Priester und jährlichen Opfern. Junge Frauen sollen vor der Heirat eine Locke weihen. Zugleich berichtet er, dass die Troizenier eine Tötung durch die Pferde nicht gelten lassen und ein Grab zwar kennen, aber nicht zeigen.
Der lokale Kult zeigt, dass Hippolytos mehr war als eine Bühnenfigur. Seine Erinnerung darf dennoch nicht rückwirkend alle Szenen bei Euripides als örtlich bestätigte Ereignisse ausweisen.
Die Figur in ihren Quellen
Eine Gestalt, verschiedene Textrollen
Texte und ihre Zugänge
Werke, Fassungen und verwendete Zugänge
Überlieferter Text
Euripides: Hippolytos
Phaidra, Hippolytos und Theseus unter Aphrodites Racheplan.
Attische Tragödie des 5. Jahrhunderts v. Chr.; hier nur die benannte Fassung.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Hippolytos nach Coleridge/Rein/Nagy
Göttlicher Prolog, Phaidra, Amme, Anklage, Unfall und Enthüllung.
Historische englische Übersetzung; genutzter Stellenumfang in der Quellenquittung begrenzt.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Bibliotheke des Pseudo-Apollodor
Werkbezeichnung für die mythographische Sammlung. In diesem Museum sind nur ausgewählte Ausschnitte erschlossen; die einzelnen Editionsdatensätze benennen die tatsächlich gelesenen Stellen.
Antike mythographische Zusammenstellung; genaue Entstehungszeit und Autorschaft aus dieser Lektüre nicht bestimmt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Epitome 1 nach Frazer: Theseus, Ariadne und Hippolytos
Theseus’ Fahrt, Ariadnes Faden und abweichende Familienhandlungen.
Historische englische Übersetzung; genutzter Stellenumfang in der Quellenquittung begrenzt.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Überlieferter Text
Pausanias: Beschreibung Griechenlands
Werkebene der Beschreibung Griechenlands. Die einzelnen Museumseiten nennen ihre tatsächlich gelesenen Ausschnitte in den zugehörigen Ausgabenkarten; daraus folgt keine vollständige Erschließung des Werks.
Werkebene; hier kein exaktes Entstehungsjahr festgelegt.
Sprache: Altgriechisch
Benutzte Ausgabe
Pausanias 2,32 nach Jones: Troizen und Hippolytos
Hippolytos-Heiligtum, Haarweihe, Phaidras Erinnerungsorte.
Historische englische Übersetzung; genutzter Stellenumfang in der Quellenquittung begrenzt.
Sprache: Englisch nach Altgriechisch
Der Weg zum Beleg
Quellen und Einordnung
- Überlieferung
- Begrenzte griechische und römische Textfassungen, datierte Museumsobjekte und getrennte archäologische Befunde
- Verwendeter Ausschnitt
- Epitome 1 und einschlägige Stellen aus Odyssee, Tragödie und weiteren benannten Fassungen; keine historische Gesamtbiografie.
- Euripides, Hippolytos, Prolog und Handlung bis 1466
Euripides; englische Übersetzung E. P. Coleridge, revidiert von Mary Jane Rein und Gregory Nagy · Antikes Drama; online revidierte englische Übersetzung
Aphrodites Prolog 1–57 begründet die Rache für Hippolytos' ausschließliche Artemis-Verehrung. Phaidra nennt ihre Liebe der Amme; diese bricht Vertrauen, Hippolytos weist sie zurück. Phaidra stirbt und hinterlässt die Anklage, Theseus verflucht den Sohn, der Botenbericht schildert seinen Unfall. Artemis enthüllt die Täuschung, Hippolytos und Theseus sprechen zuletzt miteinander; ein troizenischer Brauch wird angekündigt.
Tragödie mit göttlichem Prolog und dramatischer Figurenrede, keine historische Tatsachenbeschreibung. Der Handlungsablauf unterscheidet sich von Pseudo-Apollodors Epitome 1,18–19; keine wörtliche Übernahme der neu revidierten Übersetzung. Abgerufen am 2026-09-29.
- Pseudo-Apollodor, Epitome 1,5–11 und 1,16–24
Pseudo-Apollodor, Bibliotheke Epitome, englische Übersetzung J. G. Frazer · Antike mythographische Zusammenstellung; historische englische Übersetzung
Epitome 1,5–11: Theseus' Wiedererkennung in Athen, unterschiedliche Angaben zur Teilnahme am Minotauros-Tribut, Ariadnes Ehebedingung und Daidalos' Wegauskunft, Faden, Heimfahrt, Segelirrtum und Athener Herrschaft. Epitome 1,16–19: Amazonenkrieg, Hippolytos' Abstammung, Ehe mit Phaidra und die Beschuldigung mit tödlichem Fluch; 1,23–24: Entführung Helenas, Hadesfahrt und Ende des Theseus.
Späte Kompilation nennt an mehreren Stellen Varianten. Epitome 1,18–19 unterscheidet sich im Zeitpunkt von Phaidras Tod und in der Übermittlung der Anklage von Euripides' Hippolytos. Kein Beleg für historische Lebensdaten. Abgerufen am 2026-09-29.
- Pausanias, Beschreibung Griechenlands 2,32,1–4
Pausanias, englische Übersetzung W. H. S. Jones · Antiker Reisebericht; historische englische Übersetzung
Pausanias 2,32,1–4 beschreibt den Hippolytos-Bezirk von Troizen, Priester, jährliche Opfer und Haarweihen, abweichende lokale Deutung seines Todes, Phaidras Blick vom Aphroditeheiligtum sowie benachbarte Gräber.
Pausanias verbindet beobachtete Orte und wiedergegebene lokale Überlieferung. Kultpraxis und Ortsdeutung sind nicht schlicht eine Bestätigung des euripideischen Dramas. Abgerufen am 2026-09-29.
Redaktion und Bearbeitungsstand
Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-30. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.
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