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MythaneumDas Museum der Mythologien

Exponat

Wieland: Wenn Können zur Gefangenschaft wird

Ein Gemälde von 1850 und Simrocks Dichtung von 1843 zeigen einen begabten Schmied, den ein König festhält. Seine Befreiung ist mit Gewalt gegen andere verbunden.

4–5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Ein konkretes Bild öffnet die Werkstatt

Links steht eine reich gekleidete Frau auf einem Felsabsatz. Rechts unten arbeitet ein sitzender Mann an einer dunklen, flügelartigen Form. Die Werkstatt liegt unter einem kleinen Dach, während die weite Landschaft hinter ihr offen bleibt. Das ist Moritz von Schwinds Wieland der Schmied von 1850: Öl auf Eichenholz, heute in der Sammlung Schack in München.

Das Museum bestimmt die Besucherin als Tochter des Königs, die einen zerbrochenen Ring reparieren lassen möchte. Der winzige Gegenstand lässt sich in der Gesamtansicht kaum sicher erkennen; seine Benennung stammt aus dem Katalog. Das Bild ist ein kontinentales Kunstzeugnis des 19. Jahrhunderts. Seine Felslandschaft beweist weder den Bau einer mittelalterlichen Schmiede noch den genauen Schauplatz eines älteren Liedes.

Schwinds Werkstattbild von 1850

Eine reich gekleidete Frau steht links auf einem Felsabsatz; rechts unten sitzt ein Mann in einer kleinen Werkstatt und hält eine dunkle flügelartige Form.
Moritz von Schwind, Wieland der Schmied, 1850. Öl auf Eichenholz, 53,3 × 38,8 cm. Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Sammlung Schack München, Inv. 11580. Der Katalog benennt den Ringbesuch vor der sexualisierten Gewalttat. Museumsdatei CC BY-SA 4.0; unverändert gespeichert, proportionale WebP ebenfalls unter dieser Lizenz. Bildnachweis Bildlizenz

Simrocks König will die Fertigkeit behalten

In den hier gelesenen Stellen heißt der König Neiding. Er lässt Wieland mit dessen eigenen Fesseln binden und die Sehnen an seinen Fußgelenken verletzen. Die Gewalt soll seine Flucht verhindern. Dass der Gefangene weiterhin mit den Armen arbeiten kann, wird am Hof sogar zum Anlass eines grausamen Scherzes.

Wielands handwerkliche Leistung und seine Unfreiheit gehören damit zusammen. Er besitzt das Wissen, kann aber über seinen Aufenthaltsort und die Bedingungen seiner Arbeit nicht verfügen. Die Werkstatt ist kein neutraler Ort des Erfindens: Der Herrscher eignet sich die Leistungsfähigkeit des Schmieds an.

Bathilde ist keine Belohnung für einen Meister

Schon vor der späteren Gewalttat versucht Wieland, Bathilde durch einen Liebestrank zu beeinflussen. Ein magisches Messer durchkreuzt die Täuschung. Diese Episode ist wichtig, weil der Text den Schmied nicht erst nach seiner Verstümmelung als jemanden zeigt, der andere Menschen seinem Willen unterwerfen möchte.

Als Bathilde später wegen des beschädigten Rings zu ihm kommt, vergewaltigt er sie. Der Text zeigt ihre Gegenwehr und seine Absicht, sich an ihrem Vater zu rächen. Danach wird ihre Schwangerschaft Teil seiner Vergeltungsrechnung. Das Leiden eines Gefangenen rechtfertigt keine sexuelle Gewalt gegen eine andere Person. Auch die im historischen Erzählen verwendete Sprache der weiblichen „Schande“ übernehmen wir nicht als Urteil über Bathilde.

Die Flucht braucht Hilfe und enthält Verrat

Wielands Bruder Eigel beschafft Federn. Der Schmied baut daraus ein Fluggewand. Bei einem Probeflug gibt er Eigel absichtlich eine falsche Anweisung für die Landung, weil er fürchtet, der Bruder könnte ihn verlassen. Eigel stürzt ab, überlebt aber. Eine Erfindung macht ihren Erfinder hier nicht automatisch zu einem verlässlichen Helfer.

Später unterstützt Eigel die Flucht dennoch. Ein vereinbarter Schuss auf eine Blutblase täuscht den König. Wieland hat zuvor einen Eid zum Schutz seines Bruders und der Nachkommen verlangt. Die technische List ist in ein Netz aus erzwungenem Dienst, Hilfe, Misstrauen und familiären Bindungen eingebaut; sie ist keine historische Flugbauanleitung.

Nachlesen: [2] S. 189–202

Diese Fassung nimmt eine überraschende Wendung

Wieland enthüllt dem König, dass er dessen Söhne getötet und ihre Überreste zu Gefäßen verarbeitet hat. Simrocks Schluss lässt die Tat jedoch nicht als endgültigen Zustand stehen: Helferich setzt die beiden Söhne aus den Überresten wieder zusammen und bringt sie ins Leben zurück. Weil beim älteren Sohn ein Knochen fehlt, bleibt dessen Wiederherstellung unvollständig. Der jüngere Otwin wird später König.

Diese märchenhafte Rücknahme der Tode gehört ausdrücklich zu diesem Druck. Sie hebt weder die erzählte Tötungsabsicht noch Bathildes Vergewaltigung auf. Wer die Wiederbelebung fortlässt, erzählt Simrocks Ende falsch; wer aus ihr eine allgemeine Heilung aller Gewaltfolgen macht, geht über den Text hinaus.

Erst jetzt folgt der nordische Vergleich

Die Vǫlundarkviða zeigt ebenfalls einen gefangenen Schmied, einen beschädigten Ring, getötete Königssöhne und sexualisierte Gewalt gegen die Königstochter Bǫðvildr. Dort benennt ihr abschließender eigener Bericht die fehlende Möglichkeit, sich zu widersetzen. Sie erhält deshalb im nordischen Profil eine eigene Stimme.

Die Flugtechnik wird in den erhaltenen Gedichtstrophen nicht erklärt. Simrocks ausführliches Federgewand darf diese Lücke nicht rückwirkend schließen. Ebenso wird seine Wiederbelebung der Königssöhne nicht in das nordische Lied übertragen. Der Vergleich betrifft ausgewählte Handlungen und das Motiv des angeeigneten Handwerks; die beiden Figurenprofile bleiben getrennt.

Dein Blick auf die Quellen

Wer verfügt über Wielands Können, und wessen Leid verschwindet, wenn seine Geschichte nur als technische Meisterleistung erzählt wird?

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Benutzte Ausgabe

Wieland der Schmied, ausgewählte Stellen des Drucks Cotta 1843

Auswahl S. 151–159, 165–167, 173–180 und 189–204 einschließlich Schluss gelesen. Nicht der gesamte Band oder jede Episode des Wieland-Gedichts.

Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1843.

Sprache: Deutsch

Benutzte Ausgabe

Vǫlundarkviða in Pettits zweisprachiger Ausgabe 2023

Gedruckte S. 341–364: Einleitung, Prosarahmen, 41 Strophen, Variantenapparat und Übersetzungsanmerkungen.

Edition 2023, kein Datum der erzählten Handlung.

Sprache: Altnordischer Text mit englischer Übersetzung

Überlieferter Text

Vǫlundarkviða

Lied über Schwanenfrauen, Vǫlundrs Gefangennahme, erzwungene Schmiedearbeit, Gewalt und Flucht; vollständig in Codex Regius überliefert.

Mittelalterlich überliefert; Entstehungszeit und Verhältnis der Prosastücke zu den Versen offen.

Sprache: Altnordisch

Überlieferter Text

Das Amelungenlied, Erster Theil

Eigenständige literarische Gestaltung. Nur die bezeichneten Wieland-Stellen, nicht der gesamte Band, gelesen.

Gelesener Druck von 1843.

Sprache: Deutsch

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Wieland in Simrocks kontinentaler Dichtung und Schwinds späterem Gemälde; erst danach nordischer Vergleich.
Verwendeter Ausschnitt
Simrock 1843, ausgewählte Seiten 151–159, 165–167, 173–180 und 189–204; Schwind 1850 als eigenes Bildzeugnis; ausgewählte Pettit-Strophen und Anmerkungen.
  1. Moritz von Schwind: Wieland der Schmied, 1850, Inv. 11580

    Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Sammlung Schack München

    Ganzen Objekteintrag und Lizenz gelesen; bereitgestelltes Museumsbild und beide WebP tatsächlich betrachtet. Öl auf Eichenholz, 53,3 × 38,8 cm, Erwerb 1863.

    Kontinentales Gemälde des 19. Jahrhunderts, keine mittelalterliche Werkstattaufnahme. Ring und Episode nach Museumskatalog, winziges Objekt nicht unabhängig sicher erkannt. Keine sichere direkte Illustration exakt des Simrock-Drucks behauptet. Abgerufen am 2026-10-16.

  2. Wieland der Schmied im Amelungenlied I, gelesener Druck 1843

    Karl Simrock, Das Amelungenlied. Erster Theil, Cotta, Stuttgart und Tübingen 1843

    Titelblatt PDF 7 und Widmung PDF 9 betrachtet. Vollständig gelesene Auswahl: Druckseiten 151–159, 165–167, 173–180 und 189–204 (PDF jeweils +10). S. 165–167 außerdem als native Seitenbilder gelesen. Schluss mit Wiederbelebung auf S. 203–204 gelesen.

    Keine Gesamtlektüre des 484-seitigen Bands, des ganzen Wieland-Gedichts oder der Abschnitte Wittich und Ecken Ausfahrt. Früher abgeschnittene Textausgaben nicht als lückenlose Lektüre beansprucht. 1843 ist das Jahr dieses Drucks, kein behauptetes Entstehungsdatum des ganzen Stoffs. Elfweiß’ und Bathildes Wittich getrennt; Flugtechnik nicht in Vǫlundarkviða übertragen. Abgerufen am 2026-10-16.

  3. Vǫlundarkviða: Gefangenschaft, Schmiedearbeit und Rache

    Vǫlundarkviða; Edward Pettit, zweisprachige Edition 2023

    Vollständiger Kapitelausschnitt der Edition, gedruckte S. 341–364/PDF 358–381 durchgelesen. Einundzwanzig Original-PDF-Seiten 358–363 und 367–381 tatsächlich visuell betrachtet, einschließlich Gedicht, Prosa, Kommentar und Apparat. Strophen 5, 10–11, 17–29 und 34–41 eigens geprüft.

    Die Prosa kann jünger als die Verse sein. Prosavorrede zählt sieben gemeinsame Jahre, Vers 3 einen Aufbruch im neunten. Strophe 28 und 41 zeigen sexualisierte Gewalt; eine romantische oder moralisch gerechtfertigte Rache ist keine Quellenaussage. Das Gedicht erklärt die Flugtechnik nicht. Pettits Übersetzungsanmerkungen 59–80 auf Druckseite 364/PDF 381 wurden ebenfalls visuell gelesen; Anm. 61 belässt die Flugtechnik offen, Anm. 79 benennt Bǫðvildrs Vergewaltigung ausdrücklich. Abgerufen am 2026-09-28.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-16. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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