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MythaneumDas Museum der Mythologien

Exponat

Viele Fassungen und kein Urtext

Adapa begegnet uns auf sumerischen und akkadischen Tafeln aus verschiedenen Orten und Zeiten. Eine Quellenkarte zeigt, was erhalten ist, was eine Edition zusammenfügt und weshalb Ähnlichkeit noch keinen Stammbaum der Texte ergibt.

5–6 Minuten Lesezeit

Drei Ebenen statt einer einzigen Geschichte

Eine Tafel ist ein Textzeuge: ein bestimmter erhaltener Träger mit Fundort, Schrift und Lücken. Eine Fassung ist die Gestalt, in der eine Erzählung in einem Textzusammenhang vorliegt. Eine moderne Edition ordnet, ergänzt und manchmal kombiniert mehrere Zeugen, damit sie lesbar werden. Diese Ebenen sind bei Adapa besonders leicht zu verwechseln.

CDLI zeigt einen sumerischen altbabylonischen Verbundtext und nennt dafür drei einzelne Zeugen. Eine akkadische Tafel aus Amarna überliefert eine andere, mittelbabylonische Textgestalt. eBL erschließt daneben eine spätere standardbabylonische Fassung aus mehreren Fragmenten. Die gleiche Figur und verwandte Szenen verbinden das Material; die Karten unten behaupten damit noch keine Abschriftenkette.

Die Quellenkarte: erhaltene Träger und vorsichtige Verbindungen

Die drei Karten folgen ungefähr der Zeit der erhaltenen Träger, nicht einer bewiesenen Entwicklung der Erzählung. Die kleine Tafelzeichnung am Rand ist eine heutige, abstrakte Illustration ohne abgeschriebene Keilschrift. Die gestrichelten Linien zeigen nur, dass der Stoff zwischen den Zeugnisgruppen vergleichbar ist.

Jede Karte nennt erhaltene Zeugnisse. Gestrichelte Linien markieren verwandten Stoff, keine nachgewiesene Abschrift oder Herkunftsrichtung.

  1. Drei Einzelzeugen · editorischer Verbund

    Sumerischer Adapa-Komposittext

    Altbabylonische Träger, ungefähr 1900–1600 v. Chr.

    CDLI Q002295/P480325 fügt Lesungen zu einem Überblick zusammen. Der Verbund ist keine vierte Tafel. Seine Annotation ist als unreviewed markiert; die öffentliche Partitur ordnet derzeit keine der drei Einzeltafeln Zeile für Zeile zu.

    Fundort: Nippur: P343313; Me-Turran: P355730 und P508604

    CDLI-Verbund und Einzelkataloge

  2. Ein einzelner Textzeuge

    Akkadische Amarna-Tafel

    Mittelbabylonisch; breite CDLI-Datierung ungefähr 1400–1100 v. Chr.

    Der erhaltene Text beginnt nach einem Bruch. Im späteren Abschnitt werden Adapa Lebensgaben angeboten; er nimmt sie nicht an und wird zur Erde zurückgeschickt.

    Fundort: Akhetaten / el-Amarna, VAT 00348 / P270855

    CDLI-Katalog der Amarna-Tafel

  3. Spätere Fragmente · editorischer Verbund

    Standardbabylonische Textfassung

    Neuassyrische Träger, kein gemeinsames genaues Schreibjahr

    eBL vereint mehrere bruchstückhafte Zeugen. Ein Prolog und weitere Worte nach der verweigerten Gabe sind nur in dieser eigenen, teils stark ergänzten Überlieferung zu beurteilen.

    Fundort: Fünf genannte Träger aus Ninive; Herkunft von MLC.1296 ungewiss

    eBL-Edition und Manuskriptliste

Was die Linien bedeuten

Was lässt sich an den Fassungen wirklich vergleichen?

Die Tabelle folgt drei konkreten Textstellen. Wo ein Abschnitt fehlt oder stark ergänzt ist, ist eine Behauptung über einen anderen Schluss besonders unsicher. Der sumerische Komposittext ist zudem noch nicht fachlich überprüft; seine Zeilen können hier nicht auf Nippur oder Me-Turran als einzelne Lesart verteilt werden.

FrageSumerischer VerbundAmarna-TafelSpätere Fragmente
AnfangQ002295 1–10 eröffnet in der veröffentlichten Kompositübertragung einen größeren Welt- und Fluthorizont.Der Anfang von VAT 00348 ist abgebrochen; die erhaltene Vorderseite setzt mitten im Zusammenhang ein.Der standardbabylonische Prolog a+1–24 spricht über Weisheit und begrenztes Leben, selbst nur in einem fragmentierten Text.
Am Tor des HimmelsQ002295 153–167 führt Adapa zu An und nennt angebotene Gaben.MB 65′–70′ bringt Lebensspeise und Lebenswasser; Adapa verweigert beides.SB e+1–8 berührt die verweigerte Lebensgabe, doch Wörter und Übergänge sind beschädigt oder ergänzt.
DanachQ002295 168–190 führt im Komposit über den Südwind zu einer Heilungsformel.MB 71′–77′ nennt Gewand, Öl, Anus Nachfrage und die Rücksendung zur Erde; der Abschnitt endet beschädigt.SB e+9–16 lässt Anus Reaktion und weitere Status- oder Heilungsaussagen erkennen; der Schluss ist nicht lückenlos erhalten.

Fundort ist noch keine regionale Fassung

Die drei sumerischen Einzelträger sind in Nippur und Me-Turran katalogisiert. Das zeigt geographisch verbreitete Überlieferung; es beweist weder einen Entstehungsort noch eine nachweisbare Nippur-gegen-Me-Turran-Lesart. Die öffentliche CDLI-Partitur nennt zwar drei Zeugen, ordnet aber derzeit null davon dem Komposit Zeile für Zeile zu. Eine konkrete regionale Textabweichung wäre hier erfunden.

Dass eine akkadische Tafel in Ägypten gefunden wurde, zeigt den Weg oder zumindest die Anwesenheit dieses Textträgers in Amarna. Es macht Adapa nicht zu einer ägyptischen Erzählung. Sprache, Schreibzeit und Fundort sind drei unterschiedliche Angaben. Erst wenn datierte, zugeordnete Einzelstellen wirklich voneinander abweichen, lässt sich eine regionale Bearbeitung an dieser Stelle behaupten.

Zwei Übersetzungswörter, dieselbe Tafelstelle

An der Amarna-Passage 68′, CDLI-Rückseite 24–25, wählen zwei englische Wiedergaben verschiedene Wörter. Die Differenz entsteht bei der Übersetzung derselben Lebensgabe, nicht durch den Fund einer zweiten Tafel. Unsere deutsche Bezeichnung „Lebensspeise“ folgt hier der weiteren eBL-Wortwahl; „Lebensbrot“ wäre eine engere Wiedergabe wie bei Buccellati. Wir entscheiden damit keine akkadische Wortfrage selbst.

WiedergabeWort an derselben Amarna-StelleWas sich daraus nicht folgern lässt
eBL / Foster, MB 68′food of life – hier als „Lebensspeise“ erläutertKein Beleg für ein zweites Angebot oder einen anderen Textträger.
Buccellati 1973, gedruckte S. 62bread of life – hier als „Lebensbrot“ erläutertKein Beleg für eine andere antike Fassung allein aus dem englischen Wort.

Die älteste Tafel ist kein Urtext

Die sumerischen altbabylonischen Träger sind in dieser Auswahl die ältesten erhaltenen Zeugnisse. Daraus folgt nur, dass der Stoff spätestens in dieser Zeit schriftlich vorliegt. Eine ältere mündliche Vorgeschichte, verlorene Tafeln oder spätere Umarbeitungen sind möglich, aber mit der hier gelesenen Karte nicht einzeln nachgewiesen. Die früheste erhaltene Lesung ist deshalb nicht automatisch die erste je erzählte Fassung.

Auch die Pfeilrichtung zwischen Sumerisch und Akkadisch lässt sich aus ähnlichen Szenen nicht ablesen. Ein gemeinsames Motiv kann übernommen, neu gefasst oder in einem verlorenen Zwischenstadium vermittelt worden sein. Deshalb endet die Karte bei gestrichelten Verbindungen: Sie macht eine Forschungsfrage sichtbar, keinen rekonstruierten Stammbaum.

Welche Linie würdest du zeichnen?

Wähle zwei Karten: Was ist über ihre erhaltenen Träger sicher – Sprache, ungefährer Schreibzeitraum, Fundort? Was ist nur eine Vermutung über ihren gemeinsamen Erzählstoff? Formuliere eine Beschriftung für eine gestrichelte Verbindung, ohne aus ihr eine direkte Abschrift zu machen.

Wenn du auf der sumerischen Karte Nippur und Me-Turran siehst: Welche zusätzliche, zeilengenau zugeordnete Information bräuchtest du, bevor du von einer regionalen Textvariante sprechen könntest?

Welche Zeit ist gemeint?

  • CDLI datiert die drei sumerischen Einzelträger aus Nippur und Me-Turran breit in die altbabylonische Zeit, ungefähr 1900–1600 v. Chr. Der zusammengesetzte Q002295-Text ist eine heutige editorische Ansicht, kein vierter alter Träger.
  • Die akkadische Amarna-Tafel VAT 00348 ist ein einzelner erhaltener Textzeuge. CDLI gibt ungefähr 1400–1100 v. Chr. an; die eBL-Werkeinleitung ordnet ihn enger dem 14. Jahrhundert v. Chr. zu.
  • Die in eBL für die standardbabylonische Textfassung zusammengestellten Fragmente stammen überwiegend von neuassyrischen Trägern. Fünf sind mit Ninive verbunden, für MLC.1296 ist die Herkunft ungewiss.
  • Keine dieser Trägerdatierungen ist ein Geburtsdatum der Adapa-Erzählung oder ein Datum ihrer Handlung.

Die Datierung eines Zeugnisses ist kein Geburtsdatum des gesamten Erzählstoffs.

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Sumerische altbabylonische Adapa-Zeugen und akkadische mittel- und später überlieferte Adapa-Texte; kein rekonstruierter Urtext
Verwendeter Ausschnitt
CDLI Q002295/P480325 samt drei verlinkten Einzelkatalogen und öffentlicher Partitur; CDLI P270855 / VAT 00348; eBL Adapa MB und SB; Buccellati 1973, gedruckte S. 62, nur für den Übersetzungsvergleich.
  1. CDLI Literary 002295 (Adapa), sumerischer Verbundtext Q002295

    Cuneiform Digital Library Initiative; Übertragung nach Annus, Cavigneaux und Özdemir laut Katalog

    Q002295/P480325: sumerischer altbabylonischer Verbundtext, sichtbarer Hinweis Composite Annotation unreviewed, Zeilen 1–10 und 153–190 mit englischer Übertragung, drei getrennte Textzeugen P343313 aus Nippur sowie P355730 und P508604 aus Me-Turran. Einzelkataloge mit Fundorten, Zeitspanne, Museumsangaben und Ausgrabungsnummern geprüft. Die verlinkte öffentliche Partitur geprüft: drei registrierte Zeugen, derzeit null mit dem Komposittext aligniert.

    P480325 ist ein editorischer Verbund, keine einzelne Tontafel; die Komposit-Annotation ist ausdrücklich unreviewed. Die öffentliche Partitur meldet drei Zeugen, aber null alignierte Zeugenzeilen. Deshalb lassen sich aus dieser Webansicht keine konkreten Varianten zwischen Nippur und Me-Turran sicher ablesen. Die englische Übertragung wird nur für eng begrenzte Vergleiche genutzt; keine eigene sumerische Übersetzung oder Lektüre der vollständigen Edition von Cavigneaux 2014 behauptet. Die verlinkten Lineart-Bilder werden nicht lokal übernommen. Abgerufen am 2026-09-29.

  2. EA 356 (P270855), Adapa-Tafel VAT 00348

    Cuneiform Digital Library Initiative

    EA 356 / P270855: Museumsnummer VAT 00348, Fundort Akhetaten, Material und Periode, Beginn der Vorderseite mit Bruchvermerk, Transliterationszeilen 1′–8′ und editorische Credits; Bildnachweis zum Detailfoto gelesen.

    CDLI datiert breit als mittelbabylonisch, ungefähr 1400–1100 v. Chr.; das ist keine genaue Schreibdatierung. Das Detailfoto ist © Vorderasiatisches Museum Berlin und wird nicht lokal kopiert. Die Transliteration wird nur für ausgewählte Zeilen geprüft; keine eigene Tafelautopsie oder vollständige Akkadischübersetzung. Abgerufen am 2026-09-29.

  3. eBL: Adapa and the South Wind – Werkeinleitung

    Tonio D. N. Mitto; englische Übersetzung Benjamin R. Foster; Revision Zsombor J. Földi, Adrian C. Heinrich, Enrique Jiménez · Erstpublikationsfeld 02.06.2022; laufender Stand 26.09.2026

    Werkeinleitung und bibliographische Editionsmetadaten vollständig gelesen.

    Englischer Zugang, keine eigene akkadische Übersetzung oder Tafelautopsie. Amarna und spätere Fragmente getrennt; ältere sumerische Texte und zitierte Bibliographie nicht als gelesen ausgegeben. Abgerufen am 2026-09-26.

  4. eBL: Adapa and the South Wind – Middle Babylonian, Amarna

    Tonio D. N. Mitto; englische Übersetzung Benjamin R. Foster; Revision Zsombor J. Földi, Adrian C. Heinrich, Enrique Jiménez · Erstpublikationsfeld 02.06.2022; laufender Stand 26.09.2026

    Alle gelieferten englischen Übersetzungsfelder einschließlich Lücken und Ergänzungen gelesen; Editions- und Manuskriptmetadaten geprüft.

    Englischer Zugang, keine eigene akkadische Übersetzung oder Tafelautopsie. Amarna und spätere Fragmente getrennt; ältere sumerische Texte und zitierte Bibliographie nicht als gelesen ausgegeben. Abgerufen am 2026-09-26.

  5. eBL: Adapa and the South Wind – Standard Babylonian, Fragmente

    Tonio D. N. Mitto; englische Übersetzung Benjamin R. Foster; Revision Zsombor J. Földi, Adrian C. Heinrich, Enrique Jiménez · Erstpublikationsfeld 02.06.2022; laufender Stand 26.09.2026

    Alle gelieferten englischen Übersetzungsfelder einschließlich Lücken und Ergänzungen gelesen; Editions- und Manuskriptmetadaten geprüft.

    Englischer Zugang, keine eigene akkadische Übersetzung oder Tafelautopsie. Amarna und spätere Fragmente getrennt; ältere sumerische Texte und zitierte Bibliographie nicht als gelesen ausgegeben. Abgerufen am 2026-09-26.

  6. Adapa, Genesis, and the Notion of Faith

    Giorgio Buccellati · 1973, Ugarit-Forschungen 5, S. 61–66; hier S. 61–64

    Nur gedruckte Seiten 61–64 (PDF-Seiten 1–4) einschließlich Fußnoten tatsächlich gelesen und als Seitenbilder betrachtet: Forschungsüberblick und eigene Vertrauens-/Gefahrendeutung. Rest des Aufsatzes nicht als gelesen beansprucht.

    Historischer Interpretationsvorschlag von 1973, kein heutiger Forschungskonsens; zitierte ältere Aufsätze nicht selbst gelesen. Volltextextraktion allein ist kein Nachweis der vollständigen Lektüre. Abgerufen am 2026-09-26.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-09-29. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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