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MythaneumDas Museum der Mythologien

Exponat

Erlik: Zwei Grenzen, zwei Erzählungen

Ein Stab öffnet den Boden. Doch wer ihn führt und was aus der Öffnung hervorgeht, hängt von der Fassung ab. Zwei benannte Altai-Aufzeichnungen zeigen, weshalb ihr Vergleich genauer ist als eine gemeinsame Unterweltsgeschichte.

5 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Zwei Aufzeichnungen eröffnen den Vergleich

Ch. Malchiev erzählte 1976 in Malyy Yaloman von der Schöpfung der Erde und des Menschen. I. B. Shinzhin zeichnete seine Worte auf. Eine zweite Erzählung stammt von T. A. Chachiyakov aus Elo und wurde 1970 von K. M. Makoshev festgehalten. Beide Erzähler werden dem Tölös-Clan zugeordnet.

Die Ausgabe Neskazochnaya proza altaitsev von 2011 stellt altaische Texte und russische Übersetzungen nebeneinander. Der Vergleich folgt den vollständigen russischen Fassungen. Die Nähe der Aufzeichnungsorte macht ihre unterschiedlichen Handlungen nicht zu einem einzigen Text.

Ein schlichter kupferfarbener Stab liegt schräg neben einer dunklen Öffnung in feuchter, unebener Erde; dahinter erstreckt sich das Meer.
KI-generierte Illustration zum Kupferstabmotiv in Chachiyakovs 1970 in Elo aufgezeichneter Erzählung (Ausgabe 2011, Text 3, Blöcke 3–4). Landschaft, Stabform und Größenverhältnisse sind heute gestaltet; kein historisches Figurenbild und kein dokumentierter Ort.

Eine kleine Landzusage verändert die Welt

In Malchievs Erzählung bringt ein zunächst Mensch genanntes Wesen Erde aus dem Wasser. Nach einem Streit verlangt es von Ülgen nur so viel Boden, wie die Stabspitze berührt. Als Ülgen nachgibt, verschwindet es durch die kleine Öffnung. Die spätere Erzählung lässt ausdrücklich unterschiedliche Antworten darauf zu, ob dieser Mensch Erlik war.

Bei Chachiyakov schaffen vier Brüder die Erde. Der älteste fordert nach seiner Rückkehr aus der Unterwelt schließlich eine Standfläche für beide Füße. Er zieht einen Kupferstab aus dem Boden; durch die Öffnung gelangen 77 Krankheiten in die Welt. Die Zahl und die Ursache gehören zur Erzählung, nicht zu einer medizinischen Erklärung.

Die goldene Blume kompliziert die Wertung

Die vier Brüder vereinbaren einen Wettstreit: Wer eine goldene Blume in seiner Schale hervorbringt, soll weiter schaffen dürfen. Die Blume wächst beim ältesten Bruder. Die jüngeren entwenden sie und werden die drei Üch-Kurbustans. Später wird der älteste Erlik-aba genannt.

Damit verteilt die Geschichte Täuschung auf verschiedene Figuren. Die 1970 aufgezeichnete Erzählung und eine 1985 notierte Variante desselben Erzählers teilen den Blütenwettstreit; bei der Landzusage weichen sie ab. Die spätere Variante nennt Stabspitzenland. Der Kupferstab unseres Bildes stammt ausdrücklich aus der 1970 er Fassung.

Übersetzung ordnet die Figuren mit

Ein russisches Wort für Seele kann vertraut wirken und dennoch eine eigene Erklärung benötigen. Der Kommentar zu Malchievs Text beschreibt tyn als lebensgebende Kraft und unterscheidet weitere altaische Begriffe. Auch religiöse Bezeichnungen dürfen deshalb nicht unbesehen zwischen Sprachwelten übertragen werden.

Oinotkinova unterscheidet in ihrer Studie dualistische und als buddhistisch eingeordnete Erzählkonstellationen. Diese Kategorien helfen beim Vergleich und bleiben Forschungsdeutungen. Sie liefern keinen ursprünglichen Einheitsmythos. Wörter wie Gott oder Teufel in der Vermittlung sind ebenso wenig sichere Gleichsetzungen mit christlichen Figuren.

Der Bildausschnitt gehört einer Fassung

Das Bild interpretiert die feuchte junge Erde, eine Öffnung und den Kupferstab aus Chachiyakovs 1970 er Erzählung. Stabform und Größenverhältnisse sind moderne Gestaltung. Weder ein konkreter heiliger Standort noch ein historisch gesichertes Aussehen Erliks wird gezeigt.

Wer anschließend die Figurenprofile liest, findet andere Fragen: Was bewirkt Erliks Lebensgabe, und warum muss Ülgen tierische Hilfe annehmen? Gemeinsame Quellen verbinden diese Zugänge. Namen, Orte und Aufzeichnungen halten ihre Unterschiede sichtbar, ohne einen Unterweltherrscher für ganz Sibirien zu erzeugen.

Fassungen und Belege unterscheiden

Werk, Überlieferung und Lesezugang

Werk

Schöpfung von Erde und Mensch: Malchiev-Aufzeichnung

Text 2 der Ausgabe von 2011 nach Ch. Malchiev wird vollständig in seiner russischen Fassung verwendet, mit den Blöcken 1–16 auf Druckseiten 67–79. Die Kommentare auf Seiten 406–408 vermitteln Herkunft, Erklärungen und Varianten. Im Handlungstext bleibt die Gleichsetzung des Tauchers mit Erlik ausdrücklich strittig; die Kommentarnote ist bestimmter. Eine ganze altaische Original- oder Tonfassung ist dadurch nicht erschlossen.

Aufzeichnung 1976; Ausgabe 2011, Text 2, S. 67–79

Sprache: Altaisch; benutzt wurde die russische Parallelübersetzung

Beleg für den hier verwendeten Ausschnitt: Schöpfung von Erde und Mensch: Ch. Malchiev, Malyy Yaloman 1976

Benutzter Lesezugang

Schöpfung von Erde und Mensch: Malchiev-Aufzeichnung: benutzter PDF-Zugang

I. B. Shinzhin, Aufzeichnung; E. E. Yamayeva/Shinzhin, Übersetzung. Vollständige russische Fassung und benannte Kommentare gelesen, keine vollständige altaische Originallektüre.

Aufzeichnung 1976; Ausgabe 2011, Text 2, S. 67–79

Sprache: Altaisch; benutzt wurde die russische Parallelübersetzung

Quellen zu diesem Lesezugang: Schöpfung von Erde und Mensch: Ch. Malchiev, Malyy Yaloman 1976

Werk

Entstehung der Erde: Chachiyakov-Aufzeichnung und Variante

Text 3 nach T. A. Chachiyakov umfasst in der verwendeten russischen Fassung die vollständigen Blöcke 1–11 auf Druckseiten 79–85. Dazu kommen Kommentare auf 408–409 und die ganze Zusammenfassung von Variante 1 aus dem Jahr 1985; von Variante 2 nur der Anfang auf 409. Hauptaufzeichnung 1970 und Variante 1985 bleiben getrennt. Die drei Üch-Kurbustans werden nicht durch Ülgen ersetzt.

Aufzeichnungen 1970/1985; Ausgabe 2011, Text 3 S. 79–85, Variante 1 S. 409

Sprache: Altaisch; benutzt wurden russische Übersetzungen

Beleg für den hier verwendeten Ausschnitt: Entstehung der Erde: T. A. Chachiyakov, Elo 1970 und benannte Variante 1985

Benutzter Lesezugang

Entstehung der Erde: Chachiyakov-Aufzeichnung und Variante: benutzter PDF-Zugang

1970er Text vollständig russisch gelesen; 1985er Variante 1 separat. Kupferstab/Standfläche für zwei Füße nicht mit Stabspitzenland vereinheitlichen. Keine Manuskripte oder Audio gehört.

Aufzeichnungen 1970/1985; Ausgabe 2011, Text 3 S. 79–85, Variante 1 S. 409

Sprache: Altaisch; benutzt wurden russische Übersetzungen

Quellen zu diesem Lesezugang: Entstehung der Erde: T. A. Chachiyakov, Elo 1970 und benannte Variante 1985

Werk

Schöpfungserzählungen: Oinotkinovas Forschungsdeutung

Verwendet werden die Druckseiten 38–40 und 43–46 mit Abstracts, Einleitungsanfang und benannten Vergleichen, nicht der gesamte 25-seitige Artikel. Russische Kommentare und Zitatübersetzungen vermitteln die altaischen Belege. Klassifikationen und Einflussvergleiche bleiben Deutungen der Autorin; eine neue vollständige Übersetzung aus dem Altaischen wird nicht beansprucht.

2020, Nr. 1, S. 38–62; benutzte Passagen S. 38–46

Sprache: Russisch; eigene deutsche Paraphrase

Beleg für den hier verwendeten Ausschnitt: Oinotkinova: Schöpfungserzählungen und ihre verschiedenen Vermittlungsrahmen

Benutzter Lesezugang

Schöpfungserzählungen: Oinotkinovas Forschungsdeutung: benutzter PDF-Zugang

Benannte Abstracts/Einleitung und Motivpassagen gelesen, keine gesamte 25-seitige Studie. Deutungskategorien nicht zur ursprünglichen Einheitsreligion machen.

2020, Nr. 1, S. 38–62; benutzte Passagen S. 38–46

Sprache: Russisch; eigene deutsche Paraphrase

Quellen zu diesem Lesezugang: Oinotkinova: Schöpfungserzählungen und ihre verschiedenen Vermittlungsrahmen

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Benannte altaische Aufzeichnungen im Onguday-Gebiet; russische Paralleltexte und Forschungsdeutung getrennt.
Verwendeter Ausschnitt
Neskazochnaya proza altaitsev 2011, Texte 2–3 mit individuellen Erzähl-/Aufzeichnungsangaben.
  1. Schöpfung von Erde und Mensch: Ch. Malchiev, Malyy Yaloman 1976

    Ch. Malchiev, Erzähler; I. B. Shinzhin, Aufzeichnung; E. E. Yamayeva und I. B. Shinzhin, russische Übersetzung; Oinotkinova/Shinzhin/Yadanova/Yamayeva, Ausgabe · Aufzeichnung 1976; Ausgabe Novosibirsk: Nauka 2011, Text 2, S. 67–79; Kommentar S. 406–408

    Vollständige russische Fassung Text 2, Blöcke 1–16 samt Schluss, Druck S. 67–79 (PDF 71,73,75,77,79,81,83). Kommentar/Provenienz S. 406–408 als Text gelesen, ganze S. 406 gerendert geöffnet. Ganze Erzählseite S. 69 gerendert gelesen. Altaische gegenüberliegende Seite PDF 72 nur Namens-/Dialoganfang geprüft, keine vollständige Originallektüre. Impressum und institutionelle Buchbeschreibung gelesen.

    Benutzte russische Übersetzung der Ausgabe von 2011; keine vollständige altaische Originalsprachlektüre, Manuskript- oder Tonaufnahmeautopsie, keine gesamte 576-seitige Buchlektüre. PDF hat 599 Dateiseiten und wechselnde Seitenoffsets; benannte Druckseiten/Dateiseiten separat geprüft. Fotografien und Tonaufnahmen nicht übernommen. Keine heutige Praxisbeschreibung oder gesamtsibirische Identität. Text selbst lässt offen, ob der anfangs Mensch genannte Taucher mit dem späteren Erlik identisch ist. Editorische Erklärung und Erzählzweifel nebeneinander erhalten; russisches dusha/Seele nicht ungeprüft auf alle altaischen Begriffe ausweiten. Abgerufen am 2026-10-03.

  2. Entstehung der Erde: T. A. Chachiyakov, Elo 1970 und benannte Variante 1985

    T. A. Chachiyakov, Erzähler; K. M. Makoshev, Aufzeichnung 1970; E. E. Yamayeva und N. R. Oinotkinova, russische Übersetzung; Z. S. Kazagacheva und Y. I. Sheykin, Aufzeichnung 1985 · Aufzeichnungen 1970/1985; Ausgabe 2011, Text 3 S. 79–85; Kommentar/Variante S. 408–409

    Vollständige russische Fassung Text 3, Blöcke 1–11, Druck S. 79–85 (PDF 83,85,87,89). Kommentare und Provenienz S. 408–409 gelesen; Variante 1 S. 409 vollständig gelesen, Variante 2 nur Anfang. Ganze Erzählseite S. 81 gerendert geöffnet und gelesen. Erzählung von 1970 undVariante von 1985 getrennt: Standfläche für zwei Füße gegenüber einer Stabspitze, Kupferstab nur Text 3, goldene Blume in beiden.

    Benutzte russische Übersetzung der Ausgabe von 2011; keine vollständige altaische Originalsprachlektüre, Manuskript- oder Tonaufnahmeautopsie, keine gesamte 576-seitige Buchlektüre. PDF hat 599 Dateiseiten und wechselnde Seitenoffsets; benannte Druckseiten/Dateiseiten separat geprüft. Fotografien und Tonaufnahmen nicht übernommen. Keine heutige Praxisbeschreibung oder gesamtsibirische Identität. Keine Originalaufzeichnungen FM 245/MNE 33 unabhängig geprüft. Vierbrüder-Fassung nennt drei Üch-Kurbustans; diese nicht stillschweigend durch Ülgen ersetzen. Text 3 und dessen Erzählkommentar zum Stehlen getrennt von eigener redaktioneller Bewertung. Krankheiten sind Erzählmotiv, keine medizinische Kausalbehauptung. Abgerufen am 2026-10-03.

  3. Oinotkinova: Schöpfungserzählungen und ihre verschiedenen Vermittlungsrahmen

    N. R. Oinotkinova; Institute of Philology SB RAS · Studies in Theory of Literary Plot and Narratology 2020, Nr. 1, S. 38–62; DOI 10.25205/2410-7883-2020-1-38-62

    Abstracts/Einleitung und benannte Abschnitte S. 38–40 und 43–46 tatsächlich gelesen: dualistische und Vierbrüder-Erzählungen, Erdtauchen, unterschiedliche Landschaftsentstehung, Schwalbenhilfe, Blütenwettbewerb und Menschenschöpfung. Keine gesamte Artikellektüre. Namensformen Ӱлген und Ӱч-Курбустан aus Fachtext geprüft.

    Kategorien dualistisch und buddhistisch sowie Einflussvergleiche sind wissenschaftliche Deutung der Autorin. Ihre Gott/Teufel-Sprache nicht als sichere ursprüngliche Figurenidentität übernehmen. Keine vollständige Lektüre aller 25 Seiten und keine unabhängige Lektüre der zitierten Originaltexte von Verbitski, Radlov oder Potanin; keine eigenen Feldaufnahmen. Die Autorin weist für eine Kumandin-Aufzeichnung 1964 selbst nur russischen Textzugang aus; daraus kein Originalsprachbeleg. Abgerufen am 2026-10-03.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-18. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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