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MythaneumDas Museum der Mythologien

Exponat

Baal und Mot: Wer beendet die Abwesenheit?

Mot droht, Anat handelt, ein Thron wird frei. Was die Tafeln von Baals Wiederkehr bewahren – und was Jahreslauf- und Herrschaftsdeutungen daraus machen.

3–4 Minuten Lesezeit · Bildbetrachtung nach eigener Zeit

Wie viel Geschichte ist auf der Tafel noch da?

Eine Drohung, ein verschwundener Herrscher, Trauer und ein neuer Streit: Diese Station folgt Baal und Mot in zwei erhaltenen Teilen des Baal-Zyklus. KTU bezeichnet eine moderne Textsammlung; 1.5 und 1.6 sind ihre Textnummern, keine Kapitelnummern eines lückenlos erhaltenen Buches.

Wir lesen die historische englische Übersetzung H. L. Ginsbergs von 1969 und prüfen ausgewählte schwierige Stellen an Ola Wikanders Untersuchung von 2014. Unterschiedliche Übersetzungen bleiben erkennbar. Unsere deutschen Absätze erläutern die Handlung; sie geben keinen vermeintlich unversehrten ugaritischen Wortlaut wieder.

Heutiges Bild zum Text

Ein schmaler heller Weg führt aus einer dunklen, rissigen Tiefe in eine offene Landschaft mit aufziehendem Regen. Keine Figur und kein konkreter Rückkehrvorgang sind dargestellt.
Eigene symbolische Landschaft zum ursprünglichen Bildauftrag; keine Rekonstruktion einer Textlücke oder eines antiken Ortes. Bildnachweis

Eine Macht, die verschlingt

Baals Tod wird gemeldet; El trauert. Anat bestattet den Gefallenen mit Schapschus Hilfe.

Zuvor droht Mot, Baal zu verschlingen. Später scheitert Athtar an Baals Thron. Für den Vergleich stellen sich damit zwei verschiedene Fragen: Wer kann dem Tod entgehen? Und wer kann die Stelle eines fehlenden Herrschers einnehmen?

Anat behandelt Mot wie Getreide

Anat verlangt Baal zurück. Mot behauptet, ihn verschlungen zu haben. Sie zerschneidet, worfelt, verbrennt, zermahlt und sät Mot aus.

Für einen Vergleich ist gerade die Rollenverteilung entscheidend: Bearbeitet wird hier Mot. Eine Schablone, in der stets der verschwundene Wettergott selbst als Saatkorn behandelt wird, müsste diesen Unterschied erst erklären.

Lebendig – doch der Übergang fehlt

El träumt von Überfluss und Baals Leben; Schapschu soll suchen. Nach einer Lücke herrscht Baal wieder.

Wikander betont die fehlende Rückkehrszene. Die Furchen vor der Suche deutet er als Dürremotiv, bei umstrittenen Wörtern. Wo endet also die erhaltene Handlung, und wo beginnt ihre Erklärung? Auch eine überzeugende Deutung kann fehlende Zeilen nicht in erhaltenen Wortlaut verwandeln.

Mot kommt ebenfalls wieder

Nach sieben Jahren erscheint Mot erneut. Beide kämpfen und fallen. Schapschus Warnung vor El bewegt Mot zum Einlenken; Baal regiert.

Die sieben Jahre gehören zur erzählten Folge. Sie sind nicht automatisch sieben Aufführungen eines Jahresfestes. Wer einen jährlichen Ritus behauptet, braucht dafür Belege außerhalb dieser einen Zahlenangabe.

Drei Deutungsangebote, drei verschiedene Fragen

W. Herrmann verbindet Baals Wiederkehr mit Herbst und Vegetation, betont aber weitere Wirkungsbereiche. Das ist eine ausdrücklich saisonale Lesart.

Wikander untersucht Dürre, Schapschu und Tod; Dürre ist für ihn ein Motiv, nicht der ganze Zyklus.

N. Wyatt liest Thron und Palast im Zusammenhang königlicher Legitimation. Seine kultischen Ableitungen bleiben ein Deutungsvorschlag; er benennt Grenzen der Beweisbarkeit.

Was eine Naturformel offenlassen würde

Eine Jahreslauflesart kann fragen, weshalb Furchen, Regen und Getreidearbeit vorkommen. Sie erklärt damit noch nicht jede Entscheidung einer Figur. Wer trauert? Wer begräbt? Wer scheitert am Thron? Wer beendet den Streit durch eine Warnung?

Halte diese Fragen neben die saisonale Deutung. Es müssen nicht alle auf dieselbe Antwort hinauslaufen. Unsere Illustration verbindet trockene Tiefe und Regen durch einen schmalen Weg. Sie ist ein heutiges Bild der Spannung zwischen Verlust und Hoffnung, keine Karte des Textes und keine Rekonstruktion der fehlenden Rückkehrszene.

Texte und ihre Zugänge

Werke, Fassungen und verwendete Zugänge

Überlieferter Text

Baal-Zyklus, KTU 1.1–1.6

Werkbezeichnung für den Baal-Zyklus. Hier erschlossen sind begrenzte Passagen aus KTU 1.5–1.6 über benannte Übersetzungen; nicht das ganze Werk.

Antiker ugaritischer Tafelkomplex; Erzählzeit, Entstehung und erhaltene Niederschrift sind verschiedene Ebenen.

Sprache: Ugaritisch

Benutzte Ausgabe

H. L. Ginsberg: Baal und Anat, ANET 1969, S. 138–141

Historischer Lesezugang: g.I*AB und h.IAB; moderne Arbeitsbezeichnungen KTU 1.5 und 1.6. Keine neue Handschriftenautopsie oder Kollation.

Dritte ANET-Ausgabe mit Supplement, 1969.

Sprache: Englische Übersetzung ugaritischer Texte

Der Weg zum Beleg

Quellen und Einordnung

Überlieferung
Baal/Mot in begrenzten erhaltenen Abschnitten des ugaritischen Baal-Zyklus
Verwendeter Ausschnitt
Ginsberg, ANET 1969, S. 138–141; ausgewählte Stellen mit Wikander 2014 kontrolliert. Keine einheitliche Rekonstruktion verlorener Passagen.
  1. Ugaritic Myths, Epics, and Legends: Poems about Baal and Anath

    H. L. Ginsberg; in James B. Pritchard (Hg.), Ancient Near Eastern Texts Relating to the Old Testament · Third Edition with Supplement, Princeton University Press, 1969; hier S. 138–141.

    Titelseite und Übersetzerüberschrift PDF 1–2; PDF 7 und 11–15 als native Seitenbilder tatsächlich gelesen. Für die beiden Exponate ausschließlich Druck S. 138–141, Abschnitte g.I*AB und h.IAB (KTU 1.5–1.6).

    Historische englische Fachübersetzung mit zahlreichen Lücken und damaligen Lesungen. Keine eigene Übersetzung aus dem Ugaritischen, keine Autopsie oder vollständige Lektüre von KTU 1.1–1.6. Appendix auf S. 141–142 nicht als Fortsetzung des Zyklus behandelt. Scans nicht öffentlich reproduziert. Abgerufen am 2026-10-16.

  2. Drought, Death, and the Sun in Ugarit and Ancient Israel. A Philological and Comparative Study

    Ola Wikander · Eisenbrauns 2014, Coniectanea Biblica OT 61; ISBN 9781575068275.

    Gedruckte S. 23–35, 52–53, 66–76 und 80–82 vollständig tatsächlich gelesen; Frontmatter PDF 1–11. Druckseite +17 = PDF-Seite. Weitere vorbereitete Ausschnitte nicht pauschal als gelesen geführt.

    Begrenzte Ausschnittlektüre der Ausgabe 2014, nicht Volllektüre und nicht die Dissertation 2012. Referierte Gegenpositionen sind nicht unabhängig gelesene Werke. Keine öffentlichen Buchseiten oder Abbildungen; nur begrenzte deutsche Erläuterung. Abgerufen am 2026-10-16.

  3. Just How “Divine” Were the Kings of Ugarit?

    N. Wyatt · Aula Orientalis 17–18 (1999–2000), 133–141; Universität Edinburgh verzeichnet Veröffentlichung 2000.

    Alle neun Scan-Seiten, Druck S. 133–141, tatsächlich als native Seitenbilder gelesen, einschließlich Schluss und Fußnoten. Hier verwendet: S. 135–137 und 140–141.

    Wyatts eigener königsideologischer und ritueller Deutungsvorschlag. Der Autor kennzeichnet auf S. 140 Grenzen der Beweisbarkeit. Zitierte Bücher, Rituale und Analogien nicht unabhängig erschlossen. Keine pauschale Feststellung eines bewiesenen Ugarit-Ritualablaufs. Abgerufen am 2026-10-16.

  4. Baal: Lexikoneintrag, Scan der Seiten 132–139

    W. Herrmann · Scan ohne Titel-/Impressumsseite; genaue Ausgabe hier nicht unabhängig bestätigt.

    PDF 1/3/4/5/8, Druck S. 132/134/135/136/139, tatsächlich als native Bilder gelesen; auf S. 139 nur der Abschluss des Baal-Eintrags. Für die Jahreslaufposition ausschließlich S. 134.

    Keine Volllektüre des Eintrags; Ausgabe/Jahr nicht aus dem Dateinamen erschlossen. Jahreslaufdeutung als Position dieses Autors, nicht als Konsens; dieselbe Seite betont weitere Wirkungsbereiche Baals. Keine Übernahme der Scans. Abgerufen am 2026-10-16.

Redaktion und Bearbeitungsstand

Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig. Stand: 2026-10-16. Generative KI unterstützt Rechercheaufbereitung, Text und technische Umsetzung. Eine externe fachwissenschaftliche Gegenlektüre ist für diese Werkfassung nicht dokumentiert.

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