Exponat 06 · Bildstöcke, Handel und neue Ausgaben
Pflanzenbilder zwischen Büchern weitergeben
Ein Holzstock kann seinen Veröffentlichungsort und eine sprachliche Ausgabe überdauern. Der Weg von London nach Antwerpen zeigt, wie Druckbilder weiterverwendet und zugleich Texte verändert werden konnten.
3 Minuten Haupttext · Stand: 6. September 2026
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Was wandert, wenn ein gedrucktes Pflanzenbild in einer anderen Ausgabe wiederkehrt?
- Druckbild und materieller Bildstock besitzen verbundene, verschiedene Geschichten.
- Ein vorhandener Holzblock kann in einer weiteren Ausgabe eingesetzt werden.
- Die Wiederkehr eines Bildes beweist allein keine neue Naturbeobachtung oder richtige Benennung.
- Zeitliche Einordnung
- Londoner Werk 1571, Ankunft der Blöcke 1580, Antwerpener Ausgabe 1581
- Orte und Regionen
- London und Antwerpen
- Historisch Beteiligte
- Mathias de Lobel, Pierre Pena, Thomas Purfoot und Christoffel Plantin; Formschneidende und Druckende
Ein Bild besitzt einen materiellen Träger
Ein gedrucktes Pflanzenbild kann in vielen Buchexemplaren erscheinen. Hinter diesen Abzügen steht eine vorbereitete Druckform. Bei einem Holzschnitt ist das ein bearbeiteter Block, auf dem die druckenden Teile erhöht bleiben. Der Block lässt sich aufbewahren und erneut einsetzen.
Damit hat die Geschichte eines Bildes mindestens zwei Seiten: die Darstellung, die Lesende im Buch sehen, und den Gegenstand, mit dem sie hergestellt wurde. Ein Text kann übersetzt werden, während ein vorhandener Bildstock seine Form behält. Umgekehrt kann ein vertrauter Text später eine neu geschnittene Illustration erhalten.
Von London nach Antwerpen
Mathias de Lobel und Pierre Pena veröffentlichten 1571 in London bei Thomas Purfoot die Stirpium nova adversaria. Das Plantin-Moretus-Museum beschreibt, wie Plantin zunächst Exemplare und später die zugehörigen Holzblöcke erwarb. Die Blöcke kamen dem Museumstext zufolge am 4. Mai 1580 in Antwerpen an und wurden 1581 für das niederländische Kruydtboeck genutzt. Plantin-Moretus: Lobelius und das Kruydtboeck
Hier ist nicht bloß ein ähnliches Motiv beschrieben, sondern ein konkreter Weg von Druckmaterial zwischen Veröffentlichungen. Die sprachliche Ausgabe, der Buchtitel und der Holzstock besitzen miteinander verbundene, aber verschiedene Geschichten. Das Buch von 1581 ist nicht allein deshalb identisch mit dem Londoner Werk, weil es vorhandene Bilder verwendet.
Bild und gesetzter Text können gemeinsam drucken
In der Druckerei konnten Holzblöcke mit gesetztem Text in einem Hochdruckzusammenhang eingesetzt werden. Die Flächen mussten für den Druck zusammenpassen. Der erhaltene Plantin-Moretus-Bestand enthält botanische Motive neben Initialen, mathematischen Darstellungen und anderen Bildformen. Plantin-Moretus: Holzblöcke
Das eröffnet eine besondere Arbeitsteilung: Eine Bildform kann bereits vorhanden sein, während für die neue Ausgabe Text gesetzt wird. Wiederverwendung erspart dann die erneute Herstellung genau dieses Bildstocks. Welche Gesamtkosten oder Zeitersparnis sich daraus ergaben, lässt sich ohne passende Geschäftsquellen nicht beziffern.
Auch ein vorhandener Block kann verändert werden
Ein anderes erhaltenes Objekt macht die Veränderbarkeit anschaulich. Der Titelblattblock MPM.HB.08238 gehört zu Dodoens-Ausgaben von 1554 und 1563 bei Jan van der Loe. Laut Katalog wurde das ältere Wappenmotiv für die spätere Ausgabe durch eine Blumenvase ersetzt. Plantin-Moretus: MPM.HB.08238
Dieses Beispiel gehört nicht zum Londoner Pflanzenblockhandel. Es zeigt eine weitere Möglichkeit: Ein materiell weiterverwendetes Werkzeug muss nicht in jedem Detail unverändert geblieben sein. Ähnlichkeit und Veränderung sollten deshalb beide untersucht werden, bevor man zwei Abzüge als genau denselben Bildzustand bezeichnet.
Ein vertrautes Bild ist noch keine neue Beobachtung
Stell dir zwei heutige Übungsseiten vor. Beide zeigen denselben gedruckten Zweig, aber ihre Überschriften nennen unterschiedliche Pflanzen. Der gemeinsame Bildstock beweist zunächst die Verbindung der Abbildung. Er bestätigt nicht automatisch, dass beide Benennungen sachlich stimmen.
Diese Unterscheidung knüpft an die ältere Museumsstation über Pflanzen im Buch an. Hier steht jedoch die Weitergabe des Druckmaterials im Mittelpunkt. Die Frage, welche Pflanze eine Darstellung meint, bleibt eine eigene Untersuchung von Bild, Beschreibung und Gegenstand.
Folge dem Bild und dem Werkzeug
Beim Vergleich alter Bücher lohnt es sich deshalb, mehrere Wege nebeneinander zu verfolgen: Wer schrieb oder übersetzte den Text? Wer veröffentlichte die Ausgabe? Welche Druckform wurde für das Bild benutzt, und wurde sie verändert? Erst diese getrennten Fragen machen sichtbar, wie viel Arbeit eine scheinbar vertraute Buchseite bewahrt.
Grenzen des Wissens
Was offen bleibt
Die Herkunftsfolge beruht auf der Museumsdarstellung; die Originalbücher und Geschäftsunterlagen wurden nicht vollständig selbst untersucht. Der gesonderte veränderte Titelblattblock gehört zu Dodoens-Ausgaben bei Jan van der Loe und wird nicht mit den Londoner Pflanzenblöcken gleichgesetzt.
Begriffe verstehen
Bildstock
Bearbeitete Druckform für ein Bild, hier ein Holzblock mit erhöhten druckenden Flächen.
← Zur TextstelleAbzug
Ein einzelnes Ergebnis der Übertragung einer eingefärbten Druckform auf einen Träger.
Bildzustand
Bestimmte Fassung einer Druckform beziehungsweise ihres Abzugs; Änderungen der Form können weitere Zustände entstehen lassen.
← Zur TextstelleQuellen und Nachweise
Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.
- Lobelius: Londoner Holzblöcke für eine Antwerpener Ausgabe
Museum Plantin-Moretus: Kruydtboeck oft beschrijvinghe van allerleye ghewassen, kruyderen, hesteren, ende gheboomten, Mathias de Lobel, 1581.
Pena und Lobelius, Londoner Veröffentlichung 1571 bei Thomas Purfoot; Erwerb durch Plantin, Ankunft der Blöcke 4. Mai 1580, Nutzung 1581. Bildstockhandel von Übersetzung und Textfassung unterscheiden. Nicht mit Dodoens’ früherem Cruydtboeck verwechseln.
← Zur Textstelle: Von London nach Antwerpen - Holzblöcke, Kupferplatten und ihr Einsatz in der Druckerei
Museum Plantin-Moretus: Printing Materials.
Holzblöcke können mit gesetztem Text gedruckt werden; der Kupferplattenbestand enthält auch spätere Sammlungszugänge außerhalb der historischen Druckaufträge. Unpräzise englische Gussbegriffe, widersprüchliche Rolle des ab 1622 angestellten Handwerkers und vereinfachte Technologie-Prioritätsbehauptungen nicht übernommen.
← Zur Textstelle: Bild und gesetzter Text können gemeinsam drucken - Ein veränderter Titelblattblock in zwei Dodoens-Ausgaben
Museum Plantin-Moretus, Collectie Online: Titelblattblock für Dodoens’ Cruydtboeck, Ausgaben 1554 und 1563; MPM.HB.08238.
Jan van der Loe als Drucker; älteres Wappenmotiv für 1563 durch Blumenvase ersetzt. Eigenständiges Vergleichsobjekt, nicht einer der beschriebenen Londoner Pflanzenblöcke von Lobelius/Pena.
← Zur Textstelle: Auch ein vorhandener Block kann verändert werden
Redaktion: Benjamin Metzig. Erste Arbeitsfassung vom 6. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.
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