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Themenraum · 6 Exponate

Druck und Vervielfältigung

Eine Seite lässt sich abschreiben, von einem Holzblock abdrucken oder aus einzelnen Lettern zusammensetzen. In diesem Raum untersuchst du, wie eine vorbereitete Form zu vielen Abzügen führt. Ostasiatische Druckzeugnisse, frühe europäische Buchproduktion und erhaltenes Werkstattmaterial zeigen unterschiedliche Wege der Vervielfältigung.

In deinem Tempo · Quellen an jedem Exponat · Stand: 6. September 2026

Gezeichnete Museumsgalerie mit Bogenfenstern und einem Holztisch mit Pflanzenrelief, Metallzeichen, Kupferplatte, Werkzeug und Papier.Bild vergrößern ↗
Ein frei entworfener Museumsraum verbindet Holzrelief, einzelne Druckzeichen, Metallplatte und Papier. Die Anschauungsobjekte sind erfunden; keine Rekonstruktion einer historischen Druckwerkstatt.

Eine Raumfrage · verschiedene Zugänge

Formen herstellen. Seiten drucken. Bilder weitergeben.

Beginne bei einer Frage, die dich interessiert, oder folge den Stationen des Rundgangs.

Die Werkstatt der Erkenntnis

Was trägt ein Befund?

Ein Werkdatum, ein Bearbeitungsvermerk und ein überlieferter Druckstock beantworten verschiedene Fragen. Vergleiche den Gegenstand mit der Aussage, die er ermöglicht.

Zwei Jikji-AusgabenMetalltypendruck 1377 und Holzblockdruck 1378
Was liegt vor?
Ein erhaltener Metalltypenband stammt von 1377; eine Holzblockausgabe des vollständigen Texts stammt von 1378.
Was lässt sich daraus lernen?
Beide Druckverfahren wurden für diesen Text verwendet. Die neuere Ausgabe muss nicht mit dem aus heutiger Sicht moderneren Verfahren hergestellt sein.
Was bleibt offen?
Auswahlgründe und Arbeitskosten jeder konkreten Werkstatt sind mit den beiden Daten allein nicht vollständig erklärt.
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Die Datumsnotiz im gebundenen BuchPapierexemplar A-71, August 1456
Was liegt vor?
A-71 trägt Vermerke Heinrich Cremers zu Bemalung, Rubrizierung und Bindung im August 1456.
Was lässt sich daraus lernen?
An diesem gedruckten Exemplar wurde nach dem Pressengang weitergearbeitet. Die Datumsangabe lässt sich einem bestimmten Arbeitsschritt zuordnen.
Was bleibt offen?
Aus dem Vermerk folgt kein genauer Drucktag.
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Ein Bildstock in einer weiteren AusgabeLondon 1571 und Antwerpen 1581
Was liegt vor?
Die für das Londoner Werk von 1571 verwendeten Holzblöcke wurden später von Plantin erworben und für das Antwerpener Buch von 1581 eingesetzt.
Was lässt sich daraus lernen?
Der materielle Bildträger kann einen Veröffentlichungsort und eine sprachliche Ausgabe überdauern.
Was bleibt offen?
Das beweist weder unveränderte Texte noch eine erneute botanische Feldbeobachtung.
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Eine Frage an deinen Blick

Was lässt sich wirklich behaupten?

Auf einer heutigen Modellseite soll die Folge A–B–A gleichzeitig gesetzt werden. Welche Aussage passt zu beweglichen Zeichen?

Unterscheide die Form eines Zeichens von der Anzahl gleichzeitig benötigter Körper.
Auflösung und Begründung

Die gleichzeitige Folge A–B–A braucht zwei A-Teile und ein B-Teil. Unsere heutige Aufgabe mit lateinischen Buchstaben zeigt den benötigten Vorrat; sie bildet keine historische Jikji-Seite nach.

Die Erklärung mit Quellen lesen ↗

Die Idee dieser Ausstellung

Welche Arbeit muss in einer Form stecken, damit sie Wissen wiederholt auf Papier bringen kann?

Quellen und Nachweise ↓

Die Wiederholung beginnt vor dem ersten Blatt

Ein Druckstock oder eine gesetzte Form enthält bereits eine Anordnung. Beim nächsten Abzug muss sie nicht vollständig neu hergestellt werden. Darin liegt eine besondere Möglichkeit des Druckens: Arbeit wird in eine Form investiert, die wiederholt eingesetzt werden kann.

Diese Form braucht allerdings Material, Werkzeuge und Menschen, die sie herstellen und benutzen. Der einzelne Abzug verlangt weiterhin Farbauftrag, geeignetes Papier und eine passende Übertragung. Ein wiederholbarer Vorgang ist deshalb nicht automatisch ein fehlerfreier Vorgang.

Eine Platte oder viele einzelne Teile

Die Diamant-Sutra von 868 führt zu einem erhaltenen Holzblockdruck. Das Jikji von 1377 erschließt ein Buch aus beweglichen Metallzeichen. Beide Zeugnisse zeigen, was zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort hergestellt wurde. Ihr Alter ersetzt keinen Nachweis des allerersten Versuchs eines Verfahrens. Die datierte Diamant-Sutra Der erhaltene Jikji-Band

Die Holzblockausgabe des Jikji von 1378 macht das Nebeneinander besonders deutlich. Menschen mussten nicht überall dieselbe technische Lösung wählen. Eine aufbewahrte ganze Seite und ein Vorrat neu anzuordnender Zeichen boten unterschiedliche Möglichkeiten. Die spätere Holzblockausgabe

Werkzeuge und Abzüge erzählen verschiedene Geschichten

Ein gedrucktes Zeichen ist nicht dieselbe Art von Gegenstand wie die Matrize, aus der die zugehörige Letter gegossen wurde. Die Schriftform kann älter sein als ein konkreter Nachguss. Ein fertiges Buchexemplar kann nach dem Druck noch bemalt, gebunden oder später verändert werden. Schriftform und Nachguss Druck und spätere Handarbeit

In den Stationen folgen wir deshalb jeweils einem genau benannten Zusammenhang. Beim Guss geht es um die Wiederholung einer Form. Beim Mainzer Buchauftrag geht es um Arbeitsschritte, die zusammenpassen müssen. Beim Pflanzenbild geht es um die Reise und erneute Nutzung eines materiellen Druckstocks. Der Weg der Pflanzenblöcke

Die Farbe kann oben oder unten liegen

Holzschnitt und gesetzte Lettern nutzen erhöhte Druckflächen. Ein Kupferstich nutzt dagegen eingeschnittene Linien, in denen nach dem Wischen Farbe verbleiben kann. Die Frage nach dem Farbträger verbindet die Verfahren und macht ihren Unterschied verständlich. Die Hochdruckfläche Die eingeschnittene Linie

Du brauchst dafür zunächst keine lange Liste von Fachwörtern. Betrachte, was an der Form bearbeitet wurde und welche Teile anschließend auf dem Blatt erscheinen sollen. Die Materialwahl und der Arbeitsablauf gehören zur Erklärung des sichtbaren Bildes.

Viele Exemplare brauchen ein verlässliches Ausgangsstück

Eine gemeinsame Druckform kann denselben Text verbreiten und zugleich denselben Fehler wiederholen. Prüfung und Korrektur werden dadurch besonders folgenreich. Ein klar gedruckter Satz ist leichter zu lesen; ob sein Inhalt stimmt, muss trotzdem begründet werden.

Der Raum endet deshalb bei wiederverwendeten Pflanzenbildern. Ihr Vorkommen in zwei Büchern kann einen Zusammenhang zwischen Druckmaterialien zeigen. Es belegt für sich allein weder eine neue Naturbeobachtung noch die Richtigkeit beider Benennungen. So führt die Geschichte der Vervielfältigung direkt zur Frage, wie Lesende ein verbreitetes Wissen prüfen können.

Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Die Arbeitsfolge des traditionellen chinesischen Holzblockdrucks

    Michela Bussotti, Bibliothèque nationale de France / Patrimoines Partagés: L’imprimerie chinoise traditionnelle.

    Erklärt Relief, Spiegelung, Einfärben und Reiben sowie verschiedene Typenmaterialien. Die abgebildeten späteren Werkstattdarstellungen werden nicht als direkte Zeugnisse von 868 behandelt. Kein nachgewiesener gerader Übertragungsweg nach Mainz; keine pauschale Bewertung ganzer Schriftsysteme.

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  2. Ein erhaltenes datiertes Werk: die Diamant-Sutra

    International Dunhuang Programme, British Library: Buddhist texts: the Diamond Sutra; Or.8210/P.2.

    Sieben Blätter und datierter Kolophon 11. Mai 868 mit Wang Jie als Stifter. Der Rang bezieht sich auf einen erhaltenen vollständigen datierten Druck, nicht auf die Erfindung des Verfahrens. Unterschiedliche veröffentlichte Gesamtlängen nicht vereinheitlicht; keine unbelegte Faseranalyse behauptet.

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  3. Der erhaltene Metalltypenband und die Holzblockausgabe des Jikji

    Bibliothèque nationale de France: Le Jikji, un trésor de l’imprimerie; Coréen 109.

    Band zwei des Metalldrucks 1377 aus Heungdeok-sa, Cheongju; vollständiger Text als Holzblockdruck 1378 aus Ch’wi’am. Auf ältestes bekanntes erhaltenes Metalltypenbuch begrenzen. Verkürzte Aussagen über erste Drucke überhaupt nicht übernommen. Einbanddatum nicht als Druckdatum behandelt.

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  4. Beteiligte und unterschiedliche Wiederauflagen des Jikji

    J. Willard Marriott Library, University of Utah: From Jikji to Gutenberg, Research.

    Nennt Myodeoks finanzielle Unterstützung, Seokchan und weitere Beteiligte; erläutert die Wiederauflage mit Holzblöcken nach Bedarf als institutionelle Deutung. Die anschließend gezeigten Kabinja-Typen um 1434 sind keine erhaltenen Jikji-Lettern von 1377. Keine gesicherte Übertragungsroute nach Europa abgeleitet.

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  5. Was Metallanalysen und erhaltene Lettern über ihre Herstellung sagen

    Patrick Storme: Historical Type in the Collection of the Plantin-Moretus Museum in Antwerp from a Metal Conservators’ Point of View. Tijdschrift voor Mediageschiedenis 19(2), 2016. DOI 10.18146/2213-7653.2016.265.

    HTML ist als experimenteller Zeitschriftenprototyp gekennzeichnet. Untersuchung von 28 Typen in sechs Gruppen, jeweils zwei XRF-Messungen: Oberfläche, keine direkte Datierung. Nachguss älterer Schriftformen, Nachbearbeitung und Unterschiede zwischen Ausgangsmaterial und Guss. Keine universelle Gutenberg-Legierung. Das fehlerhafte Härteverhältnis 35 zu 7 und ungeprüfte allgemeine Aussagen zur Antimonausdehnung werden nicht übernommen.

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  6. Gutenberg-Bibel: Druck, Bemalung und Datierung unterscheiden

    Bibliothèque nationale de France: La Bible de Gutenberg; insbesondere Papierexemplar A-71 und Cremers Vermerke von 1456.

    Vermerke August 1456 betreffen Bemalung, Rubrizierung und Bindung. Piccolomini-Brief März 1455 nennt gesehene Lagen und unterschiedliche gehörte Auflagenangaben. Fertigstellung um 1454–1455 als Einordnung, kein präziser Drucktag und keine sicher gezählte Auflage. Bibel nicht zum ersten beliebigen europäischen Typendruck erklärt.

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  7. Wie eingeschnittene Linien im Kupferstich Farbe übertragen

    The Metropolitan Museum of Art, Materials and Techniques: Engraving, 21. Dezember 2018.

    Stichel, Vertiefung, Schraffur, Wischen, feuchtes Papier und Druck. Konkrete heutige Demonstration nicht auf Schongauers Gerätebestand zurückdatiert. Der Text lässt frühe andere Übertragungsweisen und bewusst belassenen Plattenton ausdrücklich zu; keine starre Regel jedes historischen Stichs daraus gemacht.

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  8. Lobelius: Londoner Holzblöcke für eine Antwerpener Ausgabe

    Museum Plantin-Moretus: Kruydtboeck oft beschrijvinghe van allerleye ghewassen, kruyderen, hesteren, ende gheboomten, Mathias de Lobel, 1581.

    Pena und Lobelius, Londoner Veröffentlichung 1571 bei Thomas Purfoot; Erwerb durch Plantin, Ankunft der Blöcke 4. Mai 1580, Nutzung 1581. Bildstockhandel von Übersetzung und Textfassung unterscheiden. Nicht mit Dodoens’ früherem Cruydtboeck verwechseln.

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Redaktion: Benjamin Metzig. Erste vollständige Fassung dieser Sammlung vom 6. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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