Exponat 05 · Faradays Induktionsring von 1831
Mit Veränderung einen Strom induzieren
Zwei elektrisch getrennte Wicklungsgruppen teilen einen Eisenring. Faradays Versuchsbericht zeigt, weshalb ein kurzer Ausschlag und die anschließende Ruhe zusammengehören.
3 Minuten Haupttext · Stand: 7. September 2026
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Warum reagiert der zweite Stromkreis beim Ein- und Ausschalten, aber nicht dauerhaft?
- Die beiden Stromkreise benötigen keine leitende Verbindung miteinander.
- Beim Schließen und Öffnen treten entgegengesetzte kurze Wirkungen auf.
- Ein unveränderlicher Zustand erzeugt in diesem ruhenden Aufbau keine anhaltende Induktionsspannung.
- Zeitliche Einordnung
- 29. August 1831; Vortrag 1831, Veröffentlichung 1832
- Orte und Regionen
- Royal Institution, London
- Historisch Beteiligte
- Michael Faraday
Zwei Kreise, ein Ring
Ein Eisenring trägt isolierten Kupferdraht in zwei voneinander getrennten Gruppen. Eine Gruppe wird mit einer Batterie verbunden, die andere mit einem empfindlichen Anzeigegerät. Die Royal Institution bewahrt den Ring auf und ordnet den Versuch dem 29. August 1831 zu. Faraday beschreibt ihn später ausführlich in seinen „Experimental Researches“. Der erhaltene Ring Faradays eigener Bericht, §§ 27–35
Die historische Anordnung ist genauer als das vertraute Symbol von zwei Spulen: Faraday nennt drei Teilwicklungen in der einen Gruppe und zwei in der anderen. Für die Funktionsfrage ist ihre elektrische Trennung entscheidend. Der gemeinsame Eisenring bedeutet nicht, dass die Batterie ihren Strom durch einen versteckten Metalldraht zum zweiten Kreis schickt.
Schließen, halten, öffnen
Beim Schließen des Batteriekreises schlägt die Anzeige im zweiten Kreis kurz aus. Danach kehrt sie zurück, obwohl die Batterie weiterhin angeschlossen ist. Beim Öffnen erfolgt erneut ein Ausschlag, jetzt in der entgegengesetzten Richtung. Faraday hebt gerade diese Abfolge hervor. Ausschlag und Rückkehr, §§ 28–30
Alle drei Zustände gehören zum Befund. Wer nur das Einschalten zeigt, lässt den Vergleich unvollständig. Wer nur die spätere Ruhe betrachtet, könnte die tatsächlich vorhandene Wirkung übersehen. Die zeitliche Reihenfolge verrät etwas, was ein einzelnes Standbild des Geräts nicht zeigen kann.
Die heutige Erklärung
In heutiger Sprache verändert sich beim Einschalten der magnetische Fluss durch die zweite Wicklungsgruppe. Diese Änderung erzeugt dort eine Induktionsspannung. Ist der zweite Kreis geschlossen, kann deshalb kurz Strom fließen. Hat sich der Strom im ersten Kreis eingestellt und bleibt die ganze Anordnung unverändert, endet die entsprechende Flussänderung. Die Änderung des magnetischen Flusses
Beim Abschalten verändert sich der Fluss in die andere Richtung. Entsprechend kehrt sich die elektrische Wirkung um. Die Erklärung verlangt also mehr als „ein Magnetfeld ist vorhanden“. Entscheidend ist im betrachteten ruhenden Aufbau, wie sich der magnetische Zusammenhang mit der Zeit ändert.
Wie Faraday den Befund prüfte
Faraday variierte Anschlüsse und Materialien. Er kehrte die Batterieanschlüsse um und verglich den veränderten Ausschlag. In weiteren Anordnungen untersuchte er den Einfluss eines eingeführten Eisenstücks und verglich ihn mit Kupfer. Seine Beschreibung macht sichtbar, dass ein Nachweis nicht allein aus einem gelungenen ersten Ausschlag besteht. Anschlusswechsel und Materialvergleich, §§ 30–35
Für die Beobachtung war auch der Ort des Anzeigegeräts wichtig. Im Ringbericht steht es in einigem Abstand zum Ring. Ein Instrument, dessen Nadel unmittelbar vom nahen Magneten beeinflusst würde, könnte eine andere Wirkung anzeigen als den Strom im angeschlossenen Draht. Versuchsaufbau und Deutung müssen deshalb zusammen gelesen werden.
Bewegung ist ein zweiter Weg
In anderen Versuchen führte Faraday einen Stabmagneten in eine Drahtspule hinein und zog ihn wieder heraus. Bewegung und Stillhalten ergeben erneut unterschiedliche Zustände. Auch hier gehören entgegengesetzte Bewegungsrichtungen und entgegengesetzte Anzeigen zusammen. Das Ergebnis erweitert den Ringversuch: Die erforderliche Veränderung lässt sich auf mehr als einem Weg herstellen. Magnet und Spule, §§ 39–43
Die Quelle der Veränderung muss dabei jeweils benannt werden. Beim Ring verändert die zugeschaltete Batterie den Strom und damit das Feld. Beim bewegten Magneten kommt eine mechanische Bewegung hinzu. „Induktion“ bezeichnet den Zusammenhang, nicht schon eine bestimmte Energiequelle.
Was aus der kurzen Wirkung folgt
Ein einzelner Schaltvorgang liefert keine dauerhafte Versorgung. Wer fortlaufend elektrische Energie übertragen oder gewinnen will, muss die passende Veränderung fortsetzen. Das führt zu rotierenden Generatoren und zu Transformatoren mit wechselnder elektrischer Anregung. Der Ring ist deshalb ein Ausgangspunkt für neue Anordnungen, nicht bereits ein vollständiges Stromnetz. Zeitliche Änderung als Bedingung
Halte zum Abschluss zwei Fragen auseinander: Entsteht eine Spannung? Und kann im angeschlossenen Kreis Strom fließen? Eine unterbrochene zweite Leitung kann den Strom verhindern, ohne dass damit jede Induktionsspannung ausgeschlossen wäre. Das unterscheidet einen fehlenden Anzeigestrom von einer grundsätzlich fehlenden elektrischen Wirkung.
Grenzen des Wissens
Was offen bleibt
Die Beschreibung folgt Faradays veröffentlichter Versuchsdarstellung im Nachdruck von 1849. Seine damaligen Deutungsvorschläge werden von der heutigen Erklärung durch die Änderung des magnetischen Flusses unterschieden.
Begriffe verstehen
Induktion
Entstehung einer elektrischen Spannung durch eine geeignete Änderung des magnetischen Zusammenhangs eines Kreises.
← Zur TextstelleWicklung
Draht, der in mehreren Windungen um einen Träger geführt wird.
Galvanometer
Instrument zum Nachweis oder zur Messung kleiner elektrischer Ströme.
Magnetischer Fluss
Größe, die Magnetfeld, durchsetzte Fläche und deren Orientierung gemeinsam berücksichtigt.
Quellen und Nachweise
Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.
- Faradays eigene Beschreibung des Ringversuchs
Michael Faraday: Experimental Researches in Electricity, Band 1, 2. Ausgabe, London 1849; First Series, besonders §§ 6–19 und 27–43; ursprünglich vorgetragen am 24. November 1831. Transkription bei Project Gutenberg.
Nachdruck der First Series mit gekennzeichneten späteren Anmerkungen. Der Vortrag fand 1831 statt, der ursprüngliche Druck erschien 1832. Die beiden Gruppen des beschriebenen Rings umfassen drei und zwei Teilwicklungen.
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Royal Institution: Michael Faraday’s ring-coil apparatus, August 1831.
Die Royal Institution datiert den Ringversuch auf den 29. August 1831. Der erhaltene Gegenstand verbindet Faradays Beschreibung mit materiellem Bestand.
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Ling, Moebs und Sanny: University Physics Volume 2, 13.1 Faraday’s Law, OpenStax, 2016.
Die heutige Formulierung erklärt die Bedingungen einer Induktionsspannung. Sie verwendet den Begriff des magnetischen Flusses und ist nicht Faradays ursprüngliche Ausdrucksweise.
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Redaktion: Benjamin Metzig. Redaktionelle Ausarbeitung vom 7. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.
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