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Exponat 06 · Die selbsterregte Dynamomaschine

Ein Generatorfeld selbst erregen

Eine schwache magnetische Vorprägung reicht unter passenden Bedingungen zum Anlaufen. Siemens’ Bericht von 1867 zeigt, wie Generatorstrom und Magnetfeld zusammenwirken – und weshalb der mechanische Antrieb dabei weiterarbeiten muss.

3 Minuten Haupttext · Stand: 7. September 2026

Buntstiftskizze einer Dynamomaschine mit zwei Feldwicklungen, fein bewickeltem Anker, kleinerem Kommutator links und Riemenantrieb rechts.Bild vergrößern ↗
Typisierte Anschauung einer frühen Dynamomaschine. Antrieb, Wicklungen und Kontakte sind hervorgehoben; die Skizze ist kein vollständiger Schaltplan oder genauer Nachbau eines bestimmten Exemplars.

Auf einen Blick

Wie kann eine angetriebene Maschine ihr eigenes Magnetfeld verstärken?

  • Ein schwaches Anfangsfeld ermöglicht bei Drehung eine erste Induktionswirkung.
  • Die passende Verbindung führt Generatorstrom durch die Feldwicklung und verstärkt das Feld.
  • Die elektrische Energie stammt weiterhin aus mechanischer Arbeit an der Welle.
Zeitliche Einordnung
Entwicklung 1866; Berichte an die Royal Society im Februar 1867
Orte und Regionen
Berlin und London
Historisch Beteiligte
Werner Siemens; Carl Wilhelm Siemens; Charles Wheatstone; Vorarbeiten weiterer Konstrukteure

Eine Maschine ohne großen Dauermagneten

Ein gebogenes Eisenstück trägt eine Drahtwicklung. Zwischen seinen Enden dreht sich ein ebenfalls bewickelter eiserner Anker. Carl Wilhelm Siemens beschreibt diese Anordnung der Royal Society 1867 und führt den Vorschlag auf seinen Bruder Werner zurück. Die Aufgabe lautet: Das für die Stromerzeugung benötigte Feld soll durch den erzeugten Strom selbst verstärkt werden. Die beschriebene Maschine, S. 367–368

Der Unterschied zu einem Generator mit starkem Dauermagneten liegt im Aufbau der Felderregung. Das Eisen und seine Wicklung müssen dabei zusammen betrachtet werden. Ein Foto des blanken Metallkörpers allein würde den entscheidenden Weg des elektrischen Stroms noch nicht erklären.

Der Anfang braucht eine Spur

Für den ersten Gebrauch beschreibt Siemens eine kurze Magnetisierung mithilfe einer Batterie. Nach dieser Vorprägung bleibt im Eisen eine schwache magnetische Wirkung zurück. Wird der Anker gedreht, kann sie eine kleine elektrische Wirkung hervorrufen. Der Bericht hält fest, dass die Maschine nach einer Unterbrechung mithilfe dieses Restmagnetismus erneut anlaufen konnte. Vorprägung und erneutes Anlaufen

„Selbsterregt“ bedeutet also nicht, dass sämtliche Anfangsbedingungen verschwinden. Ohne das erforderliche Anfangsfeld oder bei einer ungeeigneten Verbindung kann der Aufbau ausbleiben. Entscheidend sind der Zustand des Eisens, die Drehung und die Richtung, in der der erste Strom die Feldwicklung durchläuft.

Ein Strom verstärkt seine Voraussetzung

In der erläuterten Verbindung durchläuft der erzeugte Strom auch die Wicklung am Feldmagneten. Unterstützt deren Wirkung das vorhandene Feld, steigt die Induktionswirkung bei weiterer Drehung. Dadurch kann wiederum ein größerer Strom fließen. Das ist eine verstärkende Rückwirkung innerhalb derselben Maschine. Wicklungen und geschlossener Kreis

Sie ist kein unbegrenztes Wachstum. Siemens benennt die verfügbare Antriebskraft und die Leitungsbedingungen als Grenzen. Ebenso wichtig ist die Richtung der Verbindung: Würde die Feldwicklung die anfängliche magnetische Wirkung schwächen, wäre die beschriebene Verstärkung nicht dieselbe. Der Name des Bauteils allein garantiert noch keine funktionierende Schaltung.

Warum das Drehen schwerer wird

Der Bericht beschreibt deutlich, dass der mechanische Widerstand beim Betrieb zunimmt. Die Welle muss weiter angetrieben werden; beim Stillsetzen endet die fortgesetzte Stromerzeugung. Die elektrische Abgabe kommt aus der Arbeit, die der Antrieb gegen diese Gegenwirkung verrichtet. Ein verstärktes Feld ist deshalb keine zusätzliche unabhängige Energiequelle. Antriebswiderstand und Leistungsgrenzen, S. 368–369

Stelle dir zwei Zustände vor: Im einen dreht die Maschine ohne wirksame elektrische Abgabe, im anderen versorgt sie einen angeschlossenen Verbraucher. Ein brauchbarer Vergleich betrachtet die mechanisch zugeführte und die elektrisch abgegebene Leistung gemeinsam. Dass im zweiten Zustand mehr Kraft zum Halten derselben Drehzahl nötig sein kann, ist gerade Teil der Energieübertragung.

Drehung und Kontakte müssen zusammenpassen

Die Spannung einer rotierenden Wicklung hängt von ihrer Stellung zum Feld ab. Der im Bericht genannte Kommutator ordnet die äußeren Anschlüsse im Takt der Bewegung neu zu. So lassen sich die wechselnden Vorgänge in der Ankerwicklung für die gewünschte Stromrichtung im äußeren Kreis nutzen. Wicklung, Drehachse und Kontakte erfüllen verschiedene Aufgaben. Anker und Kommutator

Auch hier hilft eine gedankliche Störung: Ein vorhandenes Magnetfeld ersetzt keinen fehlenden Kontakt. Eine leitende Verbindung ersetzt keine Drehung. Wer eine Maschine untersucht, verfolgt deshalb sowohl den mechanischen Weg an der Welle als auch den elektrischen Weg durch Wicklungen, Kontakte und angeschlossenen Kreis.

Ein gemeinsam bearbeitetes Problem

Unmittelbar nach dem Siemens-Beitrag beginnt in demselben Band Wheatstones Arbeit zur Verstärkung eines Magneten durch die von ihm angeregten Ströme. Schon die erste Seite nennt andere beteiligte Konstruktionen und Vorarbeiten. Die Texte machen ein Forschungs- und Konstruktionsproblem sichtbar, an dem mehrere Menschen arbeiteten. Wheatstones Beitrag, S. 369

Vom Versuch zur Versorgung fehlen noch weitere Schritte: gleichmäßiger Antrieb, geeignete Anschlüsse, Regelung und passende Verbraucher. Die nächste Station untersucht deshalb die Glühlampe zusammen mit ihrer Anlage. Eine Stromquelle wird erst dann für viele Nutzer brauchbar, wenn Erzeugung, Verteilung und Verwendung zueinander passen.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Das Exponat folgt der 1867 von Carl Wilhelm Siemens erläuterten Anordnung. Es behandelt keine lückenlose Prioritätsgeschichte aller Dynamomaschinen; Wheatstones zugleich erschienener Beitrag zeigt einen weiteren beteiligten Ansatz.

Begriffe verstehen

Anker

Beweglicher Teil dieser Maschine, dessen Wicklung sich im Magnetfeld dreht.

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Feldwicklung

Drahtwicklung, deren Strom zum Magnetfeld der Maschine beiträgt.

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Restmagnetismus

Magnetische Wirkung, die ein geeignetes Eisenstück nach einer vorherigen Magnetisierung behält.

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Kommutator

Mitdrehende Kontaktanordnung, die die Verbindungen der Ankerwicklung im passenden Takt umschaltet.

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Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Mechanischer Antrieb und Selbsterregung

    C. W. Siemens: On the Conversion of Dynamical into Electrical Force without the Aid of Permanent Magnetism. Proceedings of the Royal Society of London 15 (1866–1867), S. 367–369; eingegangen 4. Februar 1867.

    Der Beitrag nennt Werner Siemens als Urheber des beschriebenen Vorschlags und erläutert Antrieb sowie Leistungsgrenzen. Seine beiläufige Datierung von Faradays Induktionsentdeckung auf 1830 weicht von den belegten Versuchen von 1831 ab.

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  2. Wheatstones gleichzeitig veröffentlichter Ansatz

    Charles Wheatstone: On the Augmentation of the Power of a Magnet by the Reaction Thereon of Currents Induced by the Magnet Itself. Proceedings of the Royal Society of London 15 (1866–1867), S. 369–372; eingegangen 14. Februar 1867.

    Die erste Seite, S. 369, beschreibt Elektromagnet, Anker und magnetische Vorprägung und nennt Vorarbeiten von Wilde und Siemens. Sie macht das Zusammenwirken mehrerer Entwicklungswege sichtbar.

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Redaktion: Benjamin Metzig. Redaktionelle Ausarbeitung vom 7. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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