Exponat 08 · Transformator und Lauffen–Frankfurt 1891
Energie mit verschiedenen Spannungen übertragen
Wasserkraft in Lauffen betreibt elektrische Verbraucher in Frankfurt. An der Übertragung von 1891 verfolgen wir Erzeugung, Spannungsumwandlung, Leitung und Nutzung – und rechnen nach, welche Bedingungen den Leitungsverlust bestimmen.
3 Minuten Haupttext · Stand: 7. September 2026
Bild vergrößern ↗Auf einen Blick
Warum wird die Spannung für den langen Weg erhöht und am Ziel wieder verringert?
- Ein Transformator koppelt Wicklungen über einen zeitlich veränderlichen magnetischen Fluss.
- Bei gleicher übertragener Leistung kann eine höhere Spannung die nötige Stromstärke senken.
- Eine erfolgreiche Vorführung entscheidet wirtschaftliche und örtliche Netzfragen nicht allein.
- Zeitliche Einordnung
- August und September 1891; 175 Kilometer Übertragungsstrecke
- Orte und Regionen
- Lauffen am Neckar und Internationale Elektrotechnische Ausstellung Frankfurt am Main
- Historisch Beteiligte
- Oskar von Miller; Michail von Dolivo-Dobrowolski; Charles E. L. Brown; AEG, Maschinenfabrik Oerlikon und zahlreiche Ausführende
Ein Wasserfall wird zur Vorführung
In Frankfurt konnten Ausstellungsbesucher einen elektrisch betriebenen Wasserfall sehen. Die dafür genutzte Energie kam über eine etwa 175 Kilometer lange Leitung aus Lauffen am Neckar. Dort wurde Wasserkraft zur Stromerzeugung eingesetzt; am Ziel trieb ein Elektromotor eine Pumpe an. Ein zeitgenössischer Bericht erläuterte diesen Weg im Herbst 1891. Die Gartenlaube über die Kraftübertragung
Verfolge die Umwandlungen einzeln: Wasser treibt eine Maschine, diese einen Generator. Elektrische Energie gelangt über die Leitung zur Empfangsanlage. Ein Motor bewegt schließlich wieder Wasser. Der Wasserfall macht eine entfernte Energiequelle sichtbar, auch wenn seine Betrachter die Kraftanlage in Lauffen nicht selbst sehen können.
Zwei Spannungswechsel gehören zum Weg
Die Übertragung nutzte Drehstrom und eine Spannung von rund 15 Kilovolt auf der langen Leitung. Vor und nach diesem Weg passten Transformatoren die Spannung an. Die Demonstration entstand aus dem Zusammenwirken unterschiedlicher Geräte, Firmen und Fachleute. Im August wurden erste Funktionen gezeigt; die volle Leistung folgte im September. Anlage und Inbetriebnahmephasen
Schon der Bericht von 1891 lenkt den Blick auf zwei Umformungen und die unterschiedlichen Leiterabmessungen an der Erzeugung und entlang der Strecke. Er macht damit eine Grundidee anschaulich: Eine zweckmäßige Spannung am Generator muss nicht dieselbe sein wie auf der Fernleitung oder am angeschlossenen Verbraucher. Leitungen und Spannungsumwandlung
Was ein Transformator überträgt
Zwei Wicklungen teilen einen magnetischen Zusammenhang. Die zeitliche Änderung des Stroms auf der Eingangsseite verändert den magnetischen Fluss und erzeugt auf der Ausgangsseite eine Spannung. Im idealen Transformator entspricht das Verhältnis der Spannungen dem Verhältnis der Windungszahlen. Eine höhere Ausgangsspannung geht bei gleicher Leistung mit einer kleineren Ausgangsstromstärke einher. Das ideale Transformatorverhältnis
Das beschreibt eine Energieübertragung, keine Vermehrung der Energie. Eine unveränderte Gleichstromanregung erzeugt nach dem Einschaltvorgang im betrachteten ruhenden Aufbau keine fortgesetzte Transformation. Gezielt geschaltete, zeitlich veränderliche Anregungen sind eine andere Situation. Reale Wicklungen und Eisenkerne haben außerdem Verluste; das Idealmodell lässt sie zunächst weg.
Zehnfach höhere Spannung: Was ändert sich?
Für ein eigenes vereinfachtes Rechenbeispiel betrachten wir dieselbe übertragene Wirkleistung, denselben Leitungswiderstand und einen unveränderten Leistungsfaktor. Erhöhen wir die Spannung auf das Zehnfache, genügt ein Zehntel der Stromstärke. Die Erwärmungsleistung im Draht folgt I² · R. Sie sinkt dadurch auf ein Hundertstel. Stromstärke und ohmscher Leitungsverlust
Das bedeutet: Zehn mal weniger Strom führt unter diesen festgelegten Bedingungen zu hundert mal weniger Wärmeleistung in derselben Leitung. Es bedeutet nicht, dass nun die ganze Anlage hundert mal effizienter wäre. Andere Verluste und technische Anforderungen bleiben bestehen. Der Vergleich ist ausdrücklich eine Modellrechnung, keine überlieferte Messreihe von Lauffen–Frankfurt.
Die Leitung ist ein Bauwerk
Hollenbergs zeitgenössischer Artikel beschreibt die lange Folge von Masten, Drähten und Isolatoren. Die Verbindung brauchte also einen durchgehenden gebauten Weg durch die Landschaft. Leitendes Kupfer allein genügte nicht: Die Leiter mussten getragen und gegenüber ihrer Umgebung isoliert werden. Masten, Leiter und Isolatoren
Mit der höheren Spannung verändern sich die Anforderungen an Abstände, Isolation und Betrieb. Solche Anforderungen gehören ebenso zur Übertragung wie die günstige Rechnung zum Drahtverlust. Wer nur die beiden Endgeräte zeichnet, übersieht den größten räumlichen Teil der Anlage. Ihre Herstellung und Instandhaltung verlangen Material, zugängliche Trassen und menschliche Arbeit entlang des gesamten Wegs.
Erfolg und Folgeentscheidung unterscheiden
Die Vorführung machte die Fernübertragung eindrucksvoll sichtbar. Dennoch entschied sich Frankfurt beim anschließenden städtischen Ausbau zunächst für einphasigen Wechselstrom. Eine gelungene Demonstration beantwortete also noch nicht jede Frage nach örtlichem Bedarf, Kosten und Systemwahl. Die spätere Frankfurter Entscheidung
Der Artikel von 1891 verbindet seinen Bericht außerdem mit weitreichenden Zukunftshoffnungen. Diese Erwartungen erzählen etwas über die damalige Wahrnehmung, nicht über einen schon abgeschlossenen Wandel. Am Ende des Raums steht deshalb ein Netz mit Voraussetzungen: Energiequelle, Geräte, Leitungen, Betrieb und Zugang müssen gemeinsam funktionieren. Von der ersten Säule bis zur Fernübertragung sind die Möglichkeiten gewachsen – ebenso die Zahl der beteiligten Menschen und Entscheidungen.
Grenzen des Wissens
Was offen bleibt
Die Versuche begannen im August; die volle Leistung wurde erst im September erreicht. Das Rechenbeispiel idealisiert die Übertragung und ist keine nachträgliche Wirkungsgradmessung der historischen Anlage.
Begriffe verstehen
Transformator
Anordnung magnetisch gekoppelter Wicklungen, die bei passender zeitlicher Änderung unterschiedliche Spannungen bereitstellt.
← Zur TextstelleDrehstrom
Zusammengehöriges System dreier wechselnder elektrischer Größen mit gegeneinander versetztem zeitlichem Verlauf.
← Zur TextstelleVerlustleistung
Leistung, die auf dem betrachteten Übertragungsweg nicht als gewünschte Abgabe am Ziel ankommt; in einer widerstandsbehafteten Leitung etwa als Wärme.
Leistungsfaktor
Verhältnis der tatsächlich übertragenen Wirkleistung zu der aus Spannung und Stromstärke bestimmten Scheinleistung; bei Wechselstrom können diese Werte verschieden sein.
← Zur TextstelleQuellen und Nachweise
Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.
- Lauffen–Frankfurt und der offene Systemstreit
Norbert Gilson: Drehstromübertragung Lauffen–Frankfurt, VDE Geschichte der Elektrotechnik, Informationsstand 15. Mai 2015, Seite vom 5. Juni 2020.
Augustversuche und volle Leistung im September sind getrennte Ereignisse. Frankfurt entschied sich später zunächst für einphasigen Wechselstrom; die Vorführung beantwortete die örtliche Systemfrage nicht allein.
← Zur Textstelle 1: Zwei Spannungswechsel gehören zum Weg← Zur Textstelle 2: Erfolg und Folgeentscheidung unterscheiden - Spannung, Windungszahl und Leitungsverlust
Ling, Moebs und Sanny: University Physics Volume 2, 15.6 Transformers, OpenStax, 2016.
Spannungs- und Stromverhältnisse gelten für das erläuterte Idealmodell. Das Zahlenbeispiel im Museum ist eine eigene Rechnung mit festgelegten Bedingungen, keine Messung der Anlage von 1891.
← Zur Textstelle 1: Was ein Transformator überträgt← Zur Textstelle 2: Zehnfach höhere Spannung: Was ändert sich? - Zeitgenössische Hoffnung auf elektrische Fernübertragung
A. Hollenberg: Fortschritte und Erfindungen der Neuzeit. Die elektrische Kraftübertragung. Die Gartenlaube 1891, Heft 40, S. 682–683; Transkription bei Wikisource.
Der zeitgenössische Bericht beschreibt die Leitung, zwei Spannungsumwandlungen und den Wasserfall. Seine Zukunftshoffnungen gehören zur damaligen Wahrnehmung; seine Aussagen zur Berührungssicherheit sind keine heutige Sicherheitsbewertung.
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Redaktion: Benjamin Metzig. Redaktionelle Ausarbeitung vom 7. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.
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