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Exponat 02 · Waagerechter Wurf und zusammengesetzte Bewegung

Eine Wurfbahn aus zwei Bewegungen

Ein Körper bewegt sich gleichzeitig nach vorn und nach unten. Galileos geometrische Darstellung und ein eigenes kleines Modell zeigen, warum die gemeinsame Bahn unter bestimmten Bedingungen eine Parabel ist.

3 Minuten Haupttext · Stand: 7. September 2026

Eine Bronzekugel hat in einer Buntstiftskizze die rechte Kante eines Holztischs verlassen. Eine gestrichelte Hilfslinie krümmt sich nach rechts unten; kleine Pfeile zeigen waagerecht nach rechts und senkrecht nach unten.Bild vergrößern ↗
Heutige qualitative Lehrskizze zum waagerechten Wurf. Die Pfeile markieren zwei Betrachtungsrichtungen, keine Kraft- oder Geschwindigkeitsvektoren. Die gestrichelte Bahn ist eine zeichnerische Hilfe ohne Messmaßstab; das genaue Modell wird im Text erläutert.

Auf einen Blick

Wie entsteht eine gekrümmte Bahn aus einer gleichförmigen und einer beschleunigten Bewegung?

  • Die horizontale und vertikale Bewegung verwenden dieselbe verstrichene Zeit.
  • Im einfachen Modell bleibt die horizontale Geschwindigkeit gleich, während die vertikale zunimmt.
  • Eine Parabel beschreibt die Bahn nur unter den angegebenen Voraussetzungen.
Zeitliche Einordnung
Discorsi, vierter Tag, 1638; heutige Modellgleichungen zur Erklärung
Orte und Regionen
Italien; mathematische Untersuchung bewegter Körper
Historisch Beteiligte
Galileo Galilei

Zwei Fragen an denselben Ort

Stelle dir eine Kugel vor, die eine waagerechte Tischkante verlässt. Um ihren nächsten Ort zu beschreiben, kannst du zwei Fragen stellen: Wie weit ist sie nach vorn gekommen? Wie tief ist sie gefallen? Beide Antworten gehören zu demselben Augenblick. Die Kugel erledigt die beiden Bewegungen nicht nacheinander.

Diese Trennung ist eine Denk- und Rechenhilfe. Die wirkliche Kugel durchläuft eine einzige Bahn. Gerade weil ihre Lage zwei Angaben verlangt, kann eine Zerlegung die gekrümmte Bewegung leichter verständlich machen.

Eine geometrische Verbindung

Am Anfang des vierten Tages seiner Discorsi verbindet Galileo eine gleichförmige waagerechte Bewegung mit einer gleichmäßig beschleunigten Fallbewegung. Die zugehörige Zeichnung ordnet gleich langen horizontalen Abschnitten wachsende vertikale Strecken zu. Daraus wird die Form einer halben Parabel abgeleitet. Vierter Tag, Proposition I und Figuren 106–108

Die geometrische Darstellung braucht eine gemeinsame Zeiteinteilung. Ohne diese Verbindung wären die zwei Streckenfolgen nur nebeneinandergestellte Zahlen. Erst die Aussage, welche Strecken gleichzeitig erreicht werden, macht aus ihnen eine Bahn.

Gleiche Schritte nach vorn, größere Schritte nach unten

Für ein eigenes einfaches Beispiel messen wir die waagerechte Entfernung und die Falltiefe in passend gewählten Einheiten. Nach einer Zeiteinheit lautet das Paar eins und eins. Nach zwei Einheiten ist es zwei und vier, nach drei drei und neun. Die waagerechte Koordinate wächst gleichmäßig, die Falltiefe quadratisch.

Verbinde die zugehörigen Punkte gedanklich zu einer glatten Kurve. Ihr Verlauf wird zunehmend steiler. Die Zahlen dienen allein der Erklärung des Modells. Sie behaupten weder eine bestimmte historische Kugelgeschwindigkeit noch die Ergebnisse einer nachgebauten Versuchsanordnung.

Warum das Modell diese Bahn ergibt

Heute schreiben wir für den waagerechten Anteil: Entfernung gleich Anfangsgeschwindigkeit mal Zeit. Für die Falltiefe beim Start ohne vertikale Geschwindigkeit gilt im konstanten Schwerefeld: eine halbe Fallbeschleunigung mal Zeit zum Quadrat. Setzt man die Zeit aus der ersten Beziehung in die zweite ein, erhält man eine quadratische Beziehung zwischen Falltiefe und waagerechter Entfernung. Die heutigen Komponentengleichungen

Die Gleichungen sind eine heutige Erklärung. Galileos geometrische Argumentation wird dadurch zugänglich, aber nicht wortgetreu wiedergegeben. Beide Darstellungen lassen sich vergleichen, ohne ihre Begriffe und Schreibweisen gleichzusetzen.

Vorwärtsbewegung braucht hier keinen weiteren Schub

Im Modell wirkt nach dem Austritt nur die Schwerkraft, und diese zeigt nach unten. Die waagerechte Geschwindigkeit bleibt deshalb erhalten. Ein zusätzlicher waagerechter Antrieb ist nicht nötig. Nach unten verändert sich die Geschwindigkeit dagegen fortlaufend. Richtung von Geschwindigkeit und Beschleunigung

Eine häufige Fehlvorstellung verschiebt das Fallen bis zu einem späteren Punkt der Bahn. In der hier betrachteten Anordnung beginnt der vertikale Geschwindigkeitszuwachs sofort nach dem Austritt. Die gleichzeitig vorhandene Vorwärtsbewegung macht dieses Fallen räumlich sichtbar.

Die Voraussetzungen gehören zum Ergebnis

Bereits der anschließende Dialog bei Galileo spricht über Erdkrümmung und den Widerstand des Mediums. Das ideale Ergebnis wird nicht einfach mit jeder wirklichen Wurfbahn gleichgesetzt. Die Einschränkungen nach der ersten Proposition

Für unser Modell behandeln wir den Boden als lokal eben, die Schwerkraft als gleichgerichtet und konstant sowie Luftkräfte als vernachlässigbar. Über größere Strecken, bei starkem Luftwiderstand oder mit weiteren Kräften können diese Annahmen versagen. Eine gut gewählte Vereinfachung hilft gerade dann, wenn ihre Reichweite erkennbar bleibt.

Eine gemeinsame Uhr hält die Erklärung zusammen

Nimm aus der Station weniger eine Formel als eine Frage mit: Welche Teilbewegungen lassen sich für denselben Zeitpunkt getrennt bestimmen? Damit kannst du auch andere gekrümmte Wege untersuchen. Entscheidend ist, die Teilantworten anschließend wieder zu einem gemeinsamen Ort zusammenzufügen.

Beim Weitergehen zur Pendeluhr wechselt die Aufgabe. Hier haben wir eine Zeitgröße benutzt, um eine Bewegung zu beschreiben. Dort wird eine wiederkehrende Bewegung selbst zum Mittel, mit dem Zeit gezählt werden soll.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Die Parabel wird als ideales Modell in einem konstanten Schwerefeld ohne Luftwiderstand erklärt. Zeichnung und eigene Zahlenreihe sind keine überlieferten Messdaten und keine Anleitung zum Bau eines Wurfgeräts.

Begriffe verstehen

Bewegungskomponente

Der Anteil einer Bewegung entlang einer gewählten Richtung, etwa waagerecht oder senkrecht.

Wurfbahn

Die Folge der Orte, die ein frei bewegter Körper nach seinem Abwurf oder Austritt durchläuft.

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Parabel

Eine bestimmte geometrische Kurve; beim idealen waagerechten Wurf wächst die Falltiefe mit dem Quadrat der waagerechten Entfernung.

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Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Galileos Beschreibung beschleunigter und zusammengesetzter Bewegung

    Galileo Galilei: Dialogues Concerning Two New Sciences, englische Übersetzung Henry Crew und Alfonso de Salvio, Macmillan, New York 1914; dritter Tag S. 160–162 und 172–180, vierter Tag S. 244–253.

    Englische Übersetzung von 1914, keine eigene vollständige Übersetzung des italienischen Drucks 1638. Berichtete Wiederholungsgenauigkeit ist keine unabhängig nachgemessene Genauigkeit. Nur die genannten Teile des Dialogs gelesen.

    ← Zur Textstelle 1: Eine geometrische Verbindung← Zur Textstelle 2: Die Voraussetzungen gehören zum Ergebnis
  2. Zwei Bewegungskomponenten einer Wurfbahn

    William Moebs, Samuel J. Ling und Jeff Sanny: University Physics Volume 1, 4.3 Projectile Motion, OpenStax.

    Heutige Modellbeschreibung mit gleichförmiger horizontaler Bewegung, konstantem Schwerefeld und vernachlässigtem Luftwiderstand. Weitere ballistische Anwendungen nicht übernommen.

    ← Zur Textstelle 1: Warum das Modell diese Bahn ergibt← Zur Textstelle 2: Vorwärtsbewegung braucht hier keinen weiteren Schub

Redaktion: Benjamin Metzig. Erste Arbeitsfassung vom 7. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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