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Exponat 03 · Huygens’ Pendeluhr und ihre Gangbedingungen

Ein Pendel regelt die Uhr

Ein Pendel liefert einen wiederkehrenden Takt. Zum Uhrwerk gehören außerdem Energiezufuhr, Zählung und Anzeige. Eine frühe Uhr und Huygens’ spätere Zeichnung zeigen, warum diese Aufgaben sorgfältig aufeinander abgestimmt werden müssen.

3 Minuten Haupttext · Stand: 7. September 2026

Eine offene hölzerne Pendeluhr ist mit Buntstiften gezeichnet. Unter Zifferblatt und Rädern hängt ein runder Pendelkörper an einer befestigten Aufhängung; daneben hängt ein separates zylindrisches Gewicht. Ein Buch zeigt eine einfache Pendelskizze.Bild vergrößern ↗
Freies heutiges Anschauungsbild einer gewichtsgetriebenen Pendeluhr mit getrennt sichtbarem Pendel und Antriebsgewicht. Es zeigt weder die erhaltene Coster-Uhr noch eine funktionsgetreue Hemmung oder Huygens’ Zykloidenführung; diese werden im Text anhand der Quellen erläutert.

Auf einen Blick

Was muss geschehen, damit ein schwingendes Gewicht verlässlich Zeit anzeigen kann?

  • Antrieb, Zeitgeber und Zählwerk erfüllen verschiedene Aufgaben.
  • Beim einfachen Pendel ist die Dauer nur näherungsweise unabhängig vom Ausschlag.
  • Eine mathematische Verbesserung muss sich im gebauten Uhrwerk bewähren.
Zeitliche Einordnung
Pendeluhr ab 1656/1657; Horologium 1658; Konstruktionsdarstellung 1673
Orte und Regionen
Den Haag und Paris; europäisches Uhrmacherhandwerk
Historisch Beteiligte
Christiaan Huygens; Salomon Coster und weitere Uhrmacher

Ein Pendel allein zeigt noch keine Uhrzeit

Ein aufgehängtes Gewicht schwingt hin und her. Du könntest seine Bewegungen zählen, müsstest aber aufmerksam bleiben und verlorene Bewegung wieder zuführen. Huygens beschreibt im Horologium von 1658, wie eine solche wiederkehrende Bewegung mit einem Uhrwerk verbunden wird. Seine Darstellung führt die Entwicklung auf Ende 1656 und ein Privileg von 1657 zurück. Huygens’ eigener Bericht

Für eine Uhr genügt die Wiederholung nicht. Jemand oder etwas muss sie zählen und sichtbar machen. Zugleich soll die nötige Energiezufuhr den Takt möglichst wenig verändern. Aus einer beobachteten Schwingung wird dadurch eine konstruktive Aufgabe.

Drei Aufgaben in einem Gerät

In der gedruckten Zeichnung von 1673 liefert ein herabsinkendes Gewicht den Antrieb. Das Räderwerk überträgt und zählt Bewegung; eine Hemmung verbindet es mit dem Pendel. Bei den wiederkehrenden Freigaben erhält das Pendel kleine Anstöße, die Verluste ausgleichen sollen. Räderwerk und Pendelkopplung in Fig. I–III

Das antreibende Gewicht und das Pendelgewicht sind deshalb nicht austauschbar. Das eine stellt Energie bereit, das andere gehört zum Zeitgeber. Eine Uhr wird leichter verständlich, wenn du diese Aufgaben zunächst trennst und dann ihre Verbindung verfolgst.

Eine Werkstatt setzt die Idee um

Die Science Museum Group bewahrt eine frühe Pendeluhr von Salomon Coster aus Den Haag. Das Datierungsfeld nennt 1657 bis 1659. Ihr Antrieb arbeitet mit einer Feder; der Katalog beschreibt die Kopplung des Pendels an eine Spindelhemmung. Das konkrete Coster-Uhrwerk

Dieses erhaltene Objekt ist nicht das gewichtsgetriebene Gerät der späteren Zeichnung. Beide zeigen aber, dass eine mathematische Idee Bauteile, Lagerungen und handwerkliche Abstimmung braucht. Die Geschichte der Pendeluhr umfasst Entwurf und Werkstattarbeit, nicht allein die Veröffentlichung einer Formel.

Ein größerer Ausschlag verändert die Dauer

Beim idealen einfachen Pendel ergibt sich für kleine Auslenkungen näherungsweise: Die Schwingungsdauer wächst mit der Quadratwurzel der Pendellänge. Bei gleicher örtlicher Fallbeschleunigung führt die vierfache Länge im Modell zur doppelten Dauer. Die Masse des kleinen Pendelkörpers fällt aus dieser einfachen Beziehung heraus. Die Kleinwinkelnäherung

Ein weiter ausgeschlagenes Pendel braucht jedoch etwas länger. Die verbreitete Aussage, jede Schwingung dauere unabhängig vom Ausschlag genau gleich lang, ist daher zu stark. Welche Abweichung stört, hängt von der verlangten Genauigkeit und von der Zahl gezählter Schwingungen ab.

Gebogene Führungsstücke verändern die Bahn

Huygens erläutert 1673 einen Vergleich zweier gleich langer Pendel mit verschiedenen Ausschlägen und beschreibt, wie kleine Gangunterschiede anwachsen. Als Verbesserung behandelt er gebogene Führungsstücke an der Aufhängung. Beim Ausschwingen legt sich der flexible Faden an sie an; die frei schwingende Länge und die Bahn verändern sich. Vergleich und Konstruktion auf S. 9–11

Die passende Kurve ist eine Zykloide. Im idealisierten geometrischen Modell lässt sich mit ihr eine gleiche Dauer auch für unterschiedlich große Schwingungen erreichen. Das bedeutet nicht, dass eine beliebig gebogene Blechkante denselben Zweck erfüllt.

Vom idealen Pendel zum laufenden Uhrwerk

Ein gebautes Pendel besitzt Ausdehnung und eine bestimmte Massenverteilung. Lagerreibung, Luftwiderstand und der Antrieb wirken mit. Für ein physisches Pendel reicht es daher nicht, nur irgendeine sichtbare Fadenlänge in die einfache Formel einzusetzen. Einfaches und physisches Pendel

Auch Huygens nennt im Originaltext veränderte Bedingungen des Räderwerks und ungleich große Ausschläge. Sein weitergehender Anspruch auf einen stets richtigen Gang bleibt eine historische Behauptung. Das Zusammenspiel muss am wirklichen Gerät geprüft werden; eine schöne Konstruktionszeichnung ersetzt diese Prüfung nicht.

Wiederholung wird ein Maßstab

Die besondere Leistung der Pendeluhr liegt darin, eine wiederkehrende Bewegung mit einem selbsttätigen Zähler zu verbinden. Ihre Zuverlässigkeit hängt davon ab, wie gleich die Wiederholungen unter den tatsächlichen Bedingungen bleiben. Ein gleichmäßig wirkendes Ticken ist dafür ein Hinweis, aber noch keine vollständige Messung.

Beim nächsten Exponat wechselt der Maßstab: Auch Planeten kehren auf ihren Bahnen wieder. Ihre Bewegung ist dabei nicht überall gleich schnell. Die Frage lautet nun, welche andere Regel trotz dieses wechselnden Tempos erhalten bleibt.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Die erhaltene Coster-Uhr und die Zeichnung von 1673 sind verschiedene Gegenstände. Die Illustration macht Pendel und Antriebsgewicht unterscheidbar; sie ist keine Funktionszeichnung und bildet die Zykloidenführung nicht ab.

Begriffe verstehen

Schwingungsdauer

Die Zeit für eine vollständige Hin- und Herbewegung; ein einzelner Takt kann nur einem Teil davon entsprechen.

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Hemmung

Ein Mechanismus, der das Räderwerk schrittweise freigibt und mit dem schwingenden Zeitgeber koppelt.

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Isochron

Von gleicher Dauer; beim Pendel muss angegeben werden, für welche Ausschläge und Bedingungen dies gelten soll.

Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Huygens beschreibt die Pendeluhr 1658

    Christiaan Huygens: Horologium 1658, in Oeuvres complètes XVII, herausgegeben von J. A. Vollgraff, Martinus Nijhoff, Den Haag 1932, S. 52–62; lateinischer Text mit französischer Übersetzung.

    Die französische Fassung ist eine spätere Übersetzung. Angaben zu Ende 1656 und Privileg Juni 1657 stammen aus Huygens eigener Darstellung; keine unabhängige Bestätigung seiner Prioritätsansprüche.

    ← Zur Textstelle: Ein Pendel allein zeigt noch keine Uhrzeit
  2. Pendelkopplung und Führungskurven im Druck von 1673

    Christiaan Huygens: Horologium oscillatorium, Paris, F. Muguet 1673, Fig. I–IV auf S. 4 sowie Pars prima S. 5–11. ETH-Bibliothek Zürich, Rar 4649, DOI 10.3931/e-rara-11164.

    Gedruckte Konstruktionszeichnungen, kein fotografiertes Originalgerät. Anspruch auf völlig fehlerfreien Gang nicht als heutige Garantie übernehmen; Theorie der Zykloide und reales Uhrwerk unterscheiden.

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  3. Eine frühe Pendeluhr aus Costers Werkstatt

    Science Museum Group: Early pendulum clock by Salomon Coster, c.1657, Objekt 1980-108; Datierungsfeld 1657–1659, Den Haag.

    Das konkrete Objekt besitzt einen Federantrieb. Nicht mit Huygens gewichtsgetriebener Zeichnung von 1673 gleichsetzen. Die falsche Lebensenddatierung Huygens im Fließtext wird nicht übernommen. Objektfotos nicht als gesehen geführt.

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  4. Die Bedingungen eines einfachen Pendels

    William Moebs, Samuel J. Ling und Jeff Sanny: University Physics Volume 1, 15.4 Pendulums, OpenStax.

    Amplitudenunabhängigkeit des einfachen Pendels gilt näherungsweise bei kleinen Auslenkungen. Keine eigenen historischen Gangmessungen oder Abbildungsübernahme.

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Redaktion: Benjamin Metzig. Erste Arbeitsfassung vom 7. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

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