Zum Museumsinhalt

Exponat 04 · Handsätzerei, Presse und Korrektur

Aus Lettern einen Druckauftrag machen

Aus losen Lettern wird erst durch Satz, Sicherung, Farbauftrag und Druck eine Seite. Ein Exemplar der Gutenberg-Bibel zeigt, wie gedruckte Lagen und anschließende Handarbeit ein Buch gemeinsam entstehen lassen.

3 Minuten Haupttext · Stand: 6. September 2026

Buntstiftskizze einer rechteckigen Form mit erhöhten Metalltypen, tieferen Zwischenstücken und Holzkeilen neben zwei Lederfarbballen und Papier.Bild vergrößern ↗
Freie Zusammenstellung von Satzform, Zwischenstücken, Farbballen und Papier. Die Zeichenflächen liegen über den stützenden Teilen. Keine rekonstruierte Gutenberg-Druckform und kein historischer Originaltext.

Auf einen Blick

Wie arbeiten Satz, Farbauftrag, Druck und Kontrolle zusammen?

  • Eine gesetzte Form muss ihre Teile während des Drucks zusammenhalten.
  • Ein Probeabzug hilft, Satz und Druckbild getrennt zu prüfen.
  • Datierte Bemalung oder Bindung ist nicht automatisch der Drucktag.
Zeitliche Einordnung
Mainzer Bibeldruck um 1454–1455; Handarbeit an A-71 im August 1456
Orte und Regionen
Mainz; spätere Werkstattvergleiche in Antwerpen
Historisch Beteiligte
Johannes Gutenberg und Mitarbeitende; Johann Fust, Peter Schöffer; Heinrich Cremer als Bearbeiter von A-71

Lose Zeichen sind noch keine Seite

Ein Vorrat von Lettern muss zunächst in eine lesbare Ordnung gelangen. Beim Handsatz werden die passenden Teile ausgewählt und zeilenweise zusammengesetzt. Der Winkelhaken hält die gerade entstehende Zeile. Aus Zeilen werden größere Einheiten, die für den weiteren Umgang zusammengehalten werden müssen.

Für den Druck wird der Satz in einem Rahmen festgeschlossen. Zwischenstücke und gleichmäßige Spannung verhindern, dass sich einzelne Teile bei der Arbeit verschieben. Aus vielen beweglichen Gegenständen entsteht eine zusammenhängende Druckform. Folger: Satz und Schließen

Farbe und Druck müssen zusammenpassen

Die Druckflächen werden eingefärbt; das vorbereitete Papier kommt mit ihnen unter Druck in Berührung. Anschließend wird der Abzug gelöst. Die Form bleibt für weitere Abzüge bestehen, solange der Auftrag und ihr Zustand dies erlauben.

Die Plantin-Moretus-Vermittlung beschreibt diese Schritte als gemeinsame Arbeit von Setzern, Druckern und Korrektoren. Die historische Werkstatt, ihre später erhaltenen Pressen und die heutige Vorführpresse sind dabei verschiedene Gegenstände. Das Museum führt auf einem Nachbau vor; dieser ist kein erhaltenes Gerät Gutenbergs. Plantin-Moretus: Druckwerkstatt

Der erste Abzug stellt Fragen an die Form

Ein Probeabzug macht die gesetzte Anordnung auf Papier lesbar. Nun lassen sich Wortfolge und Druckbild prüfen. Ein vertauschtes Zeichen kann auf einen Fehler im Satz hinweisen; eine schwache Stelle kann weitere Kontrolle von Farbauftrag und Kontakt verlangen. Nicht jede sichtbare Abweichung hat dieselbe Ursache.

Unser frei erfundenes Beispiel lautet „Die Form bleibt“. Wenn im Abzug „Die From bleibt“ steht, hilft stärkeres Einfärben nicht weiter. Die Reihenfolge im Satz muss geprüft werden. Die kleine Aufgabe trennt zwei Arbeitsfragen: Welche Zeichen sollen erscheinen, und wie gelangen sie sauber auf das Blatt?

Ein umfangreiches Mainzer Projekt

Die sogenannte Gutenberg-Bibel zeigt, welchen Umfang ein früher europäischer Auftrag mit Metalltypen annehmen konnte. Das Werk besitzt weder eine Titelseite im heutigen Sinn noch eindeutige gedruckte Angaben zu Hersteller und Druckdatum. Die BnF erschließt ihre Geschichte daher aus erhaltenen Exemplaren und weiteren zeitgenössischen Zeugnissen. BnF: Gutenberg-Bibel

Das Papierexemplar A-71 besitzt datierte Vermerke Heinrich Cremers vom August 1456. Sie betreffen Bemalung, Rubrizierung und Bindung. Sie sind deshalb nicht ohne Weiteres als Drucktag zu lesen. Die gedruckten Lagen waren bereits vorhanden, bevor diese weitere Arbeit an dem Exemplar abgeschlossen wurde.

Wiederholbarer Druck und individuelle Handarbeit

Gedruckte Seiten konnten nach dem Pressengang durch Handarbeit ergänzt werden. Damit besitzen verschiedene Exemplare eines Drucks eine gemeinsame typografische Grundlage und können zugleich individuell ausgearbeitet sein. „Gedruckt“ beschreibt einen wesentlichen Herstellungsschritt, nicht zwangsläufig jede sichtbare Einzelheit des fertigen Buches.

Der Blick auf A-71 verbindet die große Produktionsaufgabe mit einem konkreten erhaltenen Gegenstand. Er erlaubt keine genaue Rekonstruktion aller Mitarbeitenden, Arbeitsstunden oder Tagesleistungen. Auch unterschiedliche zeitgenössische Angaben über die Auflage werden nicht durch eine scheinbar präzise Zahl ersetzt.

Wiederholung braucht Kontrolle

Ein Fehler in einer weiterverwendeten Form kann sich über viele Abzüge verbreiten. Die technische Fähigkeit, eine Seite zu vervielfältigen, macht deshalb die Prüfung der Seite besonders folgenreich. Satz, Handwerk und Korrektur tragen gemeinsam dazu bei, was Lesende schließlich vor sich haben.

Grenzen des Wissens

Was offen bleibt

Die späteren Werkstattvorführungen belegen nicht jede Einrichtung Gutenbergs. Auflage, Arbeitstempo und genauer Drucktag werden nicht aus widersprüchlichen oder nur indirekten Angaben zu scheinbar exakten Zahlen gemacht.

Begriffe verstehen

Winkelhaken

Handwerkzeug, in dem beim Handsatz einzelne Lettern zu einer Zeile zusammengestellt werden.

← Zur Textstelle
Druckform

Für den Druck vorbereitete Anordnung der druckenden und stützenden Teile.

← Zur Textstelle
Rubrizierung

Hervorhebung von Textteilen, traditionell mit roter Farbe, etwa bei Überschriften oder Lesehilfen.

← Zur Textstelle

Quellen und Nachweise

Die Quellen sind den Aussagen im Text zugeordnet. Originalstudien, Sammlungstexte und eigene Einordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige Fachtexte sind beim Verlag nur teilweise frei zugänglich.

  1. Die einzelnen Arbeitsschritte der Handpressenzeit

    Folger Shakespeare Library, Atlas of Early Printing: Bookmaking; Vorführungen im Museum Plantin-Moretus.

    Vorführung mit Ausstattung des 17. Jahrhunderts; Ähnlichkeit zur Zeit etwa 1475–1500 ausdrücklich als wahrscheinliche Einordnung. Beschreibt getrennte Aufgaben von Stempel, Matrize, Gusskammer, Winkelhaken, Schließrahmen und Druck. Kein unmittelbarer Nachweis jedes Gutenberg-Arbeitsschritts um 1450.

    ← Zur Textstelle: Lose Zeichen sind noch keine Seite
  2. Satz, Druck und Korrektur als gemeinsame Werkstattarbeit

    Museum Plantin-Moretus: The printing workshop.

    Historische Werkstatt, erhaltene Pressen und heutige Vorführpresse getrennt. Arbeitsteilung, Farbballen, Papier und Korrekturabzug. Die uneinheitlich erläuterten Produktivitätszahlen und Seiten-/Bogenbezüge werden nicht als gesicherte Tagesleistung übernommen.

    ← Zur Textstelle: Farbe und Druck müssen zusammenpassen
  3. Gutenberg-Bibel: Druck, Bemalung und Datierung unterscheiden

    Bibliothèque nationale de France: La Bible de Gutenberg; insbesondere Papierexemplar A-71 und Cremers Vermerke von 1456.

    Vermerke August 1456 betreffen Bemalung, Rubrizierung und Bindung. Piccolomini-Brief März 1455 nennt gesehene Lagen und unterschiedliche gehörte Auflagenangaben. Fertigstellung um 1454–1455 als Einordnung, kein präziser Drucktag und keine sicher gezählte Auflage. Bibel nicht zum ersten beliebigen europäischen Typendruck erklärt.

    ← Zur Textstelle: Ein umfangreiches Mainzer Projekt

Redaktion: Benjamin Metzig. Erste Arbeitsfassung vom 6. September 2026. Generative KI diente als Werkzeug für Text und Bild.

Hinweis oder Korrektur an die Redaktion

Zusammenhänge entdecken

Bildansicht

100 %

Mit + Details vergrößern. Das vergrößerte Bild lässt sich mit dem Finger, der Maus oder den Pfeiltasten verschieben.

Bilddatei in voller Größe öffnen ↗